Sonderbeauftragtengedanken

Blogger, Iphone- und Ipad-Freak Dmitri Medwedew reist zum G8-Gipfeltreffen nach Camp David und überlässt das Reden anderen. Ein klasse Kerl, der einfach eine gute Zeit hat und das Treffen der G8 damit zu einem Picknick im Grünen deklassiert.
„Auf mein Kommando bitte
so tun, als ob wir arbeiten!“
Dadurch, dass der Westen es abgelehnt hat, beim G8-Gipfeltreffen Syrien zu besprechen, ist die Reise nach Camp David für die russische Delegation zu einer Art Picknick geworden. Der nimmermüde und Gadget-affine Medwedew hat sich vor lauter Langeweile einen Instagram-Account zugelegt (Nutzername: damedvedev) und noch auf der Reise nach Camp David diverse Banalitäten fotografiert, ab und an widmete er Gesprächen mit netten Leuten etwas Zeit.
Die anderen Mitglieder der Delegation fingen an, ihre Meinung zu verbreiten, die, wie sich herausstellt, niemanden interessiert. Michail Margelow, der in manchem Quellen beharrlich als Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten für den Nahen Osten bezeichnet wird (offiziell aber Außenpolitikberater des russischen Premiers ist, obwohl der Premier sich nicht mit Außenpolitik beschäftigt), hat einen Haufen trübes Zeug über Syrien geäußert, darunter, wie die Lage dort sei und welch komplexes Bild er von der Situation dort hat. Unter anderem:

„Eine Frage ist nicht zu vermeiden: Wenn Assad geht, wer kommt an seiner Stelle?“

Michail Margelow
Who is Mr. Margelow für solche Fragen, die eine ausschließliche Prärogative des syrischen Volkes sind? Es ist natürlich angenehm, zu einer solch netten Veranstaltung eingeladen zu sein – so undankbar, dass man die Dienste Margelows im Zusammenhang mit Libyen vergisst, ist man bei der G8 ja nicht. Aber dabei hätte er sich ein Beispiel am Chef nehmen sollen, der sich nicht mit Problemen der Weltpolitik abgibt, sondern einfach eine gute Zeit verbringt. Wozu diese Initiativen, wenn man gar nicht gefragt wird. Allerdings bemächtigte sich ein weiterer tiefer Gedanke des russischen „Sonderbeauftragten“:

„Die syrische Krise kann man nicht mit einer Axt behandeln, man sollte sie mit einer Pinzette angehen.“

Sicher, eine Axt und eine Pinzette sind verschiedene Werkzeuge, allerdings auch zu völlig verschiedenen Zwecken. Er hätte wenigstens noch ein Skalpell erwähnen können, aber gut. Alles in allem läuft das Treffen in Camp David nach dem Format G7 + Mobiliar.
Dmitri Medwedew wie er leibt und lebt
Es ist kaum einzuschätzen, was für Folgen das derzeitige G8-Gipfeltreffen haben kann. Faktisch ist dieses auch so schon in seinem Sinn nicht so recht einzuschätzende Beratungsgremium durch die Anreise des russischen Präsidenten-Sitzhalters abgewertet. Was vielleicht gar nicht so schlecht ist angesichts der Tatsache, dass es ein weiteres, bedeutenderes Gremium dieser Art gibt – die G20. Möglich, dass Russland den Akzent seiner Diplomatie eher auf dieses Organ setzt; in einem solchen Falle wäre Putins Absage an die G8 schon eher logisch. Doch selbst dann ist eine solch unverhohlene Missachtung der G8 durch die Entsendung von reinen Bürohengsten nicht gerade angebracht – solche Affronts kann man sich von Gleichgestellten vielleicht noch gefallen lassen, aber Russland ist immer noch Gast auf diesem Fest der Freude und entfremdet sich mit jedem Jahr mehr. Vielleicht wäre es sinnvoller, dem Gremium demonstrativ den Rücken zu kehren und auszutreten.
PS: Man hört aus dem Munde der Kanzlerin Angela Merkel, dass man sich vorbehält, die strategischen Ölreserven anzuzapfen. Die im vorigen Post vermutete Tendenz des Preises für Erdöl wird damit nur untermauert.

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