Die Todgeweihten grüßen

Dr. Christof Lehmann von nsnbc veröffentlicht ein Dokument aus Saudi-Arabien, das eine Quelle für in Syrien operierende Terroristen offenlegt.

Saudi-Arabien: Gefangene als Zwangs-Dschihadisten in Syrien

Ein Geheimdokument aus Saudi-Arabien belegt, dass die saudische Regierung ihre gefährlichsten inhaftierten Verbrecher, speziell zum Tode verurteilte, unter der Bedingung freispricht, dass sie beim Umsturzversuch in Syrien mitwirken. Dieses Vorgehen stellt ein schweres Kriegsverbrechen dar. Unlängst wurde der Press-TV- und Al-Alam-Journalist Maya Naser in Damaskus ermordet, nachdem er damit begonnen hatte, ein analoges, von türkischen Behörden begangenes Verbrechen zu untersuchen.
Das Geheimdokument zeigt, dass die Behörden in Saudi-Arabien die Entlassung einer Reihe der gefährlichsten, zum Tode verurteilten Kriminellen angeordnet haben, welche im Austausch dafür in Syrien kämpfen mussten. Bevor sie nach Syrien verbracht wurden, hatten sie sich einem Training in unkonventioneller Kriegführung, terroristischer Aktivität und dem, was man euphemistisch als “Dschihad” bezeichnet, zu unterziehen. Die Gruppe der Verurteilten besteht aus 105 Jemeniten, 21 Palästinensern, 212 Saudis, 96 Sudanesen, 254 Syrern, 82 Jordaniern, 68 Somalis, 32 Afghanen, 194 Ägyptern, 203 Pakistanis, 23 Irakis und 44 Kuwaitis. Es ist anzunehmen, dass diese Gruppe nicht die einzige solche ist, welche von Saudi-Arabien aus nach Syrien geschickt wurde.
Die Entlassung von zum Tode Verurteilten durch Saudi-Arabien ist ein eklatanter Verstoß gegen die Genfer Konvention, die unter anderem die Rechte von gefangen genommenen Zivilsten und Armeeangehörigen in Kriegszeiten regelt. Ihre Verbringung nach Syrien stellt schätzungsweise eine Nötigung von Gefangenen dar und könnte dazu führen, dass die saudische Regierung sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag dazu verantworten müssen wird.
Nach dem Trainingsleitfaden TC 18-01 der US Special Forces wird das US-Militär sich in absehbarer Zeit vorwiegend in “irregulärer Kriegführung” engagieren (1). Nach den auf dem 25. NATO-Gipfel angenommenen Grundsätzen, in denen der illegale Krieg gegen Libyen als “lehrreich” und “Modell für künftige militärische Interventionen” beschrieben wird, festigt sich diese Tendenz noch weiter (2). Damit kann es nicht überraschen, dass Saudi-Arabien nicht das einzige Land der Anti-Syrien-Koalition ist, das verurteilte Kriminelle in den Kampf schickt. Im September 2012 wurde der Press-TV- und Al-Alam-Journalist Maya Naser in Damaskus von einem Scharfschützen ermordet, als er gerade vom Ort eines doppelten Terroranschlags berichtete. Vertrauenswürdigen Quellen zufolge haben sich die Scharfschützen zwei Stunden vor dem Anschlag in Stellung gebracht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Abzielen auf Maya Naser und der Anschlag nicht nur zufällig zusammengefallen sind. In der Woche vor seiner Ermordung untersuchte Maya Naser die gewaltsame “Verwendung” von Gefangenen durch die Türkei. Naser begann seine Untersuchungen, nachdem bekannt wurde, dass viele von den in Syrien erschossenen oder gefangen genommenen Aufständischen verurteilte Verbrecher waren, die – ihren Gerichtsurteilen zufolge – sich eigentlich in türkischen Gefängnissen befinden müssten (3). Naser besaß entsprechende Ausweiskopien, welche seine Behauptung stützten.
Einige der erschossenen oder gefangenen türkischen Kriminellen hatten Verbindungen zu Organisationen, die Al-Kaida nahestehen. Ein herausragender unter diesen kriminellen Aufständischen war der Bruder des Anführers der Tätergruppe, welche 2003 einen Anschlag auf die HSBC-Bank in Istanbul verübt hatte. Bei diesem Anschlag von 2003 wurden 67 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt. Das Dokument aus Saudi-Arabien nun zeigt, dass der Einsatz von Gefangenen durch Saudi-Arabien und die Türkei Teil der GCC-NATO-Strategie ist, anstatt nur ein Einzelfall zu sein.
Die durch Maya Naser gesammelten Beweise sowie das jetzige Dokument aus Saudi-Arabien rechtfertigen eine Untersuchung und eine Anklage der Türkei und Saudi-Arabiens sowie auch der NATO vor dem Internationalen Strafgerichtshof.
Ob auch nur eines dieser Kriegsverbrechen tatsächlich untersucht wird und zur Anklage kommt, ist mehr als fraglich. Einerseits scheint es unwahrscheinlich, dass eines der westlichen Länder eine Untersuchung oder eine Anklage fordern wird. Andererseits lassen sich sowohl Russland als auch China höchstwahrscheinlich von den ohnehin schon angespannten bilateralen und multilateralen Beziehungen mit den USA, Großbritannien und Frankreich leiten. Der Iran, der derzeit den Vorsitz unter den blockfreien Staaten innehat, befindet sich unter anhaltendem Druck von Seiten der USA, Kanadas, der EU und seiner arabischen Nachbarn in der Golfregion. Die Regierung in Teheran wird es sich zweimal überlegen, bevor sie das Risiko einer weiteren Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zum Westen eingeht.
Mit anderen Worten wird der eklatante Verstoß der Türkei, Saudi-Arabiens und der NATO gegen die Genfer Konvention, ihr zwangsweiser Einsatz von Häftlingen und somit ihr staatlich geförderter Terrorismus kaum vor das Haager Tribunal kommen, das – ganz im Gegensatz zu diesem Ansinnen – noch bis zehn Jahre nach dem Römischen Statut ausschliesslich Staatsoberhäupter und Funktionäre angeklagt, inhaftiert und verurteilt hat, die es gewagt haben, sich der Hegemonie der USA, der EU und der NATO zu widersetzen.
Falls dieses Dokument es jemals in die westlichen Mainstream-Medien schaffen sollte – was man zurecht bezweifeln kann -, könnte es auch einen nur halbherzigen Skandal provozieren, indem es dazu genutzt wird, die eine oder andere Partei zum Sündenbock zu machen, um damit die Verbrechen der jeweils anderen Partei zu kaschieren. Es wird damit wohl schwerlich zu einer Untersuchung, einer Anklage oder einem Einhalten des staatlich gestützten Terrorismus und des gewaltsamen Einsatzes von Häftlingen führen.
Christof Lehmann
10.12.2012

