Sigmund Freud gibt +1

Sárközy: Lügner haben lange Ohren

Schon wieder die Grande Nation mit dem ungarischen Staatschef. Miklos Sárközy hat vor ein paar Tagen eine heftige Tirade gegen die syrische Regierung losgelassen und geäußert, „Baschar al Assad lügt schamlos, er will Homs ausradieren, so wie Gaddafi es mit Benghasi vorgehabt hatte“.

Tja, dieser Versprecher hat alle Anzeichen eines Freudschen, denn in Libyen haben die Regierungstruppen von Muammar Gaddafi nicht Benghasi, sondern Misurata mehr oder weniger erfolgreich „zerstört“, was die Bandengruppierungen dort angeht.

Sarkozy erwähnt Benghasi aber deshalb, weil Homs ursprünglich das syrische Benghasi werden sollte, wohinein der Westen massenweise Waffen und „Freiheitskämpfer“ pumpt und von wo aus die „Befreiung“ Syriens vonstattengeht. Gerade der Misserfolg der Banden, sich in Homs zu befestigen, macht den französischen Noch-Präsidenten nervös. Wenn man sich dabei daran erinnert, dass es seinerzeit Meldungen über die Gefangennahme gewisser nicht näher identifizierter Franzosen in Homs gegeben hat, so ist es wahrscheinlich, dass der Stadtname Homs bei Sarkozy wirkt, wie das Lämpchen bei Pawlows Hund.

Zu der Zeit, als Sarkozy sich so krass äußerte, stand der erste Wahldurchgang kurz bevor, von dem man bereits vorher annehmen konnte, dass es um Sarkozys Wiederwahl nicht allzu gut bestellt ist. Aus jetziger Sicht ist die Sache durchaus auch noch lange nicht klar.

Sarkozys Hyperaktivität und dazu seine mutmaßliche Nervenschwäche scheinen die Franzosen langsam zu ermüden, so dass sie sich etwas möglichst weniger exaltiertes als Staatsoberhaupt zu wünschen scheinen. Es ist eine andere Frage, dass sich dadurch nicht viel ändern würde – doch darin besteht ja der Sinn der weltweit propagierten bourgeoisen Demokratie: die Illusion von Veränderung ist wichtiger als Veränderungen selbst.

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