Archiv für Dezember, 2012

Alles klar, Herr General?

Eine kurze Nachricht zum Ende des Jahres: noch gestern tauchte an verschiedenen Stellen des russischsprachigen Internet die Meldung auf, der ehemalige Brigadegeneral Mustafa al-Sheikh sei in Daraya dingfest gemacht worden. Soeben wird das von ANNA-News bestätigt.

Zusammen mit al-Sheikh sind auch weitere Mitglieder des sog. “Obersten Militärrats” der FSA verhaftet worden. Sie alle sollen sich derzeit in Verwahrung bei der militärischen Spionageabwehr befinden. Mal sehen, ob und wann noch “offiziellere” Bestätigungen dieser Meldung kommen.
Und damit einen friedvollen und gesegneten Jahreswechsel!

Syrisches Tagebuch: Rückblick auf 7 Monate Berichterstattung

amir-abu-dschafar

Amir Abu Dschafar

Der russische Sender Rossija-24 veröffentlichte vor 3 Tagen einen Rückblick auf die 7 Monate Berichterstattung, in denen das Team von Anastasia Popowa vor Ort in Syrien war. Diese Zeit geht auch an hartgesottenen Journalisten nicht spurlos vorüber; sie haben vor Ort viele Freunde gefunden und durch den Terror auch einen Teil von ihnen wieder verloren. Der Film ist denn auch insgesamt den Opfern des Terrors in Syrien sowie speziell Amir Abu Dschafar gewidmet. Der tauchte erstmals in einem Videobericht aus Homs auf und wurde später von FSA-Banden entführt und bestialisch ermordet.

Dieser Film ist im Original etwa 44 Minuten lang (die deutsche Fassung ist um ein-zwei Minuten kürzer, es sind ein paar Passagen mit “ääääh” und “hmmm” entfernt worden, die sich schlecht von einer Übersetzung untermalen lassen) und soll auf rein emotionaler Ebene greifen – ohne irgendwelche taktischen oder gar strategischen Implikationen. Man kann die Sache aus dem fernen Europa auch nüchtern sehen und Elemente von Schwarz-Weiß-Malerei identifizieren; insgesamt ginge der Film sicher gut unter dem Label “Propaganda” oder, sagen wir es positiver, “Informationskrieg” durch. Das kann man von der Seite aber ruhig auch einmal zulassen. Das Aufbauen von Emotionen ist charakteristisch für diese Art Film. Aber das Aufzeigen der ausufernden Brutalität gegenüber den Zivilisten und den Gefangenen unter dem Deckmantel eines Glaubenskriegs ist hier essentiell und der Grundtenor, den es zu transportieren gilt. Krieg ist Krieg, Soldaten sterben – das ist in diesem üblen Kontext “normal”. Aber man kann sich fragen, wofür oder für wen sie das tun. Man muss also nicht alles daran mit dem propagandistischen Generieren von Stimmungen abtun. Nebenbei interessant auch das Interview mit Yara Saleh von Al-Ikhbaria, die eine knappe Woche in der Gefangenschaft der FSA-Banditen verbracht hat und von der Armee befreit worden ist.

putin_popowaDas Team von Anastasia Popowa wurde in Russland mit der eigentlich Militärs vorbehaltenen Tapferkeitsmedaille geehrt. Nicht sehr verwunderlich: sie sprinten zusammen mit den Soldaten durch Kugelhagel und riskieren wirklich etwas, um authentisch zu sein. Im Sinne dessen, dass Kriege heutzutage offenbar überwiegend in den Medien ausgefochten werden, ist das also richtig. Und diese Linie ist damit von russischer Seite auch offiziell gewollt und unterstützt – siehe auch die Definition des Personenkreises, der für eine solche Auszeichnung in Frage kommt: “in Ausnahmefällen an Zivilisten für persönliche Tapferkeit bei der Verteidigung des Vaterlandes.”

Das deutsche Transkript des Films wird hierunter in recht roher Form mit veröffentlicht, falls sich irgendwer dazu berufen fühlt, die Sache nach Kisuaheli usw. zu übersetzen – es war ein mühevolles Durchhören und Aufschreiben, denn bei Vesti.ru wurde der Text nicht veröffentlicht. Kann auch sein, dass es da gar keine Textfassung gibt, es ist ja keine Nachrichtensendung. Die Absätze sind (so gut wie) alle mit Timecodes (mmss) und Dauer markiert; die Offsets beziehen sich auf den Originalfilm. Das also bitte als Daten (und weniger als Lektüre) betrachten.

Wochenschau, Folge 57 – Jahresrückblick 2012

Die Leute von “Umgestaltung der Welt” wagen einen Jahresrückblick mit m.M.n. teils fragwürdigen Schlußfolgerungen. Man kann es sich aber durchaus einmal ansehen. Zugegeben, nicht allzu viele sind darauf gekommen, die US-Außenpolitik sei wegen eines toten Botschafters gleich gescheitert. Aber ich persönlich mag den positiven Grundtenor dieser (wie auch der meisten anderen) Folgen.

Das Jahr 2012 geht dem Ende entgegen und glücklicherweise kam es weder zum Weltuntergang, noch zum Beginn eines Dritten Weltkriegs. Wir wollen ein kleines Fazit wagen und die wichtigsten geopolitischen Ereignisse dabei hervorheben.

