Zweieinhalb Tage Waffenruhe

Unter anderem „DiePresse“ vermeldet irgendwelche Zusammenstöße in Syrien, allerdings ist der Gehalt solcher Artikel dann viel weniger martialisch, als die brüllenden Überschriften vermuten lassen. Dort zum Beispiel geht es in der Überschrift um einen „massiven Bruch der Waffenruhe“, die bekannte Londoner Dönerbude OSDH vermeldet, die „Truppen von Bashar al-Assad“ (so wird die syrische Armee rein verbal in die Ecke gestellt) nehmen „erneut die Oppositionshochburg Homs“ unter Beschuss. So einfach ist das. Die Truppen standen halt da herum und dachten sich, lasst uns doch mal auf die „Oppositionshochburg“ schießen. Es ist, wie in solchen Meldungen immer – wo genau schießt man hin, auf wen, warum – wird nicht gesagt. Es wird stillschweigend vermittelt, dass die „Assad-Truppen“ auf „Wohnviertel“ schießen, wo Ali und Achmed von der „Opposition“ gerade ihre Wäsche trocknen. Welch ein kolossaler Unsinn. Mein Eindruck ist allerdings, dass solche Meldungen kaum noch jemand ernst nimmt.
Davon abgesehen gibt es noch eine Meldung über den Überfall auf eine Polizeistation in Aleppo durch nicht näher definierte Rebellenbanden.
Nun gut. Ehrlich gesagt, kann man das alles nur schwerlich als „anhaltende Kämpfe“ bezeichnen, und was die Polizeistation angeht, so ist vollkommen unklar, was das für Kämpfe gewesen sein sollen. Man stelle sich einfach vor, dass hier in einer unserer Städte irgendeine Rotte von Trotteln beschließt, das örtliche Polizeirevier zu attackieren. Ist das jetzt eine Facette von „anhaltenden Kämpfen“ oder bloß der Versuch eines Überfalls zum Zwecke der Beschaffung von Waffen oder der Befreiung von inhaftierten Genossen? Nicht viel anderes kann ein Überfall auf ein Polizeirevier bezwecken. Die Mitglieder der Bande wollten ja sicher nicht alle eine Anzeige erstatten oder sich wegen nächtlicher Ruhestörung beschweren.
Aus Homs vermelden zum Beispiel Blogger aus Syrien auch, dass die Armee da nicht einfach so in irgendeine Häuserzeile reingeleuchtet hat, sondern dass es einen Angriff auf einen Kontrollpunkt gegeben hat, einschließlich Beschuss mittels RPG. Das heißt, die Gewalt in beiden heutigen Meldungen geht eher aufs Konto der „Rebellen“ oder der Anarchie, die im Schlepptau der Rebellion daherkommt. Es ist völlig klar, dass die Armee und die Polizei in diesen Fällen so reagiert, wie sie das in jedem normalen Land tun würde – die verrückt gewordenen Zeitgenossen werden weggeputzt.
Ansonsten, so scheint es, ist die Situation zwar angespannt, aber tatsächlich wesentlich ruhiger. Es gibt gleichzeitig Meldungen über die Abgabe von Waffen seitens von ein paar Dutzend bewaffneten Rebellen, seit des syrische Innenministerium am Vortag eine entsprechende Amnestie angeordnet hat. Die Kombination aus harten Maßnahmen gegen die unversöhnliche bewaffnete Opposition mit einer Amnestie für solche, die bereit sind, der Gewalt abzuschwören, zielt auf die Schaffung eines landesweiten Konsenses ab. Die Erfahrung aller möglichen Länder mit genau diesem Vorgehen ergibt genau das.
Übrigens, vor zwei Tagen, als die progressive Menschheit den Start und Absturz der nordkoreanischen Rakete feierte, haben sich – etwas hinter diesem epochalen Ereignis versteckt – die rastlosen Räuber-Großväter (und nebenbei Senatoren im US-Kongress) Joe Lieberman und John Maccain an die türkisch-syrische Grenze begeben und sich mit dem Oberkommando der FSA getroffen. Wahrscheinlich haben sie ihnen einfach nur zum Tag der Kosmonauten gratulieren wollen.

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