• Home
  • Blog
  • Wochenschau, Sonderausgabe: Türkisches Gambit

Wochenschau, Sonderausgabe: Türkisches Gambit

Türkei gegen Syrien: wann?
Ein Gambit ist eine Eröffnung beim Schachspiel, bei der eine der Seiten einen Bauern oder eine andere Figur opfert, um das Spiel zu beschleunigen, das Zentrum des Bretts zu erobern oder ein schleppend laufendes Spiel einfach zu verschärfen.
Während Syrien den Kampf gegen die Rebellenbanden fortsetzt, nimmt die Situation um Syrien herum immer alarmierende Züge an. So alarmierend, dass wir Grund zu der Annahme bekommen, die Auflösung sei nicht mehr fern. Als Hauptprovokateur der Region agiert derzeit Syriens unmittelbarer Nachbar, die Türkei. Dieses Land hat durch eine simple Provokation eine innenpolitische Legitimation zu einem Militäreinsatz auf syrischem Gebiet bekommen, den sie allerdings bislang nicht unternommen hat. Und das ungeachtet dessen, dass nach dem ersten Einschlag von angeblich syrischen Mörsergranaten bereits 6 analoge Zwischenfälle zu verzeichnen waren. Wenn man die türkische Version für glaubwürdig halten würde, so hieße das, Assad bettelt geradezu selbst um eine vollumfängliche militärische Antwort der Türkei, indem er regelmäßig aller 2 Tage deren Territorium beschießt. Das hört sich geradezu dämlich an, besonders, berücksichtigt man die Vorsicht, welche ein charakteristischer Zug des syrischen Präsidenten ist. Wenn man stattdessen logisch vorgeht, so ist der wiederholte Beschuss vom syrischen Territorium aus eine Kette an Provokationen, welche die Lage in der Region gespannt halten soll.
Wer die Ereignisse genauer verfolgt, stellt sich nicht mehr die Frage ob Syrien zum Objekt einer ausländischen Militärintervention werden wird. Die Frage ist eigentlich nur nach dem Wann. Dazu haben wir Überlegungen, die wir gegen Ende dieser Ausgabe vorstellen werden.
Vorerst jedoch ein Blick auf die Ereignisse, die sich in den letzten Wochen um Syrien entwickelt haben.

Rund um Syrien

Die Türkei hat ihre Marine und ihre Landstreitkräfte im Grenzgebiet zu Syrien verstärkt. Nur 10 Kilometer von der Grenze entfernt wurden Panzermanöver abgehalten. Der türkische Premier Erdogan wird nicht müde, lauthals von seiner Bereitschaft zu künden, auf die kleinste Provokation gegen Syrien loszuschlagen.
In Israel beginnt dieser Tage eine große Luftabwehrübung gemeinsam mit US-Streitkräften. Daran werden mehr als 4.000 Armeeangehörige teilnehmen. Parallel dazu werden hier Übungen rückwärtiger Dienste stattfinden, bei denen man Einsätze nach größeren Erdbeben mit mehreren Tausend Opfern und schweren Zerstörungen trainieren wird.
In Jordanien wird ein neues Flüchtlingslager für Flüchtlinge aus Syrien gebaut. Bislang befinden sich bereits mehr als 200.000 syrische Flüchtlinge in dem Land. Ebenso wurden einige Hundert britische und rund 150 US-amerikanische Militärs in diesem Land stationiert.
Im Libanon wurden Hisbollah-Verbände an die syrische Grenze verlegt, um einen möglichen Angriff der Türkei auf Syrien zu erschweren. Ende der Woche ereignete sich in Beirut ein schwerer Anschlag, der acht Todesopfer zur Folge hatte, einschließlich des Geheimdienstchefs Wisam al-Hassan. Er war maßgeblich an der Organisation der Aggression gegen Syrien beteiligt, weshalb man diesen Mordanschlag bereits auch Baschar al-Assad angelastet hat.
Der Irak ist in aller Eile dabei, Waffenverträge über mehrere Milliarden US-Dollar mit Russland und der Tschechei abzuschließen. Dort ist man auch dabei, den Türken ihre Militäroperationen gegen die Kurden auf irakischem Gebiet zu verbieten.