Fiasko der US-Außenpolitik

Zweifellos ist die wichtigste Schlussfolgerung des scheidenden Jahres das Fiasko der US-Außenpolitik. Jetzt, da man daran geht, die alten “Falken” aus der neuen Obama-Administration zu streichen, wird das besonders deutlich. Das plötzliche Gebrechen der alten Clinton, das sich bei ihr in Durchfall und einem Sturz mit Gehirnerschütterung zeigte, ist eine absolut treffende Charakterisierung der Ergebnisse der US-Strategen. Diese haben es nicht nur geschafft, sich die Köpfe einzurennen, sondern haben sich dabei auch noch ordentlich in die Hosen gemacht. Schlecht ist natürlich, dass dabei so viele unschuldige Menschen sterben mussten.
Manche sind der Ansicht, dass die USA durch ihre Aktionen in bestimmten Punkten der Welt das so genannte “gesteuerte Chaos” generieren wollten. Im Moment sieht eine solche Behauptung recht fragwürdig aus, da es den USA nirgends gelungen ist, dieses Chaos auch nur ansatzweise zu steuern. Um nicht leerer Worte bezichtigt zu werden, lasst uns einmal schauen, wie das ablief.
In Libyen ist das Resultat der Entmachtung Gaddafis, dass ein einstmals blühendes Land in einen Strudel von Stammeskämpfen verfiel, sowie auch der Mord am US-Botschafter Christopher Stevens. Während die Zerstörung eines blühenden Landes noch irgendwie zu den Interessen der USA paßt, sieht das mit dem Mord am Botschafter wohl anders aus. Dieser hat der Welt deutlich gezeigt, dass Washington bereits nicht einmal mehr in der Lage ist, die eigenen Interessen zu schützen.
In Afghanistan sieht es auch nicht besser aus. In diesem Jahr ist ein bedeutender Teil des ausländischen Militärkontingents abgezogen worden, doch sah das eher nach einem Fluchtergreifen aus. Die Militärbasen der USA sind über das ganze Jahr Angriffsziel der Taliban gewesen, abgeschossene NATO-Hubschrauber fielen vom Himmel, europäische Soldaten wurden von den Minen der Mudschaheddin zerrissen. Man erinnere sich auch an den “amerikanischen Breivik”, den durchgeknallten Robert Bales, der innerhalb einer Nacht ohne jeden Grund 16 friedliche Afghanen massakriert hat.
Fast ohne jede Aufmerksamkeit blieb indes noch ein Reinfall der USA, und zwar im Jemen. Durch die Bemühungen Washingtons wurde hier Präsident Ali Abdallah Saleh vom Posten verdrängt. Danach ging das Land in eine Folge endloser militärischer Zusammenstöße und Terroranschläge über. Die Al-Kaida befestigte sich im Süden des Landes und hat hier de facto ihren eigenen, unabhängigen Staat geschaffen. Auch das Morden zwischen Schiiten und Sunniten geriet im Jemen zu enormem Ausmaß. Der Höhepunkt des Versagens der US-Politik war die Plünderung der US-Botschaft nach einer Vorführung des Films “Die Unschuld der Moslems”. So haben die dankbaren Jemeniten Washington ihre tiefe Verbundenheit für die demokratischen Veränderungen in ihrem Land gezeigt.
Ein weiteres Beispiel für die Flaute, in der die amerikanische Flagge derzeit hängt, ist Ägypten. So viel Trara und PR es um den Sturz des “Tyrannen” Mubarak gab, so verhalten berichten nun die westlichen Medien über die Resultate des Arabischen Frühlings. Das ganze Jahr über ertönte das Gebrüll auf dem Tahrir-Platz. Das ganze Jahr lang haben sich die vom der Demokratie beglückten Ägypter gegenseitig die Köpfe mit Pflastersteinen eingeschlagen und amerikanische Fahnen in Fetzen gerissen. Das Ergebnis des ägyptischen “Frühlings” ist beeindruckend – ein vollkommener wirtschaftlicher Ruin, die Machtergreifung der Islamisten und tausende Opfer bei den nicht enden wollenden Unruhen. Vielen Dank, Großer Bruder!
Wir wollen annehmen, dass wir im kommenden Jahr Zeugen eines Zurückfahrens der militärischen Präsenz der USA im Nahen Osten sowie einer allmählichen Abkehr von der gescheiterten Politik direkter Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten werden.

Konfrontation des Jahres

Sicherlich war die Opposition zwischen Russland und den USA in diesem Jahr herausragend. Im Fokus dieser Auseinandersetzung lag Syrien, sie verlief aber auch an anderen Fronten – in Zentralasien, auf den Gebieten der Wirtschaft und der Rechtssprechung. In diesem Jahr fand das berühmte “Reset” der Beziehungen zwischen beiden Ländern faktisch keine Erwähnung mehr. Auch auf höchster Ebene wird inzwischen anerkannt – Russland und die USA haben zu verschiedene Ansichten zu den wichtigsten aktuellen Problemen.
Wer konnte in dieser Auseinandersetzung bisher bestehen? Das ist wohl Russland. Ein Zeugnis dafür ist das zwar ziemlich gebeutelte, aber doch bestehende Land Syrien. Wir wollen sicher nicht den Verdienst der syrischen Armee und des syrischen Volkes an diesem Erfolg schmälern. Doch man muss zugeben: wäre da nicht Russland, hätte Syrien es nicht mit hirnverbrannten Terroristen, sondern direkt mit dem NATO-Block zu tun. Der Ausgang einer solchen Konfrontation wäre offensichtlich. Wir können nur mutmaßen, welcher Anstrengung es bedurft hatte, dass Russland die Situation in diesem Fahrwasser halten konnte.
Einige Male wurde es kritisch: als das türkische Militärflugzeug an der syrischen Küste abgeschossen wurde und als Unbekannte von syrischer Seite aus türkisches Gebiet beschossen haben. In diesen Momenten hing wirklich alles an einem Haar, doch glücklicherweise fehlte es den “Partnern” von der anderen Seite des Ozeans an Entschlossenheit, eine Militärintervention zu starten. Auch die arabischen Sponsoren des Terrors in Syrien hatten nicht genug Mumm für eine offene Konfrontation. Wohl nicht umsonst kreuzte die russische Kriegsmarine über das ganze Jahr im Mittelmeer. Die Andeutung wurde verstanden.
Nicht minder wichtig ist auch die wirtschaftliche Seite der Auseinandersetzung gewesen. Auch in dieser Hinsicht war das Jahr für Russland sehr erfolgreich. Erstens ist mit dem Bau der Pipeline “South Stream” begonnen worden – einer Erdgaspipeline nach Europa, welche die Ukraine umgeht. Zweitens wurde der Bau der Abzweigungen des “North Stream” vollendet. Drittens wurde das Projekt mit dem Namen ESPO-2 in die Tat umgesetzt – eine Erdölpipeline aus Ostsibirien an den Stillen Ozean, welche die Märkte Asiens für russisches Öl erschließt.
In den USA und Europa gibt es in Wirtschaftsbelangen nichts als Enttäuschungen – eine sich übermäßig aufblähende Staatsverschuldung, die sich Richtung Finanzkollaps der Eurozone entwickelt, Arbeitslosigkeit und Rückgang der Produktion.
Im kommenden Jahr wird dieser Widerstreit sicherlich nicht verschwinden, doch es wird wohl die Europäische Union sein, welche an dieser Stelle zur Keule der USA werden soll.

