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Syrien: Stadtzentrum von Homs am 01.05.2012

Die in Damaskus lebende russische Journalistin Anhar Kotschnewa hat eigene Bilder aus dem Stadtzentrum von Homs veröffentlicht. Sie dokumentiert auf einer Fahrt im Schlepptau der UN-Beobachter und unter dem Schutz der syrischen Armee die Zustände im Inneren der Stadt, die wochenlang von marodierenden Banden im Würgegriff gehalten wurde und teilweise noch wird. Im Folgenden werden Bilder und zugehörige Kommentare von ihr wiedergegeben.

Noch vor Kurzem war dies der Mittelpunkt des Lebens der Stadt. Viele Geschäfte, Cafés, Imbiss-Restaurants und Hotels.
Inzwischen gibt es hier fast keine Menschen mehr. Es sind nur die geblieben, die aus irgendeinem Grunde nicht weg konnten. Im Wesentlichen wohnen sie dort, wo es halbwegs sicher ist. An den Häusern der dort noch weiter lebenden Menschen gibt es Kontrollposten der Armee zum Schutz vor den Banden. Lebensmittel und dergleichen werden von der Armee geliefert.
Wohlan, im Folgenden Bilder aus dem Zentrum der syrischen Stadt Homs vom 1. Mai 2012.

Wir sind im Schlepptau der UN-Beobachter in die Stadt gekommen, die zweimal am Tag – um 10 und 17 Uhr – zu Gesprächen mit den Banditen dorthin fahren.
Da hier gerade eine neue Schicht ihre Arbeit aufnahm (die UN-Leute halten kleine Vertretungen in den Städten, die einander regelmäßig abwechseln) und diese mit der Lage noch nicht vertraut war, wollten sie diesmal keine Journalisten dabei haben, versprachen aber, uns das nächste Mal mitzunehmen, sobald sie davon überzeugt waren, dass die Sache für uns ungefährlich war.
Normalerweise gibt es kein Durchkommen durch diese gelbe Straßensperre – von hier aus, wo der Platz mit der „Neuen Uhr“ beginnt (unweit dahinter der Platz der „Alten Uhr“) wird das Gebiet aus allerlei Nebenstraßen von Scharfschützen der Banditen beschossen. Wir haben die Militärs eine Weile lang angebettelt, außerdem war natürlich die Fürsprache des Bürgermeisters von Bedeutung. Nach Rücksprache mit den Vorgesetzten und der eindringlichen Bitte, äußerst vorsichtig zu sein, wurden wir in dieses lebensgefährliche Viertel hineingelassen.

Dieses Bild entstand noch vor der gelben Straßensperre.  Doch anhand dieses Beispielbildes kann man sich vielleicht die Müllberge vorstellen, welche inzwischen die Stadt bedecken. Das Stadtzentrum wird schon seit Monaten nicht mehr beräumt.

Ich hatte schon ziemlich viele Bilder gemacht, als ich feststellte, dass ich, als ich den Fotoapparat einmal fallen ließ, offenbar den Filter mit kaputtgemacht habe. Die Unschärfe rechts kommt durch den Sprung in der Optik. Wehe mir…
Aber eine bessere Aufnahme dieses Ortes habe ich dann nicht mehr gefunden.
Direkt geradeaus ist der Platz der „Alten Uhr“ – dort hat man schon keine Chance mehr. Wer dahin durchdringt, wird von Scharfschützen weggeputzt. Das Haus mit den gelben Streifen links am Ende der Straße ist eine Polizeiverwaltung. Irgendwie schaffen es Leute, trotz allem da zu arbeiten. Allerdings fahren sie von einer anderen Seite dahin heran.

Hier ist ein Glasregen niedergegangen…

Das Glas kommt von hier. Das ist ein Bankgebäude. Am obenen Ende der Aufnahme ist wieder die Spur des geborstenen Filters der Kamera.

Weiter diese Straße entlang gerät man auch ins Schußfeld der Scharfschützen.

Ebenso weiter diese Straße entlang.

Hier wurden Geschäfte von den Banditen geplündert. Das ist von der Bank aus um die Ecke.

Ein beschossener Geldautomat. Übrigens von einer katarischen Bank. Die Räuber wussten wohl, dass da nichts mehr drin sein kann.

Ein Café…

Die Leute von der Armee halten Rücksprache mit ihren Kollegen und die geben uns grünes Licht, uns weiter in dieses Viertel zu begeben. Wir laufen vorsichtig über diese Straße. Man will uns ein Gebäude zeigen, dass von einem Granatwerfer aus großer Entfernung beschossen wurde.

Unten sieht man die Mauern einer antiken Moschee, und hier beginnt die Altstadt.

Unterwegs sehen wir immer die gleichen Bilder…

Die Besitzer dieses Ladens haben offenbar vergessen, das Licht auszumachen. Es brennt noch. Nach den geöffneten Jalousien zu urteilen, mussten sie mitten am Geschäftstag von hier fliehen.

Hier wurde offenbar mit allerlei Krempel für Frauen gehandelt.

Dieses Geschäft ist ganz offenbar geplündert worden.

Hier hat eine Granate eingeschlagen.

Dieses TV-Gerät wurde beim Stehlen offenbar auf seine Rückseite fallen gelassen. Darin spiegelt sich der gegenüber liegende Park.

Auf dem Boden liegen die Scherben von irgendwessen Leben…

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