Soljanka aus dem Katar

Die Ukraine und Katar einigen sich prinzipiell auf Gaslieferungen per LNG-Frachter. Das Gas aus Katar soll nur ein Drittel des Preises von russischem Gas kosten. Der Katar verdrängt damit das russische Gas auch in Osteuropa.
Nikolaj Asarow im Katar
Am Dienstag hat der ukrainische Premierminister Nikolaj Asarow die Golf-Supermacht Katar besucht und sich mit dem Emirat im Rahmen einer Absichtserklärung über den Bezug von Gas per LNG-Frachter geeinigt. Außerdem sind der Bau eines großen LNG-Terminals an der ukrainischen Schwarzmeerküste sowie eines Hubs für die Lieferung von Getreide nach Katar (und diverse andere Dinge) besprochen worden.
Damit nehmen die bisher eher noch auf Grundlage von Analysen gemutmaßten Mega-Pläne des Katar einmal mehr konkrete Formen an. Freilich haben LNG-Lieferungen in die Ukraine noch das Problem, einer Zustimmung der Türkei für die Passage des Bosporus zu bedürfen, und die Türkei hat dazu bislang noch keine Stellung bezogen. Allerdings soll noch Ende Mai ein trilaterales Treffen zwischen der Ukraine, dem Katar und der Türkei stattfinden, das diese Frage klären soll.
Die Manöver der Ukraine konnte man erwarten – die beiden neuen russischen Gas-Pipelines umgehen die Ukraine, das ukrainische Gasnetz stammt dabei noch aus Sowjetzeiten und braucht bedeutende Investitionen für eine Sanierung. Für den Katar bedeutet der Fuß in der ukrainischen Tür eine bedeutende Erweiterung seines Absatzmarktes für Gas, wichtiger aber fast noch ist der Zugang zu osteuropäischen Gasnetzen generell.
Das ukrainische Interesse an Erdgas aus Katar hat aber natürlich auch andere, durchaus objektive Gründe. Die russischen Oligarchen sind sicher nicht viel geschmeidiger als die katarischen Scheichs, und das russische Erdgas ist tatsächlich nicht eben billig.
Sollten diese Vorabsprachen konkrete Formen annehmen, so wird die syrische Stoßrichtung für den Katar in vielerlei Hinsicht essentiell. Durch die Bezwingung Syriens erlangt Katar den Zugang zum Mittelmeer und verkürzt damit die Transportwege erheblich bei gleichzeitigem Vermeiden dreier „Bottle necks“ – der Straße von Hormus, sowie dem Ein- und Ausgang ins Rote Meer.
Eine alternative Variante wäre es, Gasleitungen durch den Irak und die Türkei ans Mittelmeer oder direkt ans Schwarze Meer zu legen. Diese Variante ist aber um mindestens 1.000 Kilometer länger und muss bedeutende terrainbedingte Schwierigkeiten einkalkulieren. Lieferungen über Ägypten wären nur über die Sinai-Halbinsel möglich. Offenbar wird diese Richtung als zu riskant angesehen.
Der Zugang zum Mittelmeer über Syrien würde dabei noch ein weiteres, weniger offensichtliches Problem lösen – es hätte nämlich die Strangulation des iranischen Projekts, das unter dem Namen „Islamic Gas Pipeline“ bekannt ist und das Gas aus dem iranischen Teil des South-Pars-Gasfeld über Irak und Syrien Richtung Europa lenken soll, zur Folge. Dabei wird der Iran faktisch von seinen Gasabnehmern abgeschottet, wie im Westen, so auch im Osten.
Die Verkürzung der Pipeline über Syrien würde es nämlich erst möglich machen, Gas aus dem Katar zu solchen Dumpingpreisen, wie von der Ukraine hervorgehoben, zu liefern. Und das nicht nur in die Ukraine. In Europa geht man damit entschlossen einer Zeit der Verdrängung des russischen (und auch norwegischen) Erdgases aus dem Markt entgegen.

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