Waffendeals

Eine momentan noch nicht ganz durchsichtige Information kommt zum letztens in Moskau durch Nuri al-Maliki persönlich besiegelten Waffendeal mit Russland, der über eine Gesamtsumme von 4.2 Milliarden US-Dollar gehen sollte. Der Irak hat den Waffendeal annuliert, es soll neu verhandelt werden. Gleichzeitig soll es auf Al-Dschasira ein Dementi der Absage durch das irakische Verteidigungsministerium gegeben haben. Als Grund für die Absage des Deals berief man sich auf ein nicht sogleich durchsichtiges “Korruptionsrisiko” oder gleich Korruption als Faktum.

Die Sache ist die, dass es mit den meisten Ländern vor allem der “dritten Welt” kaum größere Deals gibt, bei denen nicht ein wenig Cashback mit im Spiel ist. Das wird mit “Korruption” gemeint sein. Nur ist die Sache mit Russland ja aber nicht der einzige größere Waffendeal der Iraker in der letzten Zeit; man denke an die Lieferung von Panzerfahrzeugen aus der Ukraine oder den fast zeitgleich mit Moskau abgeschlossenen Deal mit der Tschechei.

Erst gestern kam neben alledem vom offiziellen Irak die Forderung, die russische GazpromNeft möge doch bitte all ihre separaten Deals mit den irakischen Kurden überdenken. Die Russen sind also auch nicht besser dran als das arme ExxonMobil.


Sollte die Nachricht mit dem Aussetzen des Waffendeals mit Russland im Endeffekt stimmen, so kann man schwerlich von einer selbständigen Entscheidung al-Malikis sprechen. Da gab es Druck, und zwar nachhaltigen. Dann wären die ganzen russischen Hoffnungen auf wenigstens eine minimale Präsenz in der Region zerstreut. Dazu noch der “Verlust” Syriens bedeutete den endgültigen Abschied Russlands vom Nahen und Mittleren Osten.

Vielleicht wird diese Perspektive die russische Regierung endlich dazu veranlassen, doch eine etwas deutlichere und härtere Position zu Syrien einzunehmen. Kaum vorstellbar, was noch alles passieren muss, damit es endlich einmal dazu kommt. Solange Russland wie der Vogel Strauß mit dem Kopf im Sand jegliche Reibereien zu vermeiden bestrebt ist und für Stabilität und Status quo kämpft, wird es von überall verdrängt werden. Bis zurück nach Chimki.

Wohingegen der Pentagon übrigens ein Waffengeschäft mit Saudi-Arabien über 6.7 Milliarden US-Dollar angekündigt hat. Es geht dabei um 20 Transportflugzeuge vom Typ C-130 und 5 Tankflugzeuge. Weitere 4 Milliarden zahlen die Saud an Boeing für die Modernisierung ihrer Luftwaffe.

Katar ordert 11 “Patriot”-Luftabwehrsysteme mit Zubehör und 246+768 dazu passende Raketen für die Gesamtsumme von 10 Milliarden US-Dollar. Das ist zusätzlich zu den Meldungen über den gemeinsam mit den VAE erfolgenden Einkauf von THAAD-Raketenabwehrsystemen für 7.6 Milliarden US-Dollar (Anteil des Katar: 6.5 Milliarden). Diese neuerlichen Ausgaben Katars entsprechen in etwa den bisherigen Gesamtinvestitionen in seine LNG-Tankerflotte, die sich auf ungefähr 15 Milliarden US-Dollar belaufen.

Das sind alles ganz frische Meldungen – und die Golfmonarchien litten ja auch vorher schon nicht gerade unter Pazifismus. Es wird langsam unmöglich, die voranschreitende Bewaffnung des Nahen und Mittleren Ostens zu ignorieren. Scheinbar geht die Zeit der Revolutionen langsam vorbei. Es geht wohl bald darum, mit etwas ernstzunehmenderen Gegnern zu hantieren. Es braucht nur irgendwer noch einen Benzinkanister und ein Streichholz vorbeibringen. Die Frage ist nur, wann das passiert.

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