Der Iran laviert richtig

Ein recht bedeutender Erfolg für den Iran: es gibt eine Übereinkunft mit China (und analog mit Indien), iranisches Öl für Yuan (bzw. Rupien) zu liefern. Die wahrscheinlich einzige und gleichzeitig effektivste Variante, das Ölembargo zu meistern.
Eine solche Wendung hat natürlich ihre Schwierigkeiten – sie bindet die Wirtschaften dieser Länder enger aneinander, als das vielleicht wünschenswert war –, der nächste logische Schritt aber wäre zum Beispiel die Schaffung einer Art Quasi-Zahlungsunion im Sinne eines weitergedachten Baratthandels, bei dem Indien, China und der Iran ein Zahlungssystem für den trilateralen oder jeweils bilateralen Handel etablieren.
Als Analogie dieser Idee gibt es das Beispiel des RGW, dessen finanzielle Grundlage der Transferrubel als reine Rechnungswährung war und wofür es u.a. eigene Banken gegeben hat, etwa die IBZW oder die Internationale Investitionsbank.
Der Iran könnte also die Yuan und Rupien nicht nur für die Beschaffung von Waren aus China und Indien gebrauchen, sondern auch für Investitionen in die Wirtschaften dieser Länder, beispielsweise im Ausgleich für Gegeninvestitionen im Iran. In diesem Falle verliert die Spekulation mit den Währungen, etwa der zwingende Umtausch von Yuan oder Rupien in Dollar für die Liquidität auf dem Weltmarkt, ihren Sinn – es gäbe bessere Verwendungsmöglichkeiten für dieses Geld.
Berücksichtigt man die Stärke einer solchen potentiellen Wirtschaftsunion, würde eine solche regionale Vereinigung auch für andere Länder der Region interessant. Am wichtigsten ist, dass der Verzicht auf den Dollar und den Euro beim inneren Handel die globale Dominanz dieser Währungen merklich einschränken würde.
Klar ist, dass es beim (beabsichtigten) Verzicht auf den Dollar als Leitwährung bisher immer Krieg gegeben hat, wie etwa im Irak oder in Libyen. Die jüngste Reise von Hillary Clinton nach China und Indien ist sicherlich in mancherlei Hinsicht von einer entsprechenden Besorgnis der USA über eine mögliche regionale Ablösung des Petrodollars determiniert gewesen. Aus den Ereignissen wird allerdings klar, dass man Mrs. Clinton wahrscheinlich nicht allzu höflich hinwegkomplimentiert hat – die Meldung über den Ölhandel mit dem Iran für Yuan und Rupien kam faktisch direkt nach ihrem Abflug.
Es ist schwierig, die Reaktion der USA in diesem Fall vorherzusagen. Wollen die Staaten ihre Dominanz bewahren und mittelfristig schlicht überleben, wären sie eigentlich verpflichtet, dieses mögliche Konstrukt noch in seiner Entstehung zu verhindern – die Zeit läuft hier gegen die Interessen der USA, längeres Zögern könnte unangenehme Fakten schaffen. Andererseits wird es kaum möglich sein, einfach so einen Straffeldzug gegen den Iran vom Zaun zu brechen. Militärschläge gegen den Iran ohne eine Rückendeckung durch den UN-Sicherheitsrat sind für den relativ vorsichtigen Friedensnobelpreisträger Obama wahrscheinlich keine Option. Das würde außerdem eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zu China und Indien nach sich ziehen; die Lage in der Region ist für die USA ohnehin nicht allzu gut, besonders vor dem Hintergrund der Probleme mit Pakistan. Man könnte natürlich Israel auf diese Sache hetzen – dort ist man, wie einst  die Jungpioniere, „immer bereit“. Aber auch hier kommen die USA so oder so mit in einen Konflikt hinein. Man wird sehen, was die nächste Runde der „Atomgespräche“ am 23. Mai in Bagdad ergeben wird. Anzuerkennen ist allerdings, dass die iranischen Ayatollahs hier einen entscheidenden taktischen Sieg errungen haben. Die USA dagegen haben nicht allzu viele Varianten bei der Auswahl einer annehmbaren Reaktion darauf.

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