Reportagen aus Aleppo

Militär in Aleppo, Syrien

ITAR-TASS meldet sich mit einem aktuellen Lagebericht aus Aleppo. Geht man von den Angaben in diesem Bericht aus, so konzentrieren sich die Regierungstruppen nunmehr eher in den nordöstlichen Stadtvierteln, welche von der FSA zuerst besetzt worden sind. Es handelt sich dabei um die “ärmeren” und mit am dichtesten bebauten Gebiete der Stadt.

In den anderen Teilen der Stadt unternehmen Sicherheitskräfte derweil weiterhin Säuberungsaktionen (weiter unten zwei Videoberichte). Auch in Salahaddin flammt punktuell noch Widerstand auf. Die Armee blockiert die Zugänge zur Stadt mehr oder weniger vollständig und mehr oder weniger erfolgreich – nach dem, was ITAR-TASS meldet, unternehmen die Rebellen immer wieder erfolglose Versuche, aus der Stadt auszubrechen.

Wie der syrische Fernsehsender “Souria” vom Ort der Ereignisse berichtet, werden die Armeeangehörigen von loyalen Zivilisten beim Aufspüren der Terroristen unterstützt.

Der Fernsehsender Al-Dschasira, der zur Kriegspartei Katar gehört, bringt indes unentwegt Meldungen über die katastrophale humanitäre Situation in der Stadt; solche Berichte haben inzwischen Erfolgsmeldungen der Banditen abgelöst. Man kann sicher davon ausgehen, dass die Situation in der Stadt schwierig ist, was auch nicht wundern kann – das friedliche Leben dort ist vor fast einem Monat vorbei gewesen.
Die Taktik der Regierungstruppen, welche bemüht sind, die Säuberungsaktionen und die Erstürmung der Rebellenpositionen im Bezug auf die Bewohner und die Infrastruktur der Stadt möglichst schonend vorzunehmen, hat natürlich eine Kehrseite – die daraus folgende Verlangsamung der Befreiung der Stadt von kriminellen und banditischen Elementen führt unweigerlich zu Schwierigkeiten bei der Versorgung, medizinischer Hilfe, der Müllberäumung – und in einer Millionenstadt braucht es auch in allerfriedlichsten Zeiten die ständige Arbeit der entsprechenden Dienste, sonst kommt es auch ohne Krieg zu einer humanitären Katastrophe.
Mit anderen Worten, die Armee ist gezwungen, eine gewisse Balance zwischen der Schnelligkeit der Befreiung von Stadtvierteln und dem Grad der Zerstörung derselben zu finden. Wäre das eine Stadt im Feindesland, so würde man offenbar die Schnelligkeit vorziehen. Die Syrer müssen aber im eigenen Land kämpfen, darin besteht eines der größten Probleme.
Hierunter folgen zwei Videoberichte: der erste von ANNA-News, welcher “stumm” ist. Es handelt sich um Aufnahmen vom 15. August 2012. Vorischt, Rebellenleichen; zu den dort gezeigten drei Toten auf dem Dach eines Hauses: Addounia TV hatte (auch im Netz zu finden) die letzten Episoden dieses Schusswechsels gefilmt, man konnte sehen, dass dies keine Zivilisten sind und wie sie schließlich liquidiert wurden.
Der zweite Videobericht ist ein paar Tage alt und stammt vom russischen Ersten Kanal. Und was sieht man wieder einmal? Türkische Ausweispapiere, die man ausgeschalteten Rebellenkämpfern abgenommen hat.
Erst folgt das Transkript, dann das Video, für das es leider noch kein deutsches Voice-Over gibt.

