Vesti aus Daraya

Die „Verwundung“ von Anastasia Popowa war natürlich keine, wenn man einen Sturz auf die Nase beim Hasten unter Scharfschützenfeuer nicht als solche zählt. Daraya ist bzw. war umkämpft. Von dort aus lag der Süden von Damaskus in den letzten Tagen unter Dauerbeschuss durch RPGs (ein 82 mm-RPG hat eine Reichweite von bis zu 3 Kilometern). Marat Musin hat in der vergangenen Woche mehrfach aus live Harasta berichtet, gestern auch wieder. Dort sind die Banditen inzwischen vertrieben worden, und das Vesti-Team fährt natürlich an den Ort, wohin sie sich verzogen haben.
Die Nachrichten aus Damaskus und Umgebung sind insgesamt relativ beunruhigend. Manche Quellen reden bereits von einer Neuauflage des „Vulkans“ vom Sommer. Als äußere Faktoren, die das vermuten lassen, führt man den baldigen Weggang Clintons und den scheinbar im Koma liegenden König Abdullah an. Gleichzeitig berichtet ANNA-News aus Quellen im syrischen Innenministerium von der Zerstörung von 250 Rebellenfahrzeugen in der Gegend von Al Bab nordöstlich von Aleppo. Selbst, wenn man die Eigenheiten des Orients berücksichtigt und diese Angabe durch 5 teilt, kann man immer noch von einem bedeutenden Erfolg für die syrische Armee sprechen.
Quelle für den Videobericht: Vesti.ru

Nach Angaben der Armeeangehörigen haben sich die bewaffneten Banden aus den westlichen Vorstädten von Damaskus – Harasta und Duma – in der Stadt Daraya zusammengezogen, welche sich südlich der Hauptstadt befindet. Die Rebellen sind über ein Tunnelsystem dahin gelangt. Daraufhin wurden Armeeeinheiten zusammengezogen und im Stadtgebiet begann eine Säuberungsaktion – inzwischen bereits die elfte.
Angesichts der Armee haben sich die bewaffneten Banden zurückgezogen, aber um deren Vorankommen möglichst aufzuhalten, wurden Scharfschützen in Stellung gebracht. Ihre Positionen wurden zuerst mit Artilleriefeuer bearbeitet, danach wurden Soldaten auf Panzerwagen in das Gebiet gebracht und seitdem läuft eine Bodenoffensive.
Von Haus zu Haus bewegen sich die Soldaten in kurzen Sprints. Zwischen den Gebäuden aber ist offenes Gelände. Ringsum gibt es halbverlassene landwirtschaftliche Gebäude, zwei- und dreigeschossige Lagerhäuser und -hallen. Von dort feuern die Rebellen.
Die beiden Straßen, die um das Haus herumführen, werden beschossen. Die Soldaten entscheiden sich, die Wände zu durchbrechen. Im Hof fand man einen Galgen. So haben die Banditen jene hingerichtet, die es ablehnten, sie zu unterstützen. In diesem Zimmer ist alles durchwühlt: alles, was Wert hat, wurde weggebracht.
Das ist die vorderste Linie, der Gegner steckt gegenüber. Die Soldaten nehmen ihre Positionen ein. Unter “Allahu akbar”-Gebrüll werden sie wieder unter Beschuss genommen. Die Kugel traf kurz unterhalb der kugelsicheren Weste und geriet einem der Soldaten in den Bauch. Seine Kameraden tragen ihn heraus; um ihn zu evakuieren, ruft man einen Panzerwagen – bisher gibt es noch keine Garantie dafür, dass das Hinterland sicher ist.
Der Schützenpanzerwagen schießt sich durch und verläßt die Zone der Kampfhandlungen.
Die Offiziere mögen es nicht, von den eigenen Verlusten zu sprechen, sie nennen keine Zahlen, doch allein innerhalb der ersten Stunde der Operation wurde vor unseren Augen einer erschossen, ein weiterer verletzt. Die Verwundeten bringt man ins nahegelegene Krankenhaus. Der Chefarzt bittet uns, sein Gesicht nicht zu filmen; er fürchtet Rache. Sein Haus wurde gesprengt, er selbst bekam mehrfach Morddrohungen.
In den Reihen der Rebellen gibt es Syrer, doch es werden immer mehr Ausländer. Auf diesen drei Blättern sind Vornamen, Namen und Herkunftsländer verzeichnet: Saudi-Arabien, Libyen, Libanon, Ägypten; es findet sich sogar der Name eines Extremisten aus dem Tschad. Um die Anwesenheit ausländischer Söldner zu verbergen, verbrennen die Rebellen die Leichen ihrer Toten. Innerhalb weniger Tage sind in Daraya mehr als 200 Banditen getötet worden. Doch einem Teil von ihnen gelang wieder die Flucht.

Anastasia Popowa, Michail Witkin, Jewgenij Lebedew. Vesti aus Daraya, Syrien.

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