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„Gefangen“ von Strolchen (Baba Amr II)

Auf dem Rückweg aus Al-Hula bzw. Taldou war das Team von ANNA-News in Homs unterwegs. Dort wurden sie von einer Gruppe Jungs durch die Ruinen von Baba Amr geführt. Die aufgezeichneten Aussagen der Kinder sprechen eine deutliche Sprache, natürlich auch die, dass auch die Kinder in der derzeitigen Situation ideologisch beeinflusst sind. Ein recht authentischer Bericht aus Syrien, von wo angeblich keine Medien berichten können.

Homs ist eine Stadt im zentralen Westsyrien, das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Provinz und 162 Kilometer nördlich von Damaskus gelegen. Diese Stadt war es, in der die heftigsten Kämpfe zwischen den Banditen und den Regierungstruppen tobten.

Anfang Februar wurden die bewaffneten Banden aus den nördlichen Vororten von Homs vertrieben, einschließlich des Stadtviertels Al Khaldeeye, welches die syrischen Sicherheitskräfte heute von neuem von den Terroristen befreien müssen. Ebenso Anfang Februar sind die aus Al Khaldeeye verdrängten Banditen und ihr Kommando ins Stadtviertel Baba Amr gezogen und haben sich dort festgesetzt.
Am Ende des Winters war hier im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. Nachts wurden massenhaft Waffen und Munition nach Baba Amr geschafft, einschließlich auch schwerer Waffentechnik. Für die Koordination der bewaffneten Kämpfer haben sich auch ausländische Instruktoren hier befunden, darunter 16 französische Offiziere unter dem Kommando eines Obersts. Später wurden die Franzosen gestellt und verhaftet.
Die Erstürmung des Viertels begann am 23. Februar nach der Vernichtung der Gefechtsstände der Kämpfer im südlichen Teil des Stadtviertels. Am selben Tag sind unter dem Schutz von Panzerfahrzeugen syrische Sondereinheiten nach Baba Amr eingerückt, deren Emblem man auch heute noch an den Wänden der von den Banditen zurückeroberten Häuser sehen kann. Anfang März hat die 4. Syrische Armeedivision die volle Kontrolle über Baba Amr errichtet.
Heute kehren die Einwohner ungeachtet der enormen Zerstörungen langsam wieder in ihre Heime zurück. Das wichtigste Anzeichen einer Normalisierung sind natürlich die auf den Straßen zu sehenden Kinder. Eine Bande Jungs flitzte auf Fahrrädern durch die Straßen von Baba Amr und haben, als sie uns bemerkten, uns natürlich sofort „gefangen genommen“ und bis zum Ende unseres Aufenthalts nicht mehr losgelassen. Die lebhaften Jungs hatten vor nichts Angst und sprachen offen ihre Meinung über die Banditen aus. Danach zogen sie uns mit, um uns die lokalen „Sehenswürdigkeiten“ zu zeigen, einschließlich der dort befindlichen ausgeraubten Lebensmittellager.
Das erste Interview mit einem der Jungen:
„Als die Terroristen hier waren, konnten wir unsere Häuser nicht verlassen. Jedes Mal, wenn wir zur Schule gehen wollten, schossen sie auf uns und zwangen uns so, nach Hause zurückzukehren. Sie schossen unentwegt auf die Häuser und auf alles, was sich bewegte, ließen niemanden seiner Arbeit nachgehen. Nachdem die Armee eingerückt und unser Stadtviertel befreit hat, wurde es ruhig, wir gingen wieder zur Schule, die Erwachsenen auf die Arbeit. Jetzt sind wir wieder zufrieden.“

Der zweite Junge:
„Wir sind sogar in ein Ferienlager gefahren, das von der Baath-Gruppe für die Schulen organisiert wurde. Das war, als die Armee hier war.“

Der dritte:
„Es ist wieder sicher und ruhig hier.“

Ich fragte: „Was macht ihr jetzt gerade?“
„Wir spazieren durch die Stadt.“

Der Junge geht die Straße entlang und zeigt auf die Zerstörungen:
„Seht, was die Terroristen angestellt haben. Möge Gott ihre Häuser zerstören. Sehr, wie sie alles zerstört haben. Möge Gott ihre Häuser zerstören!“

Interview mit dem lebhaftesten der Jungs:
„Das ist doch das, was der Katar und Saudi-Arabien wollen. Verflucht seien Katar, Saudi-Arabien und die Türkei auch. Was wollen sie von uns? Sie haben alles zerstört. Sie zerstören Syrien. Wollen sie denn nicht, dass wir in Frieden leben können? Sie haben unser Land zerstört, wir haben vorher gut gelebt. Syrien ist ein sicheres Land. Gott gebe ihnen keine Gesundheit. Sie alle sind Fremdlinge, Söldner.“
Trauriger weise gab es, noch als unsere neuen Freunde uns durch die Ruinen von Baba Amr führten, wieder einen Anschlag der Terroristen in Homs. Während des schon zur Tradition gewordenen täglichen Beschusses der christlichen Viertel mit Granatwerfern geriet eine Granate in eine Schule und tötete eine Lehrerin, gerade, als sie eine Prüfung abnahm.

Marat Musin, Olga Kulygina, Agentur ANNA-News, Stadtviertel Baba Amr in Homs, Syrien.
(Quelle: ANNA-News)

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