Was kostest du, Angelina?

Es gibt eine Weisheit, die eigentlich in allen Kulturen und Völkern verstanden wird; dem Sinn nach geht es in ihr darum, dass der Charakter eines Menschen in Krisenzeiten und Bedrängnis in seiner Fülle zutage tritt. Ziemlich viele Menschen haben in solchen Situationen ihren nicht nur hartherzigen, sondern gar blutgierigen und kalt berechnenden Kern offenbart. Eine davon, so scheint es, ist die allseits bekannte Schauspielerin Angelina Jolie, ihres Zeichens UN-Botschafterin in den Krisengebieten dieser Welt. Sie besitzt schon längere Zeit das Image einer geradlinigen, ehrlichen, verantwortungsvollen Frau; bekannt wurde sie in dieser Rolle in erster Linie durch die Adoption von Kindern aus verschiedenen Krisenregionen. Dieses Image ließ sie in den Aufständen des „arabischen Frühling“ nun auch schon auf verhängnisvolle Art spielen.

Angelina Jolie am 13. Oktober 2011 in Misurata. Zum selben Zeitpunkt läuft die mörderische Belagerung von Bani Walid und Sirte durch die Misurata-Brigaden, die gleichzeitig die schwarze Bevölkerung Libyens massakrieren (u.a. in Tawergha).
In Libyen hat sie seinerzeit die bewaffneten Misurata-Brigaden unterstützt, genau die Brigaden, die durch ihre bis zum heutigen Tage ungehindert verübten Diskriminierungen, ethnischen Säuberungen und die Massenmorde an der schwarzen Bevölkerung Libyens bekannt sind. Ja, sie sind im an die nominelle Macht gebombten libyschen „Übergangsrat“ organisiert. Selbst die ganzen verlogenen internationalen Organisationen, welche für die Vernichtung der libyschen Jamahiriya eintraten, mußten zugeben, dass in Libyen nunmehr von den neuen Machthabern verübte, nach rassistischen Kriterien determinierte Verbrechen an der Menschlichkeit an der Tagesordnung sind. Richtig, das tun genau jene, welche von der NATO mit Bomben und Raketen „beschützt“ worden sind und die nach einem Blutzoll von zwischen 40.000 und 160.000 Toten in Libyen (je nach Quelle) nun gebietsweise das Sagen haben. Zur Erinnerung: nach dem Fall Tripolis‘ und während der Belagerung von Bani Walid und Sirte, nämlich am 13. Oktober 2011 kam die UN-Botschafterin Angelina Jolie nach Misurata, um den bewaffneten Brigaden ihre Unterstützung auszudrücken. Noch vorher, im April 2011, besuchte sie ein Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Libyen und Tunesien, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Flüchtlingssituation zu lenken. Manche haben nun eine gewisse Gesetzmäßigkeit in diesen Auftritten der Hollywoodgröße festgestellt:

„Die USA bombardieren Kambodscha, und danach kommt Angelina in dieses Land und adoptiert einen kambodschanischen Jungen. Später zerbombten die Amerikaner Afghanistan und den Irak. Jolie war in beiden Ländern, bereits in ihrer Rolle als UN-Botschafterin. Nun zerbombten die Amerikaner Libyen, und da ist sie, die Jolie. Das wird schon zu einem gewissen Zeichen. Wenn also Angelina Jolie mit irgendeiner humanitären Wohlfartsaktion in eurem Land angekündigt ist, dann bedeutet das, dass die Amerikaner zumindest schon mit Marschflugköpern angreifen. Man kann sich nur wundern, aber sie hat tatsächlich etwas von einem verspäteten apokalyptischen Reiter.“

Angelina Jolie sieht nicht nach einer tumben und hirnlosen Puppe aus, es kann nicht sein, dass sie keine Ahnung davon hat, wen sie da unterstützt oder mit welchem Ziel sie das tut. Vor ein paar Wochen präsentierte sie ihren eigenen Film über den Bosnienkrieg, dessen propagandistischen und durch und durch falschen Tenor man selbst in Deutschland mitbekommen hat, welches ja bekanntlich ein Land ist, das nach wie vor auf Serben schießt, nur, dass es, im Unterschied zu der Zeit von vor 70 Jahren, heute „Friedensmission“ genannt wird. Worauf hat sie denn spekuliert, wenn sie die Serben als Monster porträtiert, während die bosnischen Moslems geradezu Engel ohne Flügelchen sein sollen? Man kann sich vorstellen, dass gar nicht die Europäer, sondern die Moslems im Nahen Osten die eigentliche Zielgruppe sind. Es kann natürlich verschiedene Gründe haben, aber die Linie ist klar, und dieser Linie bleibt sie treu: Was Syrien angeht, so Jolie, sei es an der Zeit, dort endlich zu „intervenieren“ und wiederholt damit fast wörtlich die Äußerungen des grotesken US-amerikanischen Senators John McCain.
Gleiches gilt für ihre Unterstützung des „Invisible Child“-PsyOps, des momentan sehr populären Kurzfilms „Kony 2012“, der verstand- und hirnlos über die sozialen Medien verbreitet wird und Rekordzahlen an Betrachtern in der Kürze der Zeit zu verbuchen hat. (Anmerkung: 3sat hatte heute zu diesem Thema einen recht ausgewogenen Beitrag.) Wahrlich, Uganda und der Kongo kommen auch irgendwann dran – wahrscheinlich nebenbei. AFRICOM hat bereits seit 2008 Soldaten in Uganda. Friedenstreiber. Der legendäre Max Keiser hat dies mit einer goldenen Regel kommentiert: „When there’s oil in the air, the white man is there“. Und wo wir bei Afrika sind – in Nigeria, das seit kurzem durch Massenmorde an Christen und Brandschatzungen von christlichen Kirchen auffällt – cui bono? -, ist gleichzeitig das an Ölvorkommen reichste Land Afrikas. Das klingt nach idealen Voraussetzungen für eine Intervention, denn ansonsten bekommen es die Chinesen auf friedlichen Wege. Wie vorteilhaft, dass es da gerade irgendwie instabil wird.
Man kann nur hoffen, dass Frau Jolie in den Ländern, die sie zu bereisen gedenkt, zumindest mit Wurfgeschossen aus faulen Eiern begrüßt wird. Das wäre das mindeste, was man ihr an Ehrungen erweisen könnte, zieht man in Betracht, dass die Unterstützung des Genozids an der schwarzen Bevölkerung Libyens, der NATO in ihrem Bombenwahn im gleichen Land und nun derselben NATO/USA/EU-Koalition vor einem Überfall auf Syrien auf ihre Kappe geht. Vor einigen Tagen (konkret nach der Säuberung von Homs) haben viele Quellen gemutmaßt, dass es möglicherweise bald eine False-Flag-Aktion geben könnte, welche den Syrern in die Schuhe geschoben wird. Eventuell ist der heute bekannt gewordene Massenmord an Zivilisten, darunter vielen Kindern, in Homs, bereits eine solche Aktion. Eine schreckliche Aktion, aber plump, denn das passiert unmittelbar vor der morgigen Sitzung des Sicherheitsrats, die den nächsten Anlauf in dem Versuch darstellt, einen Angriff auf Syrien völkerrechtlich zu legitimieren. Wir dürfen gespannt sein, wen Angelina als nächstes adoptiert.

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