Syrien, Tremseh: Zeugenaussagen

Heute Nacht wurde von ANNA-News eine Videoreportage zu den Ereignissen in Tremseh veröffentlicht. Da die Sache recht dringend ist, gibt es keine Übersetzung – man hat also Gelegenheit, die Sprache des Originalbeitrags zu genießen. Wer des Arabischen nicht mächtig ist, kann hierunter die Übersetzung ins Deutsche lesen. Quelle: ANNA-News.

Als Reaktion auf Notrufe der Bewohner von Al-Tremseh wurde der Ort durch Armeeeinheiten von Banditen befreit, welche in diesem Ort Morde begingen und Häuser zerstörten.
Am Morgen des 12. Juli begann die Operation zur Vernichtung der Banditen.
Eine Quelle beim Militär hat mitgeteilt, dass die Operation mithilfe der Bewohner sehr schnell durchgeführt worden ist, ein Teil der Banditen wurde liquidiert, einige Dutzend wurden festgenommen. Ebenso wurden in dem Ort Waffenlager und ein Feldlazarett gesichert, gefunden wurde auch ein Haus, in welchem die Bewohner für ihre Zusammenarbeit mit der Staatsmacht festgehalten und bestraft wurden; eine große Zahl an Dokumenten wurde sichergestellt. Darunter fand man unter anderem Ausweispapiere eines der getöteten Banditen, welcher demnach aus der Türkei stammt.
Die Quelle beim Militär hat ebenso mitgeteilt, dass folgende Waffen sichergestellt worden sind: 45 Maschinengewehre, 13 Scharfschützengewehre, 9 Panzerabwehrwaffen, 7 schwere Maschinengewehre, 3 Granatwerfer und selbstgebaute Raketen, 14 Jagdgewehre, 10 Pistolen, 24 Stück Mörsermunition, 32 Stück Granatwerfermunition, 53 Maschinengewehrmagazine, 30 Magazine mit Scharfschützenmunition, 8 Sprengladungen, 10 Handgranaten, 150 Detonatoren, 1.500 Patronen für Scharfschützengewehre, 5.000 Patronen für Maschinengewehre, 500 Pistolenpatronen, 7 Gasmasken, 25 Satellitentelefone, 30 kugelsichere Westen, eine Menge TNT, C4-Sprengstoff, eine Vielzahl an Medikamenten und einige gestohlene Fahrzeuge.
Aus derselben Quelle hieß es, dass nach Abschluss der Operation von den Armeeangehörigen bei der Durchsuchung der Häuser, in denen sich die Banditen festgesetzt hatten, Leichen von Zivilisten vorgefunden wurden.
Das Militär bekräftigt seine volle Einsatzbereitschaft seiner Einheiten und dass es weiterhin beabsichtigt, solche Provokationen von Seiten der Banditen nicht zuzulassen; es dankt den Einwohnern des Ortes Tremseh für ihre Kooperation.

Hier Zeugenaussagen der festgenommenen Terroristen – ethnischer Turkmenen, Beduinen und Araber.

