Wochenschau, Folge 46

"Tag der Liebe zum Propheten" in Pakistan

„Tag der Liebe zum Propheten“ in Pakistan

Umgestaltung der Welt – eine russische Perspektive. Der aktuelle Wochenrückblick versucht, folgende Fragen zu behandeln: Wozu provoziert Eurpoa die Moslems mit neuen Mohammed-Karikaturen? Wer ist nun schon wieder Opfer in Libyen und weshalb gibt es in Georgien Proteste? Wird Mikhael Saakaschwili weitere Teile seiner Konfektion verspeisen?

Viel Spass beim Anschauen. Die „Bilder der Woche“ sind wieder als Extra-Video dabei.

Brennpunkte der Woche

In Syrien setzen die Regierungstruppen die Säuberungsaktionen in den Vorstädten von Damaskus und anderer Städte fort. In Aleppo wurden allein bei einem der Zusammenstöße mehr als 100 Rebellenkämpfer liquidiert, welche, wie sich herausstellte, Söldner aus Afghanistan gewesen sind. Angesichts der Tatsache allerdings, dass die Kommandozentren der Rebellen außerhalb Syriens liegen, ist es unmöglich, sie endgültig auszuschalten. Wie bei einer Hydra wachsen an der Stelle einer vernichteten Bande neue, die ebenso mit neuesten Waffen ausgerüstet und von westlichen Militäranleitern ausgebildet sind. Derweil hat Russland bereits das zweite Frachtflugzeug mit humanitärer Hilfe nach Syrien geschickt. Die IL-76 brachte Zucker, Fisch- und Fleischkonserven sowie Kindernahrung nach Damaskus.

Ein eklatanter Vorfall ereignete sich in Afghanistan. Die ISAF-Luftwaffe nahm Taliban-Stellungen in der Provinz Laghmān unter Beschuss. Wie sich später herausstellte, war kein einziger Bewaffneter unter den Opfern. Durch diesen Beschuss sind 7 Frauen umgekommen, die an diesem Ort Feuerholz sammelten. Ein weiteres Mädchen ist dort infolge eines Herzanfalls gestorben. 19 Frauen und Kinder wurden verletzt. Wie bekannt ist, trennt die Demokratie nicht nach Geschlecht und Alter, sondern sucht jeden gleichermaßen heim.


Proteste der Woche

Der Skandal um den Film “Die Unschuld der Moslems” bekam eine vom Gesichtspunkt der Logik her unerwartete Fortsetzung. Die Proteste in der islamischen Welt waren noch nicht abgeklungen, als sich Frankreich in die Kampagne der Moslem-Provokationen einreihte. Die Zeitschrift “Charlie Hebdo” druckte am Mittwoch Karikaturen des Propheten Mohammed ab. Die gesamte Auflage von 75.000 Exemplaren war im Nu ausverkauft. Doch damit nicht genug: der Verlag schob eine weitere, genauso umfangreiche Auflage hinterher.

Außerdem hieß es aus der Redaktion der deutschen Satirezeitschrift “Titanic”, dass auf dem Titelbild der Oktoberausgabe ebenfalls eine Karikatur des Propheten Mohammed zu finden sein wird.

Man muss sicher nicht gesondert erwähnen, dass sich diese neuerliche Provokation in einer neuen Protestwelle entlud. Die USA, Frankreich und Deutschland hatten jetzt allerdings vorsorglich ihre Botschaften in den Ländern der islamischen Welt geschlossen. Diesmal bekam Pakistan am meisten ab. Tausende Menschen nahmen in diesem Land an antiwestlichen Demonstrationen teil. Junge Leute demolierten alles, was sie auf ihrem Weg vorfanden, sie legten Feuer in sechs Kinos und zwei Banken. Die Polizei sah sich gezwungen, das Feuer auf die Demonstranten zu eröffnen, was insgesamt 20 Todesopfer zur Folge hatte.

Die Europäer selbst sprechen von der Meinungsfreiheit. Eine solche Position ist natürlich nur zu begrüßen. Allerdings hat sie nicht viel mit der Realität zu tun. Sonst kann man sich nämlich nicht erklären, weshalb man Karikaturen von Mohammed veröffentlichen darf, gleichzeitig aber ein französisches Gericht es untersagt, Fotos der halbnackten Kate Middleton zu veröffentlichen. Ein Paparazzo hatte unlängst die Gemahlin des britischen Prinzen William halbnackt erwischt. Das führte zu heftigem Ungemach der Royal Family, die den Franzosen eine Klage anhängte und ein Veröffentlichungsverbot für diese Bilder bewirkte. Das ist die andere Seite der europäischen Art Meinungsfreiheit.

