Die Rache der Sith

Können diese Ohren lügen?

Der Abschiedsgruß der Familie Gaddafi an Nicolas Sarkozy hat genau in dem Moment eingeschlagen, an dem es am effektivsten ist und am meisten weh tut. Im unmittelbaren Vorfeld der Stichwahlen in Frankreich interessiert sich kaum jemand mehr für Details aus dem politischen Programm der Kandidaten, sondern eher für skandalöse Einzelheiten aus der Vergangenheit derselben – mit anderen Worten, es ist die Zeit der Schlammschlacht, nicht der Inhalte.

Zur Erinnerung, die Worte von Saif al-Islam Gaddafi zu dieser Angelegenheit aus einem Interview kurz vor dem Angriff auf Libyen, datiert auf den 15. oder 16. März 2011:

„Das erste, was wir von diesem Clown [Sarkozy] verlangen werden – er soll dem libyschen Volk das Geld zurückgeben. Ihm wurde geholfen, damit er das libysche Volk unterstützt. Er hat uns enttäuscht, also soll er unser Geld zurückgeben. Wir haben alle Beweise dafür, Kontoauszüge, Dokumente von Banküberweisungen. Das alles werden wir bald veröffentlichen.“

Zum Vorwurf gegen Sarkozy gibt es bereits Dementis vom ehemaligen Chef des libyschen Außengeheimdienstes Mussa Kussa sowie von Baschir Saleh, der weiland im Namen der libyschen Dschamahirija der libyschen Investmentbank für Afrika vorstand und dessen Name im Zusammenhang mit der Finanzierung des Wahlkampfes von Sarkozy ebenso auftaucht.

Die Feinheit an diesen Dementis besteht nun darin, dass Mussa Kussa sich aus Libyen abgesetzt hat, als es brenzlig wurde, erst nach London, jetzt lebt er angeblich im Katar. Eine geradezu symbolträchtige, kaum zu unterschätzende Achse der Dislokation. Dass Mussa Kussa mindestens seit 2001 für den CIA und den MI6 tätig war, steht – unter Anführung von entsprechenden Belegen – sogar bei Wikipedia. Baschir Saleh nun lebt derzeit in Frankreich. Keine Frage, dass ein solch wichtiger Mann dort von Regierungsbehörden „begleitet“ wird, und die Regierung ist – momentan jedenfalls noch – zum bedeutenden Teil Nicolas Sarkozy. Diese Dementis sind alles in allem kaum einen Pfifferling wert.

Die Reaktion Sarkozys auf die Anschuldigungen war in der Form vorhersehbar – er reagierte hysterisch, wodurch er die Aufmerksamkeit des Publikums nur noch weiter anheizte. Selbst das emotional sterile Euronews bezeichnet ihn als „beträchtlich sauer“ (sic) und zitiert ihn mit Vokabeln wie „schändlich“, die Journalisten bei Mediapart seien „gewohnheitsmäßige Lügner“, es sei alles „abgekartet“. Und das alles aus dem Munde von Sarkozy. Nur ein Wunder oder eine massive Gegen- und Desinformationskampagne könnte Sarkozy jetzt noch aus diesem Sumpf befreien. Ob er nach der Beseitigung von Gaddafi so schnell noch die Mittel dafür aufbringen kann, ist fraglich – mit Baschar al-Assad hat er sich ja bereits jetzt verscherzt. Mit dem schon lange angekündigten Auffliegen dieser Geschichte ist zwar weder Libyen noch den Gaddafis geholfen, es zeigt aber einmal mehr, dass Verräter immer gleich enden – sie werden am Ende selbst verraten.

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