Der erste Zeuge: Ich bin ehemaliger Polizeibeamter, heiße Saeg Darwish und stamme aus dem Ort Al-Tremseh in der Provinz Hama. Ich habe in Idleb gedient. Ich bekam Urlaub und fuhr in meinen Heimatort. Die Rebellengruppen unter dem Kommando von Saleh Sebawi erfuhren davon, dass ich nach Hause kam, und drohten mir und meiner Familie mit dem Tod, sollte ich an meinen Dienstort zurückkehren wollen. Mir wurde Geld geboten. Vor 20 Tagen hat die Rebellen- und Terroristenbande, etwa 250-300 Mann stark, sich in Al-Tremseh versammelt, von hier aus Checkpoints angegriffen und Straßen abgeriegelt. Die Bewohner wurden zu einem Streik gezwungen, die Läden mussten geschlossen bleiben. Am vorigen Donnerstag hörten wir, dass die Armee den Ort umstellt habe. Uns wurde befohlen, die Armee unter Feuer zu nehmen. Bevor uns das befohlen wurde, haben wir versucht zu fliehen, doch das ist uns nicht gelungen. Wir haben der Armee einige Stunden Widerstand geleistet. Im Verlauf des Zusammenstoßes sind viele Rebellenkämpfer umgekommen, ich wurde gefangen genommen. Die Waffen, welche wir bei uns hatten, waren Scharfschützengewehre, Maschinengewehre, Panzerabwehrwaffen und Sprengstoff. Geld bekamen wir aus der Türkei. Unter uns gab es auch Kämpfer aus der Türkei und aus Libyen.
Der zweite Zeuge, ein festgenommener Kämpfer: Ich heiße Muhammed Sattuf, bin 1984 geboren und lebe in Al-Tremseh. Meine Aufgabe war es, Videos zu produzieren und diese auf Youtube hochzuladen. Vor 20 Tagen begannen sich die Terroristenbanden in Al-Tremseh zu sammeln, um von hier aus Überfälle auf Checkpoints auszuführen, diese und die regionalen Regierungsbehörden anzugreifen. Die Rebellengruppen haben einige Operationen gegen die Armee und die Sicherheitskräfte von hier aus durchgeführt. Wir haben Straßen vermint, auch Straßenlaternen. Einige von uns verminte Fahrzeuge haben wir gesprengt. Es kam der Befehl, die Armee aus der Entfernung unter Feuer zu nehmen. Im Endeffekt ist dadurch der Kommandeur der Brigade, Muhammed Al-Fateha Isa Ibrahim, getötet worden. Die Brigade bestand aus mehreren Einheiten von insgesamt 250-300 Mann, bewaffnet waren sie mit Infanteriegewehren, Maschinengewehren, Panzerabwehrraketen und Sprengsätzen. Man hat hier auch eine Werkstatt zur Herstellung von Sprengsätzen eingerichtet.

Zwischenzeitlich kam ein Mann namens Abu Al-Sahraa. Er hatte ein Video dabei, das nach den Ereignissen in Al-Qubair produziert worden ist. Er selbst hat dort gefilmt und das Video bearbeitet. Er hat meinen Cousin Mufid Al-Lush gebeten, dieses ins Internet hochzuladen.

Der dritte Zeuge, ein festgenommener Kämpfer: Ich heiße Rami Abdul Salam Darwish und lebe in Al-Tremseh. Vor einem Monat kam Saleh Sebawi hierher. Er bot mir Geld und Waffen, damit ich bei ihm mitmache. In unserem Dorf hat sich eine größere Anzahl Terroristen und Rebellenkämpfer gesammelt, mehr als 300. Darunter waren auch Libyer und ein türkischer Offizier. Geld und Waffen wurden uns aus der Türkei von Abu Talha, welcher aus Idleb stammt, gebracht. Die Waffen, die wir hatten, waren Maschinengewehre, Granatwerfer, Sprengsätze und anderes. Am Donnerstag wurden wir zwecks des nächsten Angriffs versammelt, doch wir selbst wurden von den Streitkräften der syrischen Armee angegriffen. Abu Talha gab Befehl, der Armee Widerstand zu leisten, so dass wir erbitterten Widerstand geleistet haben. Ich wurde gefangen genommen.

Der vierte Zeuge, ein festgenommener Kämpfer: Ich heiße Hekmat Shahada Mustafa Yunis (ein Araber – MM), bin Einwohner von Al-Tremseh. Ich bin zu der Gruppe des Darwish-Clans hinzugekommen, es waren 16-17 Männer. In Al-Tremseh sammelten sich bewaffnete Kämpfer, alles in allem ungefähr 250-300 Mann. Es gab Befehl, Checkpoints anzugreifen, den Verkehr abzuschneiden und die staatlichen Bediensteten daran zu hindern, zu ihrer Arbeit zu gehen. Urplötzlich, am Donnerstag, mussten wir uns im Dorf versammeln und es gab den Befehl, uns erbittert gegen die angreifende Armee zur Wehr zu setzen, was wir dann auch taten. Unter den Waffen, die wir benutzten, waren Kalaschnikow-Maschinengewehre, Panzerabwehrraketen und Infanteriegewehre. Auf höheren Gebäuden im gesamten Dorf bezogen Scharfschützen Stellung. Im Kampf ist der Kommandeur unserer Gruppe umgekommen. Der Kampf hielt zwei Stunden an. Als ich begriff, dass alles vorbei ist, habe ich mich ergeben. Ich habe mich ergeben, nachdem ich über ein Megafon hörte, dass wir uns ergeben sollen (@09:22).