Aus welchem Grund entzündet der Westen ein Feuer in seinem eigenen Hause? Der bekannte Blogger und Analytiker El Murid soll uns dabei helfen, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Nun, danach zu urteilen, wie sich die Ereignisse um den Film und danach entwickelten, war das natürlich eine geplante Provokation. Von Vorteil war sie, wie es aussieht, vor allem der momentanen US-Administration der Demokraten, da sie es gestattete, in der heikelsten und schwierigsten Phase des Wahlkampfs die Aufmerksamkeit der Wähler von innenpolitischen Fragen auf die Außenpolitik zu lenken, in welcher sich der durchschnittliche Amerikaner schlecht auskennt. Das war wohl der Hintergrund der Veröffentlichung des Films, und angesichts dessen, dass diese Provokation offenbar funktionierte, haben sich die Europäer der Sache einfach angeschlossen. Die Franzosen vielleicht deshalb, weil es Hollande nicht so recht gelingen will, seine Wahlversprechen zu realisieren.

Es gibt einen weiteren Standpunkt, der besagt, dass diese Provokation nicht so sehr von den Amerikanern, sondern von den Saudis ausgeht. Diese durchleben gerade eine sehr schwierige Zeit – ihr König liegt im Sterben, so dass sie sich die Zukunft ihres Landes sorgen müssen, und die Amerikaner haben in der Vergangenheit alle ihre ehemaligen Verbündeten ohne große Skrupel fahren lassen. Saudi-Arabien ist das Land, das weitgehende Kontrolle über die Salafiten weltweit ausübt, welche sich jetzt in den ersten Reihen der diversen Rebellen und “Oppositionellen” befinden. Die Saudis könnten durch solche Aktionen andeuten, dass sie in der Lage sind, die Salafiten zu mobilisieren und, wenn es erforderlich sein sollte, die Massen gegen ein bestimmtes Ziel zu richten und beliebige Aufstände zu generieren.

Kurz vor Krieg

Auch die Geschichte mit dem Mord am amerikanischen Botschafter im libyschen Benghazi geht weiter. Wie angenommen, wurde die Schuld für diesen Mord der “Al-Kaida” angelastet, wenn auch noch nicht offiziell. Genauer soll es die mit dieser zusammenhängende libysche Gruppierung “Ansar ash-Sharia” gewesen sein. Die neuen libyschen Machthaber waren sehr schnell dabei, sich von dem Vorgefallenen zu distanzieren und organisierten eine Vorzeigedemonstration gegen die Islamisten. Die Demonstranten begaben sich zu einem Kommandopunkt der “Ansar ash-Sharia” und zerstörte diesen. Danach ging es weiter zum Nächsten. Hier versuchten die Islamisten allerdings, Widerstand zu leisten, was zu einem Schusswechsel führte, doch letztlich wurde auch dieses zweite Quartier abgebrannt. Dabei gab es mindestens einen Toten und dutzende Verletze. Bemerkenswert ist, dass diese Übergriffe auf die Islamisten von den lokalen Polizeikräften und der örtlichen Verwaltung koordiniert wurden. Das alles erweckt den Anschein, dass die Vorgänge in Libyen Umverteilungen dessen sind, was den einzelnen Parteien nach dem Aufstand im vergangenen Jahr zugefallen ist.

Intrige der Woche

In Georgien halten die Proteste an, die infolge der Veröffentlichung von Videoaufnahmen mit Folterungen von Gefangenen in dortigen Gefängnissen entflammt sind. Die Proteste führten bereits zum Rücktritt des für Strafvollzug verantwortlichen Ministers sowie des Innenministers. Allerdings hat das die beunruhigten Bürger nicht besänftigt, diese fordern nun natürlich Strafverfahren gegen die zurückgetretenen Minister. Pikant wird die Sache noch dadurch, dass alles das im Vorfeld der baldigen Parlamentswahlen stattfindet, für die sich eine Koalition der Opposition gebildet hat, um so gegen die Regierung anzutreten.

Es ist klar, dass sich beide Seiten das Vorgefallene zunutze machen wollen. Die Opposition beschuldigt mit alldem Mikhael Saakaschwili persönlich, der in Georgien ein repressives Regime etabliert hat. Man verspricht, ihn aus der Politk “zu entfernen”. Saakaschwili seinerseits hat selbstverständlich Russland die Schuld zugewiesen. Seine Version lautet, Russland habe die Gefängniswärter dafür bezahlt, die Gefangenen zu quälen und dann die Videoaufnahmen der Opposition zugespielt. Was man sich nicht alles einfallen lässt, um seine politische Karriere zu retten.

Wenn man die Politik allerdings beiseite lässt und die Ergebnisse der Regierung Saakaschwili betrachtet, so sieht alles das gleich ganz anders aus. Trotz der radikalen Wirtschaftsreformen ist es Georgien insgesamt nicht gelungen, aus den Tiefen der Armut emporzusteigen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt weit unter dem der Nachbarn Armenien und Aserbaidschan. Während bei Aserbaidschan zweifellos das Erdöl seine Rolle spielt, so ist Georgiens Abstand zu Armenien nicht anders, als nur durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik zu erklären. Nach einem jüngst veröffentlichten Bericht namens “Die Ergebnisse der Rosen-Revolution” arbeitet mehr als die Hälfte der Georgier, die in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt sind, im Ausland. Man sollte meinen, dass auch daran Russland bzw. Putin persönlich schuld ist.

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