Syrischer Speznas

Sowjetische Soldaten in Afghanistan
Sowjetische Soldaten in Afghanistan
Die russische Zeitung Argumenti.ru bringt ein Interview mit einem in Syrien arbeitenden russischen Militärveteran. Er ist für syrische Sondereinheiten als Instrukteur tätig und berichtet einige Details zu den Militäroperationen und der personellen Zusammensetzung der Rebellenbanden. Manche Details sind kaum zu glauben, aber die Aussagen wirken – auch durch den abgehakten und trockenen Stil, den man bei einem altgedienten Militär vermutet – sehr authentisch.
Quelle: Argumenti.ru, Autor: Aleksandr Tschujkow

Russen an den Fronten des syrischen Bürgerkriegs

Tausende Armeeangehörige der Sondereinheiten der syrischen Armee sind derzeit an bewaffneten Zusammenstößen mit den Einheiten der Rebellen von der “Freien Syrischen Armee” engagiert. In der Mehrzahl der Einheiten auf beiden Seiten sind Militärinstrukteure aus den ehemaligen Sowjetrepubliken tätig, die Erfahrung in internationalen und lokalen bewaffneten Konflikten gesammelt haben. Beispielsweise wird eine Brigade der Sondereinheiten der syrischen Regierungstruppen (ein Analogon unseres Speznas GRU) von einem Oberst der Reserve der Streitkräfte der UdSSR trainiert und angeleitet. Sein Name ist Witalij, mehr gibt er nicht preis, auch keine Details aus seinem Werdegang – aus Rücksicht auf seine Familie, die in Damaskus lebt.
Wie sind Sie nach Syrien gekommen?
Ich habe die Militärakademie in Nowosibirsk absolviert, wo ich mich auf Sonder-Aufklärungseinsätze spezialisiert habe. Nach dem Abschluss wurde ich nach Afghanistan kommandiert, dafür habe ich selbst ein Gesuch gestellt. Später kamen Tadschikistan, Abchasien, beide Male Tschetschenien. An all diesen Orten befehligte ich eine Aufklärungseinheit. Habe auch staatliche Auszeichnungen bekommen.

Nachdem ich in die Reserve gegangen bin, stieg ich bei Rosoboronexport ein. Ich kam als deren Vertreter nach Syrien. Dann wurde mir eine Stelle als Instrukteur für Spezialeinheiten angeboten. Ich habe das Angebot angenommen. Meine Familie kam dann auch hierher.
Welches militärische Potential hat die syrische Armee?
Es gibt viel Schlamperei. Wirklich Krieg führen können nur die Sondereinheiten. Diese Kampfeinheiten bestehen aus Alawiten und Christen. Letztere gibt es sehr viele. Diese Jungs sind lernfähig, sie orientieren sich gut im Gelände und arbeiten mit den modernsten Aufklärungssystemen. Von manchen davon kann selbst die russische Armee nur träumen.
Sie sagen, diese Leute sind ausgebildet. Weshalb ist man dann so lange nicht in der Lage, Aleppo endgültig zu säubern?
Ich habe persönlich noch vor 2 Jahren ein Chifrogramm “nach oben” gesandt, in dem ich berichtete, dass sich bewaffnete Rebellen in der Stadt konzentrieren. Es gab keinerlei Reaktion. Inzwischen hatten es die Rebellenkämpfer geschafft, in manchen Stadtgebieten ziemlich gute Befestigungen aufzubauen. Die ganze Stadt ist von einem Tunnelnetz durchzogen. Es ist kein Problem, durch die Häuser hindurch auf die nächste Straße zu gelangen. Es gab genau die gleiche Situation in Grosny im Jahr 1995. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, Spezialeinheiten für den Einsatz in Städten auszubilden. Dieser Entschluss wurde von Präsident Assad persönlich bestätigt. Drei Monate intensive Ausbildung in den Vororten von Damaskus. Ende September sind wir dann an die Arbeit gegangen. Die Situation schwingt nun deutlich zu unseren Gunsten um.
Welches ist die Taktik Ihrer Sonderneinheiten?
Entsprechend der Gefechtsvorschrift werden die mechanisierten Einheiten von motorisierten Schützeneinheiten gedeckt. Aber im Unterschied zu Grosny haben wir hier das Problem, dass wir hier den Wohnraum und die auch Bewohner der Stadt zu schützen haben. Damit entfällt der Artillerieeinsatz auf die Feuerpunkte des Gegners. Diese wurden von unseren Sondereinheiten ausgeschaltet. Es gab immer noch Zivilisten in diesen Vierteln, uns war es verboten, die Plätze unter Artilleriefeuer zu nehmen. Man hätte die Stadt durchaus dem Erdboden gleichmachen können, Assads Armee hat dieses Potential, aber der Kommandeursrat hat beschlossen, punktuell vorzugehen. Aus diesem Grunde ist das Vorankommen auch so langsam.
War es in Grosny anders?
Dort waren unsere Sturmtruppen unterwegs, und sobald es auch nur ein wenig Widerstand gab, wurde Unterstützung durch Artillerie und Luftwaffe angefordert. In Syrien aber hat Baschar al-Assad befohlen, Zivilisten zu verschonen.
Sie hatten es auch mit gegnerischen Söldnern zu tun…
Ja, die Ausbildung der Rebelleneinheiten für den Städtekampf wird von Profis vorgenommen. Gerade vor ein paar Tagen haben wir eine Position in einem der Stadtteile Aleppos ausgeschaltet. Im dortigen Stab haben wir unter anderem auch Rebellen mit europäischen Zügen liquidiert. Im Tresor dort fanden wir Ausweisdokumente von Russen, Ukrainern, sowie von Leuten aus verschiedenen zentralasiatischen Ländern. Was Russland anbelangt, so waren diese Pässe im tschetschenischen Rayon Noschaj-Jurtowsk, in Malgobek in Inguschetien, selbst in Wladikawkas und Zchinwali ausgestellt. Wir haben von allen Kopien gemacht und unserer Botschaft übergeben.
Hat die Opposition eine Chance?
Auf rein militärischem Wege – nein. Die syrische Armee gewinnt an Erfahrung, teils auch dank unserer Instrukteure. Die Lieferung russischer Luftabwehrsysteme wird dabei helfen, den Himmel über dem Land dicht zu machen.
Hatten Sie im Kampf jemals mit ihren ehemaligen Kameraden zu tun?
Als der Sondereinsatz in Damaskus lief, haben wir eine Bande hochgenommen. Wir besetzten ein Haus und fanden die Papiere der Getöteten. Eine ganze Menge Türken. Daneben auch den Identitätsausweis eines Offiziers. Der getötete Kämpfer war ein Oberst der ukrainischen Armee. Ich konnte mich an ihn erinnern, er diente mit mir in meinem Zug an der Akademie. Dort haben wir auch einen Hauptmann liquidiert, der aus Tatarstan stammte. Seiner Wehrkartei nach war er ein ausgebildeter Scharfschütze.

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  • Ich hoffe, dass Russland und Syrien endlich die westlichen Barbaren vertreiben werden, die bezahlte Terroristen nach Syrien schicken.