Frontberichterstattung Homs

Vesti.ru brachte gestern abend eine aktuelle Frontberichterstattung von ihrer Syrien-Korrespondentin Anastasia Popowa. Diese springt mit den Soldaten der syrischen Armee lockerflockig durch die vordersten Stellungen und gibt Kommentare zu einer aktuellen Operation ab, bei der ein kleinerer Kommandoposten der bewaffneten Rebellen ausgeschaltet wurde. Resultat: ein Toter und vier gefangene Rebellen, ein toter und mehrere verwundete Soldaten.

Hierunter – unter dem Videobeitrag selbst – dessen unkommentierte Übersetzung. Eine kleine Anmerkung dazu folgt von mir später am Abend.

Quelle: Vesti.ru


Ab 00:11:

Der Waffenstillstand ist beendet. Die bewaffneten Kämpfer haben es abgelehnt, ihre Waffen niederzulegen und verschanzen sich nach wie vor in verlassenen Häusern. Man könnte meinen, die einfachste Variante wäre es, sie aus Panzern zu beschießen, doch die Soldaten unternehmen stattdessen punktuelle Säuberungsaktionen. Innerhalb der Stadtviertel trifft man, wenn auch sehr selten, noch friedliche Zivilisten – solche, die einfach nichts mehr haben, wo sie hingehen könnten.

Zivilist (alter Mann namens Abu Adnan) bei @00:28:

Wo soll ich denn hingehen? Ich habe keine Verwandten mehr. Was habe ich diesen Kämpfern Böses getan, dass sie mir alle Wände kaputtgemacht haben? Gut, dass wenigstens die Soldaten mich versorgen, mir Brot bringen.

Fotos, Spielzeug, Ikonen – das war einmal ein christlicher Stadtteil. Überall liegen die Splitter des vormals friedlichen Lebens herum. Wir gehen durch die Häuser hindurch, aus dem Zimmer durch die Küche und von dort direkt zum Aufgang des Nachbarhauses. Der schwierigste Teil aber ist die Straße.

Anastasia Popowa bei 00:53:

Über diese Straße muss man rennen…

Jemand bei 01:01:

Los geht’s!

Text bei 01:10:

Es kommt die Meldung, dass einer der Soldaten verwundet worden ist. Die Kugel eines Scharfschützen hat ihn am Kopf getroffen. Der 26-jährige Hauptmann der syrischen Armee verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. (Röntgenbild des Schädels mit Projektil im Hinterkopf.) Auf den Betten des Lazaretts liegen Dutzende Zeitsoldaten mit amputierten Armen, Beinen, mit Verwundungen von Splittern und von Feuerwaffen.

Text bei 01:34:

Im Arsenal der bewaffneten Rebellen befinden sich auch modernste Präzisionswaffen – amerikanische und israelische Infanteriegewehre, die auf mehrere tausend Meter tödlich zu treffen in der Lage sind, französische Zieloptik, Maschinengewehre, Granatwerfer, Panzervernichtungswaffen. Die syrische Armee verteidigt sich mit schweren Maschinengewehren, Granatwerfern und Kalaschnikows und erobert Meter um Meter Boden von den Aufständischen. Unter sich nennen sie diese Stadt bereits „Stalingrad“.

Anastasia Popowa bei 02:02:

Hier sieht man das, in was sich das Zentrum von Homs verwandelt hat. Gerade jetzt wird hier um jedes Haus gekämpft.

Die Aufgabe dieser vorgerückten Einheit ist es, zu einem Haus zu gelangen, in dem sich nach Angaben der Aufklärung eine zeitweilige Kommandostelle der bewaffneten Rebellen befindet. Dahin gelangt – oder besser: kriecht – man des nachts, um so von den Aufständischen möglichst unbemerkt zu bleiben.

Anastasia Popowa bei 02:17:

Nachts treten die Säuberungsaktionen in eine aktive Phase ein,. Sie hören den Schusswechsel selbst. Die Armeeangehörigen bewegen sich vorsichtig von Haus zu Haus, prüfen jeden Schritt, um keinen Fehler zu machen. (Zum Kameramann:) Mach aus, mach aus!

Text bei 02:30:

Wir tasten uns durch die zerstörten Häuser voran und beziehen Stellung an einem strategischen Punkt in einem hohen Haus, von wo aus man das ganze Stadtviertel im Blick hat. Eine Kugel fliegt nur einen Zentimeter an unserem Kameramann vorbei und trifft ein Metallgeländer. Drei Soldaten werden an der Schulter verwundet.

Kameramann bei 02:47:

Scharfschützenfeuer – das ist das Schlimmste! Dieser hat danebengeschossen, ich hatte einfach nur Glück. Hätte er nur 5 Zentimeter tiefer getroffen, könnten wir uns jetzt nicht mehr unterhalten.