Russlands Position

Die Nachbarn Syriens machen sich also dazu bereit, neue Flüchtlingswellen aufzunehmen, verstärken ihre Militärpräsenz und die Luftabwehr. Warum sollte aber die Türkei eine solche Schlüsselrolle im Krieg gegen Syrien einnehmen? Die Antwort scheint einfach – die Türkei hat, abgesehen von Israel, die mächtigste Militärmaschine der Region und die zweitgrößte Armee innerhalb der NATO. Außerdem scheint sich Erdogan förmlich um Krieg zu reißen, ungeachtet dessen, dass ein bedeutender Teil der Türken keine solche Wendung der Ereignisse will. Wozu tut er dies? Erstens durchlebt die Türkei derzeit eine innenpolitische Krise. Dabei wäre es eine nette Sache für einen abenteuerlustigen Politiker, die Nation im Kampf gegen einen äußeren Feind zu einen. Im Gegensatz zu uns empfinden die Türken die Person Assads auch eher als negativ, in der türkischen Gesellschaft gibt es Hurra-Stimmung und die felsenfeste Überzeugung, dass die Armee in der Lage sein wird, innerhalb von nur ein paar Tagen Damaskus in einem Blitzkrieg zu nehmen. Es spielt gar keine Rolle, ob wir an den Erfolg eines solchen Abenteuers glauben.
Doch wie sollte die Türkei eine Verschlimmerung der Beziehungen zu Russland riskieren? Nach Meinung der Türken ist es ja gerade Russland, das die türkische Armee bislang von einem entscheidenden Schlag gegen Syrien abhält. Hier kommen wir zu einer prinzipiellen Frage – wird Russland Syrien aufgeben, falls es dort richtig heiß wird? Derzeit spielt Russland noch die ehrenhafte Rolle des fast einzigen Beschützers von Syrien, doch bisher ist das auch nicht mit allzu hohen Kosten und Risiken verbunden. Wird die russische Führung Mut genug haben, dieses Spiel bis zum Ende durchzustehen?
Man möchte sehr hoffen, dass der Mut reicht. Doch ein wenig stimmt die Position des russischen Außenministeriums zum Zwischenfall mit dem in der Türkei zur Landung gezwungenen Flugzeug mit russischen Waren und Fluggästen an Bord nachdenklich. Die einzige Reaktion darauf scheint bislang die Verschiebung des Putin-Besuchs zu sein. In allen anderen Belangen haben Russland und die Türkei erklärt, dass der Zwischenfall sich in keiner Weise negativ auf den Beziehungen zwischen beiden Ländern niederschlagen wird. Das ist ja auch klar, denn die Türkei ist einer der Hauptkunden für russisches Erdgas, an zweiter Stelle nach Deutschland. Kaum einer weiß indes, dass nach der Explosion an der iranisch-türkischen Gasleitung Gasprom in die Lücke einsprang und seine Erdgaslieferungen an die Türkei erhöhte und so die Engpässe kompensierte. Wir sehen also, dass die geschäftlichen Interessen noch Vorrang haben, aber wie wird es wohl weitergehen?
Sehr verdächtig sieht nämlich gleichzeitig der Durchbruch in den Beziehungen zwischen Irak und Russland dieser Tage aus. Dieses Land hat Verträge über russische Waffenlieferungen über eine Rekordsumme von mehr als 4 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Mehr noch, ExxonMobil zieht sich zugunsten von russischen Ölfirmen vom Erdölvorkommen West-Qurna 1 zurück. Das ist mehr als nur verdächtig, denn das geschieht ja offensichtlich unter stillschweigendem Einverständnis der USA. Alles zusammen ist ja de facto eine freiwillige Aufgabe des Irak in die Hände Russlands. Das heißt, ohne alles Trara geben die Amerikaner dieses zentrale Land des Nahen Ostens frei für russische Einflussnahme. Ein Land, gegen das sie Krieg geführt und in das sie eine Unmenge an Geld, Menschenleben und politischen Einfluss gesteckt haben. Sieht es denn nicht so aus, als sei das etwas… außergewöhnlich? Man möchte es nicht glauben, dass vor unseren Augen ein Handel stattfindet. Ein Austausch für den in Libyen bereits verlorenen und, was noch schlimmer wäre, den in Syrien noch zu verlierenden russischen Einfluss. Man kann nur hoffen, dass die ganze Sache vielleicht doch noch einen anderen, von uns nicht bemerkten Hintergrund hat.

