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Weiteres Zeugnis zum Al-Hula-Massaker

ANNA-News setzt die Publikation von Zeugenaussagen, die das Team auf und nach der Fahrt nach Al-Hula bzw. Taldou aufgenommen hat, fort. Hierbei handelt es sich um die Aussagen eines festgesetzten Rebellen, der auf deren Seite bei dem Angriff auf Taldou dabei gewesen ist und eine Menge an Orts- und Personennamen zu dem schrecklichen Zwischenfall vom 25. Mai liefert.

Während man die Straßennamen nicht oder kaum mit „herkömmlichen Mitteln“ (Google Maps) prüfen kann, so kann man die unten enthaltenen Beschreibungen bestimmter geographischer und baulicher Merkmale von Taldou damit recht gut nachvollziehen. Im Videobeitrag sieht man, dass die einzelnen Orte der bewaffneten Einheiten und Regierungsstellungen anhand von Satellitenaufnahmen in Google Earth demonstriert werden.

Das „Setup“ (ein ehemaliger Rebellenkämpfer, der seine damaligen Kumpane als „Terroristen“ und „Banditen“ bezeichnet und rhetorische Fragen zu den einzelnen Zielen des Angriffs stellt) mag fragwürdig erscheinen, aber bei der Lektüre bitte nicht vergessen, dass es sich um das Transkript einer Videoreportage und darüber hinaus um eine Übersetzung einer Übersetzung handelt. Dieses Zeugnis liefert einiges an taktischen Einzelheiten zu dem Angriff auf Taldou / Al-Hula und beinhaltet eine Menge an konkreten Details, die wiederum für eine Authentizität sprechen.

ANNA-News merkt zu den Umständen des Interviews an:

„Es handelt sich bei dieser Person um einen Rebellen, der sich den Behörden ergeben hat. Wir wissen, wer das ist und kennen seinen Namen, werden diesen aber aus Gründen der Sicherheit seiner Familie nicht an die Öffentlichkeit bringen. Wir bürgen dafür, dass er über Dinge berichtet, die er mit eigenen Augen gesehen hat. Wir kennen allerdings nicht die Motive hinter seiner Selbstanzeige.“

Hierunter die Übersetzung des Texts von ANNA-News (Quelle). Darunter der Videobeitrag (sehenswert nur hinsichtlich der Demonstration der Positionen von Rebellen- und Regierungsstellungen ab 2:09).