Eurasische Integration

Vielleicht wissen es unsere ausländischen Zuschauer nicht, doch auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geht man ein globales Integrationsprojekt an. Es soll in der Perspektive die ehemaligen Sowjetrepubliken zu einer einheitlichen Wirtschafts- und Verteidigungsunion vereinen. Das ist ein schwieriger Prozess und er läuft nicht so schnell, wie man das gern hätte, doch es geht alles in allem recht entschlossen voran.
Ein gutes Zeichen dafür ist die kürzliche Verlautbarung von Hillary Clinton darüber, dass man es Russland nicht gestatten dürfe, eine “neue Version der Sowjetunion” zu schaffen, egal, wie diese genannt würde.
Wladimir Putin:

Es befremdet mich immer sehr, wenn manche unserer ausländischen Kollegen sagen, dass – wenn wir den Weg der Integration beschreiten, so seien das wiedererstarkende “Ambitionen” Russlands aus der ehemaligen Sowjetunion. Welch ein Blödsinn! Für uns ist das ein vollkommen natürlicher Prozess, denn bei uns gibt es dafür Voraussetzungen, die andere Integrationsprozesse gar nicht hatten: wir haben eine gemeinsame Sprache, die große russische Sprache, wir haben bis zu gewissem Grad eine gemeinsame Mentalität, da wir alle aus einem Staat hervorgegangen sind; wir haben eine gemeinsame Transportinfrastruktur, eine gemeinsame Infrastruktur in der Energieversorgung, bei uns gibt es enorme, nicht mit anderen Ländern und anderen Integrationsprojekten zu vergleichende Kooperation zwischen den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Und man muss sagen, auch in unseren Kulturen gibt es sehr viel Gemeinsames, und deshalb ist das für uns eine auf Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit hinauslaufende Richtung.

Tatsächlich haben die “Partner” von der anderen Seite des Ozeans in diesem Jahr alles mögliche unternommen, um diese Integration zu behindern. So sind die Ukraine und Usbekistan praktisch aus diesem Prozess ausgeschieden. Das aber bis auf weiteres. Dafür bestehen stabile Beziehungen zwischen Russland und Kasachstan. Kasachstan wurde in diesem Jahr besonders beharrlich gesprengt, terrorisiert und destabilisiert, doch all das umsonst. Es ist nicht gelungen, Feindschaft zwischen Russland und Kasachstan zu säen.
Es gelang auch nicht, Kirgisien und Tadschikistan von Russland zu entfremden. Viele fragen sich, wozu Russland diese zentralasiatischen Republiken mit ihrer schwachen Wirtschaft und dem schwachen Militär braucht. Das haben wir mehrmals hervorgehoben – je stärker die Positionen Russlands in Zentralasien sowie auf dem Kaukasus sind, desto ruhiger wird es in Moskau, Sankt-Petersburg, Nowosibirks und anderen Städten sein.
Ende des Jahres wurden Schlüsselfragen geklärt – die Pachtfrist für russische Militärobjekte in Kirgisien und Tadschikistan wurde verlängert. Allen ist klar, dass mit dem Abzug der internationalen Koalition aus Afghanistan im Jahr 2014 die Grenzen dieser Republiken faktisch zu den Grenzen Russlands werden. Genau damit hängen die zahlreichen Militärmanöver im Rahmen der OVKS zusammen. Die OVKS ist ein der NATO und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit analoges Bündnis.
Im kommenden Jahr wird sich der Prozess der eurasischen Integration fortsetzen. Auf der Tagesordnung werden der Beitritt Kirgisiens in die Zollunion stehen, sowie auch die Umrüstung und der Ausbau russischer Militärbasen in Zentralasien, und natürlich der Kampf mit dem Drogenschmuggel aus Afghanistan. 
Alexandr Lukaschenko:

Im Jahr 2015 wird es die Eurasische Union mit Sicherheit geben. Mit Sicherheit. Mit Russland und Weißrussland gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme. Wir vertreten eine gemeinsame Position.

Islamischer Fanatismus

Sicherlich ist religiöser Fanatismus keine Entdeckung aus diesem Jahr. Allerdings war er in diesem Jahr das hauptsächliche Instrument der Destabilisierung der weltweiten Lage. Dabei ist er an Orten aufgetreten, wo man damit eigentlich nicht rechnen konnte. Beispielsweise im Herzen Russlands. Die, welche unsere Folgen gesehen haben, können sich sicher gut daran erinnern, dass plötzlich selbsternannte “Emire” eines wahhabitischen Untergrunds wie die Springteufel in Tatarstan zu erscheinen begannen. Leider wurde diese Bedrohung nicht rechtzeitig identifiziert und kostete so den geistlichen Führer der Moslems in der Wolga-Region, Walliula Jakupow das Leben. Er wurde von Terroristen an der Schwelle des eigenen Hauses ermordet.
Allerdings wurde ein solches Signal richtig gedeutet und bald begann man, sich mit diesem terroristischen Untergrund zu befassen. Das nun aber nicht nur in Tatarstan, sondern in ganz Russland. Es wurden eine ganze Reihe an Zellen der terroristsichen Hisb-ut-Tahrir aufgedeckt und deren Anführer verhaftet.
Gleichzeitig wurde der Anti-Terror-Kampf im Nordkaukasus fortgeführt. Im Zentrum standen Inguschetien und Dagestan. Auch hier ging es leider nicht ohne spektakuläre Auftragsmorde aus. In Dagestan wurde beispielsweise Said Afandi, eine bedeutende religiöse Persönlichkeit, bei einem Anschlag getötet. Die beiden Morde an Afandi und Jakupow stellen eine Herausforderung des radikalen Islam gegenüber dem traditionellen dar, denn beide Prediger waren Kritiker des Wahhabismus. Damit ist also eine potentielle Bruchlinie zutage getreten, an der entlang die Feinde Russlands auch weiterhin tätig sein werden. Das Ziel ist offensichtlich, die Zustände in Russland zu einer endlosen Verkettung von Terroranschlägen zu machen, ähnlich wie in Afghanistan, Jemen und Irak. Also so wie dort, wo Moslems seltsamerweise Moslems umbringen, nur, weil sie ihre heiligen Schriften verschieden auslegen.
Es ist wahrscheinlich, dass genau diese Art der Destabilisierung der russischen Gesellschaft im nächsten Jahr vorherrschend wird; andere Methoden haben sich bislang als wenig passend erwiesen.

