Polittechnologien am Werk

https://www.youtube.com/embed/ekBFQwrG1FI

Anmerkung zum Verständnis: in diesem Video wird dokumentiert, wie gewisse Menschenmengen aus Betrieben, Hochschulen usw., teilweise aus anderen Städten, jeweils gegen die Zahlung einer kleinen Summe (die Rede ist von 400-700 Rubeln) zu einer Pro-Putin-Kundgebung in Moskau geschafft werden. Dabei wissen die wenigsten von ihnen, was überhaupt vor sich geht und zu welchem Ereignis man sie da schafft. Offensichtlich geht es fast allen nur um das Geld bzw. werden sie durch einen gewissen Herdentrieb und soziale Druckmittel zu dieser Aktion verleitet.

Selbstverständlich handelt es sich dabei um eine einzig für die Medien und die Stimmung inszenierte Aktion. Der in vielen Kommentaren zu diesem Video zum Ausdruck gebrachte, vielleicht naheliegende Schluß, es handele sich komplett um dummes und geldgieriges Volk, das für eine Handvoll Rubel jede beliebige politische Meinung zur Schau stellt, trifft aber nicht den Kern der Sache. Diese Dokumentation beweist etwas völlig anderes.

Nämlich in erster Linie, dass die Russen kein Revoluzzervolk und solche, einer “demokratischen Romantik” entsprechenden Aktionen wie Massenkundgebungen und Proteste nicht in seiner Natur liegen. Man erinnere sich an die Moskauer Demos im Dezember 2011: trotz einer Kälte von minus 20 Grad Celsius sah man Zehntausende auf der Straße, und zwar sowohl die sogenannte “Opposition”, als auch Unterstützer der Regierung. Was in den Medien dabei nicht durchdrang: diese Massenaufläufe dauerten schon allein der Kälte wegen selten mehr als 2 Stunden. Die “Anti-Orange”-Demo am 04. Februar – wahrscheinlich die einzige Aktion, die tatsächlich nicht das Resultat irgendwelcher gut durchfinanzierten Interessen gewesen ist, in den westlichen Medien aber selbstredend als “Pro-Putin-Demo” verkauft wurde, versammelte rund 138.000 Menschen und dauerte grob geschätzt 90-120 Minuten.

Das von “BG” aufgenommene Material zeigt also Polittechnologien am Werk, die man sich bei den “Orangen” abgeguckt hat. Es steht außer Frage, dass die Demos der sogenannten “Opposition” in ganz und gar gleicher Weise zustandekommen. Für den Umsturz 2004 in der Ukraine ist das gut dokumentiert. Dort waren es die “Orangen”, die Menschenmassen aus allen Landesteilen auf den Kiewer Maidan schafften und die Leute dann – allerdings in Dollar – dafür entlohnten. Alles vom Stil, der Symbolik, der Medienwirksamkeit der momentan in Moskau und St. Petersburg stattfindenden Aktionen der nicht näher definierbaren “Opposition” deutet darauf hin, dass hier die gleichen Technologien am Werk sind, die sich durchaus an bekannten Leitfäden orientieren.

Keine Revolution der Geschichte – besonders keine in Russland, aber auch nicht anderswo, etwa im sogenannten “arabischen Frühling” – ist jemals von der Mehrheit eines Volks bewerkstelligt worden. Es kommt immer darauf an, dass man versteht, diese Mehrheit zu steuern und für sich zu beanspruchen. Am Ruder von Revolutionen ist immer – und das ist ein Axiom – eine elitäre, gut ausgebildete, versierte Minderheit, die mithilfe von solchen und anderen Technologien an Umstürzen zu ihren jeweiligen Gunsten arbeitet.

Es bleibt dabei: kein Russe stellt sich bei Minusgraden auf die Strasse und hört sich irgendwelchen Stuss an. Das jetzige Wochenende, durch einen Brückentag zwischen dem 8. März (offizieller Feiertag) und dem Samstag nach vorn verlängert, sollte eine gigantische Demonstration der “Opposition” sehen, die als Protest gegen den angeblich gefälschten Wahlsieg Putins bei den Präsidentschaftswahlen gedacht war. Diese Demo war für 50.000 Menschen ausgelegt und genehmigt, zu deren Höhepunkt meldeten die Organisatoren allerdings nur 25.000, die Behörden und verschiedene Medien gar nur 10.000 Teilnehmer. Es ist von vornherein eine unsinnige Idee gewesen, die Russen an einem verlängerten Wochenende auf einem naßkalten Moskauer Straßenpflaster zu erwarten.

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