Reportage aus Aleppo von 1TV.ru

Anmoderation
Es gibt widerspüchliche Nachrichten aus Syrien – der ehemalige Premier, der heute erstmals nach seiner Flucht an die Öffentlichkeit trat, behauptet, dass Präsident Assad nicht mehr als 30% des Territoriums des Landes kontrolliert. Die Nachrichtenagentur der Regierung dagegen berichtet, dass die Regierungstruppen die bewaffneten Banditen in Aleppo zu Dutzenden liquidiert. Nach Meinung vieler Experten werden die Kämpfe um diese Stadt den Ausgang der Auseinandersetzung, die schon das zweite Jahr anhält, insgesamt bestimmen.
Die wirtschaftliche Hauptstadt Syriens ist von Straßenkämpfen erfasst. Meine Kollegen sind Zeugen vor Ort geworden.
ab 00:34
Das ist der derzeit heißeste Punkt Syriens. Kleine Gruppen Bewaffneter und einzelne Scharfschützen verstecken sich in den engen, uralten Gassen. Die Regierungstruppen stürmen Viertel um Viertel.
Nachts sieht Aleppo aus der Luft friedlich aus, aber nur, solange man nicht hinhört.
Der Flughafen der Sechs-Millionen-Stadt ist leer. Keine Taxis, keine Reisenden – nur wenige Menschen. Oft werden Flüge gestrichen, vor allem die ins Ausland. Regionale Fluggesellschaften fliegen Aleppo noch an, aber kaum jemand will derzeit dahin fliegen. Die, welche nachts ankommen, fahren nicht in die Stadt: hier eine Familie, die den Morgen abwartet.
ab 01:14, Reporter beim Einsteigen in den Helikopter

Nach Angaben der syrischen Armee ist die Straße zwischen Flughafen und Stadt immer noch, sogar tagsüber, nicht ungefährlich. Es wird geschossen, dabei kann man nicht vorhersehen, welche Fahrzeuge von den Terroristen beschossen werden. Deswegen werden wir mit dem Hubschrauber nach Aleppo fliegen. Auch auf Ziele in der Luft schießen die Oppositionskräfte, aber die Wahrscheinlichkeit, so getroffen zu werden, ist natürlich viel geringer.

ab 01:39
Die 20 Minuten in der Luft ziehen sich für die Besatzung scheinbar endlos. Man spürt die Spannung. Die riesige, gefährliche Stadt liegt wie auf dem Handteller. Leere Straßen, selten Fahrzeuge. Ein schwarzer Fleck vor weißen Gebäuden: ein Ort erbitterter Zusammenstöße.
Der Hubschrauber wird in Aleppo sehnsüchtig erwartet. Für die Zivilisten ist das die einzige Möglichkeit, die Stadt zu verlassen. Eine Lebensader zum Flughafen, von dort – nach Damaskus, Latakia, egal, wohin – Hauptsache weit weg vom Krieg. Klar ist, dass auch Dutzende solcher Flüge nicht alle fortbringen können. Zuerst werden verwundete Soldaten evakuiert.
ab 02:18
Der dreijährige Meschik hatte keine Angst, als man in der Nähe seines Hauses schoss – er konnte das noch nicht einordnen. Das Geheul des Hubschraubers ängstigt ihn mehr. Die Eltern fürchten, dass der Platz nicht reicht. Selbst aus den stillen Vierteln der Stadt bringt man die Kinder weg, damit sie nicht in die Hände der Opposition fallen. Dieser Junge hat am eigenen Leib gespürt, wie das enden kann.
ab 02:40 Ein Junge namens Scharaf Hamman sagt aus:

Ich wurde von Banditen gefangen und geschlagen, sie wollten, dass ich für sie spioniere, weil man Vater bei der Polizei dient. Ich log, dass ich einverstanden sei, da ließen sie mich gehen. Jetzt ist unser Stadtgebiet von den Terroristen gesäubert.

Heute seltene Bilder: beim Kampf gefangen genommene Rebellen. Diese Leute brachte man zum Verhör an Bord desselben Hubschraubers, mit dem man gefallene Soldaten überführte.
Nach Angaben der Armee kämpfen auf Seiten der Opposition Söldner aus praktisch allen arabischen Ländern. Waffen, Kommunikationstechnik und Medikamente bekommen sie aus dem Ausland. Hier ein Teil eines solchen Arsenals. Die Terroristen haben es aufgegeben, als sie sich aus Salahaddin zurückzogen. Eine Zeitlang hatten sie hier die Kontrolle. Jetzt sind die Hauptkräfte der Opposition von der Armee aus Aleppo herausgeschlagen worden.
ab 03:26, Soldat:

Unsere Aufgabe ist es, die Menschen in der ganzen Stadt von den Banditen zu befreien. Mit Gottes Hilfe werden wir siegen.

Doch die Opposition verspricht, sich zu rächen. In Aleppo wollen die Rebellen für sich eine Sicherheitszone einrichten. Die Armee dagegen beabsichtigt, die verbliebenen bewaffneten Gruppen zu vernichten. Experten sind der Meinung, dass der, der hier im Wirtschaftszentrum Syriens siegt, die Kontrolle im gesamten Land übernehmen wird.
Aleksander Jewstignejew, Wladimir Grinewitsch, Wjatscheslaw Manikhin. Erster Kanal. Aleppo, Syrien.