Innenpolitik Russland

Im herausragendsten war hier das Fiasko der Protestaktionen in Russland und die neue Machtkonfiguration. Über das Erlöschen der Proteste der russischen Oppositionellen wurde schon viel gesagt, es wäre unsinnig, das alles zu wiederholen. Das Resultat liegt auf der Hand – die frischgebackenen Revoluzzer haben sich auf den Straßen als vollkommen unfähig erwiesen und nur sich selbst diskreditiert. Die Staatsmacht machte sich das zunutze und hat anhand dieser Vorkommnisse gewisse Polittechnologien erproben können. Das ist denn auch alles, was der mißratene “Russische Frühling” bewirkte.
Viel interessanter sind neue Konstellationen in der Staatsmacht. Wladimir Putin kehrte ins Präsidentenamt zurück, das Ministerkabinett wird von Dmitrij Medwedew angeführt. Das erweckt den Anschein einer Doppelherrschaft, denn es sind einige als liberal geltende Minister im neuen Kabinett vertreten. Das ganze Jahr über konnte man die große Show der Privatisierung der Filetstücke der russischen Wirtschaft mitverfolgen. Medwedew und sein Team haben ihren Standpunkt, der Staat solle sich komplett aus allen Wirtschaftsunternehmen zurückziehen, aktiv vorangetrieben, dabei hat Putin jedoch versprochen, dass die “strategischen Branchen”, solche wie die Rüstungsindustrie und die Förderung von Erdöl und Erdgas, keineswegs zur Beute der Privatwirtschaft werden.
Dieses Versprechen hielt er zum offensichtlichen Verdruss des liberalen Blocks innerhalb der Staatsmacht. Allerdings halten wir es für unangemessen, die Tiefe der Spaltung überzubewerten. Ja, es gibt Meinungsverschiedenheiten zu Eigentumsverhältnissen, zum Staatsbudget, selbst zum Kurs, den das Land weiter verfolgen soll, doch sind diese Meinungsverschiedenheiten nicht kritischer Natur und es wird im kommenden Jahr deswegen wohl kaum zu einer Regierungsneubildung kommen, wie das manche Politologen vorhersagen. Schlussendlich liegt das Hauptaugenmerk der Regierung in der Stabilität, um derentwillen es immer Kompromisse geben wird, ganz ungeachtet der politischen Ansichten der jeweiligen Gegner. Freilich müssen wir, die Hand auf’s Herz gelegt, zugeben, dass wir uns einen anderen Kurs wünschen würden – einen, der sich weniger um die Stabilität der Macht kümmert, als vielmehr auf intensives und extensives Wachstum abzielt. Vielleicht werden unsere Hoffnungen im kommenden Jahr wenigstens zum Teil erfüllt.

Nachwort

Vom psychologischen Standpunkt war das scheidende Jahr sehr angespannt. Es hat das Leben einer großen Zahl vollkommen unschuldiger Menschen in allen Teilen der Welt mit sich gerissen. Insgesamt ist das Hauptdefizit der jetzigen menschlichen Gesellschaft zutage getreten – das ist die Besonnenheit. Sie ist zu einem wahrhaft selten anzutreffenden Zug geworden, sowohl bei Politikern, wie auch bei einfachen Leuten. Ich möchte uns allen gern im Namen unseres gesamten Projekts wünschen, im Neuen Jahr besonnen zu sein: keinen Manipulationen nachgeben, an sich selbst arbeiten, neue Erkenntnisse anstreben. Nur dann wird die Umgestaltung der Welt nicht mehr mit neuen Kriegen assoziiert werden, sondern mit einem globalen Vorankommen der Zivilisation.
Viel Erfolg, gute Gesundheit und Besonnenheit im Neuen Jahr!

Option Persien (Teil 1)

Der Gouverneur des iranischen Verwaltungsbezirks Gilan-e-Gharb (Provinz Kermānschāh) verkündete bereits vor etwas über einem Monat den Beginn des Baus der Erdgaspipeline Iran – Irak – Syrien.

Der Iran hat sich offenbar unter den Bedingungen des in Syrien laufenden Terrorkriegs zum Bau dieser Pipeline entschlossen. Der entsprechende Vertrag stammt noch vom Sommer 2012, und es scheint unlogisch, dass das ein Abenteuer werden sollte – solche Projekte werden nur gegen ernstzunehmende Garantien gestartet, einschließlich natürlich von Garantien über deren Sicherheit. Abzusehen ist eine Bauzeit von vielleicht zwei Jahren, kaum viel mehr. Ans syrische Territorium dürfte der Bau gegen Ende des kommenden Jahres vordringen. Offenbar schätzt der Iran diese Frist als ausreichend ein, dass sich die Situation vor Ort inzwischen günstig gestaltet.

Interessant ist dabei natürlich, dass die Bauabsicht nach den inoffiziellen, wenig publik gewordenen Zweiergesprächen zwischen den USA und dem Iran von Anfang November erklärt wurde. Was könnte wohl dahinterstecken?

Sdrawstwuj, Libyen: Russland kehrt zurück

Das russische Außenministerium hat vor einer Woche über den inzwischen berüchtigt gewordenen stellvertretenden Außenminister Bogdanow verlauten lassen, dass Russland daran gehen will, Einheiten der libyschen Armee auszubilden.

