Tremseh, Provinz Hama

Wieder ein „Blutbad regierungsnaher Truppen“, diesmal in der Provinz Hama. Nach den Angaben mehr oder weniger ungenannter Oppositioneller wurde das Städtchen Tremseh von Regierungstruppen unter Einsatz von schwerer Artillerie, Hubschraubern und Panzerfahrzeugen angegriffen, wonach „alawitische Milizen“ durch die rauchenden Trümmer gestiegen kamen und nach altbekanntem Schema ein Massaker unter der Bevölkerung angerichtet hätten. 200 Opfer, alles selbstredend friedliche Zivilisten.
Es gibt noch eine nicht minder glaubwürdige Quelle, nämlich das Londoner Syrische „Observatorium“ für Menschenrechte, das etwas knauseriger ist und die Opfer mit 150 beziffert. Ändert freilich nichts an der Information als solcher.
Was bei dieser Nachricht etwas seltsam klingt, so sind es die Angaben über den unerbittlichen Beschuss des Dorfes. Man denkt: ein friedlicher Ort. Schläfrige Fliegen surren herum, würdige alte Männer in weißen Kaftanen sitzen auf den Bänken und gucken irgendwelchen Jungs beim Mopedfahren hinterher, junge Frauen in bunten Sachen mit Säuglingen auf den Armen. Was soll der schwere Beschuss, wenn es niemanden gibt, der nennenswerten Widerstand leisten könnte? Schamil Bassajew ist damals in Budjonnowsk ohne eigene Artillerie und Luftwaffe zum Zuge gekommen. Salman Radujew hat das dagestanische Kisljar auch nicht mit Panzerkeilen eingenommen, sondern dazu reichte ihm leichte Infanterie. In Tremseh aber wurde erst aus der Luft und aus Entfernung der Boden klargemacht.
Denn nimmt man andere Beispiele aus den russischen Tschetschenienkriegen (die in vielerlei Hinsicht an die momentane Situation innerhalb Syriens erinnern, außer, dass sie für Russland viel besser lokalisierbar waren als das große Wirkungsfeld der Terroristen in Syrien) – zum Beispiel den Sturm der Siedlung Komsomolskoje – ja, da musste das „Putin-Regime“ nun wieder die ganze Palette der oben aufgeführten Waffengattungen einsetzen: Buratinos, Luftwaffe, Panzer. Die einzige Besonderheit von Komsomolskoje war nur, dass es dort keine „friedlichen Zivilisten“ gab. Das heißt, nein, die gab es natürlich, aber gut gemischt mit anderthalb Tausend bewaffneter Banditen, von denen 1.200 dann letztlich auch dort geblieben sind. Hier war es logisch, schwere Waffen und Hubschrauber einzusetzen.
Wenn man dabei in Betracht zieht, dass die syrische Armee derzeit mit methodischen Säuberungsaktionen in den Provinzen Homs, Hama, Idlib und Aleppo beschäftigt ist, eine weitere „Hochburg“, nämlich Ar Rastan, umstellt und wahrscheinlich bald nach Homs dran ist, so sieht die ganze Situation schon ganz anders aus. Es ist unsinnig, so viel schwere Technik, Armee, Ressourcen – kurz: Kampfkraft – zur Inszenierung eines Massakers in ein kleines Dorf abzukommandieren. Wenn man aber die These zulässt, dass in Tremseh größere Rebelleneinheiten ausgehoben worden sind, so rückt alles an seinen Platz, so dass man diese Angaben einordnen kann.
Die syrische Regierung teilt indes relativ geringe Verluste innerhalb der Streitkräfte nach dieser Operation mit. Je nach Quelle, die man liest, 3 bis 5 Armeeangehörige. Zum Vergleich die oben bereits erwähnte Erstürmung von Komsomolskoje: auf (wieder: je nach Quelle) 500-1.200 liquidierte Banditen kamen ungefähr 50 getötete russische Armeeangehörige. Ein ähnliches Verhältnis wie jetzt in Tremseh – und gerade dazu, das Leben der Soldaten zu schützen, wurde Komsomolskoje vor der Erstürmung mit einem Hagel aus Feuer und Stahl vorbehandelt.
In Tremseh geht es also höchstwahrscheinlich um eine Operation zur Vernichtung von dort befestigten Rebellenbanden. Die jetzt überall kolportierte Version der Inszenierung eines Massakers mit dem Schabiha-Schreckgespenst wirkt sehr an den Haaren herbeigezogen, wenn man die Ereignisse in Hama und anderen Provinzen berücksichtigt. Bleibt zu warten, was weitere Dokumentationen bringen werden. Die ersten Bilder (vom Londoner „Observatorium“ veröffentlicht) zeigen rund 20 Leichen von durchaus erwachsenen Männern.

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