Wann?

Inwieweit unsere Annahme richtig ist, werden wir in baldiger Zukunft erfahren. Warum in Bälde? Weil das Schlüsseldatum des 6. November naht, an dem in der USA Präsidentschaftswahlen sind. Derzeit liegen Obama und Romney noch gleichauf, im Zuge der diversen Debatten bekommt mal der eine, mal der andere die Überhand. Vieles wird von den Resultaten der letzten Runde der Debatten am 22. Oktober abhängen, die der Außenpolitik gewidmet sein werden.
So seltsam das klingen mag, so sind wir doch davon überzeugt, dass es die US-Administration ist, welche derzeit noch die Türkei von einem vorzeitigen Überfall auf Syrien abhält. Nicht, weil sie diese Variante der Entwicklungen ablehnen, sondern weil das zu einem für sie günstigen Zeitpunkt passieren muss, und nicht etwa, wann es Erdogan beliebt. Der wiederum wartet gehorsam und füttert derweil die Presse und die öffentliche Meinung mit immer neuen Meldungen über Beschuss von syrischer Seite. Damit sie sich nicht erst entspannen. Sollte es nun Obama nicht gelingen, in der letzten Runde der Debatten entschieden gegen Romney zu siegen, so steigt die Wahrscheinlichkeit beträchtlich, dass Washington Ankara noch vor dem 6. November grünes Licht zu einem Angriff gibt.
Romney positioniert sich ja als Befürworter entschiedener Maßnahmen im Nahen Osten und hält es Obama immer wieder vor, dass dieser in seiner Politik dort viel zu weich sei. Nun hätte Obama hier die letzte Chance, diese Anschuldigung zu widerlegen, indem er die Türkei operativ und maximal in ihrer Aggression gegen Syrien unterstützt. Alles weitere scheint simple Psychologie. Sollte am Vortag der Wahlen ein Krieg ausbrechen, werden die Wähler wohl kaum einem Neuling das Steuer in die Hand geben wollen.
Wir sind also bei dem Versuch, die eingangs gestellte Frage zu beantworten, angelangt – wann könnte es zu einem Krieg der Türkei gegen Syrien kommen? Aus dem, was gesagt worden ist, folgt, dass es im Zeitraum zwischen dem 22. Oktober und dem 6. November soweit sein kann. Und wann genau? Sagen wir es direkt – wir wissen es natürlich nicht, aber wenn die Entscheidung fällt, deutet vieles auf den 26. Oktober hin. Warum ausgerechnet zu diesem Datum, ahnt ihr sicherlich selbst, wenn ihr den Titel dieser unserer Sonderausgabe nehmt und die Bedeutung dieses Tags in der islamischen Welt berücksichtigt. Wenn das allerdings entgegen unserer Prognose nicht passiert, so scheint es, als könne man erst einmal aufatmen, denn dann ist die explosivste Phase der ganzen Syrienkrise erst einmal vorbei. Das würde dann allerdings natürlich bedeuten, dass das Gemächt der Aggressoren durchaus nicht aus Metall ist.