Ein Zeuge aus den Reihen der bewaffneten Rebellen

„Zwei-drei Tage vor dem Massaker gab es Gerede darüber, dass die Terroristen sich auf etwas vorbereiten. Ich war ständig bei diesen Banden dabei und erfuhr eigentlich auf jedem Schritt alles, was sich zutrug, war immer mit ihnen unterwegs.
Am Freitag nach dem Gebet versammelte sich eine Einheit der Kämpfer in einem der nördlichen Viertel des Dorfes, welches sich jenseits des Kontrollpostens neben dem Uhren-Platz befindet. Größere Rebelleneinheiten sammelten sich auf der Tripoli-Straße, die zum Wasserspeicher führt, weitere – im Viertel Al-Nasirija, auf der Satto-Straße und der Straße, welche zur Konditoreifabrik führt. Die nördlichen Einheiten eröffneten das Feuer, um die Aufmerksamkeit der Militärposten auf dem Uhren-Platz abzulenken. Ich war auf der Tripoli-Straße in einer Einheit unterwegs, welche zusammen mit anderen Einheiten operierte. Dieses waren die salafitische Einheit von Khaled Abdul Wakhed, die Einheit von Abdul Malek Saleh, die unter Nidal Bakkur, weitere unter den Kommandeuren Haysam Al-Hassan, Ikrim sowie Einheiten aus Akrab, Kafr Laha und eine Einheit aus Tal Dahab. Außer diesen gab es noch eine große Menge an bewaffneten Fremden.
Diese Einheiten eröffneten das Feuer auf das Gebäude des Militärgeheimdienstes. Die Geschosse trafen das Gebäude, aber auch Nachbarhäuser. Einer der bewaffneten Rebellen schoss aus einer Panzerfaust, verfehlte aber das Ziel. Er traf das Nachbarhaus und tötete damit zwei Mitglieder der Familie Al-Zegahi, die, wie es heißt, gerade friedlich beim Teetrinken saßen. Der größte Teil der Opfer des Massakers waren Familien, die regierungsloyal waren, sowie die Familie eines Sekretärs des syrischen Parlaments. Das waren wohlhabende Familien, die Banditen hielten sie aber alle für Verräter, denn diese Familien haben die bewaffneten Rebellen niemals durch Spenden unterstützt. Umgebracht wurden sie vor allem von der Einheit aus dem Al-Hassan-Clan – das sind Leute aus einer Großfamilie, die in unserer Gegend seit langen Zeiten als gewöhnliche Banditen bekannt sind.
Neben dem Haus der Familie Al-Said Okba ist ein Haus der Familie Al-Bakkur. Was denken Sie, warum erstere ermordet und von letzterer niemandem ein Haar gekrümmt wurde? In der Nachbarschaft der Ermordeten wohnten viele Menschen. Weshalb wurde niemand von ihnen behelligt? Weil es eine zielgerichtete Aktion gewesen ist.
Das hier ist der Uhren-Platz von Taldou [im Video ab 2:09 – apxwn]. Nach rechts geht die Straße, die zum Turm führt. Nach Norden hin führt die Straße Richtung Masyaf, links geht es nach Kafr Laha. Das Haus an der nördlichen Ecke des Platzes gehört der Familie Abbara. Weiter hinten liegt das Gebäude der örtlichen Abteilung der Baath-Partei. Oben auf diesem Gebäude gab es einen Beobachtungsposten der Sicherheitsorgane, dessen Stellung mit Sandsäcken gesichert war. Noch weiter Richtung Norden, etwa 50 Meter hinter dem Baath-Gebäude, ist die Al-Nuri-Brücke. Und hier ist die Gasse, an deren Ende sich am Tage des Massakers die Einheiten der Banditen gesammelt haben, und von dort aus nahmen sie den Kontrollposten auf dem Uhrenplatz unter Feuer, um die Aufmerksamkeit der Soldaten von dem Angriff abzulenken, der aus Richtung Osten erfolgen sollte.
Die zentrale Straße von Al-Hula [Taldou – apxwn] verläuft von Süden nach Norden. Hier sieht man die Ecke zur Satto-Straße, wo sich die Einheit aus dem Al-Hassan-Clan sammelte. Weiter südlich gibt es eine Linkskurve, diese Straße führt zum Wasserspeicher. Noch weiter südlich die Hauptstraße hinunter sehen wir den Bogen über der Einfahrt in die Stadt.
Die Abteilung des Militärgeheimdienstes war etwas nördlich von diesem Bogen auf der linken Seite der Hauptstraße gelegen, und auf dem Dach auch dieses Gebäudes gab es einen Beobachtungsposten. Hätten die Sicherheitskräfte das Feuer Richtung Norden eröffnet, würden sie ihre eigenen Kameraden getroffen haben.
Auf der rechten Seite der Hauptstraße südlich des Torbogens befindet sich das Haus der Familie Okba Al-Said (welche als erste von den Banditen ausgelöscht wurde).
Die zweite Familie, welche von den Banditen umgebracht wurde, lebte im Nordwesten. Auch dort hat die Familie Abdul Rasak ein Haus, auch diese Familie ist ein Opfer der Banditen geworden. Was soll also das Gerede von der Schabiha oder der Armee, welche sich zwischen diesen beiden Punkten in einem Bereich hätten bewegen müssen, der komplett von den Banditen kontrolliert wurde. Ein weiterer Umstand ist, dass diese Familien komplett, einschließlich der Kinder, ausgelöscht worden sind, während es in der unmittelbaren Nachbarschaft viele andere Familien mit Kindern gibt. Warum wurden die einen umgebracht, den anderen aber kein Haar gekrümmt? Ganz in der Nähe des Hauses der Familie des Okba hat die Familie Al-Bakkur ein Haus, der Bruder des Familienoberhaupts ist einer der einflussreichsten Banditenkommandeure in der Region. Warum ist der Familie Al-Hassan, viele der Mitglieder welcher zu den Banditen gehören, kein Haar gekrümmt worden? Weshalb, denken Sie, sind die Familien Al-Said und Abdul Rasak ausgelöscht worden, während ihre jeweiligen Nachbarn – Al-Bakkur und Al-Hassan – vollkommen unbehelligt geblieben sind? Sie sind zielgerichtet bis zum Haus der Familie Al-Rasak vorgedrungen, haben alle dort umgebracht und sind dann weitergezogen.“