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  • DerBaske

    Ist der Chef des Clans nicht gerade verstorben?
    Warten nun auch 77 Jungfrauen auf ihn oder kann man hoffen, dass 77 Höllenhunde ihn durch die Unterwelt scheuchen?

  • TC-18 ist ein HANDBUCH und TRAININGSLEITFADEN des Zentrums für „unkonventionelle Kriegsführung“ der US Armee in Fort Bragg für geheime Sabotage-Gruppen und Terroristen im Hinterland von der NATO angegriffener Staaten. Es diente bereits in Libyen als Anleitung für die Terrorgruppen der Al Kaida und anderer Milizen.

    • Ich hab’s terminologisch mal entsprechend angepasst.

  • Ich finde es grundsätzlich irre das im Jahre 2012 noch Menschen gegeneinander kämpfen. Was könnte man mit den Geldern für Rüstung und Kriege alternativ schaffen auf unserer Erde.
    Zum Thema, ich glaube das unsere Medien diesen Konflikt völlig aus der US Perspektive sehen. Alternative Quellen werden leider nicht akzeptiert.

    Danke für diesen Bericht…

    • Anonymous

      Mein erster Gedanke dazu war: „stimmt!“ Bis die Frage auftauchte, zu welchem Zweck das fragliche und als Kredit neu erschaffene Geld entstanden ist? Würde die Finanzindustrie dieses Kreditgeld überhaupt in etwas anderes gegeben haben, als in dieses profitabelste Umfeld, wo Menschen gegeneinander kämpfen? Schließlich entstehen so die meisten Schulden und wer die Schulden kontrolliert, der kontrolliert alles.

