Pest und Cholera

Der Mainstream wettert wie gewohnt: 

„Die syrische Regierung will ihre Truppen aus den umkämpften Städten des Landes erst abziehen, wenn die Opposition „schriftliche Garantien“ für ein Ende der Gewalt vorlegt. Vor einem Abzug der Armee müssten die „bewaffneten terroristischen Gruppen“ schriftlich ein Ende „jeder Form der Gewalt und eine Abgabe ihrer Waffen“ zusagen, erklärte das Außenministerium in Damaskus.“

Selbst, wenn es sich so verhält, ist das nicht verwunderlich. Die „Freunde Syriens“ haben die „Opposition“ – vom Mainstream immer noch so oder, wie oben bei der FAZ, als „Protestbewegung“ verklärt – dermaßen mit bedingungsloser Unterstützung, einschließlich von Finanzhilfen i.H.v. ungefähr einer Dreiviertelmilliarde Dollar, bedacht, dass es gar keinen Zweifel daran geben konnte, dass die etwas traurig gewordenen Banden der FSA nach der Stambuler Konferenz wieder zu neuen Höhen gelangen werden.
Die syrische Regierung hat zwei Varianten: entweder sie versucht, dem Westen wohl zu gefallen und verliert dadurch die strategische Initiative, die sie momentan zweifellos innehat, oder sie nutzt die Gelegenheit und versucht, die terroristischen Gruppierungen auf ihrem Gebiet kampfunfähig zu klopfen und schert sich nicht um das Ansehen bei den Sponsoren der letzteren.
Beide Varianten sind schlecht, und nur Assad kann entscheiden, was davon schlechter wäre. Die blaue oder die rote Pille – keine allzu koschere Wahl, besonders, wenn man dazu in irgendein abgedunkeltes Zimmer zu einem verdächtigen Neger mit Lorgnon geführt wird.
Selbst wenn Bashar al-Assad so verfährt, dass er die Armee wenigstens teilweise aus den Städten zurückzieht – genauer, aus den befriedeten Orten, in den Krisengebieten aber weiter gegen die Banden vorgeht – so wird das eine objektiv absolut notwendige Maßnahme sein. In der bestehenden Situation, wie sie ist – vollkommen unabhängig davon, was Assad tut oder nicht tut, der Westen steuert mit seinen „Freunden Syriens“ die Zerstörung der syrischen Staatlichkeit an – ist es sinnlos, Fügsamkeit und Milde zu demonstrieren.
Die Situation ist im Großen und Ganzen so, dass Assad momentan die Rester derer beseitigt, die wirklich bereit sind, ihm weiterhin militärisch die Stirn zu bieten. Wenn er damit fertig sein wird, kommt er in eine Situation, die fast identisch mit der ist, in der sich Russland am Ende der militärischen Phase im zweiten Tschetschenienkrieg befand. Die dort noch den russischen Streitkräften widerstehenden Formationen rekrutierten sich überwiegend aus hartgesottenen Terroristen oder ausländischem Kanonenfutter. Die Ortsansässigen haben ihre Lage entweder durch Verhandlungen geklärt oder sich auf die Seite der Föderalen geschlagen. In den Wäldern und Bergen blieben nur solche, mit denen Verhandlungen sinnlos waren.
Die Situation in Syrien ist ähnlich. Wer konnte und wollte, hat schon lange zu den Waffen gegriffen und gegen das „Regime“ gekämpft. Wenn dieses Kontingent nun auf die eine oder andere Weise ausgeschaltet ist, bleiben nur die vollkommen hartnäckigen Fanatiker (derer es nicht viele geben wird) und ausländische Söldner. Es wird so oder so immer schwieriger, diese als „Opposition“ zu bezeichnen, insbesondere nach den Wahlen.
Ein weiteres Problem besteht natürlich auch noch darin, dass die syrische Regierung in Sachen Medien unschuldig (oder unfähig) ist wie ein kleines Mädchen. Dort, wo es angesagt wäre, eine Gegenpropaganda zu führen, die Opfer der Söldner und Banden, die Spuren ihrer Terrorakte und das Übel zu zeigen, das sie anrichten, handelt die syrische Staatsführung recht tolerant und vorsichtig und überlässt propagandistische Gegendarstellungen eher Enthusiasten wie z.B. der „Syrian Electronic Army“. Indem sie den Krieg in den Medien verliert, gibt die syrische Regierung de facto ihre tatsächlichen militärischen und polizeilichen Erfolge bei der Terrorbekämpfung preis.
Es ist schwer zu beurteilen, ob das Berechnung oder Unfähigkeit des syrischen Informationsministeriums ist. Tatsache bleibt, dass Syrien es im Verlauf eines Jahres nicht in die Wege gebracht hat, eine Struktur zu schaffen, welche die medialen Auseinandersetzungen wenn schon nicht ebenbürtig, dann wenigstens würdig führen kann. Das ist recht schwach angesichts der Tatsache, dass die öffentliche Meinung zumindest im arabischen Raum sich durchaus nicht nur nach Al-Jazeera richtet.

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