Das zeigt eigentlich, dass die russische Führung ein recht klares Bild von der Situation und dem Kräfteverhältnis in Libyen hat. Andersherum ist das auch ein Signal, dass im “neuen Libyen” gewisse Veränderungen anstehen. Um es kurz zusammenzufassen – momentan scheinen die Ziele der eher säkularen Kräfte in der Regierung und die der libyschen Stämme zusammenzufallen. Ihre gemeinsamen Gegner sind die radikalen Islamisten, welche sich im Süden des Landes festgesetzt und praktisch ganz Fessan unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Terroristische Internationale

Der folgende Frage-Antwort-Text erschien bei der russischen Nachrichtenagentur NR2 (“Nowyj Region”) und gibt die Einschätzung eines gewissen Dmitrij Jerschow wieder, der nach Worten der Agentur derzeit in Damaskus ist. Das ist auch wahr, denn nachdem Kreml.TV seine täglichen Live-Übertragungen in Zusammenarbeit mit ANNA-News eingestellt hat, fand sich dieser russische Enthusiast, um Marat Musin vor Ort zu unterstützen. Der Mann ist ein Blogger (hauptberuflich?) und positioniert sich als Politologe. Sein Engagement ist durchaus bemerkenswert und zeigt, auf welcher Ebene nun schon versucht werden muss, die Informationsblockade zu durchbrechen. Dazu braucht man übrigens keine Einladung der syrischen Regierung. Nun ist auch die Schutzausrüstung von Musin – Schutzhelm und kugelsichere Weste – eine Spendengabe. Nicht etwa der syrischen Regierung oder Armee, sondern der russischen Firma Armocom. Ähnliches gilt für die Kamera, die seit ein paar Tagen im Einsatz ist und einfach einem Panzer oder Truppentransporter aufgesteckt werden kann. Sie stammt von einem russischen TV-Projekt namens Neuromir.TV (grob umschrieben ist das ein Projekt der Sparte “user generated content”). Was der in Moskau sitzende Repräsentant des SNC, Mahmud al-Hamsa, über eine staatlich gesteuerte Meinungsmache zugunsten der syrischen Regierung phantasiert, trifft überhaupt nicht zu. Hier engagieren sich normale Bürger, um eine Berichterstattung aus Syrien zu ermöglichen.
Der Artikel bei NR2 titelt “Syrien. Krieg gegen die terroristische Internationale” (wird hier leicht gekürzt übersetzt). Musin selbst hat in Vorlesungen den Begriff “Wahhibitischer Komintern” geprägt, den man hier später auch noch einmal erläutern kann. Weiter unten im Text noch ein ANNA-News-Mitschnitt von Kampfhandlungen am 16.12.2012 in Daraja.

