Evakuierung

Russland plant die Evakuierung von in Syrien lebenden Russen. Während die Westmächte die vertragsmäßige Rücklieferung dreier alter, reparierter sowjetischer Helikopter nach Syrien verhindern, strotz das Land inzwischen von modernsten NATO-Waffen.

Nach der motzigen gemeinsamen Pressekonferenz von Putin und Obama ist die erste ernstzunehmende Information über die Situation in Syrien eine Meldung auf vedomosti.ru, welche besagt, dass mehrere russische Ministerien – das Verteidigungsministerium, das Ministerium für Katastrophenschutz – sowie die Flotte gegenüber der Zeitung bestätigt haben, es lägen aktuelle Befehle über die Erstellung von Plänen für eine Evakuierung russischer Staatsbürger aus Syrien vor.

Die russischen Streitkräfte, einschließlich der Flotte, sowie andere Dienste haben damit begonnen, bestimmte Aufgaben hinsichtlich der Situation in Syrien in Angriff zu nehmen; in erster Linie kann das die Evakuierung von russischen Staatsbürgern und Militärangehörigen aus dem Land bzw. vom russischen Marinestützpunkt in Tartus sein.

Es gibt etwa 80.000 bis 100.000 russische Staatsbürger – einschließlich deren Familienmitglieder – in Syrien, der Marinestützpunkt in Tartus hat eine planmäßige Besatzung von rund 100 Mann. Interessant ist, dass weder im vergangenen Winter, noch vor ungefähr einem Monat jemand von einer Evakuierung geredet hat, zu Zeiten nämlich, als die Lage im Land aufgrund der gesteigerten Aktivität der terroristischen Banden wirklich bedrohlich wurde. Momentan hat sich die militärische Lage im Land eher stabilisiert und tendiert nach mehreren erfolgreichen Operationen der syrischen Armee wieder leicht zugunsten der Regierungskräfte. Folglich bewertet die russische Führung die Wahrscheinlichkeit eines direkten Angriffs auf Syrien als sehr wahrscheinlich.
Sicher bedeutet das noch nicht, dass Russland Syrien „aufgibt“; die Vorbereitung einer Evakuierung ist in der allgemeinen Lage eine durchaus vernünftige Maßnahme. Gleichzeitig ist das ein Anzeichen dafür, dass die russische Führung höchstwahrscheinlich bei diplomatischen Mitteln bleiben wird, um die Aggression doch noch abzuwenden.

Spielzeug für die friedliche syrische Opposition

Und während die Briten verlauten lassen, sie hätten durch die Blockade der „Alead“ mit den drei planmäßig instandgesetzten Multifunktionshelikoptern vom Typ Mi-25 (Mi-24D „Hind“) selbstredend Myriaden von syrischen Zivilisten vor einem Gemetzel gerettet, publiziert Anhar Kotschnewa nach einem ihrer Ausflüge nach Homs Bilder von sichergestellten Waffen der FSA-Banden. Es gibt darunter ein paar interessante Items:

Unten im Bild ist ein M72 LAW aus dem fernen Pindostan. Eine solche Waffe gab es in Syrien bis vor kurzem gar nicht; in der letzten Zeit sieht man sie des Öfteren auf den Poservideos der Rebellenbanden. Ein Zeichen für den unlängst angelaufenen massiven Waffenschmuggel und ebenso auch für die „westlichen“ Quellen der Finanzierung.


Sprengstoff made in India.

Ein wenig vielsagend auch diese Pumpguns. Bei Gefechten mit den regulären Streitkräften weitgehend nutzlos – die treffen auf höchstens 100 Meter irgend ein Ziel – aber bestens geeignet, um in die Menge zu feuern, Türen aufzuschießen, Schlösser in Läden etc. zu knacken…

ANNA-News ergänzt das durch mehrere Beiträge über die Sicherstellung von Waffen, die weit komplizierter und teurer sind als die, welche man noch vor wenigen Monaten aufbrachte. Darunter sind Wärmebildgeräte, Unmengen von Munition des Kalibers .308 (Scharfschützenmunition) sowie das vom US-amerikanischen Militär entwickelte und eingesetzte Blutstillpräparat „Quikclot“.
Diese Berichte zeugen einerseits von der enormen Zunahme der Bewaffnung und Finanzierung durch ausländische Mächte (es sind kaum mehr Waffen sowjetischer Standards repräsentiert), andererseits auch von den Erfolgen der Syrischen Arabischen Armee bei der Eindämmung des so gesponserten Terrorismus:

Ein zu einem gepanzerten Versorgungsfahrzeug umgebauter Landrover der Sicherheitskräfte in Homs (im Bild: Anhar Kotschnewa). Dieses Fahrzeug wird von der syrischen Polizei primär für die Versorgung der Checkpoints eingesetzt, die man nur durch von FSA-Scharfschützen bedrohte Straßenzüge erreicht, aber auch, um Zivilisten zu ihren Wohnungen zu fahren, aus denen sie in der Eile der Flucht liegen gelassene Dokumente und Wertgegenstände holen.

Ein für den Straßenkampf umgerüsteter Flak-Panzer (Ortungsgerät abgebaut). Parkt im Stadion von Homs und ist das einzig sichere Mittel gegen die Scharfschützen der FSA. (Datum der letzten beiden Aufnahmen: 20.06.2012.)

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  • Die Amis sind doch Verbrecher.

  • Anonymous
    • Das ist eine Falschmeldung, die schon gestern dementiert wurde: Peking, Moskau und Damaskus dementieren Berichte über baldige Militärübung in Syrien.

