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Zwischen Döner und Kalaschnikow

Ich glaube, ich habe sie endlich gefunden, diese durch alle Nachrichtenmeldungen über Syrien geisternden „Aktivisten“, welche jeden Tag ungefähr 12*x „zivile Opfer“ auf Seiten der vermeintlichen syrischen Opposition vermelden! Im Wesentlichen sind das zwei Personen. Nein, nicht Tim und Struppi, aber so ähnlich: Rami Abdul-Rahman und sein Sekretär, der ihm gleichzeitig als Dolmetscher und Übersetzer dient. Zusammen sind sie… das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte! Es ist schwierig, diese Institution in den Meldungen zu recherchieren, da sie unter verschiedenen Kürzeln firmiert: mal OSDH (Observatoire syrien des droits de l’Homme) oder auch SOHR (Syrian Observatory for Human Rights). Der staatstragende „Spiegel“ nennt sie mitunter „Syrisches Observatorium für Menschenrechte“. Dieser astronomische Terminus ist berechtigt: die Organisation hat ihren Sitz in London.

Der arbeitsame Rami Abdul-Rahman, ein syrischer Menschenrechtler, seit Ewigkeiten in London beheimatet, hat unlängst die neusten Zahlen zu den Opfern seit Beginn der Unruhen in Syrien veröffentlicht. Nach seinen Zählungen sind in deren Verlauf bisher insgesamt 6.600 friedliche Zivilisten und 2.500 Militärs umgekommen; die letztere Zahl ist inklusive einer Größe von 470 Deserteuren, die ihre Waffen unter das Banner der einen oder anderen Oppositionsgruppe gestellt und gegen die Regierung gekämpft haben sollen.

Natürlich hat die UNO diese Zahlen sofort übernommen, und nun wird man alsbald von jeder offiziellen Seite die Zahl 9.100 hören, wenn es um die Opfer in Syrien geht. (Anm.: Es ist noch nicht ganz eindeutig, es gibt jüngere Meldungen, in denen wiederum von „mehr als 8.000“ die Rede ist.)

Momentan haben, wie es scheint, einzig die Russen einen gewissen Argwohn über diese Quelle geäußert. Das Problem ist tatsächlich die „Struktur“ der Organisation, die nur aus zwei Personen mit zweifelhafter Kompetenz besteht. Was die zweite Person – der Übersetzer/Dolmetscher – genau tut, ist nicht ganz klar: Abdul-Rahman, ein Londoner Syrer, der nebenbei eine Art Dönerbude betreibt (was denn, auch ein Menschenrechtler muss sich im kapitalistischen Paradies auf profane Weise durchbeißen!), oder, sagen wir’s anders herum: Abdul-Rahman müsste eigentlich sowohl Englisch als auch Arabisch können. Wozu deshalb der Sprachmittler im Stab dienen soll, ist nicht ganz klar. Es sei denn, es war eine Planstelle, die man irgendwie besetzen und benennen musste.

Auf welche Weise also diese, um das Wort doch zu gebrauchen, „Organisation“ es bewerkstelligt, ein Monitoring der Situation in Syrien in einer Art täglichem Live-Ticker zu realisieren, also zum Beispiel die vom blutgierigen Regime getöteten Zivilisten sauber von denen zu trennen, die durch Kriminalität, Verkehrsunfälle, Altersschwäche und Krankheit gestorben sind (Menschen sterben ja mitunter auch einfach so) – keine Ahnung. Mit anderen Worten, die Methodik der Aufrechnung von Opfern ist vollkommen unklar. Außerdem dürfte der Job als Imbißbudenbesitzer ja auch seine Zeit fordern – die Leute wollen essen, und wenn man ihnen nichts zu essen gäbe, stattdessen mit dem Handy am Ohr irgendwelche arabischen Namen auf den Papierservietten notierte, dann ginge dieses Business sicher bald zugrunde.

Rami Abdul-Rahman telefoniert nach Hause. Im Hintergrund Al-Jazeera.

Solch ein Arbeitstier ist das also, auf der einen Seite – Schneidbrett und Theke, auf der anderen – ein international anerkannter Experte in traurigen Statistiken. Nähme sich die UNO dieses „Observatorium“ als Beispiel für die Menschenrechtsorganisationen dieser Welt, könnte sie einen Haufen Kohle sparen.


Sicher, all das wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Faktisch beziehen sich nämlich die großen internationalen Organisationen und eine Unmenge an staatlichen und sonstigen Medien auf die blödsinnigen Phantastereien dieses Zeitgenossen, als seien sie Offenbarungen des Herrn.

Man möchte angesichts dieses Hintergrunds nicht einmal mehr die Frage stellen, wie es denn sein kann, dass 470 Deserteure mehr als zweitausend ehemalige Soldatenkameraden liquidieren konnten, wenn die übrigen 6.600 Opfer tatsächlich alles friedliche Zivilisten gewesen sind. Waren diese Zivilisten vielleicht doch etwas zu friedlich, wenn man sieht, dass im Schnitt 3 von ihnen einen bis an die Zähne bewaffneten, blutrünstigen Regimesoldaten über den Jordan befördert haben? Das Verhältnis zwischen den umgekommenen Zivilisten und Militärs versetzt einen doch, selbst wenn die Zahlen des durchgeknallten Rami den Tatsachen entsprechen, irgendwie in Erstaunen.

Ich würde nämlich hingegen schätzen, dass wenn 30 Unbewaffnete es versuchten, einem mit einer AK-47 bewaffneten Mann entgegenzutreten, so würde das Verhältnis der Verluste ungefähr 30:0 betragen (bei Breivik war es, glaube ich, 77:0). Die 3:1 aus Abdul-Rahmans Zahlen ist für unbewaffnete Demonstranten also wirklich sehr optimistisch.

Es ist kein Zufall, dass es London war, wo Jack the Ripper sein Unwesen trieb. Und auch Mr. Jeckyll & Dr. Hyde scheinen anzudeuten, dass es in den Nebeln von London etwas geben muss, dass dem Hirn schadet.

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