Jetzt kommen wir nicht weiter voran. Wir bleiben in dem Hochhaus und warten, bis der Schusswechsel abflaut. Weiter geht es im Morgengrauen. Das vorher bezeichnete Haus mit den bewaffneten Kämpfern ist 1.000 Meter von uns entfernt.

Anastasia Popowa bei 03:13:

Die Soldaten sind bis an das Haus gelangt, in dem sich die Rebellenkämpfer verschanzt haben – nur einen Tag nach Beginn der Operation. Es wurde eben gemeldet, dass dort noch ein paar Leute die Stellung halten, gleich… (Lärm von Schüssen übertönt die Reporterin.)

Text bei 04:02:

Ein amerikanisches Maschinengewehr, israelische Handgranaten und Sprengstoff – eine für die Soldaten inzwischen gewöhnliche Beute. Ein bewaffneter Kämpfer wurde vor Ort liquidiert, ein weiterer wurde festgenommen. Noch drei hat man im Hof gefangen, bei einem Pickup mit einem selbstgebauten gepanzerten Schutzschild und einer auf dem Dach befestigten FlaK.

Derzeit gelingt es nicht, den Zustrom von bewaffneten Kämpfern nach Syrien zu unterbinden. Noch gut 10.000 Bewaffnete haben inzwischen die Grenze vom Libanon aus überquert und versuchen, sich nach Homs durchzuschlagen.

Anastasia Popowa, Michail Witkin, Jewgenij Lebedew – Vesti. Homs, Syrien.

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  • Anonymous

    „Derzeit gelingt es nicht, den Zustrom von bewaffneten Kämpfern nach Syrien zu unterbinden. Noch gut 10.000 Bewaffnete haben inzwischen die Grenze vom Libanon aus überquert und versuchen, sich nach Homs durchzuschlagen.“
    Das ist der Kern des Problems der syrischen Armee. Das Trockenlegen des Nachsickerns wäre der Schlüssel, bevor man dann im Inneren aufräumen könnte – und würde!
    Nur: Sieht man sich die weitgesteckten Grenzen an, zu Jordanien, dem Libanon, dem Irak und der Türkei, alles Länder, aus denen tagtäglich Kohorten von Söldnern ins Land einfallen, erkennt man, dass es im Grunde ohne Hilfe von aussen keine Chance geben wird, dieses zu erreichen. Es ist bereits jetzt ein Wunder und der syrischen Armee aller Ehren wert, dass sie diese unglaubliche Situation bisher noch
    so offen halten kann!

    • Genau das ist die Information aus dem Beitrag, die am interessantesten ist. Dazu gleich mehr.

      Zu den Grenzen in Syrien (und in den meisten Ländern der Region) muss man wissen, dass es dort keine Zäune, Minenfelder, Selbstschussanlagen etc. gibt. Es gibt da, wo die Grenze ist, einfach nur nichts. Man bekommt bestenfalls per GPS mit, dass man sich bereits im Nachbarland befindet. Kontrolliert von der Armee werden die Strassen. Aber einen dezidierten Grenzschutz hat Syrien (und haben die meisten anderen Länder dort) nicht.

    • Woher will man wissen, wie viele die Grenze überquert haben, wenn es keinen Grenzschutz gibt?

      10.000 ist nicht gerade wenig.

    • Estimated. Halte ich aber nicht für aus der Luft gegriffen, siehe Update.

  • Anonymous

    „CIA rekrutiert 6000 *Black Water* Söldner nach Syrien!“

    Wie soll man so etwas nennen? Offene Psychiatrie für geisteskranke Massenmörder?

    „Der Vize-Präsident der türkischen Arbeiterpartei, Bulent Aslanoglu, bestätigte, dass etwa sechstausend Menschen aus verschiedenen Nationalitäten, aus dem arabischen, afghanischen und türkischen Raum, von der CIA eingestellt wurden um dort terroristische Aktionen durchzuführen.

    In einem Artikel des türkischen TV -Senders (Olossal), wurde bekannt, dass Türken kämpfen und sterben, weiteres gegen unschuldige Menschen Verbrechen begehen, und das im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika, die außerdem Unsummen an Geldern, in diese Truppen investieren.“

    http://inge09.blog.de/2012/06/24/cia-rekrutiert-6000-black-water-soeldner-syrien-13930978

    Falls folgende Meldung der Wahrheit entspricht, könnte die Zahl von 10 000 schon annähernd richtig sein:

    „CIA recruits 6000 “Black Water” mercenaries to commit massacres in Syria.“

    http://anoncentral.tumblr.com/post/25667875199/cia-recruits-6000-black-water-mercenaries-to-commit