Katerfrühstück, Teil 2

2. CH4 für Millionen

„Mozah“, Tanker der Q-Max-Klasse

Bemerkenswert bei alledem ist, dass der Katar durchaus nicht knausrig ist, wenn es nur nicht ausgerechnet um Russland geht. Im Gegenteil. Der Katar ist freigebig. Das Land investiert unglaubliche Summen – zum Beispiel in den Bau eines gigantischen Seehafens an seiner Küste. Gesamtes Investitionsvolumen ungefähr 7 Milliarden Dollar, und das zusätzlich zu den bereits bestehenden Installationen. Der Katar baut Flüssigerdgas-Terminals in England, an der deutsch-polnischen Grenze, in Südeuropa. Eine Monorail, Staudämme, Satellitenstädte – alles das im Eiltempo, in drei Schichten, es scheint, ohne Rücksicht auf die Kosten und den Aufwand. Reichen die eigenen Mittel nicht, werden Kredite aufgenommen. Gibt es keine langfristigen, so nimmt man eben kurzfristige.

Es werden Unsummen in den Bau von Flüssiggasfrachtern investiert. Dafür braucht es einen kleinen Exkurs:

Solcher Monster baut der Katar insgesamt 25 Stück. Bisher gibt es schon 14 davon. Nur über die Q-Max-Klasse wird das Volumen des Gasexports aus dem Katar also 25 Tanker x 15 Fahrten pro Jahr x 150 Millionen Kubikmeter, folglich 56.250.000.000 Kubikmeter betragen. Ein Drittel dessen, was Russland pro Jahr nach Europa liefert.Die Tanker der Klasse Q-Max (Q steht dabei für Katar), deren erster übrigens auf den Namen Mozah getauft wurde (so heißt die zweite und bevorzugte Frau des Emirs von Katar; wer weiß, was sie mit einem fetten Supertanker gemein hat), haben eine Kapazität von 266.000 Kubikmetern Flüssiggas – im nichtverflüssigten Erdgasäquivalent sind das zirka 150 Millionen Kubikmeter Gas – pro Fahrt.

Fragt man sich also, woher seine Exzellenz die Sicherheit hat, dass er Abnehmer für solche Mengen finden wird? Wo befinden sich denn diese Abnehmer? Und wenn der traditionelle Abnehmer für Gas aus Katar – Südostasien – bei allem Respekt für die aufstrebende Region wohl kaum Abnehmer dieser zusätzlichen Kapazitäten sein kann, dann möchte man doch wissen, wohin der Emir diese zusätzlichen mehr als 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr liefern will.

Terminal South Hook, England

Die Araber im Allgemeinen und deren Scheiche im Speziellen sind natürlich Phantasten. Davon zeugen allein die künstlichen Märcheninseln in Dubai beredt. Aber der Emir baut keine Hotels und auch nicht die größten Supermärkte der Welt in der Wüste – er schafft Infrastruktur, ohne Rücksicht auf den Aufwand und die Zeit. Das wäre doch relativ seltsam für einen Araber. Da muss schon etwas recht gut durchdachtes dahinter stecken.

Was suchen also die Kataris in Europa? Sie selbst und ihre europäischen Dependancen interessieren sich sehr für Anteile bei allen europäischen Gas-Infrastrukturprojekten, so einfach ist das. Und da gibt es keine Unklarheiten – alles ist exakt, mobil, ohne Netz und doppelten Boden. Und genau in dem Moment, an dem man Russland im europäischen Gasnetz ein wenig zur Seite schiebt, wer wird wohl die freigewordenen Anteile an sich bringen?Was soll also vonstatten gehen, wenn das gigantischste LNG-Terminal im Indischen Ozean, die Riesenflotte Supertanker und die Empfangsterminals – wie etwa South Hook in England – fertig gestellt sind? Und es gibt ja noch ein paar andere Punkte, die nebenbei im Blickfeld schweben. Sagen wir, die Meinungsverschiedenheiten zwischen der EU und Russland bezüglich der Energiecharta? Sie gründen ja auf der Forderung der EU, dass der Gasexporteur nicht gleichzeitig die komplette Kontrolle über das Transportnetz besitzen darf. Ebenso dürfen es auch nicht nur zwei Akteure sein. Einen Anteil am Transport muss man einem Dritten verkaufen, sozusagen eine gewisse Antimonopol-Maßregel.

Fortsetzung

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