Katerfrühstück, Teil 1

Um es vorwegzustellen: die Rede hier wird nicht von irgendwelchen geheimen Insiderinformationen sein, die allen die Augen öffnen. Alles ist recht gut bekannt, alles offen zugänglich. Insgesamt ist all das, was um Syrien, den Iran und im gesamten Nahen Osten passiert, relativ verständlich und transparent. Erst wenn man allerdings die vielen Einzelheiten zusammenfügt, kann man die Hauptrichtung der Entwicklungen erkennen.

Der Einfachheit halber ist es hilfreich, sich erst einmal einige Ebenen der Handlung wieder vor Augen zu führen. Manches davon liegt Jahre zurück.1. Die große Verarschung (hierunter)
2. CH4 für Millionen
3. Katar als Filiale transnationaler Konzerne
4. Gaskrieg
5. Ausblick

1. Die große Verarschung

Mindestens seit 2009 bekommt Russland von Katar und von katarischen Firmen und deren Dependenzen in Europa Angebote gigantischer Investitionen in die russische Wirtschaft, vornehmlich in die Förderung von Rohstoffen wie Gas, Öl und Edelmetallen, aber auch in größere Infrastrukturprojekte und die Immobilienwirtschaft. Es ist nicht uninteressant, einige der jüngeren dieser Sachen einmal zu verfolgen:

Im Frühjahr und Sommer 2010 wurden dem Katar in Russland höchst vielversprechende Beteiligungen an Investmentprojekten im Bereich Immobilien und Goldförderung angeboten. Fast ein Jahr lang signalisierte der Katar hin und wieder bemühtes Interesse, danach hat die russische Seite das Ansinnen aufgrund seiner Perspektivlosigkeit aufgegeben.

Am 15. Februar 2011 sollten 10% der Aktien der russischen Staats- und Großbank VTB auf Weisung von Präsident Medwedew an den Katar verkauft werden (der russische Staat hält bis dato drei Viertel der Anteile). Die Gründe dafür waren politischer Natur, will heißen: ein beidseitig signalisierter Wille zur Kooperation. Zu diesem Behufe sollte der Katar die Aktien insgesamt gar zu einem um eine halbe Milliarde Dollar günstigeren Preis bekommen. Das Geschäft wurde abgeblasen.

Im Juli 2011 hat die VTB-Capital, eine strategische Einheit der erwähnten VTB, Katar auf dessen Signale hin den Kauf von zwei russischen Gasvorkommen angeboten. Lukrativ, zu einem Sonderpreis. Die Sache hängt seitdem in der Luft, die Hoffnung auf ein Geschäft wird aus einem Mangel an Reaktion seitens des Katar sicher bald aufgegeben.

Im November 2011 kamen Meldungen darüber, dass Katar an Anteilen am russischen Förder- und Transportprojekt Yamal-LNG für verflüssigtes Erdgas interessiert sei. Im Austausch für diese Anteile bot Katar unter anderem an, seinen Gasexport nach Europa nicht weiter zu steigern. Resultat: nichts.

Erst mal sieht das nach normalen Wirtschaftsbeziehungen aus. Hie und da investiert, da und dort die Finger drin, Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen. Wenn nicht eines wäre: das Volumen der Handelsbeziehungen zwischen Katar und Russland bleibt konstant bei nahe Null. Im Jahre 2010 betrug es 50 Millionen Dollar, davon sind rund 98% russische Exporte. Katarische Investitionen in Russland gibt es bis dato Null.

“Gas-OPEC” FECG

Alles in allem – aus irgendeinem Grunde hält Katar Russland seit geraumer Zeit immer irgendwo kurz angebunden, ist heute hier, morgen da interessiert – natürlich alles große Investmentprojekte – lässt aber alle Deals über kurz oder lang platzen. Es gibt gar nicht so viele Seiten, die an größeren Investitionen in Russland interessiert sind oder das Potenzial dazu hätten; dabei gebärdet sich der Katar wie ein reicher Onkel, der seine Dollarbündel ab und an der russischen Nomenklatura unter die Nase hält, aber offensichtlich nicht wirklich irgendwo investieren will. Die Frage ist nun: was soll das? Was ist der Sinn dieser Aktionen?Selbst das einzige Projekt, an dem beide Länder maßgebend beteiligt sind – die „Gas-OPEC“ GECF, ist und bleibt, bei allem Pomp und angedachter Größe, ein recht zweifelhafter Laden, weil es einfach keinen Konsens und kein Instrument zur Preisregulierung gibt. Es ist bekannt, dass das HQ des GECF, sich in Doha befindet und dessen Chef ein Russe ist. Putin wollte das HQ 2008 nach Moskau holen, aber Katar behielt es bei sich. Nun gut.

Fortsetzung

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