      Aber was anderes ist im Zusammenhang mit den „Plänen“ zur Evakuierung relevant: Moskau bezweifelt Informationen über Abtransport von Russen aus Syrien. Die „Pläne“ mag es trotzdem geben.

    • Anonymous

      @apxwn

      erstmal schönen Dank für dein Engagement. Eine gute Quelle mehr im Mosaik der Selbstaufklärung.

      Ich bin weiterhin fest der Überzeugung, dass, Pläne hin oder her, ein Zurückziehen der russischen Seite aus der Causa Syrien nicht stattfinden kann, da nicht stattfinden darf!
      Es sprechen mehrere, für Russland eminent wichtige Gründe, gegen ein Nachgeben. Abgesehen von der rohstoffreichen Achse Iran/Irak/Syrien sollte die geographische Lage am Mittelmeer nicht unterschätzt werden. Ferner wissen die Russen um die Pläne der US-Nato/Israel, einen nahöstlichen Raketenabwehrschirm installieren zu wollen, sobald die Bedingungen (Fall Syriens und des Irans) erfüllt sind.
      Ein weiterer Punkt liegt in dem Fakt, dass sich die „islamische Front“ praktisch vor Russlands Haustür befinden würde, sollten die besagte Pufferachse fallen. Und: der internationale Imageschaden bei nachgebender Haltung ist nicht kalkulierbar.
      Ein letzter Punkt, der oft vernachlässigt wird: Russland ist tatsächlich nicht allein für seine Reaktion und Agieren in der Syrienfrage verantwortlich. Ein Abstimmen der „Pläne“ wird sicherlich mit den BRICS-Staaten abgestimmt werden müssen.

    • Danke; die Gründe, weshalb Russland Syrien nicht aufgeben sollte, sind allgemein bekannt.

      Hier hängt alles von der Balance der Kräfte innerhalb der russischen Regierung ab. Und diese wird schon längere Zeit „bearbeitet“. Ich wiederhole immer wieder: Russland ist kein Monolith. Abgesehen von liberalen Kräften in der Regierung (das „Tandem“ ist gar keines: die beiden Fahrer haben verschiedene Richtungen!) kommt massiver Druck von einer eigens dafür geschaffenen „Opposition“ (ohne Inhalte, aber wie im syrischen Beispiel mit lauten Rücktrittsforderungen). Dazu der wirtschaftliche Druck durch den von den Saudis gedrückten Ölpreis, der das russische Staatsbudget noch in diesem Jahr zum Zusammenbruch führen kann – was noch mehr sozialen Sprengstoff generiert. Russland wird, ob vom State Department gesponsort oder nicht, seit mindestens einem dreiviertel Jahr an allen Fronten massiv geschwächt.

  • Anonymous

    ahso.. ok … :-( hatte schon gedacht, die nato kriegt endlich mal paroli geboten

  • Anonymous

    Oh Amerika,wieviel Tod und Elend bringst du noch über die Völker.

    • Fast wie die USS Enterprise im Persischen Golf. Die hat aber noch keiner versenkt.

      Zur Qualität der Luftabwehr: Eine F4 ist kein X-Wing und kein Todesstern. Man denke nur an die Zerstörung des Reaktors in Deir as-Zur durch die israelische Luftwaffe im Jahr 2007. Das hat die Luftabwehr nicht einmal mitbekommen.

  • „Nicht einmal mitbekommen“ – das stimmt nicht. Es war lt. Aviation Week eine koordinierte israelisch-amerikanische EW-Operation, die nicht ohne die physische Vernichtung einer Luftüberwachungsstation auskam, die vmtl. mit mindestens zwei CM’s angegriffen wurde. An die Stelle der ursprüngliche Darstellung ist übrigens eine stark redigierte Fassung gesetzt. Die IAF-Kampfbomber flogen einen gewaltigen Bogen über türkischen Luftraum in eine Zone geringer Bereitschaft der syrischen Luftabwehr, dafür gibt es unabhängige Bestätigung durch abgeworfene Tanks auf türkischem Boden – die Flieger mußten unterwegs betankt werden. Und die Aufrüstung Syriens galt seitdem Gegenmaßnahmen zur EW – hab allerdings die Namen der Systeme nicht mehr parat, außer den modernisierten „Tor“-Stellungen.
    Ich würde auch nicht ausschließen wollen, daß gewisse syrische Kreise vorgewarnt waren und den Angriff geschehen ließen – eher im Gegenteil. Der Bau war gewiß eine „Altlast“ Hafez, er basierte auf den Proliferationsverschörungen um Khan, „Vater“ der pakistanischen Atommacht, ab Mitte der 90ger, in die türkische und amerikanische Interessenten verstrickt waren. Gewisse Altlasten abzuwickeln hat Bashar sich vergeblich bemüht. Es ist umgekehrt verwegen, anzunehmen, sein Neoliberalisierungsprogramm sei Kalkulationen gefolgt und habe auf Verbindungen beruht, die sich von den libyschen grundsätzlich unterschieden.

    Falls ich das mit der F4 nicht völlig mißverstanden habe, ist die Drohne geeignet, in bestimmten Situationen A-Waffen wie eine CM ins Ziel zu bringen. Sie ist zwar größer, aber mit geeigneter Ausstattung im Tiefflug über flachem Terrain schneller. Was für einen taktischen Zweck sollten die old dogs sonst haben?

  • Hallo apxwn,
    welche Botschaft, meinst Du, richten die populären russischen Pressefenster gen Westen aus, indem sie den Putin-Besuch in Israel nebst seiner Agenda und der Teilnahme einer großen geschäftlichen Delegation glatt verschweigen?

    Gruß
    Tom