Christen in Homs

Marat Musin von ANNA News hat ein Gespräch mit Vater Maximos, einem orthodoxen Priester aus Homs, aufgezeichnet. Vor dem Hintergrund der neuerlich veröffentlichten Berichte über die Schändung christlicher Heiligtümer durch verschiedene bewaffnete Rebellenbanden ist das einerseits aktuell, andererseits vom Inhalt her geradezu erstaunlich neutral, friedlich und versöhnlich. Ein deutliches Indiz dafür, dass die religiöse bzw. konfessionelle Komponente, die man in manchen Medien den Unruhen in Syrien beibringen möchte (Schiiten und Alawiten vs. Sunniten etc.), ein Einfluss von außen und ein Spiel mit niederen Instinkten ist.

Der russischsprachige Videobeitrag von ANNA-News, darunter die Übersetzung des Texts:

Vater Maximos, Vorsteher der Kirche der Verkündigung der Gottesmutter:
Wir repräsentieren die Christen der Stadt Homs, welches eine antike Stadt und ein Zentrum der Orthodoxie ist. Es gibt bei uns eine ganze Reihe von alten Kirchen, wie die des heiligen Propheten Elias, die Kirche der 40 Märtyrer von Sebaste und die Um-Az-Zunar-Kirche („Kirche der Mutter des Gürtels“, in dieser gibt es als Reliquie einen Gürtel, welcher der Gottesmutter gehörte. – apxwn). Diese drei Kirchen befinden sich im Stadteil Al Hameediye.

Unsere Kirche der Verkündigung der Allheiligen Gottesmutter ist eine neue, sie wurde im Jahre 1967 mit Hilfe des Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Alexij I. erbaut. Wir haben hier eine Gedenktafel, die daran erinnert. Am Bau der Kirche war auch unser Vater Alexander beteiligt, der in Russland studiert und promoviert hat.

Wir haben hier zwei Ikonen – eine stellt den heiligen Metropoliten von Moskau und ganz Russland Alexij (+1378) dar, der auch der Schutzpatron unseres Priesters ist, welcher diese Kirche mit erbaut hat, die zweite stellt den heiligen Fürsten Alexander Newskij (+1263) dar, welcher der Schutzpatron des Patriarchen Alexij I. ist. Unsere Kirche ist eine einfache und eigentlich ein Beispiel für moderne Kirchenarchitektur.

Ich möchte von den Kirchen und den Christen in Al Hameediye berichten, wo gerade gekämpft wird, und leider mussten die Christen dieses Stadtteils schon vor einigen Monaten aus ihren Häusern fliehen. Jetzt sind dort noch ungefähr 120 Menschen verblieben. Es gibt derzeit Bemühungen, sie von dort zu evakuieren.

Leider wurden die Kirchengebäude auch mit unter Beschuss genommen und befinden sich in einem kläglichen Zustand, zum Beispiel ist die Kirche des heiligen Georg, welche von den Russen erbaut worden ist, vollständig zerstört; sie war 170 Jahre alt. In der Um-Az-Zunar-Kirche ist die Kuppel eingestürzt, sie ist vor vielen Jahrhunderten erbaut worden, ist älter als 1.000 Jahre. Unsere hassanidischen orthodoxen Schulen – insgesamt fünf an der Zahl, die im 18. Jahrhundert auch mit Hilfe der Russen erbaut worden sind, sind fast vollständig zerstört. Ich hoffe, dass die Konfliktparteien sich mithilfe von Verhandlungen untereinander einigen können, zu einem Friedensabkommen gelangen und es gelingt, die Menschen zu evakuieren.

Zum Schluss möchte ich der russischen Kirche und dem russischen Volk sagen: bitte, vergesst uns nicht in dieser Krise, unterstützt uns in vielen Richtungen, damit nicht nur die Orthdoxe Kirche, nicht nur die Christen Syriens, sondern auch ganz Syrien wieder ein gutes und weitherziges Land wird, das alle umschließt – sowohl Christen als auch Moslems, so, wie das immer gewesen ist.

Gebe es Gott, dass diese Krise vorübergeht wie ein schlechter Traum. Ich bitte Russland – den russischen Staat und die Orthodoxe Kirche – dass sie Seite an Seite mit dem syrischen Volk stehen und uns dabei helfen, in unsere Kirchen und Häuser zurückzukehren, so dass wir Zeugen des Wortes Gottes in unserem Land bleiben.

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