Daraya aktuell

Nachdem Kreml.TV nach der letzten erstklassigen Direktübertragung aus Daraya (interessant ab Minute 20) das Handtuch geworfen hat, hat Marat Musin (ANNA-News) Gesellschaft von einem anderen Kameramann und ein paar Enthusiasten bekommen und kann scheinbar – zwar nicht direkt, aber doch tagesaktuell – weiter aus Syrien berichten. Er ist so ziemlich der letzte, der das noch tut; Vesti.ru ist seit dem Gegenangriff der Regierungstruppen, also seit dem Internet- und Mobilfunkblackout, wieder zurück in Russland (Anastasia Popowa und ihr Team wurden inzwischen mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, was für Nichtmilitärs höchst selten ist).

Auf bereits eingetretenen Pfaden ging es mit Marat Musin heute wieder nach Daraya, und zum jetzigen Vorgehen schreibt er folgendes:

“Wir sind soeben von der Frontlinie in Daraya, einer Vorstadt von Damaskus, zurückgekehrt. Inzwischen werden die bewaffneten Banden nicht mehr zurückgedrängt, sondern vernichtet. Der Kessel schließt sich schnell. Auf den Straßen liegen die Leichen dutzender Al-Kaida-Kämpfer. Das Verhältnis zwischen vernichteten ausländischen Söldnern und syrischen Verrätern ist dabei ungefähr 10:1.”

Der Kameramann Dmitrij Jerschow ergänzt:

“Unter den Toten sind Leute aus Libyen, dem Libanon, Saudi-Arabien und sogar Australien. Man fand in Daraya viel Geld in den Währungen Saudi-Arabiens und Libyens. Bei ihrem Rückzug hinterlassen die Rebellen schwere Verwüstungen und eine Menge an Munition.”

Australien? Warum nicht. Beispielsweise scheinen ja schwedische Dschihadisten inzwischen nachgewiesen zu sein. Hier aber die Aufzeichnung von heute aus Daraya. Nur kurz zur Erinnerung: in Daraya hatten sich nach Einschätzung der syrischen Armee um die 20.000 bewaffnete Kämpfer zu einem geplanten Sturm auf Damaskus verschanzt, der von der syrischen Regierung zuvorkommend vereitelt wurde – u.a. durch die dreitägige Abschaltung des Mobilfunknetzes, wodurch die Banden gezwungen waren, Satelittentelefone zu benutzen und damit zu orten waren. Seitdem werden sie systematisch aufgerieben.

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Trackback von deiner Website.

  • Anonymous

    Vielen Dank für die ganzen Infos in diesem Blog. Sie sind eine der besten Quellen in puncto Syrien zu sein.

    Gott Schütze Syrien

  • Anonymous

    wie kommt man darauf, dass harasta etc. im westen von damaskus liegen??? und tunnel von da nach daraya… naja… waren sie schon mal in damaskus?????
    bei aller hochachtung für „andere“, kritische berichterstattung – auf dem teppich bleiben!

    • Beides (Harasta und Duma als „westliche Vorstädte von Damaskus“ und die Sache mit dem Tunnelsystem – so klar war es nicht, von wo nach wo es führen soll) stammt aus dem O-Ton eines Vesti.ru-Berichts. Die Freiheit das zu korrigieren nehme ich mir nicht – ich bin nicht der Autor.

    • Anonymous

      was ist das dann für ein informationsanspruch? obwohl es offensichtlich falsch ist (die geographie ist nun mal so und wer in damaskus mal gelebt hat weiss, dass gräben oder gar tunnel graben wohl in so kurzer zeit – selbst wenn man wochen annimmt – eher unmöglich ist)? bitte, bitte dann doch eher kommentiert. auch wenn man nicht der autor ist. gerade dann.

    • Ich gehe davon aus, dass es sich dabei größtenteils um das Kanalisationssystem handelt. In den Wochen vor dem gescheiterten zweiten „Vulkan“ hörte man aus Damaskus, dass die Behörden in der Stadt vielerorts „die Tunnel“ verplomben. Gegrabene Tunnel wurden aber zumindest aus anderen syrischen Städten (v.a. Homs und Aleppo) recht gut dokumentiert. In Homs beispielsweise ist diese Untergrund-Infrastruktur schon vor 2 und mehr Jahren geschaffen worden, und zwar von vornherein aus subversiven Motiven. Aber auch frischeres sieht man, z.B. in diesem Videobericht (ab 17:30) für Qsair.

    • Ich möchte auch einfach mal Danke sagen. Erstklassige Berichte und News aus Syrien. Das tut echt gut mal Infos abseits unserer Medien zu erhalten…

  • Anonymous

    werden hier nur genehme kommentare veröffentlicht?

    • Ja, bis auf den einen oder anderen, der Narrenfreiheit hat.

