Von erlöschenden Vulkanen

Al Tal, Provinz Damaskus (20.08.2012)

Marat Musin von ANNA-News bringt eine frische Reportage von den Säuberungsaktionen im Ort Al Tal nahe Damaskus. An sich gibt es daran nichts außergewöhnliches, mit Ausnahme dessen, dass man sich fragt, wie lange man noch von den Restern des  “Vulkans in Damaskus” hören muss. Die Reportage liegt auf Linie: liquidierte und verhaftete Rebellenkämpfer, frohe Einwohner und absolut korrektes Vorgehen der syrischen Militärs.

Die Webseite von ANNA-News ist momentan nicht zu erreichen. Allerdings gab es dort vor zwei Tagen bereits die Information, dass der geflohene Ex-Premier Riad Hidschab offenbar bereits seit einem Monat vor seiner Flucht mit den Rebellen kollaboriert hat. Auf seine Anweisung hin sollen Salpetervorräte, die für die Landwirtschaft bestimmt waren, säckeweise aus den entsprechenden Lagerbeständen an die Rebellenkommandeure übergeben worden sein.

Dieses Detail wird auch in der Videoreportage erwähnt, wo man in einer sichergestellten Untergrundwerkstatt für Munition und Sprengsätze entsprechend Säcke mit Salpeter aus landwirtschaftlichen Beständen vorfand.
Hierunter die Videoreportage, darunter das Transkript zum Nachlesen. Die Computerfrau ist mitunter schwer zu verstehen.

Die Operation “Vulkan in Damaskus” ist kläglich gescheitert. Die bewaffneten Banden kommen zu Hunderten um, Dutzende werden gefangen genommen. Bei Zusammenstößen mit den Regierungstruppen haben sie praktisch keine Chance. Mit den Terroristen wird nicht lange verhandelt – immer seltener macht man Gefangene, was selbst von den Zivilisten nur begrüßt wird.
Vor einigen Wochen sind bewaffnete Kämpfer in die Stadt Al Tal in der Provinz Damaskus eingefallen. Die Republikanische Garde jagd sie und säubert die Stadt. Sie kam in einem Konvoi mit vielen Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeugen und Bussen in die Stadt, selbst Pickups mit MGs sind dabei.
Am Zugang zur Stadt treffen wir einen alten Bekannten aus Homs – einen Brigadegeneral der Republikanischen Garde. Allein der Name dieses Generals flößt den Rebellenbanden Furcht ein und ist ein Unterpfand des Sieges. Am Morgen wurde der General durch einen Streifschuß am linken Arm verwundet, hat seinen Einsatz aber erfolgreich beendet. Da er uns kannte, nahm er uns mit – kurz danach haben seine Einheiten eine Untergrundwerkstatt zur Fertigung von Munition und Sprengsätzen besetzt, dabei ein Dutzend Rebellen gefangen gesetzt und Waffen sichergestellt.
Marat Musin @01:05:

Die Säuberungen dieses Vororts von Damaskus gehen zu Ende. Die Stadt Al Tal stand unter dem Einfluss der Moslembrüder – viele ihrer Einwohner arbeiteten in Saudi-Arabien, von dort kamen Geld und Waffen. Die Zahl der liquidierten Banditen geht in die Hunderte. Diese Rebellenkämpfer wurden gefangen genommen.

Schauen Sie sich das Arsenal an, das vor nur einer Stunde sichergestellt wurde. Hier gibt es MGs, Jagdgewehre, Schrot, Kartätschen, alles, was man zur Herstellung von Patronen benötigt. Das hier ist Salpeter. Der vormalige Premier, der Verräter Riad Hidschab, hat unter Umgehung aller Vorschriften Anweisung gegeben, es von den landwirtschaftlichen Vorratslagern an die Rebellen auszuhändigen.

Die Moral der Rebellen ist gebrochen. Ihr größter Teil versucht zu fliehen oder die Sache in Ruinen, Baustellen oder verlassenen Wohnungen auszusitzen. Nur ein kleiner Teil leistet noch Widerstand und errichtet Hinterhalte.
Marat Musin bei 02:08:

Hinter diesem Gebäude haben sich Rebellen verschanzt, von wo sie die Republikanische Garde beschießen. Gerade eben sind ihnen zwei weitere Terroristen vom Berg hinab zur Hilfe gekommen.

Gardesoldat bei 02:21:

Zeigen Sie uns Ihre Ausweise. Junge, geh zurück, Dich brauchen wir nicht. Die Frauen sollen drin bleiben.

