Bab Touma

Reportage von Marat Musin, ANNA-News.

Am Sonntag wurde in Damaskus von den Islamisten erneut ein blutiger Terroranschlag verübt. Es gab allerdings schon vorher die Information, dass die Rebellenbanden einen Ablenkungsangriff in den östlichen Vororten der syrischen Hauptstadt starten wollen, um gleichzeitig eine Reihe von Bombenanschlägen in der Altstadt zu verüben.

Es war insofern auch vorher bekannt, dass die Terroristen irgendwo im christlichen Stadtteil Bab Touma Sprengsätze zünden wollen. Das Bab-Touma-Tor ist eines von sieben Toren der Damaszener Altstadt, die voller kleiner, verwinkelter Gassen und überdachter Basare ist, die sich hier im Verlauf von sieben Jahrhunderten zu mehreren Kilometern Länge ausgewachsen haben.


Marat Musin:

Ungeachtet der Sicherheitsmaßnahmen konnte das mit einem Sprengsatz präparierte Taxi ohne Hindernisse die Checkpoints passieren und parkte schließlich auf einem Parkplatz am Bab-Touma-Tor. Der Terrorist zündete den Sprengsatz in dem Moment, als aus den umliegenden Schulen die Kinder auf die Straßen strömten, und die Gläubigen einer hier gelegenen orthodoxen Kirche aus dieser herauskamen.

Nach der Explosion flohen die Menschen in alle Richtungen.
Ziyad al-Raiyes:
Es war ein riesiger Feuerball, enorm, sicher so um die 15 Meter im Durchmesser, schrecklich.

Sie wollen nur töten, das, was wir unsere Heimat, Syrien, nennen. Es ist ja eine Heimat für alle: für Christen, Moslems. Das Volk, das hier seit siebentausend Jahren friedlich lebt, wollen sie vernichten und alles zerstören. Das ist das Ziel der Banditen und Terroristen, die plötzlich über unser Land gekommen sind, vollkommen unklar, woher sie auf einmal kamen.
An vielen Stellen bedecken nun Blutpfützen und Fetzen menschlichen Gewebes den antiken Platz, in der warmen Luft ist der mir so verhaßte süßliche Geruch des Todes zu spüren. Überall trifft der Blick auf zerfetzte Körperteile, wie von Rasiermessern abgetrennte Hände und Finger, von der Explosion verstreute Schuhe, viele davon Frauenschuhe. Dreizehn Menschen starben an diesem Ort oder auf dem Weg ins Krankenhaus. 25 wurden verletzt. Einiger der Leichtverletzten versuchten trotz des Schockzustands, den Umstehenden und den Journalisten etwas davon zu berichten, was hier vorgefallen ist.
Der Bischof der hiesigen orthdoxen Kirche, Moussa al-Houri, hat den Ort der Tragödie besucht.
Bischof Moussa al-Houri:

Ich war in der Kirche und bin sogleich nach der Explosion herausgekommen. Dieser Terroranschlag gilt dem friedlichen syrischen Volk. Ich verurteile ihn auf’s Schärfste. Gott schuf die Menschen gleich, niemand hat das Recht, ihnen das Leben zu nehmen. In Syrien gibt es nun eine Reihe an Leuten, die nicht wissen, was sie tun. Sie töten unschuldige Menschen, wie diese heute und hier: Menschen, die aus den Kirchen und Moscheen kommen, Kinder aus den Schulen, Frauen und Männer, die hier auf dem Markt einkaufen. Das sind unschuldige Menschen, weshalb bringt man sie um?

Gleich nach der Explosion eröffneten die Terroristen Maschinengewehrfeuer auf die Überlebenden auf dem Platz. Die Zeugen berichteten, dass vor ihren Augen Frauen von den Terroristen erschossen wurden, die zuvor wie durch ein Wunder inmitten der Explosion überlebt haben. Während wir hier filmten, gab es immer noch sporadische Schusswechsel, während welcher bewaffnete Freiwillige aus den umliegenden Häusern gelaufen kamen. Sie waren sichtlich nervös, handelten entschieden, aber ziemlich unorganisiert. Es wurde uns verboten, die Straßen zu filmen, in denen geschossen wurde.
Mit der Zeit beruhigte sich die Lage. Die Arbeiter streuten Sand auf die frischen Blutlachen, Ermittler untersuchten die Spuren des Verbrechens und sammelten Beweismittel.
Die Explosion im historischen Zentrum der Hauptstadt, in ihrem christlichen Stadtviertel zeugt allein vom Haß und der ohnmächtigen Bosheit der Islamisten. Denn infolge ihrer barbarischen Handlungen sterben größtenteils ganz normale, friedliche Menschen und kleine Kinder, zerstört werden Bauwerke des Weltkulturerbes. An der nahegelegenen Polizeistation dagegen entstand nur unwesentlicher materieller Schaden.

