Neuigkeiten von der Waffenruhe

Anastasia Popowa von Vesti in Aleppo
Anastasia Popowa von Vesti in Aleppo

Vesti.ru ist ungeachtet der allgemeinen Auffassung, aus Syrien können keine Journalisten berichten, wieder vor Ort und berichtet vom Verlauf der „Waffenruhe“ im Zusammenhang mit dem islamischen Opferfest. Die Terroranschläge, die es nun fast täglich in Syrien gibt, zeugen trotz ihrer Medienwirksamkeit allerdings davon, dass die Situation im Lande umschlägt. Aus der bisherigen Erfahrung mit dem Krieg in Syrien kann man sagen, dass der Terror immer dann zunahm, wenn die Aggressoren militärisch ins Hintertreffen gerieten. Sobald die Rebellenbanden kontinuierlich kaltgestellt werden und die Initiative verlieren (so, wie es bereits im April nach der Befreiung von Homs war, welches aufgrund des Waffenstillstands beim Annan-Plan dann doch nicht endgültig bereinigt werden konnte), kommt es zu einer Verschärfung der rein terroristischen Komponente dieses Kriegs.


Es sieht so aus, als beginne wieder eine solche Phase. Ungeachtet dessen, dass aus den Provinzen immer noch Meldungen über Zusammenstöße kommen, ist deutlich erkennbar, dass die syrische Armee langsam, aber sicher Herr der Lage wird. Wie unendlich groß auch immer die Zahl der bewaffneten Rebellen sein mag, sie werden offensichtlich schneller ausgeschaltet, als man neue rekrutieren und ausbilden kann – die syrische Armee arbeitet also ein klein wenig effektiver als die Mobilisierungsmaschinerie der Aggressoren. Die Zahl der bewaffneten Rebellenbanden geht zurück, ihre Handlungen sind immer weniger koordiniert und folgen keinem einheitlichen Plan mehr. Wenn man natürlich die allgemeine Destabilisierung der Lage nicht in Betracht zieht.
Reportage von Anastasia Popowa / Vesti.ru

Der Waffenstillstand in Syrien ist vorbei, noch bevor er begonnen hat

Ungeachtet des für die Zeit des islamischen Opferfestes vereinbarten Waffenstillstands gibt es in Syrien wieder Terroranschläge. In Damaskus sind durch eine Explosion 5 Menschen ums Leben gekommen und dutzende verletzt worden. Unser Sonderkorrespondent in Syrien, Anastasia Popowa, ist vor Ort und berichtet über die Situation im Land.
Es ist der erste Tag des Waffenstillstands in Syrien und schon gibt es den nächsten Terroranschlag: im Süden von Damaskus, im sunnitischen Stadtteil Daf al-Shouk explodierte ein Fahrzeug, das an einem Kinderspielplatz parkte. Im Land ist Feiertag, an den Festtagen sind viele Menschen auf den Strassen, der Anschlag war also bewusst darauf ausgerichtet worden, möglichst viele Zivilsten zu töten und zu verletzen. Auch in anderen Landesteilen gingen die Angriffe weiter. Aus Deir as-Saur, Deraa, Homs und Idleb werden Angriffe auf Armeecheckpoints gemeldet. In Aleppo haben die Rebellen trotz der verkündeten Waffenruhe mehrere Angriffe versucht.
Zwei Stunden vor Inkrafttreten des Waffenstillstands sind Bewaffnete in den christlichen Stadtteil Assirian eingedrungen und haben eine Schauhinrichtung vorgenommen: zwei Männern und einer Frau wurden öffentlich die Kehlen durchgeschnitten. Die Anwohner versuchten Widerstand zu leisten und riefen Armeeeinheiten zur Hilfe.
Die Schusswechsel halten weiterhin an. Noch am Vortag des Opferfestes wurden mehrere Viertel gesäubert. Unter den getöteten Rebellen fand man einen Scharfschützen, der seinen Papieren nach aus Saudi-Arabien stammte.
Die Armee zieht sich nicht zurück. Die Stadt bleibt weiterhin abgeriegelt, es gibt Patrouillen in den gesäuberten Gebieten und es wird achtgegeben, dass keine Rebellenbanden aus den abgeriegelten Stadtteilen ausbrechen. Aber auch die bewaffneten Banden ziehen sich nicht zurück, sie beschiessen weiterhin die Checkpoints der Armee und veranstalten Provokationen.

Mahmoud Hisan:

Mit diesen Rebellen muss man sehr vorsichtig sein. Es handelt sich ja nicht um Syrer, sondern das sind ausländische Söldner – sie haben ja sogar eine andere Sprache. Worüber sollte man mit ihnen reden? Sie kamen her und zerstörten unser Stadtviertel. Jetzt haben wir den Schutz der syrischen Armee und können unsere Kinder wieder auf die Straße gehen lassen.

Scheich Mustafa:

Mir scheint, auch diesmal wird das zu nichts führen. Es gab bereits zweimal einen Waffenstillstand, dieses ist der dritte. Die Rebellen erklärten sich einverstanden, begannen aber ein paar Stunden später wieder zu schiessen. Die, welche jetzt noch an eine Waffenruhe glauben, sind der Bomben und des Bluts einfach überdrüssig.

Kleines Mädchen:

Zum Feiertag war ich bei Vati und Opa, danach bin ich Karusell gefahren.