Tags:, , ,

Trackback von deiner Website.

  • Hi,
    eine Anmerkung zum Irak.
    Vom Standpunkt einer Parteilichkeit für einen iwie „antiwestlichen“ russischen Nationalismus ist das russische Irak-Engagement natürlich „verdächtig“, im energiepolitischen Geschiebe des imperialen Gemenges ist es einfach eine logische Konsequenz. Die USA haben im Irak in der noch laufenden Legislaturperiode kaum Handlungsoptionen gehabt, weil Obama ein „Scheitern“ seines Irak-Rückzuges nur unter sehr außergewöhnlichen Bedingungen riskieren konnte. Die im Irak verbliebenen imperialen Ordnungskräfte sind daher erstens under cover, und soweit sie es nicht sind, sind es private contractors, die zwar generell strategisch befehligt sein mögen, en detail aber mehr den Gesellschaftsinteressen der Ölkonzerne verpflichtet sind, in deren Sold sie zu großen Teilen stehen.
    Vor diesem Hintergrund fällt auf, daß Exxon massiven Ärger mit der irakischen Regierung bekam, weil es mit den Kurden zu deren Bedingungen kungelte, während die russischen Firmen, die jetzt im Irak eingestiegen sind – anders als Exxon – von vorn herein anscheinend problemlos sowohl Verträge mit der kurdischen Autonomieregierung wie mit der irakischen Zentralregierung abschloß (vor einigen Monaten schon, ich berichtete darüber auf meinem Blog).
    Ich behaupte, die russischen Firmen stoßen hier in eine politische „Lücke“, ohne dafür irgend eine Erlaubnis zu brauchen. Im Irak weiß man gewiß, daß Russland aus bekannten kaukasischen Eigeninteressen kurdischen Autonomiebestrebungen grundsätzlich nicht feindlich gegenüber steht, aber andererseits kein Interesse daran hat, daß sie in schwerwiegendem Maße zu Lasten der Shia gehen, weil Russland an der Stabilität, Souveränität und relativen Eigenständigkeit Persiens liegt, wer immer dort am Ruder ist. Das ist gewissermaßen das Maximum an Unparteilichkeit, das an dieser Front zu haben ist, und deshalb ist es logisch, daß Russland von der irakischen Regierung Zuschläge bekommt, die sie britischen und amerikanischen Firmen eher verwehrt – was sie, siehe oben, halt konnte.
    Zumindest die Wall-Street Fraktion in den USA wird dies mit einem lachenden Auge sehen. Denn auf diese Weise wird Russland an der imperialen Middle-East – Politik ökonomisch beteiligt, aber, ohne diesen Anteil nun herunter spielen zu wollen, bleibt doch klar, daß die arabische Halbinsel noch auf einige Jahre hinaus das Schwergewicht in der Energiepolitik der Region bleibt, und Russland daher ein „Juniorpartner“. Den Status des Juniorpartners zu akzeptieren ist für Russland aber alternativlos, dazu kann man u.a. heran ziehen, was apxwn über die qatarischen Ambitionen und Pläne geschrieben hat. Russland muß zusehen, seinen Anteil am Rohstoffmarkt zu diversifizieren, damit ihm die „Kehle“ seiner dreieinhalb eurasischen Pipelines nicht ganz so einfach eng gemacht werden kann.

  • Anonymous

    Hallo ‚apxwn‘!

    Zu Deinem obigen Artikel und dem (bevorstehenden) Angriff der TÜRKEI auf SYRIEN:

    Auf ein genaues „Wann“ würde ich mich nicht genau festlegen, da das von diversen kaum vorhersehbaren Faktoren (manchmal genügt z.B. schon ein vorzeitiger Wintereinbruch, um Pläne umzuwerfen) abhängig ist, zumal jede (Kriegs)partei versucht, die Berechnungen des jeweils anderen zu durchkreuzen, so daß das Ergebnis meist ein anderes als von den Beteiligten gewolltes ist.