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  • Anonymous

    Vielen Dank für diesen Artikel, gibt er doch ein glaubwürdiges Bild über die derzeitige Lage in Halab wieder.
    Ich habe ungeduldig auf diesen Beitrag gewartet, nicht zuletzt nach dem blödsinnigen Bericht von Antonia Rados.
    Ich kann nicht nachvollziehen, wieso es in den Mainstream Medien immer noch so viel Müll gibt, obwohl sich die selbsternannten „Rebellen“ mit ihren Taten schon längst geoutet haben.

  • Comrade John

    „Ich kann nicht nachvollziehen,“
    … wieso ich jemals die herrschenden Medien mitverfolgt und ihnen – wenn auch von Jahr zu Jahr tendenziell abnehmend – zumindest Teile ihrer Meldungen geglaubt habe.

    Bin mit dem westdeutschen Fernsehen aufgewachsen, habe viele Jahre den „SPIEGEL“ abonniert und die örtliche Tageszeitung gelesen und muss heute sagen: Danke für die Erfahrung, aber schade um so viel Zeit.
    In wenigen Jahren Internetzugang habe ich zahlreichere, inhaltlich erweiterte und tiefere und vor allem begründetere Informationen über das Zeitgeschehen oder historische Sachverhalte erlangt als in Jahrzehnten bei Studieren der öffentlich-rechtlichen und sonstigen staatlichen Medien.

    Heute sehe ich gar nicht mehr „fern“ und lese keine Zeitungen mehr. Auch die Lokalteile bringen nur gefiltere Infos über „das halbe Leben“ der Stadt und ihrer Bewohner, wenn überhaupt. Sie zeichnen die allgemeine Lebenswirklichkeit nicht nach, beschränken sich auf Teilaspekte (z.B. Verkehrsprobleme, Bürgerunmut über fehlende Parkbänke u.ä.) oder betreiben Lobbyarbeit für bürgerliche Minderheiten, z.B. bestimmte Vereine.

    Über das ehemalige DDR-Fernsehen haben wir früher viel gelacht und tatsächlich, Vieles war ja auch „zum Schießen“. Doch wir (und damit meine ich auch mich) hätten uns damals mal in einem echten Spiegel sehen sollen.

    @ Anonym
    Abschalten und „Aus“ lassen, probier’s einfach mal. Es tut praktisch nicht weh‘.

    • Anonymous

      Vielen Dank für den Rat, aber seit einigen Monaten schon verfolge ich keine „West“-Medien mehr, sondern nur noch russische, z.T. chinesische, aber vor allem Seiten wie diese oder „sarsura-syrien.com“.
      Gelegentlich lese oder schaue ich mir zwar diese „Nachrichten“ an, aber nur zum Zwecke zwischen den Zeilen zu lesen, d.h. z.B. wenn es um Flugverbotszonen oder Waffenstillstand geht, dann verlieren die „Rebellen“ an Boden und brauchen wieder Hilfe von der UN.

      Du hast Recht, es geht mir um einiges besser, viel besser würde es mir aber gehen, wenn der letzte „friedliche“ Demonstrant über den Jordan geht, und zwar im doppelten Sinne.
      Am allerbesten ginge es mir, wenn die Kurden in der Türkei, so wie z.Z. nahe der iranischen Grenze, langsam auch zu dieser firedlichen Taktik der Rebellen übergehen.

    • Anonymous

      „Wieso ich die vorherrschenden Medien mitverfolge“

      Zitat (nach erinnerung)
      „NATO und die meinungsmachenden Medien gehen Hand in Hand“

      Hannes Hoffbauer „Verordnete Wahrheit“ / Seite 11

      http://www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/hofbauer-hannes-verordnete-wahrheit-bestrafte-gesinnung

  • Antraxxxa

    @anonym krieg mit krieg zu beantworten ist definitiv der falsche Weg. Mensch bleiben

  • Anonymous

    Die da, die „vor die Hund der Westlichen Wertegemeinschaft „ gingen:

    http://www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/hofbauer-hannes—eu-osterweiterung.html ,

    oder diese da .. http://www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/hofbauer-hannes—balkankrieg.html

    Soll Syrein auch vor die Hunde der „wetlsichen Wertegemeinschaft“ gehen?

  • Antraxxxa

    Das habe ich mit keinem Wort gesagt!

  • Anonymous
  • Anonymous