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Kurden und Beduinen gegen die FSA in Aleppo

Kurdische Kämpfer auf Seiten Assads in Aleppo

Vesti.Ru brachte heute mehrere Meldungen über die Kämpfe in Aleppo. Die Nachrichten stellen an sich keine Sensation dar, allen ist inzwischen bekannt, dass die Offensive der Regierungsstreitkräfte gegen die bewaffneten Söldner und Rebellen seit dem Morgen des Samstag angelaufen ist. Ein Detail dieses Vesti-Berichts ruft allerdings Interesse hervor:

Gegen die bewaffneten Oppositionskämpfer sind [in Aleppo] nicht nur die regulären Streitkräfte angetreten. Gegen die Feinde Assads kämpfen hier auch Kurden sowie verschiedene arabische Stämme. Die Kämpfe in Aleppo stellen somit einen richtigen Bürgerkrieg dar.
Mit „arabischen Stämmen“ sind offenbar die Beduinen dieser Region gemeint. Im Prinzip ist diese Information von Vesti.Ru durchaus auf einer Linie mit anderen Quellen, die früher davon sprachen, dass sowohl Kurden, als auch Beduinen es in weiten Teilen abgelehnt haben, die Rebellen zu unterstützen und sie entweder von den von ihnen kontrollierten Territorien vertrieben oder gar nicht erst Zugang zu diesen gewährt haben. Ein allseits anerkannter Fakt ist zum Beispiel, dass die FSA zu keinem Moment der gesamten Unruhen in Syrien Zugang zu den Gebieten der syrischen Kurden bekommen hat. Diese Gebiete werden seit längerer Zeit von kurdischen Milizen mit Billigung und in Kooperation mit den syrischen Sicherheitsorganen kontrolliert.

Wenn es allerdings der Wahrheit entspricht, dass in den Kämpfen in Aleppo Kurden und Beduinen auf der Seite der Regierung beteiligt sind, so gibt das der Vorstellung von der Lage vor Ort einen merklichen „Shift“. Es ist trotzdem immer noch sehr schwer, von einem wirklichen Bürgerkrieg zu sprechen, auch wenn die Situation viele Anzeichen davon hat. Trotzdem – solange sich nicht Teile der syrischen Elite offen auf der Seite der Rebellen schlagen – die Causa Tlass ist bisher immer noch nicht eindeutig – so kann man nicht mit vollkommener Sicherheit von Bürgerkrieg sprechen.

Die Beteiligung von Kurden kann bedeuten, dass ein Teil der Kurden auf die Regierung setzt, von dieser vielleicht Garantien über eine künftige Autonomie ihrer Enklave erhalten hat. Bereits vor einem Monat, am 27. Juni, hatte Salam News folgendes mitgeteilt:
Syrien hat es der Terrororganisation PKK gestattet, ihre Fahnen in den Grenzgebieten zur Türkei zu hissen. (…) Der Fahnenmast steht auf der höchsten Erhebung des Ortes und ist vom türkischen Gebiet aus gut zu sehen. Es ist ebenso zu sehen, dass nur 200 Meter von diesem entfernt die Staatsflagge Syriens weht.
Der Duktus entspringt der Tatsache, dass Salam News eine aserbaidschanische Nachrichtenagentur ist und folglich naturgemäß mit der Türkei sympathisiert.

Vieles deutet darauf hin, dass unter den Kurden die „Autonomisten“ sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen die „Separatisten“ behaupten konnten – sonst wäre kaum die Rede von kurdischen Kämpfern auf Seiten der Regierungstruppen in Aleppo.

In diesem Sinne kann die Beteiligung von Kurden und Beduinen – also gleich beider Bevölkerungsgruppen – so aufgefasst werden, dass die inoffiziellen Verhandlungen zwischen ihnen und der syrischen Regierung innerhalb des letzten halben Jahrs offenbar zu einem Einvernehmen geführt haben. Diese Minderheiten erfüllen jetzt ihren Teil der Abmachungen.

Walid Dschumblat, Führer der Drusen im Libanon, und Sayyed Nasrallah, Hisbollah
Währenddessen wird vom Führer der Drusen im Libanon, Walid Dschumblat, gemeldet, dieser rufe zum Mord an Assad auf. Er spricht weiterhin davon, dass wenn es denn nicht gelinge, Assad umzubringen, so sollte man ihn wenigstens nach Sibirien oder in die iranische Wüste verbannen.

Eigentlich ist es eher verwunderlich, dass der einstige treue Freund Syriens und des Assad-Clans nun seinen plötzlichen Zorn erst so spät anmeldet. Das einer Aussage Stalins zugeschriebene Meme „Polithure“ passte so viel eher auf Genossen Dschumblat als auf Trotzki. Im Libanon gibt es wohl keine politische Kraft, mit der der genannte Held nicht einmal in bestem Verhältnis stand und sie danach verraten hat. Noch im Januar 2011 war er ein eifernder Anhänger der Hisbollah und Syriens bester Kumpel, was ihn nicht daran hinderte, ein halbes Jahr später das „blutige Assad-Regime“ zu verurteilen und sich nun schließlich das Banner der FSA um die Hüfte zu schnallen. Er war praktisch an allen Koalitionen im Libanon beteiligt und hat sie alle wieder aufgegeben.

Assad ergeht es hinsichtlich des Walid Dschumblat also nicht anders, als unzähligen vor ihm. Je nachdem, woher der Wind weht, richtet der Drusenfürst seine Nase aus. Einen taktischen Sinn hat er auf jeden Fall. Auf strategischer Ebene jedoch ist er ein Verlierer und musste sich immer mit Brosamen zufrieden geben.

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