Wodka, Sex & Weiber

Das „Hirn“ der russischen Nation diskutiert in Polen das Putin-Regime und den eigenen Beitrag zur Gesundung des Landes. Die Kulturschaffenden und Dissidenten ballen sich programmatisch und erläutern die Vorzüge der Opposition vor der herrschenden Elite.
Meeting Oppositioneller bei der „Gazeta Wyborcza“
In der Redaktion der polnischen Zeitung „Gazeta Wyborcza“ fand am 18. Mai eine Diskussion schillernder Persönlichkeiten aus der russischen „Oppositionsbewegung“ statt. Da diese Opposition sich bisher mit Programm, Inhalten und Persönlichkeiten eher schwer tat, ist es ganz interessant, einmal zu verfolgen, wodurch sie sich letztlich definiert. Es kann ja nicht ewig mit Flashmobs und der zentralen oppositionellen Losung „Futin – Potze!“ (ungefähre deutsche Wiedergabe des russischen „Хутин – Пуй!“) weitergehen.
Die Teilnehmer dieser Diskussion entstammen ausschließlich der Elite der Elite der Elite der russischen Nation und wurden von ein paar polnischen Kollegen flankiert. Im Einzelnen waren das Dmitrij Bykow (eigentlich Dmitri Zibeltrud), Adam Michnik, Jewgenij Gontmacher, Sergej Kowaljow und Wiktor Jerofejew. Hier ein paar Kernpunkte im Zitat:

Dmitrij Bykow per Skype aus Moskau: „Wir, die Kulturschaffenden, denken immer, dass wir nur wenige sind und deshalb kein Stimmrecht haben. Irgendwo, so glauben wir, gibt es das große Volk, und nur dieses Volk hat das Recht, seine Meinung kundzutun. Aber man muss sich in Erinnerung rufen, dass das Gehirn, welches alles entscheidet, ein relativ kleiner Teil des gesamten Organismus ist…“

Als Vertreter der Kultur müsste Bykow eigentlich mit der Klassik vertraut sein und sich an solch namhafte Figuren erinnern, wie etwa den Zauberlehrling Goethes und dessen unermüdliches Wirken für die Revolution.

Wiktor Jerofejew: „Putin ist derzeit eine sehr schwache Führungspersönlichkeit. Er ist schon lange kein Sex-Symbol mehr…“

Und dem hat die Opposition etwas entgegenzusetzen:

Adam Michnik: „Weshalb die Oppositionsbewegung sexuell anziehend geworden ist? Ich denke, das ist einfach Tatsache, seit sich eine solch bekannte Persönlichkeit wie Xenia Sobtschak in ihre Reihen eingefügt hat…“

Schickt mir doch bitte mein Feuerzeug vorbei!

Genau, Wodka, Sex und Weiber. Die letzteren beiden Ideale muss man natürlich sauber voneinander trennen; und ohne Wodka ist diese Runde sicherlich nicht gelaufen. Das ist das Streben des „Hirns“, von dem Bykow so redegewandt flötet.

So konferierte also die russische „Intelligenz“. Und dass das ganze in Polen passierte, welches die Russen per definitionem nicht leiden kann, ist überhaupt eine höchst interessante Begebenheit.

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