Syriens Freunde häufen sich

Oberst Riad al-Asaad
Oberst Riad al-Asaad, der Kommandeur der „Freien Syrischen Armee“ (FSA), gab gestern die Bildung eines Militärrats der Opposition bekannt, welcher fürderhin die Operationen der FSA sowie die der Brigaden des desertierten Brigadegenerals Mustafa Ahmad Al-Sheikh koordinieren soll.
General al-Sheikh ist genau jener General der militärischen Aufklärung, der vorgeblich durch das Unwesen der „niederen Armeekader“ unter der Zivilbevölkerung empört war und deshalb mit ungefähr 20 untergebenen Gewehrputzern in die Türkei geflohen ist. Tatsächlich gibt es gar keine anderen „Brigaden“ mehr unter dem Kommando des braven Generals. Schon aus diesem Grunde ist eigentlich eine Vereinigung der FSA mit den knapp zwei Dutzend Lakaien des Generals unlogisch, und Oberst Riad al-Asaad hatte von Anfang an keine Ambitionen, mit einem „Helden“ zusammenzuarbeiten.
Trotzdem gab es vor einer Weile auf Drängen Frankreichs die lauthalse Ankündigung der Bildung eines Militärrats durch den „Syrischen Nationalrat“ (SNC). Als dessen Chef wurde General al-Sheikh installiert. Seit dem (Anfang Februar) war es ruhig darum – bis gestern.
Brigadegeneral Mustafa Ahmad al-Sheikh
Aller Wahrscheinlichkeit nach hat man Riad al-Asaad einfach in die Ecke gedrängt und verlangt, diese Bastardorganisation anzuerkennen, damit der Anschein einer Einigkeit unter der „syrischen Opposition“ entsteht. Außerdem klingt natürlich „Brigadegeneral“ irgendwie solider als „Oberst“. Al-Sheikh hat auch schönere Schulterstücken und ein glatteres Gesicht, ist insofern als schon besungener Held und „ranghöchster übergelaufener Militär“ eine passende Gallionsfigur, welche von den Sponsoren nun medienwirksam damit betraut wird, den militärischen Arm des SNC zu verkörpern. Libysches Szenario also, das hat ja niemand bezweifelt. Allerdings entgeht dem Medienpublikum, dass es in jedem beliebigen arabischen Land Aufklärungsdienste gibt wie Flöhe auf einem Hund, ganz zu schweigen von „Generälen“.
Alles andere bleibt, wie es war. Al-Asaad bleibt dabei, kein Bedürfnis an einer Kooperation mit dem SNC zu verspüren oder irgendetwas mit diesem zu koordinieren. Für ihn stellt auch der brave General keinen sinnvollen Partner dar.
Aber die Sponsoren der Unruhen brauchen vor dem auf den 2. April anberaumten Treffen der sogenannten „Freunde Syriens“ unbedingt ein paar positive Nachrichten, mit denen es nach der Niederlage in Homs recht schlecht bestellt ist. Man kann sich auf dieser Konferenz ja wohl schwerlich nur mit den Terroranschlägen in Damaskus und Aleppo brüsten. Der Eifer der „Freunde“ wird auch durch die Kurden gebremst, die heute ankündigen, dass im Falle einer Intervention in Syrien unter Beteiligung der Türkei „ganz Kurdistan zum Kriegsgebiet erklärt“ wird. Die Kurden hatten nie besonders gute Beziehungen zur syrischen Regierung, allerdings gibt es eine kurdische Quasiautonomie im Nordosten Syriens. Die PKK ist dort regulär mit bewaffneten Milizen vertreten und kontrolliert das Gebiet gemeinsam mit der syrischen Polizei. Die FSA hat es bislang noch nicht gewagt, in diesem Gebiet aktiv zu werden. Eine von der Türkei mitgetragene „Pufferzone“ könnte dies mithilfe der einhergehenden militärischen Durchsetzungsmittel sehr schnell ändern.
Von daher ist die Bildung dieses „vereinigten“ Militärrats nichts als ein Schauspiel, das im Angesichts der nächsten Konferenz der „Freunde Syriens“ den Anschein der Einheit zwischen den verschiedenen Fraktionen der „Opposition“ herstellen soll. Irgendetwas muss es ja dort zu „begrüßen“ und zu „verabschieden“ geben.

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