Katerfrühstück, Teil 3

3. Katar als Filiale transnationaler Konzerne

Wenn wir sagen „Katar“, so klingt das recht unkonkret. Man muss sich schon die Leute vor Augen führen, die unter diesem Label agieren. Und die sind eigentlich gar nicht so unkonkret:

Emir Hamad bin Halifa Al Thani. Er ist infolge eines Staatstreichs gegen seinen Vater an die Macht gekommen, der zu dieser Zeit in Europa Urlaub machte. Das Mastermind und die treibende Kraft hinter dem Staatsstreich war allerdings Hamad ben Dschasim ibn Dschabir Al Thani, der jetzige Premier und Außenminister.

Hamad ben Dschasim ist eine interessante Persönlichkeit. Selbst in der arabischen Welt, die vielfach auf Bakschisch gebaut ist, gibt es epische Sagen über die Korruption des Scheichs Hamad. In seiner Eigenschaft als führendes Ratsmitglied im staatlichen Fonds für Investition und Staatsreserve hat er allerlei zwielichtige Geschäfte mit traumhaftem ROI durchgedrückt. Letztlich ist dieser Rat auch die Quelle für sein enorm gestiegenes Vermögen. Scheich Hamad ist reicher als der Emir, nach arabischen Vorstellungen ist das zumindest nicht korrekt.

Man darf dabei nicht vergessen, dass „staatliche“ Strukturen, wie etwa dieser Fonds, unter den Bedingungen einer absoluten Monarchie in diesem Fall Privateigentum des Emirs sind. Wird also mit diesem Fonds herummanipuliert, so ist das nichts anderes als Raub am Vermögen des Emirs. In den Augen seiner königlichen Kollegen sieht ein solcher Emil wie ein Trottel aus. Tatsächlich, kaum jemand von den arabischen Führern nahm ihn wirklich ernst – er hatte ein recht gespanntes Verhältnis zu vielen von ihnen. Zum Beispiel Gaddafi und Mubarak waren ihm zutiefst verhasst.

Zurück also zu Scheich Hamad. Sein Büro in Doha ist ihm ein kurzer Aufenthaltsort für die Momente, in denen er aus seinem Hauptbüro in London einschneit. Denn genau in London liegt das Zentrum des Imperiums dieses Scheichs, das er und seine verschiedenen Söhne leiten. Wenn man sich die recht rigorose Einstellung der Briten gegenüber Korruption jeglicher Art vorstellt, so kann man im Falle des Scheichs nur folgern, dass sie konkret an ihm und seinem Imperium interessiert sind. Und daraus folgt, dass man von einer souveränen Außen- und Investitionspolitik des Katar nicht wirklich sprechen kann. Wie gesagt, Scheich Hamad ist Leiter dieser gottgefälligen Werke und sitzt in London.

In Katars Politik trifft man aber natürlich nicht nur auf die Spur der Briten. Katar ist der staubige Hinterhof der größten Militärbasis der USA in der Region – Al-Udeid, außerdem aber ein Nebenflur einer anderen, durchaus einflussreichen amerikanischen Struktur – der Exxon Mobile Corporation. Ein Unternehmen des Rockefeller-Clans, das nur nebenbei.

Briten und Amerikaner, etwas verdünnt durch diverse Kanadier und Australier, sitzen fest im Sattel quasi aller staatlichen Unternehmen des Katar. In bescheidenen Beraterfunktionen, natürlich. Allerdings weiß jeder, der auch nur eine Ahnung vom Unternehmenscharakter und der Unternehmensethik in arabischen Ländern hat, dass jeder in der Unternehmenshierarchie auch nur irgendwie bedeutende inländische Clan seine Quoten in ausländischen Staatsunternehmen hat, wo er einen Teil seines Tagwerks für ein ordentliches Nebengehalt verbringt. Das heißt, die wirkliche „Kopf-Funktion“ liegt bei den ausländischen Beratern, und die Arbeit mit den Händen erledigen ebenso ausländische Gastarbeiter.

Allein aus diesem Grund kann man schon einen interessanten Schluss ziehen. Es ist eigentlich gar nicht möglich, vom Katar als von einem eigenständigen Subjekt gleich welcher Politik zu sprechen, denn diese Politik wird von ausländischen Beratern formiert und ausgeführt. Von Amerikanern, Briten und Franzosen. Die letzteren sind vielleicht in geringerem Maße dabei, aber auch die französische Total ist gut in Katar vertreten.

Al-Udeid Air Base

Jeder katarische Politiker, dessen Unterschrift unter irgendwelchen Dokumenten auch nur die geringste Bedeutung hat, befindet sich fest in den wohlwollenden Händen ausländischer Berater. Und da kommen sie nicht heraus – wenn der Emir es riskiert, sich auch nur leicht nach rechts oder links hinauszulehnen, so kann man ihn sogleich an seinen Staatsstreich und das traurige Schicksal seines Vaters erinnern. Will der Premier und Außenminister irgend ein eigenes Ding drehen, so greifen ihm die Korruptionsbekämpfer in London nach den Weichteilen. „Wir sagen: die Partei – und meinen Lenin“, so hieß es doch. Wenn man folglich „Katar“ sagt, so müsste man in Wahrheit von den USA, Großbritannien und Frankreich sprechen. Über deren Interessen, sonst über niemandes. Während man Saudi-Arabien noch so etwas wie eine scheinbare Unabhängigkeit von diesen Beratern nachsagen kann, so ist der Katar definitiv eine Filiale ausländischer transnationaler Konzerne, die von US-amerikanischen Streitkräften gestützt wird. Wer sich mal Al-Udeid angucken will, braucht bloß in „Transformers 2“ reinschauen, der Beginn der Handlung wurde dort in der katarischen Wüste gedreht.

Fortsetzung

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