      Der Dollar wird bekanntlich bei Bedarf fast unbegrenzt gedruckt, doch was in unbegrenzter Menge hergestellt wird, eignet sich nicht für den Handel mit begrenzt hergestellten Gütern, weil der Gelddrucker die Güter praktisch umsonst kekäme. Intern ist das auch bekannt, doch wer es wagt danach zu handeln und für seine Güter keine Dollar mehr nimmt, gehört schon am nächsten Tag zu den „Bösen“, ob demokratisch gewählt oder nicht.

      Offenbar ist die Wirschaftskraft also gesichert durch die globale Vormachtstellung durch eine faktisch wertlose Währung, in der jedoch alle wichtigen Güter gehandelt werden müssen, weil sich im Hinertgrund militärische Bedrohungen befinden, respektive eine Verweigerung des Dollarhandels als „finanzieller Angriff“ gesehen wird, auf den, nach möglicherweise erfolglosen Regimewechselversuchen durch inszenierte Farbenrevolutionen, letztlich ein völkerrechtlich verbrecherischer Angriffskrieg folgt, unter Angabe erlogener Gründe. Deshalb wohl auch 2012 noch immer diese kämpfenden Menschen. Keine gegeneinander kämpfenden Menschen, kein Grund für ein $700 Mrd./900 Stützpunkte Militär plus Hilfstruppen der imperialen Provinzen. Kein übermächtiges Militär, keine Einschüchterung der Völker in den Rohstoffländern sich keinesfalls gegen die ihnen aufgedrückten Marionettenregime (auch bekannt als westl. „Demokratie und Freiheit“) zu erheben. Kein Wert des militär-und petrogedeckten Dollar = sofortiger Zusammenbruch des auf dieser Ausbeutung der „gratis Arbeitskraft und Rohstoffe“ basierenden westlichen Kapitalismus.

  • Vielen Dank für die Überstzung – nur eine kleine Korrektion.

    Vorletzter Absatz:

    Das „Rome Statute“ regelt die Internationale Jurisdiktion für eine Reihe der schwersten, von der Menschheit anerkannter Verbrechen so wie Völkermord u.s.w. .

    Es ist mit dem Rom Vertrag oder Abkommen der E.W.G. ( E.U.) nicht zu verwechseln.

    Könnte man vieleicht der Verständlichkeit halber korrigieren. Das Rom Abkommen der E.U. hat je nicht besonders viel mit der Internationalen Jurisdiktion bei schwerst Verbrechen zu tun – obwohl es innerhalb der E.U. Verwaltungen so einige Schwerverbrecher gibt. ;)

    Alles Gute, vielen Dank für die Übersetzung und Solidarische Grüsse.

    Christof Lehmann

    • Ja, danke, wird gemacht. Ich bin einfach unsinnigerweise dem Querverweis von „Rome Treaty“ auf dessen deutsche Version bei WP gefolgt.

  • Anonymous

    Kriege sind Verbrechen, waren es schon immer. Leider führen meist nur katastrophale Folgen zu Konsequenzen für die Verantwortlichen, und das auch nur in historischen Windows of Opportunity.
    Solche Chancen müssen aber vorbereitet werden, schon das wirkt. Selbst die SS-Schergen haben schließlich noch versucht, ihre Verbrechen gegen die Menschheit zu verschüren, obwohl sie vorher darauf stolz waren.
    Ansonsten nichts neues unter der Sonne – Fachleute für organisierte Massaker waren schon gleich nach 1945 sehr gefragt, solche Leute werden lieber zielorientiert verwendet als hingerichtet.

    • Anonymous

      Wirtschaft ist Krieg im Frieden,erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu Gewinnen gibt,folgt der Satz: “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”

      M.f.G

      Habnix

  • Anonymous

    Die Regierung hat zwei Arme einen Rechten und einen Linken und hätte sie die zwei Arme nicht würde sie, die Regierung selbst als Terrorist in Erscheinung treten.Und jeden Tag verhält sie sich wie die Mafia und erpresst Schutzgeld(Steuern)und Terrorisiert uns mit neuen Vorschriften die sie beabsichtigen oder aus führen lassen von willfährigen Beamten.

  • Anonymous

    Leute, lasst mal die Kirche im Dorf. Dass nicht nur im Staate Dänemark einiges faul ist, kann man immer noch nicht mit den Greueln des Krieges und Kriegsverbrechen wie diesen hier vergleichen. Nicht relativieren, bitte.