In Aleppo glaubt kaum jemand an den Erfolg der Waffenruhe. Das liegt daran, dass die Freie Syrische Armee keine einheitliche Struktur mit einem Kommando ist, sondern aus dutzenden von Gruppierungen besteht, die teilweise sogar noch gegeneinander kämpfen. Es gibt zwischen diesen Gruppierungen Gerangel um die Führungsrolle. Selbst die UN-Beobachter, welche dort Verhandlungspersonen identifizieren und an den Verhandlungstisch bringen sollten, scheiterten an dieser Aufgabe.
Es kamen jeden Tag andere Personen zu diesen Verhandlungen, so dass diese schließlich scheiterten. Parallel dazu nahm nach den Parlamentswahlen in Damaskus das Ministerium für Nationale Versöhnung seine Arbeit auf. Unterhändler zwischen bewaffneter Opposition und Regierung trafen sich mit beiden Seiten und verhandelten über verschiedene Rahmenbedingungen. Es gelang, sich mit dem Großteil der Gruppierungen zu einigen. Vorerst für drei Tage, auch wenn Russland bereits den Vorschlag gemacht hat, den Waffenstillstand im Erfolgsfall noch zu verlängern und allmählich einen allgemeinen politischen Dialog in die Wege zu leiten.
Nicht alle wollen jedoch ihre Waffen niederlegen. Die in Aleppo und im Norden Syriens operierende Al-Nusra-Front sowie die in der Region Damaskus kämpfende Ansar al-Islam lehnen die Waffenruhe ab und schiessen weiter. Außerdem drohten sie für die Zeit des islamischen Opferfestes mit neuen Terroranschlägen. Die Armee behält sich das Recht vor, auf solche Ausfälle der bewaffneten Banden zu reagieren. Das war eine der Hauptbedingungen bei den Gesprächen mit dem UN-Sonderbeauftragten Brahimi. Diese Bedingung wurde angenommen.

Anastasia Popowa:

Das Armeekommando hat die Einstellung der Kampfhandlungen erklärt. In Hama, Homs und Damaskus ist es heute vergleichsweise ruhig. In Aleppo wird weiterhin gekämpft, und es ist schwer zu sagen, wie lange das so weitergehen wird.

Anastasia Popowa, Michail Witkin, Jewgenij Lebedew. Vesti aus Aleppo, Syrien.

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  • Anonymous

    Es gibt nur eine Lösung:
    Alle Moslem-Fanatiker auslöschen.
    Wünsche der syrischen Armee viel Erfolg und wenig Verluste bei diesem Vorhaben.

  • Anonymous

    Sehe ich anders. Totalen sozialen Tod für die Generäle und Caudillios, die diese Blutpumpe installiert haben. Die gehören als gefährliche Soziopathen auf die Isolierstation.

  • Rudolf Steinmetz

    Wer so wie „Anonym“ hier fordert: Alle Moslem-Fanatiker auslöschen, der ist selbst ein Fanatiker und tappt bestenfalls aus purer Dummheit in jene Falle des Westens, der den menschlichen Fortschritt in Gestalt der Demokratie mit terroristischen Mitteln verbreitet, wie u.a. jetzt in Syrien. Notabene: Der Fundamentalist ist ein Mensch ohne Fundament, denn sonst wäre er duldsam, und keine fanatisierte Figur auf dem Schachbrett der „New World Order“, ein guter Hintergrundbericht dazu bietet dieses Video: Schatten der Neuen Weltordnung 1/6 http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=XZuBN9NwCiA#!

    • Anonymous

      Sicher in zwei Wochen sieht man nicht alles.
      Ich war vor zwei Jahren auch in Syrien. Ja, es gab Klagen der Menschen.
      Rationierung von Diesel und Gas etc. Aber „Nieder mit Assad“ hat niemand auch unter vier Augen gesagt. Ich empfand alle Menschen ob Christen oder Moslems als sehr freundlich.
      Wenn ich jetzt die Bilder aus Aleppo, Damaskus, Homs und anderen Städten sehe, dann könnte ich weinen! An vielen der Orte war ich selbst. Weihnachten in der Nähe von Crak de Cheavlier, Weihnachtsbäume und mit Kreuzen geschmückte Häuser und gleich neben an wohnten Muslime.
      Bürgerkrieg? Darin enthalten ist der Begriff Bürger! Aber und das ist ein Fakt die „Bürger“ in diesem Krieg sind überwiegend ausländische Fanatiker. Wenn es wirklich ein Bürgerkrieg gewesen wäre, würde es Assad heute nicht mehr geben.
      Passiert so etweas in einem anderen Land würde man die „Revolutionäre“ als das bezeichen, was sie wirklich sind, Terroristen! Wer mit Bomben Moscheen, Kirchen zerstört und Gläubige ermordet sollte wahrlich nicht als Aktivist bezeichnet werden, er ist ein Mörder!
      Heute jubeln die westlichen Medien diese Freiheitskämpfer hoch und was wenn sie gewinnen?
      Dann sind es muslimische Fanatiker, Terroristen unter der Führung von Al Kaida.

      Syrien bombadiert nicht sein eigenes Volk, es wehrt sich gegen die von außen geschürte Gewalt!
      Man mag zu Assad selbst stehen wie man will aber unter seiner Führung haben Christen, Kurden und Moslems nicht nur neben- sondern auch miteinander gelebt!