    (Es ist ähnlich wie mit dem Wetter. Sicher ist, daß es wieder regnen wird – nur wann genau, kann bis auf einen Tag kein Meteorologe vorhersagen.)

    Desweiteren ist das PENTAGON nicht so blöd, um nicht zu wissen, daß ein militärischer Angriff auf Syrien sehr wahrscheinlich eine kaum berechenbare Kettenreaktion auslöst (ähnlich wie damals der Angriff Österreichs auf Serbien, was bekanntlich in den 1.Weltkrieg führte).
    Soviel wissen die Macher(innen) in den Generalstäben schon, daß es dabei um weit mehr als das kleine und relativ unbedeutende Syrien geht.
    Und sowas will nunmal gut vorbereitet sein und braucht Zeit.

    Was Deine Einschätzung zu einem möglichen „Deal“ zwischen den USA und RUSSLAND hinsichtlich des IRAK betrifft, stimme ich teilweise TomGard zu, der allerdings in seinen Analysen manchmal etwas zu viel des Guten macht und deshalb gelegentlich auch ‚mal das eine oder andere (nicht verifizierbare) unterstellt.

    VGFlash

    • Hi Flash,danke, für das „Zuviel des Guten“ –
      Ich mach das absichtlich und methodisch („Ich behaupte…“), weil ich das für die einzig sachgerechte Form analytischen Umgangs mit politischen (=nationalen) Interessen allgemein und noch mal besonders außenpolitischen Interessen halte. Die liegen nämlich im faktischen Original unvermeidlich in Gestalt einer Spekulation der politisch Tätigen vor. Die konkurrieren gegeneinander (nicht nur in einer Demokratie, sondern auch einer bürokratischen oder monarchisch strukturierten Herrschaft) um die beste Repräsentation und Umsetzung eines Gemeinwohls der nationalen Herrschaft als Solcher, bei kapitalistischer Ökonomie also um das Wohl der Agentur der (nationalen) Bourgeoisie . In der letzteren Wendung ist „national“ aufgrund der Machtfülle imperialistischer Agenturen und transnationaler Konzerne in Klammern zu stellen. Die Klammern ändern aber nichts an der Territorialität der Herrschaft über Ressourcen der Ausbeutung. Daher ist das politische Interesse halt nicht anders zu haben, es hat keine andere Daseinsform, als die tatkräftige(!) Spekulation politisch Mächtiger auf in der herrschenden Klasse Klasse durchsetzbare Titel eines Gemeininteresses.
      Es ist daher nicht in einem an naturgeschichtliche Begriffe angelehnten Sinne „verifizierbar“. Der Analytiker ist in einem ziemlich breiten „Korridor“ darauf verwiesen, politisch durchsetzbare Titel und Interessen spekulativ zu antizipieren – nur so gewinnt er die Kriterien, die ihm erlauben, die Tat-Sachen gegen die Antizipation zu wägen und zu schauen, inwieweit sie passen, oder nicht.
      Das hat starke Ähnlichkeit mit der antizipativen Arbeit eines Schachspielers. In einer Partie gibt es wenige erzwungene Züge, aber fast jeder Zug ist verpflichtend. Diese „Verpflichtungen“ sind der Gegenstand i.e.S. der Analyse. Im politischen Geschäft sind die Verpflichtungen weniger zwingend, aber das ändert nichts an der analytischen Methodik.
      In Bezug zum Thema:
      Die Syrienpolitik der Troika Gül, Erdogan und seines bucklichten FM, das „türkische Gambit“, war und ist außerordentlich verpflichtend … für die AKP! Deshalb ist es so wichtig, daß Erdogan ein „Dead Man Walking“ ist. Das verschafft ihm Freiheiten nach zwei Seiten, denn nachdem er „weg“ ist, kann die AKP sich posthum seiner auch entledigen und sich sanieren, wenn’s schief geht.
      Und was den Irak anbelangt, sind die Lizenzen für russische Firmen minimal verpflichtend nicht nur für den Irak, sondern mittelbar sogar für die Player in Washington, London und Paris.

