Schlimmer als Bunker-Buster

Süd-Aserbaidschan innerhalb des iranischen Territoriums
Süd-Aserbaidschan
Eine aktuelle Ergänzung zu „Divide et dele“, da die „Eurovision 2012“ nun endlich vorbei sein dürfte.
Der US-amerikanische Kongressabgeordnete Dana Rohrabacher ist eine äußerst interessante Persönlichkeit. Und das nicht etwa deshalb, weil es ihm irgendwie gelungen ist, seinen Allerwertesten schon seit 20 Jahren in einem Sessel auf dem Hügel zu wärmen – das spricht lediglich von seinem Einfluss in seinem Bundesstaat Kalifornien, ihm in diesem Sinne ähnliche Leute gibt es eine ganze Menge – sondern aus einem anderen Grund: er ist ein „Elefant“, äußert dabei aber fortwährend die außenpolitische Meinung der Regierung der „Esel“.
Interessant war zum Beispiel seine noch vor Obamas Thronbesteigung getroffene Äußerung, im „Fünftagekrieg“ von Russland in Georgien 2008 sei Russland eher auf der richtigen Seite gewesen, nicht etwa Georgien. Fazit seiner Rede war insofern, dass Bush und Condi damals mit ihrer Einschätzung falsch lagen.
Später, als auf dem Tahrir-Platz gerade die ersten Volksbelustigungen anfingen, äußerte er seine Ansicht, Mubarak solle sofort abtreten, dabei die Macht nicht etwa an Omar Suleiman, sondern an den einen Militärrat abtreten. Das Spaßige war, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand von der noch bevorstehenden kurzzeitigen Erhöhung von Suleiman träumte.
Noch etwas später forderte das State Dept. von Oberst Gaddafi, sich auf Verhandlungen mit den libyschen Rebellen einzulassen; nach Beratungen mit der Afrikanischen Union stimmte der Oberst dem zu, was niemand für möglich gehalten hatte. Und da spricht Rohrabacher nun just in dieser Episode davon, dass der Zug abgefahren sei und Verhandlungen ohnehin nichts mehr ändern würden. Was – allerdings erst fast zwei Tage später – von Frau Clinton genauso geäußert, folglich also bestätigt worden ist.
Ein bemerkenswerter Republikaner. Sehr demokratisch einerseits, prophetisch begabt andererseits. Nun gab es vor knapp zwei Wochen wieder ein interessantes Statement von ihm:

Das (aserbaidschanische) Territorium wurde 1828 im Friedensabkommen von Turkmantschai zwischen Russland und Persien aufgeteilt … Russland ist kein Faktor mehr, und der heutige Iran ist etwas vollkommen anderes, als es Persien vor fast zwei Jahrhunderten gewesen ist. (…) Eine Unterstützung der berechtigten Hoffnungen des aserbaidschanischen Volkes auf Unabhängigkeit stellt für die iranischen Tyrannen eine weit größere Gefahr dar, als die Drohung, ihre unterirdischen Nuklearanlagen zu bombardieren.

Sehr, sehr deutlich. Deutlicher geht es wirklich nicht. Nimmt man also an, dass Mister Rohrabacher, wie gewöhnlich, vor allen anderen bescheidweiß, kommt man zu folgenden interessanten Schlüssen:
  1. Die „aserbaidschanische Mine“ ist nach Meinung des Repräsentanten vom Hügel schon geraume Zeit unter den Leib des Iran gelegt worden; sie ist zur Explosion bereit, sobald jemand auf den Knopf drückt. Schiitischer Glaube gut und schön, aber die tief sitzende, über Jahrhunderte angesammelte Verfeindung zwischen Turkvölkern und Ariern ist ein bestehendes Faktum, und ein Aufflammen in „Südaserbaidschan“ würde das Land in eine zur äußeren Verteidigung unfähigen Brühe verwandeln.
  2. Die Regierung in Aserbaidschan muss sich jetzt maximal zusammenreißen. Sich notfalls mit Knüppeln und Keulen gegen die kommenden Unruhen wappnen. Denn die „lang gehegte Hoffnung“ auf „Unabhängigkeit“ und „Vereinigung“ wird, wenn sie einmal vom Stadium einer edlen Worthülse in die Realität hinabgestiegen ist, so ausarten, dass das relativ kleine, europäisch orientierte, liberale und weltliche Land (Nord-) Aserbaidschan vom großen, sehr religiösen Süden der Nation geschluckt würde. Und dieser Tendenz wäre nichts entgegenzusetzen, denn der Süden hätte die USA im Rücken, für die Alijews und das Gros der Elite Aserbaidschans bedeutete das den unvermeidbaren Zusammenbruch, wenn nicht schlimmeres.
Es lohnt sich jedenfalls, dem Herrn Rohrabacher mal zu folgen. Der ist stellenweise noch interessanter als John McCain.

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