Backsteine

Am 28. und 29. März läuft in Neu Delhi der Gipfel der BRICS-Staaten – also der 5 führenden unter den „Schwellenländern“. Eines der außenpolitischen Ziele dieser Konferenz soll ein gemeinsamer Standpunkt zum iranischen Atomprogramm bzw. zum Iran im Allgemeinen und zu Syrien werden. Letzteres wurde heute in ein paar allgemeinen Phrasen kommentiert; dieser Kommentar spiegelt eigentlich nichts weiter als den momentanen UN-Konsens wieder, welchen man durchaus als Erfolg der BRICS (nimmt man insbesondere Russland und China als „Blockierer“ von unausgewogenen UN-Resolutionen zu Syrien) und der syrischen Regierung im Speziellen werten kann.
Medwedew unter Freunden
Interessant ist, dass sich in Kürze, am 02. April, in Stambul die zweite Konferenz der sogenannten „Freunde Syriens“ versammeln wird. Unter diesen „Freunden“ wird es vermutlich niemanden von den BRICS geben. Vermutlich. Beziehungsweise, mal sehen.
Faktisch kann man diesen Prozess als einen weiteren kleinen Schritt in der Polarisierung der Welt in zwei Gruppierungen interpretieren. Die Formierung der Koalitionen (oder Gruppierungen, wenn man so will) findet vor unser aller Augen statt. Einerseits sind das die entwickelten Länder der „westlichen Zivilisation“, andererseits die Schwellenländer, welche gern dem Club der „entwickelten“ beitreten würden – wenn es sein muss, auch ohne den Segen des Westens. Der kategorische Unwille der E3-Staaten und der USA, solche Neulinge auf der Ebene der Geopolitik zuzulassen, ist der Grund für den Aufbau von Spannungen an den Grenzpunkten dieser sich abzeichnenden Blöcke. Die Agenda des Westens ist es, diese Schwellenländer entweder einfach jeglicher Perspektiven weiterer Entwicklungen zu berauben, in dem zum Beispiel „farbige Revolutionen“ provoziert und kollaborierende Regimes installiert werden, oder aber das Industriepotential dieser Konkurrenten Schritt für Schritt auszuschalten – durch Sanktionen, Schaffung von Krisensituationen, direkte militärische Aktionen – letztlich egal, wie.
Syrien ist dabei in vielerlei Hinsicht in etwa dasselbe, was Spanien im Vorfeld des 2. Weltkriegs war. Also ein Schauplatz, anhand dessen sich die Koalitionen für künftige Konflikte formieren. In gewisser Weise ist der Erfolg durch die Annahme des Annan-Plans zu Syrien bereits jetzt eine kalte Dusche für die „Freunde Syriens“ und so gar nicht nach dem Gusto der Sponsoren der Unruhen dort. Zur Erinnerung – die Agenda dieser „Freunde“ ist in erster Linie ein Regime Change, wie es im US State Department auch direkt ausgesprochen wird.
Unter diesen Voraussetzungen ist es sogar denkbar, dass die BRICS in ihrer Strategie – so es eine solche gibt – einen Schritt weitergehen und z.B. Russland und/oder China doch an der Konferenz der „Freunde Syriens“ in Stambul teilnehmen – schon allein deshalb, um dem Westen ein paar Steine in den Weg zu werfen und die Konsolidierung seiner Koalition zu behindern.
UPDATE 
Da ist es, das Resultat der außenpolitischen Agenda vom BRICS-Gipfel: „BRICS-Länder für Dialog bei Syrien-Regelung und im Atomstreit mit Iran“. Interessant ist der Standpunkt zu Afghanistan, der, einfach ausgedrückt, darauf hinausläuft, dass die USA & deren Partner doch schön weiter an diesem aussichtslosen Schauplatz engagiert bleiben sollen. Die Russen haben zweifellos Erfahrung damit. Ansonsten sind die bislang publizierten Resultate des Gipfels durchaus im Einklang mit der sich vollziehenden Blockbildung. „Enge Kooperation nicht nur in Wirtschaftsfragen“, nicht wahr…

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