    • PS.: Wer mag, ergänze meine methodischen Bemerkungen mit meiner mit einer Anmerkung versehenen Übersetzung des Artikels „Türkei stimmt Bemühungen um eine Beendigung des Syrienkrieges unter Beteiligung Bashar Assads zu“, der vor ein paar Tagen auf Al Manar /englisch erschien.

    • Anonymous

      Hallo TomGard,

      Danke für Deine Antwort, die ich schätze.

      Mir ist das allerdings etwas zu „abgehoben“, da ich denke, daß es möglich ist, die Angelegenheit(en) etwas einfacher und für einen durchschnittlichen Menschen verständlicher darzustellen.

      Heutzutage wird die Welt von Idioten regiert, die letztlich nichts „im Griff“ (d.h. begriffen bzw. verstanden) haben und auf Ereignisse mehr reagieren als agieren.
      (Beispielhaft wurde das ersichtlich bei der andauernden globalen Finanz-, Weltwirtschafts- und nunmehr sich verschärfenden Staatenkrise und deren letzlich hilflosen und zum Scheitern verurteilten Versuche einer Rettung des derzeit bestehenden kapitalistischen Weltwirtschaftssystems.)

      Und deren Köpfe möchte ich mir wirklich nicht zerbrechen, da den meisten aufgrund ihrer Unwissenheit und Arroganz sowieso nicht mehr zu helfen ist.

      Was wir heutzutage erleben ist „eine Flucht nach vorne (der Herrschenden) aus Angst vor dem Tod“, die aufgrund der ökonomischen (und sich meist „hinter dem Rücken der Beteiligten vollziehenden) Gesetzmäßigkeiten – die bislang als einziger Karl Marx in seinem Werk „Das Kapital“ sachlich richtig zu erklären vermochte – zwangsläufig in die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte, d.h. einen erneuten und diesmal auch atomaren Weltkrieg führt.

      Die heutige Welt ist mit Sicherheit zunehmend unhaltbarer und nicht mehr zu retten.
      Deshalb wäre es klüger, sich bereits heute Gedanken für „die Zeit danach“ zu machen, anstatt weitere Energie und Zeit in etwas bereits Verlorenes zu investieren.

      VGFlash

    • Anonymous

      Ergänzung zu meinem Kommentar vom 23.Oktober 2012 11:35:

      Der Vollständigkeit wegen müßte es oben richtig „..wird die Welt weitgehend von Idioten regiert…“ (vielleicht hat auch Obama, Putin, Erdogan, Assad oder wie sie alle heißen mögen, gelegentlich ‚mal einen richtigen Gedanken, was aber mehr selten ist) und in der Mitte „..da den meisten Menschen (vor allem in westlichen Breitengraden) aufgrund ihrer Unwissenheit und Arroganz sowieso nicht mehr zu helfen ist“ bzw. unten zum Schluß „..anstatt weitere Energie und Zeit in etwas bereits Verlorenes zu investieren und zu verschwenden“ heißen.

      VGFlash

  • Zitat „TomGard“: »Ich behaupte, die russischen Firmen stoßen hier in eine politische „Lücke“, ohne dafür irgend eine Erlaubnis zu brauchen.« – In diesem Punkt stimme ich „TomGard“ ausdrücklich zu.

    Ferner sind die Iraker alles andere als amüsiert darüber, was im westlichen Nachbarland vor sich geht. Daß sie sich daher verläßlichere Partner suchen – und zwar stabilisierende –, sobald sie die Möglichkeit haben, ist nur zu naheliegend.