Quelle für den Text ab hier: www.nr2.ru
NR: Dmitrij, welches waren die ersten Eindrücke von dem, was Sie in Syrien gesehen haben?
Dmitrij Jerschow: Gleich nach der Ankunft in Damaskus fiel auf, dass es keinerlei Panik gibt. Es gibt am Flughafen nicht etwa Menschenmengen mit ihrem Hab und Gut, die ganz dringend abreisen wollen. Ganz im Gegenteil, die Atmosphäre im Flughafen von Damaskus ist vollkommen ruhig und unterscheidet sich nicht z.B. von der im Moskauer Flughafen Wnukowo. Um den Flughafen herum und entlang der 30 Kilometer langen Straße nach Damaskus gibt es Checkpoints der Armee. Aber es sind viele Fahrzeuge unterwegs. Es fiel nur auf, dass sie alle recht schnell unterwegs waren. Diese Magistrale ist also nicht etwa durch die Terroristen abgeschnitten, auch wenn es, wie unser syrischer Begleiter sagte, in der letzten Zeit einige erfolglose Versuche dazu gegeben hat.
Dmitrij Jerschow in Daraja
NR: Wie gravierend sind die Zerstörungen in Damaskus und in anderen Städten? Arbeiten die Läden in Damaskus? Wie steht es mit der Wasserversorgung, gibt es Mangel an Lebensmitteln? Was ist mit Schulen, Kindergärten, Banken und anderen sozialen und staatlichen Einrichtungen?
Dmitrij Jerschow: Abgesehen vom Stadtteil Abun, wohin die Rebellenbanden vor einem halben Jahr erfolglos einzudringen versuchten, gibt es in Damaskus keinerlei Zerstörungen, abgesehen von den Spuren der ab und an passierenden Terroranschläge – in Damaskus gibt es keine Kämpfe. In den syrischen Städten und Dörfern, in denen gekämpft wird, sind die Zerstörungen hingegen sehr bedeutend. Analog verhält es sich mit den Läden, Banken, Schulen und anderen Einrichtungen. Wo es unruhig ist und gekämpft wird, ist der Großteil dieser Einrichtungen geschlossen. Wo alles ruhig ist, arbeiten die Menschen im gewohnten Rhythmus.
In Damaskus läuft die Wasserversorgung stabil und es gibt auch keine Probleme mit Lebensmitteln. Doch die Wirtschaftssanktionen des Westens und die von ebenda koordinierten, mit den Händen der Islamisten verübten Anschlägen gegen wirtschaftliche Einrichtungen führten zu Preissteigerungen von mehr als 50%, was den Lebensstandard einfacher Syrer natürlich verschlechtert hat.
NR: Gibt es in den Krankenhäusern von Damaskus viele Verwundete?
Dmitrij Jerschow: Es gibt Verwundete, aber es sind verhältnismäßig wenige. Dabei muss man bemerken, dass hier sowohl verwundete Soldaten der syrischen Armee und Zivilisten, wie auch gefangengenommene und verwundete Rebellenkämpfer behandelt werden.
NR: Vor einigen Tagen wurde berichtet, dass die gegen die Regierung kämpfende Opposition dazu übergehen wird, in Syrien lebende russische Staatsbürger umzubringen. Wie wurde diese Nachricht in Syrien selbst aufgenommen, also von den Einwohnern, den russischen Syrern und den Armeeangehörigen? Gibt es Schutzmaßnahmen für russische Bürger?
Dmitrij Jerschow: Die kämpfende Opposition bringt jeden um, egal wann und wie. Das sind Unmenschen, die auch Frauen und Kinder umbringen, nur, um den westlichen Medien entsprechende Bilder zu liefern. Sie sprengen Busse, beschießen Schulen aus Granatwerfern und begehen viele andere Niederträchtigkeiten. In Syrien wird das von den normalen Menschen eindeutig abgelehnt – die Terroristen werden gehaßt. Das muss auch die übrige Welt einmal verstehen. Was konkret den Mordaufruf gegen Russen angeht, so ist dieser von Scheich al-Qaradawi, einem der Ideologen der Salafiten ausgesprochen worden, ebenso vom geistlichen Führer der Al-Nusra-Front, Scheich al-Arur.
NR: Wie ist die Lage in Syrien insgesamt?
Dmitrij Jerschow: Die Gesamtlage ist verhältnismäßig ruhig. In Damaskus, wo ich mich gerade befinde, gibt es keinerlei Panik. Die Stadt lebt ihr gewohntes, gemessenes Leben. Es gibt keine Proteste oder Kampfhandlungen. Die Terroristen, die nach Damaskus vorzudringen versuchten, sind in entfernten Vororten blockiert worden, etwa in Daraja oder Duma, und werden von der syrischen Armee jetzt systematisch vernichtet. In Daraja laufen derzeit recht angespannte Kämpfe. Ich bin dort gleich nach meiner Ankunft in Syrien, am Donnerstag, gewesen, am Freitag habe ich Daraja wieder besucht. Auf den Straßen liegen die Leichen der dort liquidierten Rebellenkämpfer. Das sind Leute aus dem Libanon, aus Libyen, Saudi-Arabien, Irak und aller Herren Länder – eine terroristische Internationale. Wie syrische Armeeangehörige sagten, war selbst ein Australier unter den Getöteten. Wir fanden dort auch Geld in den Währungen Saudi-Arabiens und Libyens.
Mitunter gelingt es der syrischen Armee auch, Instrukteure aus NATO-Ländern zu fangen. Das sind viele Türken, ebenso auch Instrukteure aus Saudi-Arabien.
Abgesehen von Daraja und Duma ist die Situation in Aleppo und auchin Harasta weiterhin schwierig. Ich bin bisher nicht dort gewesen und kann deswegen nicht als Augezeuge der dortigen Vorgänge berichten. Allerdings kann man zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass die Lage in Syrien sich im Großen und Ganzen stabilisiert. Die Armee liquidiert die Terroristen in großen Zahlen, und es hat den Anschein, als gehen dem Katar und Saudi-Arabien die Mittel aus, diese internationalen Banden weiterhin ausreichend mit Kanonenfutter und Waffen zu versorgen.
NR: Was meinen Sie sind die wirklichen Gründe für den Konflikt in Syrien? Wem nützt er?
Dmitrij Jerschow: In erster Linie, so glaube ich, muss man sagen, wem der Konflikt in Syrien nicht nutzt. Das ist das syrische Volk. Vorteilhaft ist der Konflikt für die, welche sich außerhalb Syriens befinden. Das sind zuerst die Hauptsponsoren, der Emir des Katar Hamad bin Chalifa al-Thani und die in Saudi-Arabien herrschende Dynastie der Saud mit ihrer irrwitzigen Idee der Wiedererrichtung eines arabischen Kalifats auf Grundlage der radikalen religiösen Lehre des Wahhabismus. Al-Thani und die Saud bewaffnen und bezahlen Terroristen aus dem gesamten Nahen Osten, damit sie in Syrien kämpfen. Darin werden sie vom türkischen Premier Recep Erdoğan unterstützt, der sich mit seiner eigenen Armee überwarf und durchsetzte, dass die Türkei zum Schlupfwinkel für Abschaum aus dem ganzen Nahen Osten wurde, das von dort aus in den Krieg nach Syrien zieht. Ohne al-Thani, ohne die Saud und Erdoğan gäbe es keinen Konflikt in Syrien. Er wurde von außerhalb durch Kräfte initiiert, die zum syrischen Volk keinerlei Beziehung haben.

Das Video titelt “Scharfschützen greifen einen SPW in Daraja an”. Interessant ist auch, dass diese Panzerfahrt von ebenjenen Positionen der Terroristen aus gefilmt worden ist (ab ca. 1:30).

Daraya aktuell

Nachdem Kreml.TV nach der letzten erstklassigen Direktübertragung aus Daraya (interessant ab Minute 20) das Handtuch geworfen hat, hat Marat Musin (ANNA-News) Gesellschaft von einem anderen Kameramann und ein paar Enthusiasten bekommen und kann scheinbar – zwar nicht direkt, aber doch tagesaktuell – weiter aus Syrien berichten. Er ist so ziemlich der letzte, der das noch tut; Vesti.ru ist seit dem Gegenangriff der Regierungstruppen, also seit dem Internet- und Mobilfunkblackout, wieder zurück in Russland (Anastasia Popowa und ihr Team wurden inzwischen mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, was für Nichtmilitärs höchst selten ist).

Auf bereits eingetretenen Pfaden ging es mit Marat Musin heute wieder nach Daraya, und zum jetzigen Vorgehen schreibt er folgendes:

“Wir sind soeben von der Frontlinie in Daraya, einer Vorstadt von Damaskus, zurückgekehrt. Inzwischen werden die bewaffneten Banden nicht mehr zurückgedrängt, sondern vernichtet. Der Kessel schließt sich schnell. Auf den Straßen liegen die Leichen dutzender Al-Kaida-Kämpfer. Das Verhältnis zwischen vernichteten ausländischen Söldnern und syrischen Verrätern ist dabei ungefähr 10:1.”

Der Kameramann Dmitrij Jerschow ergänzt:

“Unter den Toten sind Leute aus Libyen, dem Libanon, Saudi-Arabien und sogar Australien. Man fand in Daraya viel Geld in den Währungen Saudi-Arabiens und Libyens. Bei ihrem Rückzug hinterlassen die Rebellen schwere Verwüstungen und eine Menge an Munition.”