Der zugehörige russischsprachige Videobeitrag:

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  • Anonymous

    Hier eine Übersetzung der aktuellen Assad-Rede mit Teilen, die es nicht in die Mainstream-Medien geschafft haben.

    Ich kann die Quelle leider nicht verifizieren, da ich kein Arabisch verstehe. Die Übersetzung ist auf Englisch. Vielleicht kann da jemand weiterhelfen?

    http://resistance-episteme.tumblr.com/post/24355919856/my-translation-of-select-parts-of-assads-speech-today

    „The crisis isn’t an internal crisis, it is a foreign war which is being waged with internal tools“

  • Der bzw. ein Teil des “syrischen Widerstands” ruft dazu auf, den Dichter Adonis umzubringen, da er “Alewit”, ein “Ungläubiger” und gegen eine Intervention des Auslands ist:

    http://www.alhadathnews.net/?p=27756

    Da kann man sich ausrechnen, was in Syrien abgehen würde, wenn die Terroristen siegen würden. Diese Hetze gegen Alewiten und Schiiten zieht sich auch durch unsere Medien. Offenbar will man uns darauf vorbereiten, dass wir Verständnis für die Schlächterein der wahabitischen Terroristen haben.

  • Sana.sy bringt weitere Augenzeugenberichte, die sich im Wesentlichen mit dem decken, was ANNA-News veröffentlicht hat. Hier die deutsche Übersetzung:

    syrieninfo.blogspot.de

    Aus all diesen Berichten wird klar, dass es sich bei den „Rebellen“ zu einem großen Teil auch um inländische Kräfte handelt, die seit längerem als Kriminelle bzw. Banden bekannt sind, und die man in jüngster Zeit lediglich unter Waffen gestellt und mittels ausländischer Instruktoren angeleitet hat.

    Ob es einmal einen Bericht von „unabhängiger Seite“ dazu geben wird? Es sind inzwischen ziemlich viele Fakten bekannt, die man einmal in eine Rekonstruktion der Ereignisse (ähnlich, wie ANNA-News das gemacht hat) einfliessen lassen sollte.

    Marat Musin berichtet von seinem Besuch in Al-Hula allerdings auch, dass in Taldou, obwohl die Stadt von den Banditen abgeriegelt ist und niemand, besonders niemand von der Armee oder den Sicherheitskräften, aber auch nicht von der UNO, mehr innerhalb der Stadt ist, dort trotzdem weiterhin geschossen wird. Er mutmaßt als Grund dafür zwei Möglichkeiten: entweder beharken sich die Banditen untereinander, oder aber die Stadt wird von diesen „gesäubert“, insbesondere von eventuell noch verbliebenen illoyalen Zeugen der Vorgänge.

  • Auf syrieninfo.blogspot.de werden die in obiger Zeugenaussage gemachten Ortsangaben auf Satellitenaufnahmen aus Google Earth veranschaulicht:

    Ortsangaben der Zeugenaussagen des Hula-Massakers.