    Selbst der kurdische Nordirak – seit Bushs d. Ä. Golfkrieg das wichtigste Standbein der Amerikaner in der Region neben dem Zionistenstaat und den terrorgemänätschten Mudschaheddin oder Taliban oder Wahhabiten – muß mittlerweile eher auf Distanz zu den USA gehen, seitdem der US-Terrier Erdogan sich im gesamten Orient wie eine offene Hose aufführt und umgekehrt Assad Barsanis kurdischen Gesippen in Syrien faktische Autonomie gewährt.

  • Vielleicht findet ja einer der Leser heraus, woher diese Psy-Op stammt. Ich finde sie interessant, weil das Szenario, das sie aufbaut, nicht auf „Regime Change“, sondern auf Entstaatlichung hinaus läuft und damit auf das israelische Wunschprogramm, gestützt von den militantesten Akteuren des US-MIC. Die Begründung spare ich mir hier.
    Dazu paßt, daß die einzige nicht zum Gähnen langweilige „Info“ des langen Artikels in der Behauptung besteht, der CIA hätte syrische Radaranlagen entlang der jordanischen Grenze zerlegt. Das ist ein totaler Fake. Erstens gibt es nur eine Anlage, die auch völlig ausreicht, eine im Februar modernisierte russische Großanlage am Rande des Golan. Zweitens kommt der CIA für solche Operationen schwerlich in Frage, der hat nicht die Leute und die präzise Ortskenntnis – für sowas kämen allenfalls Europäer und der Mossad in Frage.
    Und drittens ist nichtmal die Eroberung oder Zerstörung von Feuerleitanlagen von Luftverteidigungsbasen im Raum Damaskus und südlich gemeldet worden, mit einer einzigen Ausnahme, die wiederum umgekehrt darauf weist, daß hier kein taktisches Stillschweigen bewahrt wurde:
    http://nwww.koreaherald.com/view.php?ud=20121015000619
    In Summe mein ceterum censeo (seit Nov. 2011): wenn in Syrien ein Entscheidungsschlag geführt wird, dann von Süden aus und von Israel – selbst wenn Israel die eigenen Maschinen nur gegen die Hezbollah lenkt. An der Nordfront bleibt es beim auszehrenden Status Quo.

  • Der Mossad-Kommentator der Asia Times, Victor Kotsev, unterstellt den russischen Deal mit den USA hinsichtlich Irak, den die „Wochenschau“ nur „befürchtet“:

    „Russia has also vacillated recently, though arguably for different reasons. Its massive recent military deal with Iraq, almost certainly sealed with the acquiescence of the US, suggests that it is willing to accept sweeteners that might convince it to abandon other lucrative clients such as Syria and Iran. Its dealings with Israel, including a large bid by the Russian state-controlled giant, Gazprom, to co-develop Israeli natural gas fields in the Mediterranean Sea, point in the same direction.“

    http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/NJ23Ak03.html

  • Rudolf Steinmetz

    Nach einer validen Prophezeiung werden die Russen Istanbul besetzen. Erstens wollten sie immer schon den Bosporus kontrollieren, zweitens Byzanz rächen und drittens wird Erdogans Dummheit sie dahin führen, während Syrien wie ein Phönix aus der Asche emporsteigt. Lesenswert hierzu (auch über die Rolle von Goldman-Sachs!): Die katastrophale Außenpolitik der Türkei begreifen http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/10/24/die-katastrophale-ausenpolitik-der-turkei-begreifen-teil-2/

    • Anonymous

      Man sollte die Kirche ein wenig im Dorf lassen…
      Wie soll die Türkei von Russland besetzt werden, ohne dass die Nato mit ins Spiel einsteigt?
      Viele Mythen, Ideen und Wunschvorstellungen haben jetzt angesichts des Zeitalters der NWO Hochkonjunktur. Aber vieles ist m.E. wirklich sehr weit hergeholt.