EU marschiert

Hierzulande ist man gezwungen, seine Nazisympathien auf solche Spielereien wie „Call of Duty“ zu beschränken, während die Sparmaßnahmen der Bundesregierung dazu führen, dass die V-Leute aus der NPD abgezogen werden, damit diese Partei endlich verboten werden kann. Schätzungsweise wird die NPD nach Abzug der V-Leute von allein in sich zusammenbrechen, es stellt sich nur die Frage: wer wird der neue Buhmann der NationBevölkerung? Die „Al Kaida für Arme“, die sogenannte NSU, wird als Feindbild und Bildner der öffentlichen Meinung wahrscheinlich nicht mehr lange herhalten können, es sei denn, es geschehen noch ein paar Undinge, die man unter diesem Label platziert.
Erfrischend anders ist die Lage im EU-Mitglied Lettland, das sich seit geraumer Zeit mit Identitätsfindung beschäftigt. Die ältere Geschichte dieses Landes gibt nicht allzu viel Eigenständiges her: Deutscher Orden, Polen-Litauen, Schweden, Russland. 1918 – zu Beginn auf den Segen Lenins – bis 1940 war Lettland unabhängig, wonach es ein knappes Jahr als Sowjetrepublik existierte, bevor es im Juni 1941 vollständig von der Wehrmacht besetzt wurde.
Nach der offiziellen lettischen Lesart beginnt hier die Zeit der Glorie des Landes. Am 11. März dieses Jahres fand in den Schulen landesweit der sogenannte „Patriotismus-Unterricht“ statt. Das Datum ist kein Zufall: es wurde im Zuge der anstehenden Feierlichkeiten des Gedenktags der Lettischen SS-Freiwilligenlegion gewählt, welcher am 16. März begangen wird.

Das deutsche Oberkommando nahm die lettischen Freiwilligen 1943 in die Reihen der SS auf, nachdem Stalingrad verloren war. Das war die Geburtsstunde der lettischen SS-Freiwilligenlegion; sie bestand aus der 15. und 19. Waffengrenadier-Division der SS. Das Korps sollte wenigstens teilweise den „Personalmangel“ bei der Heeresgruppe Nord kompensieren. 

Die Divisionen waren u.a. an Vergeltungsaktionen gegen sowjetische Partisanen bei Pskow beteiligt. 1944 wehrten sie lange Zeit Vorstöße der Roten Armee unter Leningrad ab. Der 16. März markiert den Zeitpunkt der ersten Kampfhandlungen zwischen der lettischen SS-Division und der Roten Armee und ist heute in Lettland ein (inoffizieller) Feiertag. Dem Charakter nach war die Legion also durchaus nicht Verteidiger ihres Vaterlandes. 

Die 15. Waffengrenadier-Division der SS wurde im April 1945 zerschlagen, die 19. Division kapitulierte im Mai im Kurland-Kessel.

Im „Patriotismus-Unterricht“ wurde den Schülern vermittelt, wie die lettischen Legionäre zusammen mit der deutschen Waffen-SS brüderlich für Freiheit und Demokratie gekämpft haben. In vielen Schulen lief dieser Unterricht anschaulich mit einer Menge an gut gepflegten und sorgfältig bewahrten Exponaten ab: Waffen, Uniformen, persönlichen Gegenständen der Legionäre. Kurzum, die Schaffung eines Heldenmythos im Sinne einer nationalen Identität. Und noch einmal zur Erinnerung: Lettland ist seit 2004 EU-Mitglied.
Und hier die Rosine dieser Nachricht, Fotos vom „Patriotismus-Unterricht“ am 11. März 2011. Wessen Herz schlägt da nicht höher, oder tiefer, oder linker oder rechter? (Alle Fotos: Subchankulow / ITAR-TASS)
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  • Anonymous

    Das hätte meinem Nazi-Großvater gefallen,
    Patriotismus-Unterricht an Schulen mit 1A
    Nazianschauungsmaterial.
    Zum Text: “ … wie die lettischen Legionäre zusammen mit der deutschen Waffen-SS brüderlich für Freiheit und Demokratie gekämpft haben.“
    Tscha wer hätte gedacht das Demokratie mal ein
    Schimpfwort wird & im Namen der Demokratie
    verabscheuungswürdige Verbrechen begangen
    werden, wenn zB. Angelsäxische Demokraten Durst
    nach Rohstoffen haben.