Marat Musin, ANNA-News. Damaskus, Syrien.

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  • Rudolf Steinmetz

    Die zionistischen USA/NATO-Mörderbanden, bezahlt von den Öl-Scheichs in Katar und Saudi-Arabien, die gegen das Gebot des Korans Unfrieden stiften und Ihren Reichtum nicht an die Armen verteilen, haben nur eines im Sinn: als bezahlte Landsknechte das Land zu verwüsten, so wie neuerdings auch im Libanon. Zur Hölle mit ihnen, es sind Verbrecher, und die noch größeren Verbrecher sind ihre Befehlsgeber und Soldgeber. Und der Dümmste von allen ist Erdogan, der die Türkei an die Wand fährt. Schon hunderte von Familien sind ohne Einkünfte, weil die Grenzen dicht sind.

    • Anonymous

      Sehr geehrter Herr Steinmetz,

      in einer Welt der (zunehmenden) Brutalitäten und Barbareien ist es falsch, Partei zu ergreifen (Zitat: „Zur Hölle mit ihnen…“) und den Krieg weiter anzuheizen.

      Voraussetzung für eine Deeskalation ist das Verstehen bzw. Begreifen (was keineswegs heißt, dem zuzustimmen oder zu billigen) der „anderen Seite“.

      Deshalb mein folgender Hinweis:

      Die Anhänger(innen) unserer westlichen „Zivilisation“ (die bekanntlich ausgesprochen gewalttätig ist, siehe z.B. die derzeitigen und bisherigen Kriege der USA bzw. NATO) und zu denen z.B. auch ASSAD (der jahrelang in London lebte) und seine Getreuen zählen, sollten sich schon ‚mal gelegentlich fragen, woher dieser Hass z.B. der radikalen Islamisten (besonders auf sog. säkulare Regierungen) kommt.

      Immerhin wurden diese über Jahrhunderte unterdrückt, gedemütigt und aufgrund der kapitalistischen Entwicklung (die als „Globalisierung“ bekannt ist) vollends ins Abseits gestellt.

      So hat z.B. die in Syrien seit Jahrzehnten regierende Baath-Partei mit Assads Vater an der Spitze die Moslems – sobald diese etwas mehr als nur beten wollten – nicht integriert bzw. kritisiert, sondern militärisch niedergemacht.

      Das ist die bekannte „Saat der Gewalt“, die heute aufgeht und blüht.

      Die USA bzw. NATO und der WESTEN wiederum versuchen nunmehr, diese für ihre Zwecke auszunutzen.

      VGFlash

    • Lieber Herr Steinmetz,

      wenn Sie noch mehr von „Flash“ wissen wollen, dann auch hier ( http://www.sarsura-syrien.com/libanon-begraebnis-als-ausloeser-fuer-gefechte-und-chaos-in-vielen-staedten/#comment-37606 ) – sein Tenor ist dann wohl:
      —————
      „Hallo Jungs und Mädels,
      … Welt mit einer “nationalen Brille” sehen, leben in einem bornierten (d.h. engen und begrenzten) nationalen “Gefängnis” und wundern sich häufig, daß andere eine(n) nicht verstehen.
      .. – nicht mehr als Nationalisten, sondern vielmehr als Menschen begegnen?

      Dann würden wir vermutlich ziemlich schnell bemerken, daß wir derart verschieden gar nicht sind und etliche Gemeinsamkeiten bzw. gemeinsame Interessen haben. ..“
      ————-
      Also alle, auch diejenigen wenigen für welche die Erde aufgrund Gier zu klein ist, haben seiner Auffassung nach gemeinsame Interessen. Nun ja, ich glaube das war es. Man extrapoliere das Gesagte! Die Behauptung, nach Syrien hinein gebrachte Gewalt wurde von Assad gesät, wundert dann auch nicht mehr. Zur Zeit ist es der anonyme Flash.
      Liebe Grüße!

  • Ich muss leider noch folgendes zu meinem ersten Kommentar hinzufügen:
    USA stationieren 70 Atombomben in der Türkei
    http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/212414-usa-stationieren-70-atombomben-in-der-t%C3%BCrkei

    Leider genau wie geschrieben wurde bei „Wochenschau, Sonderausgabe: Türkisches Gambit“ – „.. Situation um Syrien herum immer alarmierende Züge an. So alarmierend, dass wir Grund zu der Annahme bekommen, die Auflösung sei nicht mehr fern.“
    Wir scheinen wieder in eine Situation ähnlich der vor dem I. Weltkrieg angelangt zu sein, allerdings mit der Fähigkeit zur Selbstauslöschung. Man muss eben die USA und das zionistische Netzwerk doch beim Namen nennen wie auch die wohl bekannten Pläne für die Region. Ja die armen Super-Reichen kämpfen doch auch nur gegeneinander in nicht endender Gier und nutzen nur die Missstände aus; ich habe richtig Mitleid.