Die Chemie stimmt

Das Thema der Chemiewaffen in Syrien beginnt, so langsam zu einem der Hauptelemente der Kampagne gegen die arabische Republik zu werden. ITAR-TASS hat gestern mitgeteilt, dass es zwischen den USA und Israel Beratungen zu Notwendigkeiten und Möglichkeiten eines Einsatzes der israelischen Luftwaffe gegen die Chemiewaffenlager in Syrien gegeben hat.

Sicherlich werden die Amerikaner ihren israelischen Kumpels kaum in aller Öffentlichkeit grünes Licht dafür geben, obwohl sich ihre Vorbehalte eher so lesen, als sollen sie diejenigen, die sehr heiß darauf brennen, wenigstens irgendwas zu bombardieren, gerade noch heißer machen. Die Frage danach, was passiert, wenn man ein Chemiewaffenlager mit Luftschlägen zerstört, wird dabei nicht gestellt. Geraten Phosgen- und Senfgas nach der Bombardierung eines entsprechenden Waffenlagers in die Umwelt, verändern sich dadurch ihre chemischen und toxischen Eigenschaften nicht etwa zum besseren, nur weil das Bombardement „humanitär“ und „demokratisch“ war. Dass diese Dinge durch einen Angriff auf dem Territorium Syriens in die Umwelt geraten, wird dabei offensichtlich als zulässig gewertet. Kaum erwähnt wird dabei auch die sich selbst anbietende Möglichkeit, unter dem Lärm der präventiven Zerstörung von Chemiewaffen und damit der „Rettung Israels“ auch rein präventiv ein paar andere Ziele mit zu treffen. Falls dabei ein-zwei verträumte Piloten von der Luftabwehr vom Himmel geholt werden, dann kann man umso schöner Vergeltung üben. Kein Gremium, geschweige denn der UN-Sicherheitsrat, wird mit den Ereignissen noch Schritt halten können, die Geschichte würde dann komplett von der operativen – das heißt der militärischen – Ebene aus gesteuert werden.
Russland und China haben indes gegen die westliche Variante einer Resolution im UN-Sicherheitsrat ihr Veto eingelegt. In der Vorlage der westlichen Staaten waren Sanktionen bis hin zu Gewaltanwendung gegen Syrien vorgesehen. Dadurch, dass Russland kurz danach seinen eigenen Resolutionsentwurf zurückgezogen hat, wird die UN-Syrien-Mission morgen, am 20. Juli, eingestellt – ein direkter Überfall auf Syrien ist damit nun sehr wahrscheinlich. In der gegebenen Situation ist es für den Westen vorteilhafter, das Chaos im Lande ohne UN-Zeugen zu managen – diese würden, sollte man wirklich Optionen z.B. eines von einer ausländischen Luftwaffe unterstützten Angriffs der „bewaffneten Demonstranten“ auf Chemiewaffenlager eruieren, nur stören.
Die russische Zeitung „Vzglyad“ berichtet indes (unter Berufung auf SANA) von seltsamen Baumaßnahmen im Katar – angeblich „potemkinsche“ Varianten bekannter Gebäude der syrischen Städte Damaskus, Aleppo und Latakia. Wenn das den Tatsachen entspricht, könnten diese Nachbildungen für das Training von Spezialeinheiten verwendet werden, oder aber wir erleben bald das selbe, was wir im letzten Jahr bei dem Überfall auf Libyen gesehen haben, als nämlich das erste Siegesgeheul vom Grünen Platz in Tripolis in der Wüste des Katar gedreht wurde.

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