Australien? Warum nicht. Beispielsweise scheinen ja schwedische Dschihadisten inzwischen nachgewiesen zu sein. Hier aber die Aufzeichnung von heute aus Daraya. Nur kurz zur Erinnerung: in Daraya hatten sich nach Einschätzung der syrischen Armee um die 20.000 bewaffnete Kämpfer zu einem geplanten Sturm auf Damaskus verschanzt, der von der syrischen Regierung zuvorkommend vereitelt wurde – u.a. durch die dreitägige Abschaltung des Mobilfunknetzes, wodurch die Banden gezwungen waren, Satelittentelefone zu benutzen und damit zu orten waren. Seitdem werden sie systematisch aufgerieben.

Wochenschau, Folge 56

Kurzes Vorwort zu Nordkorea: gerade heute wurde gemeldet, dass die Nordkoreaner die Startanlage ihrer Rakete wieder demontieren. Mal sehen, für wie lange.

* * *

Die Visite Waldimir Putins in die Türkei ist genau so verlaufen, wie wir es vermutet hatten – in Wirtschaftsfragen wurde man sich einig, zu Syrien nicht. Wie auf Bestellung zu dieser Visite wird die Welt wieder mit der von den chemischen Waffen Baschar al-Assads ausgehenden Gefahr geschreckt. Zuerst offenbart das Pentagon das furchtbare Geheimnis, die Giftstoffe seien für den Einsatz vorbereitet und müssten innerhalb des Mindesthaltbarkeitsdatums gebraucht werden – also innerhalb von 2 Monaten.

Barack Obama:
Wenn ihr den tragischen Fehler begeht und diese Waffen anwendet, so wird das Folgen haben. Dafür werdet ihr Rechenschaft ablegen.

Leon Panetta:
Das wird mit Sicherheit Folgen haben.

Hillary Clinton:

Das wäre der letzte Tropfen.

Danach bestätigten die Briten unter Verweis auf nachrichtendienstliche Quellen diese Information – das “Assad-Regime” sei bereit, Rebellen und Zivilsten mit chemischen Kampfstoffen einzudecken. Niemand klärt indes, aus welchem Grunde Assad sich auf diese Weise sein eigenes Todesurteil sprechen sollte. Das Ziel des Einwurfs ist aber insofern erreicht, dass Putin vor den Augen der West-Öffentlichkeit mal wieder als Beschützer eines “blutigen Regimes” dasteht.
Als diese Folge noch in Arbeit war, kam die Nachricht, die Rebellen hätten eine Chemiefabrik nahe Aleppo in ihre Hände gebracht. Das Aufbauschen der Hysterie um die Chemiewaffen könnte diesmal also auch wirkliche Folgen haben.
Kaum jemand registrierte dabei, dass die USA hinter dem Lärm um Assads Chemiewaffen einen weiteren unterirdischen Kernwaffentest durchgeführt haben. Die Atomexplosion ereignete sich auf einem Versuchsgelände in der Wüste des Bundesstaates Nevada. Insgesamt ist dies bereits das 27. subkritische Experiment; das vergangene lief im Februar 2011. Zu bemerken ist, dass von Washington seit Ende der 1990er Jahre keinerlei internationale Beobachter zu diesen Tests zugelassen werden. Auch diesmal gab es keine Zeugen. Um die Weltöffentlichkeit allerdings zu beruhigen, wurde ein Video vom Ort der Explosion und eine kurze Pressenotiz veröffentlicht.
Darin wird gesagt, dass die Tests ausschließlich der Sicherheit bei der Lagerung von Atomsprengköpfen dienen.
Die erste Reaktion kam aus dem Iran – bekanntermaßen genießt man es dort, die Amis zu provozieren. “Das Experiment beweist, dass Washington nach wie vor eine Politik verfolgt, welche auf Massenvernichtungswaffen basiert und die weltweiten Rufe nach atomarer Abrüstung ignoriert.” So heißt es in einer Note des iranischen Außenministeriums.
Danach regten sich die Japaner auf. Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Mazui, interessierte sich dafür, weshalb die Obama-Administration diese Tests durchführen ließ, obwohl sie immer vorgibt, eine “kernwaffenfreie Welt” anzustreben.
Die Japaner sind ja die, welche die US-amerikanische Friedfertigkeit ganz besonders gut einschätzen können. Im August 1945 stürzte Präsident Truman, ohne mit der Wimper zu zucken, tausende japanische Zivilisten in den Feuertod. Und war dann auch noch stolz auf sich, dass er als gewissenhafter Mensch die Atombombe nicht auf die japanische Hauptstadt abwerfen ließ.
Doch wir schweifen ab. Wichtiger sind die Bewegungen US-amerikanischer Verbände vergangene Woche in der Region. Der Flugzeugträger Dwight D. Eisenhower kam aus dem Persischen Golf über den Suezkanal ins Mittelmeer und befindet sich in unmittelbarer Nähe syrischer Gewässer. An Bord befinden sich 70 Jagdflugzeuge und Bomber, die Gesamtzahl der Seeleute, Piloten und Marineinfanteristen an Bord beträgt 8.000. In der Gegend befinden sich ebenso Landungsschiffe mit insgesamt 2.500 Marineinfanteristen an Bord. Diese Gruppierung ist sicher nicht nur aus Spaß hier.
Die Ankunft der USS “Eisenhower” veranlaßte den russischen Generalstab, den Fortgang russischer Flottenverbände aus dem Mittelmeer zu verschieben. Eine Einheit der russischen Schwarzmeerflotte mit dem Raketenkreuzer “Moskwa”, dem Wachschiff “Smetliwyj”, den zwei großen Landungsboten “Nowotscherkassk” und “Saratow” samt Versorgungsschiffen befindet sich im Ägäischen Meer und hat Befehl, bis auf Widerruf durch den Generalstab in der Region zu verbleiben.