Die Gardesoldaten prüfen die Papiere aller Männer sorgfältig, nur mit Ausnahme der Familienväter. Der im Treppenaufgang angetroffene junge Vater wartet geduldig an der Schwelle seiner Wohnung, bis sich die Soldaten mit seinem Kind satt gespielt haben. Die Säuberungen unterbrechen das Leben der Stadt kaum – hier geleiten die Soldaten verhaftete Rebellen unter dem Gesang des Muezzin.
Am Berghang halten die Soldaten einen älteren Syrer fest – er sieht aus wie Bin Ladens eigener Bruder und trägt einen verschlissenen Kaftan. Der Großvater stellt sich als Einwohner der Stadt heraus. Die Papiere sind in Ordnung, man entschuldigt sich und läßt ihn gehen.
In diesem noch unfertigen Haus treffen die Soldaten unerwartet auf Rebellen. Zwei von ihnen haben sich im Erdgeschoss versteckt und gehofft, unbemerkt zu bleiben. Sie ergeben sich sofort. Der dritte, welcher ein Stockwerk darüber hockt, eröffnet das Feuer.
In dem kurzen Kampf kommt er um. Die oberen Stockwerke des Gebäudes sind nun sicher.
Dialog von Soldaten bei 03:33:
– Dort ist noch jemand drin!
– Ja, das bin ich.
– Nein, schau nach, da ist noch jemand. Da ist noch Terroristen. Es sind fünf.
– Nein, es sind drei. Zwei haben wir gefangen, der dritte ist geflohen.
Einige der Terroristen legen Frauenkleider an und versuchen, sich unter den Frauen zu verbergen.
Marat Musin bei 03:55:

Dieser junge Bandit hatte sich dort drüben versteckt. Dokumente hat er nicht bei sich, aber man erinnert sich noch von Homs an ihn.

Dieser zu Tode verschreckte Rebellenkämpfer aus Homs ist schon einige Male nur knapp mit dem Leben davongekommen. Wie in Homs, so versuchte er es auch hier über unterirdische Tunnel, doch diesmal ist ihm das nicht gelungen.
Die Untersuchung des langen Tunnel, den die Banditen für schnelle Verlagerungen in der Stadt nutzten, bringt keine Überraschungen – er ist leer und nur leere Plastikflaschen und Müll zeugen davon, dass sich hier Menschen aufgehalten haben.
Die Einwohner kommen zu den Soldaten heraus und bringen ihnen kühles Wasser, süße Feigen und Gebäck.
Auf den nahen Höhen zwischen den Ortschaften befinden sich Checkpoints der syrischen Armee, hier mit alten T-54-Panzern. Aber diese genügen, um die Bewegungen der Banden zu behindern.
Marat Musin, Olga Kulygina, Nellja Nowikowa. ANNA-News, Al Tal, Syrien.

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  • Danke für die guten Übersetzungen und Informationen

  • Anonymous

    Nichtsdestotrotz können die Syrer einen asymmetrischen Krieg nicht gewinnen. Das Afghanistan-Irak-Modell wird auf sie angewandt.

  • Anonymous

    Defätistisches subversives Geschwätz.
    vgl. „Shock & Awe“ & ToraBora hiermit
    Wer hat überhaupt gewonnen

    Cool bleiben, Alex. :)

  • Mich zensierst Du und einen Anon 29. August 2012 01:05, der mit einem Aufruf zur „Coolness“ dafür wirbt, ggf auch einige Millionen Menschen SEINER kriegslüsternen PHANTASIE zu opfern, den publizierst Du nicht nur, Du nimmst ihn nicht einmal auseinander.
    Selten so gekotzt – aber das nehme ich auf meine Kappe. Wie konnte ich mich nur hinreißen lassen, Dir bedingt zu vertrauen ?!

    • Wie meinen?

      Ich bin doch nicht eure Mutti. Heißt Du Alex? Ich nicht. Macht das unter euch aus, mich kannst Du aus dem Spiel lassen. Ich hab‘ offenbar gar nicht genug Hirn, aus den anderthalb Sätzen von Anonym (20.08., 01:05) einen ganzen Absatz samt Großbuchstaben herauszuinterpretieren.

    • PS. Gute Gelegenheit, mal ein Abschalten der Kommentarfunktion für „Anonym“ zu erwägen. Die Grabenkämpfe zwischen Anonym und Anonym sind unübersichtlich und ermüdend. – Zum Anonym von heute Nacht (01:05): wißt ihr, wie das Freischalten von Kommentaren funktioniert, wenn man nicht am Rechner sitzt? Per Smartphone. Bei diesem Verfahren habe ich allerdings nur die Möglichkeit, grob Spam von Nicht-Spam zu unterscheiden, nicht viel mehr. Geschweige denn habe ich Gelegenheit, da irgendetwas „auseinanderzunehmen“. Ich versuche, diese Sache derweil auf andere mündige Kommentatoren abzuwälzen.. :)