Eine Reporterin (SANA News) berichtet weiter: Der Ort Al-Tremseh liegt im Nordwesten, ungefähr 35 Kilometer von Hama entfernt, und eine größere Ansammlung von Banditen – ungefähr 300 – hat sich in dem Ort festgesetzt. Darunter waren auch Libyer und ein Militärberater aus der Türkei. Waffen wurden von einem Mann namens Abu Italhat aus der Türkei gebracht, wovon einer der festgenommenen Banditen – ein Tunesier – berichtet hat.

Der fünfte – ein Zeuge der Ermordung von Zivilisten. @14:08. Ich heiße Yusef Abdullah Mahmud und lebe in Al-Tremseh. Am frühen Morgen weckte mich meine Mutter. Sie wollte, dass wir auf dem Feld arbeiten. Doch dann kam Saleh Sebawi und seine Männer. Sie wollten uns dazu zwingen, in ihrer Brigade mitzukämpfen. Meine Mutter versuchte, sie daran zu hindern, doch sie nahmen uns mit. Ihre Namen sind: Saleh Sebawi, Minhal Darwish, Ahmed Al-Tayeh, Iyad Darwish, Milal Darwish, Hammad Al-Fares, Ali Al-Daiye. Saleh Sebawi sagte: gehen wir und greifen die Häuser an, in denen die Soldaten gewesen sind. Ich habe das abgelehnt, doch ich wurde gezwungen, mitzugehen. Ich war dabei, als sie die Türen aufbrachen. Ich wollte mit hinein, doch Saleh Sebwai bedeutete mir, draußen zu bleiben: Du bist noch klein, bleib draußen.
Ich habe ein ganzes Magazin in die Decke leergeschossen. Dann gingen sie in das Haus und haben alle umgebracht, die darin waren. Sie haben alle umgebracht und kamen heraus. Ich habe mit meinen eigenen Augen die Männer und Frauen gesehen, ein paar Frauen, die drinnen saßen. Saleh Sebawi sagte, dass niemand drinnen mehr am Leben sei. Dann gingen wir auf die andere Seite, ich schoss fünf Mal in die Luft. Sie gingen wieder hinein und haben alle umgebracht, die im Haus waren. (@15.29)

Der sechte Zeuge: @15:31. Ich heiße Ahmed Abdullah Mahmud, bin 1994 in Al-Tremseh geboren. Der Kommandeur der Banditengruppe, Saleh Sebawi, kam herbei und sagte: geht heraus. Wir greifen die Armee an.
Wir gingen zum Nordteil des Dorfes. Dort gingen wir zu einem der Häuser und er sagte: Hier sind Soldaten der Armee, brecht die Tür auf. Wir haben die erste Tür aufgebrochen und sie gingen hinein. Ich bin nicht hineingegangen. Saleh Sebawi kam wieder und befahl, die zweite Tür aufzubrechen. Wir haben diese zweite Tür aufgebrochen. Saleh Sebawi ging hinein und brachte die Frauen und Männer um.

Der siebente Zeuge: Ich heiße Saher Al-Tayeh und wohne in Al-Tremseh. Ich, Hussein Abbas und Leutnant Isa Ibrahim haben einen Menschen gefangen genommen, der Bewohner des Dorfes Safsafia war. Wir parkten sein Auto, führten ihn weg und haben in dann erstochen. Noch zwei weitere haben wir mit dem Messer umgebracht, einen Einwohner von Tal-Sahab und einen zweiten aus Safsafia. Erst haben wir ein Lösegeld von jeweils 200.000 und 400.000 Lira haben wollen. Als man uns dieses Lösegeld nicht gab, haben wir sie erstochen.

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  • Es sieht also so aus, dass vor rund 20 Tagen eine Bande von ungefähr 60 Mann (nach der Menge der Feuerrohre zu urteilen) nach Tremseh gekommen ist
    . Diese hatten wohl Geld, so dass sie daran gingen, junge Bewohner anzuwerben und wahrscheinlich wurden die Bewohner für Nahrungsmittel bezahlt (20 Tage lang schien sich niemand beschwert zu haben). Dann ging wohl dem Chef Saleh Al-Sebawi das Geld aus, so dass man daran ging, die Bewohner ganz schlicht auszurauben, was wohl auch zu Morden führte. Das wird wohl der Moment gewesen sein, als die Bewohner die Armee zu Hilfe riefen…