Iranisches Trolling

Man muss schon zugeben, dass der Iran im Trolling nicht nur ein Meister, sondern ein anerkannter Spezialist ist. Alle erinnern sich an die Geschichte mit dem Abfang der US-amerikanischen Drohne, welche dann im iranischen Fernsehen vorgeführt wurde. Damals hat sich das Pentagon lange dagegen gesträubt: das sei iranische Propaganda, sie würden keine Drohne vermissen. Die Iraner machten dann einfach eine Kopie dieser streng geheimen Drohne. Als Spielmodell.
Vergangene Woche wiederholte sich diese Konstellation exakt. Die Iraner fingen noch eine amerikanische Drohne ab – wahrscheinlich wieder unter Anwendung der russischen Radarstöranlage Avtobaza. Und wieder gibt sich das Pentagon vollkommen unbeeindruckt – das ist gar nicht unsere Drohne und das ist wieder eine Erfindung der iranischen Propaganda. Die Iraner zeigten prompt die Beute im Fernsehen und rieten den Amerikanern, ihr Spionageflieger zu zählen, ob denn etwas fehle. Die Dementis der USA sind leicht verständlich – die Fluggeräte wurden in iranischem Luftraum abgefangen und spionierten eben. Übrigens wurde kurz zuvor noch eine US-amerikanische Drohne über dem Iran geortet, doch die iranischen Revolutionsgarden gingen nicht daran, den Vogel vom Himmel zu holen, sondern vertrieben ihn einfach durch Schüsse aus Luftabwehrkanonen.
Hier noch ein Beispiel für das eklatante Verhalten des Iran. Die Beobachter schlagen Alarm – iranische Öltanker senden falsche Signale an Ortungssatelliten, wodurch die Tracking-Systeme durcheinandergeraten. Die Tanker verschwinden, tauchen an seltsamen Orten wieder auf und laufen auf unmöglichem Kurs. Aus diesem Grunde ist es mit diesen Mitteln nicht möglich, ihre Bewegungen zu verfolgen. Damit wird die Überwachung der Sanktionen gegen die Islamische Republik problematisch.
Um es in moderner Sprache zu formulieren, die Iraner sind Trolls, und mitunter bekommt man den Eindruck, dass sie gehörigen Spaß an dieser Rolle haben.

Der Fluch der Pharaonen

Der ägyptische “Arabische Frühling” ist auch zwei Jahre nach dem Sturz Mubaraks nicht zum Halten gekommen. Der Tyrann ist gestürzt, an seiner Stelle steht ein moderner und global denkender Regent, es will aber keine Ordnung einkehren. Immer noch schlagen sich die Ägypter nach den Freitagsgebeten gegenseitig auf dem Tahrir-Platz die Köpfe ein, immer noch hört man Aufrufe, die “Macht zu ergreifen” und demokratische Reformen durchzuführen. Es ist, als schwebe ein alter Fluch über diesem Land, der niemanden, der den alten Pharao ins Verließ beförderte, den langersehnten Frieden finden läßt.
Doch die Realität besteht darin, dass der Machtwechsel die vielen wirtschaftlichen Probleme Ägyptens nicht behoben hat. Treibstoff wurde nicht billiger, es gibt nach wie vor lange Schlangen danach. Die Armen und die Alten haben keine weitreichendere Unterstützung durch den Staat, der Staat selbst ist gezwungen, seine Verschuldung zu vergrößern und sich den räuberischen Bedingungen des IWF zu beugen. Dazu noch beschloss der neue Machthaber, kaum saß er auf dem Thron, die Verfassung zu ändern und sich mit nahezu grenzenlosen Befugnissen auszustatten, dabei das Land de facto zu einem Schariat umzubauen.
Das nun konnten die Ägypter nicht mehr dulden, und so kam es, dass – wie vor zwei Jahren – Zehntausende mit Back- und Pflastersteinen auf die Straßen gingen. Wieder einmal stehen Panzer um den Präsidentenpalast herum, wieder feuert die Polizei mit Tränengas. Dazu brannten die Büros der “Moslembrüder” im ganzen Land. Ägypten balanciert wieder am Rande einer neuen Revolution.
Präsident Mursi legte also den Rückwärtsgang ein und machte der Opposition Zugeständnisse, doch das Volk fordert jetzt bereits seinen Rücktritt. Es ist gar nicht so wichtig, wer an seine Stelle tritt. Scheinbar ist die Luft hier so beschaffen, dass selbst ein noch so fortschrittlich denkender Regent mit den ersten Tagen nach seiner Machtergreifung das Blut seiner Vorfahren in sich zu spüren beginnt und in ihm diktatorische Ambitionen erwachen.

“Woll’n wir… kaboom?”

Noch jemand hält die Welt davon ab, sich in aller Ruhe auf das Weihnachtsfest vorzubereiten – dieser rundgesichtige Jüngling, der nordkoreanische Führer Kim Jong Un. Dabei widerspricht die Welt sich hier auf gewohnte Weise selbst. Einerseits hört man immer, das nordkoreanische Atomprogramm sei ein Fake, andererseits werden enorme Kräfte mobilisiert, um die nordkoreansiche Rakete abzufangen. Die böswillige “Unha-3” zielt vom Kosmodrom “Sohe” aus in den Himmel und ist sogar schon mit Treibstoff betankt. Doch der gewiefte nordkoreanische Fähnrich hat keine Eile damit, den roten Knopf zu drücken.
Er schaut zufrieden dabei zu, wie die kapitalistischen Haie um ihn herum zappeln: die Japaner versetzen ihre Luftabwehr in höchste Alarmbereitschaft, die südlichen Nachbarn sandten bereits zwei Torpedoboote aus, ein drittes folgt in Kürze. Auch die Amerikaner stehen für den Abfang bereit. Weshalb fürchen sich denn alle so vor einem nordkoreanischen Wettersatelliten?
Niemand weiß genau, wann der Start erfolgen soll, aber wahrscheinlich noch vor dem 22. Dezember. Vielleicht passiert das zum Jahrestag des Todes von Kim Jong Il am 17. Dezember, vielleicht wird es aus Gründen des Wetters auch verschoben. Wenn der Start am 21. Dezember erfolgt, geht der Preis für Trolling natürlich verdientermaßen von den Iranern an die Nordkoreaner über. Falls sich dann noch solche finden, die einen Preis verleihen können.