  • Anonymous

    tja ok, aber geographie ist wie sie ist und wer schon mal in syrien war und mal gegraben hat – also tunnel sind eher schwierig…
    trotzdem weiter so, aber etwas kommentierung täte gut, wenn man nicht als reines sprachrohr gelten mag.
    gott schütze syrien

  • Anonymous

    Danke. Jedoch bleiben, wie auch bei Ihnen hoffentlich, gewisse Zweifel.
    Einseitigkeit ist wohl einfach, aber nie richtig.
    Die ausländische Einmischung ist Fakt. Was Syrien erlebt zweifelsohne. Dass der Westen wegschaut, wenn Kirchen, Klöster, Moscheen verwüstet werden ohnehin eine Schande.
    Ich danke Ihnen für diese „andere“ Seite der Berichterstattung, holen Sie doch die Medien, die sonst verschlossen bleiben wegen der Sprachbarriere in die Verständlichkeit.
    Auch ich liebe Syrien und seine Menschen. Daher beware uns Gott vor allzu schneller & bequemer Vereinfachung.

    • Zweifel – immer. Spätestens seit der Geschichte mit den 70.000 Tuareg, die Muammar Gaddafi zu Hilfe eil(t)en.

  • Dmitrij Jerschow, der neue Kameramann mit Marat Musin, ist übrigens „nichts weiter als“ ein russischer Blogger. Solche Aktivisten eben… Und er bietet jedem an, der Informationen aus erster Hand haben will, ihn einfach anzurufen – Tel. +7 911 8944414.

  • Alex Thomson von Channel 4 gibt einen Einblick, wie es außerhalb der Garnisonsstädte aussieht – denjenigen, die noch nicht bis unter die Dächer infiltriert sind.
    http://blogs.channel4.com/alex-thomsons-view/happened-syrian-town-aqrab/3426
    Der Armee ist nicht vorzuwerfen, daß sie hilflos ist, wenn sich die Söldner ihrer Geiseln erst einmal bemächtigt haben. Aber daß es für die ein derartiger Spaziergang ist, sich welche zu nehmen? Man könnte die Geschichte als Hinweis nehmen, daß sich Michail Bogdanow noch sehr zurück gehalten hat. Eine Armee, die so etwas zuzulassen gezwungen ist, hat schon verloren, und wenn sie es nicht ist, kämpft sie nur noch für sich selbst.

    • kaumi

      „Eine Armee, die so etwas zuzulassen gezwungen ist, hat schon verloren, und wenn sie es nicht ist, kämpft sie nur noch für sich selbst.“
      Das mag auf den ersten Blick so auszusehen – aber was oft zu sein scheint, ist nicht immer so…

      Der syrischen Armee war bereits vier oder fünf Monaten nach Ausbruch der Verschwörung der Vorwurf zu machen, Dörfer oder Landstriche, die teilweise Wochenlang von Rebellen umzingelt worden waren, erst sehr spät oder gar nicht unterstützt zu haben. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert, es ist eher, aufgrund der Unmassen an eingeschleustem Menschenmaterial, noch auffälliger geworden.
      Der Unterschied: Bis vor 10 oder 12 Wochen lehnte das System noch jede Bewaffnung von Zivilisten ab… das ist nun Geschichte. Vor allem regionale Zentren der Minderheiten sind inzwischen bis unters Dach bewaffnet. Es haben sich allerorts Volkswehren gebildet.
      Desweiteren ist Bogdanovs Aussage im Grunde so nie gefallen *siehe http://www.sarsura-syrien.com/syrien-wer-ist-bereit-die-chemiewaffen-einzusetzen/#comment-39500*.
      Ein Hinweis auf das Ende der Regierung bildet dieser Einwurf m.E. also noch lange nicht. Dass dieser Konflikt so noch weitere 2 Jahre andauert, kann ich mir aber auch nicht vorstellen. Es bleibt spannend.

      PS. Die allgemein bekannte Tatsache, dass sich die Rebellen Zunehmend einer Ablehnung der breiten syrischen Basis ausgesetzt sehen, wird noch eine wichtige Rolle zu spielen haben. Und das komplett von der Person Assads unabhangig.

    • Kaumi,
      meinen Satz, den Du zitierst, hatte ich als gegenpropagandistische Antithese zur Jubelprosa kenntlich gemacht und die Argumente dazu den sprechenden Mitteilungen des Thomson-Berichtes überlassen. Den hast Du offenbar nicht gelesen, jedenfalls sind Deine Einwände im Hinblick auf den Bericht komplett irrelevant:
      1) Aqrab IST demnach zu 3/5 von Alaviten bewohnt gewesen
      2) Es liegt in der Nachbarschaft Al-Rastans, noch näher als Al Houla.
      3) Al Rastan ist bekanntlich Hochburg der Farouq – Brigaden, aus deren Kreis auch die Täter von Al-Houla kommen.
      4) die Farouq behauptet, landesweit „12.000 Kämpfer“ unter Waffen zu haben.
      5) in Aqrab rückten lt. Auskunft Betroffener, die nicht zu Untertreibungen neigen dürften, nur 5 Pick-ups ein, unter Waffen also ca 30, max.35 Mann. Selbst wenn die Einwohner was nicht mitgekriegt haben, dürfte die Zahl jedenfalls kaum höher, als 60 Mann gelegen haben.
      6) Der Ort war weder bewacht NOCH bewaffnet.
      7) Die Armee rückte nicht an, weil es 9 Tage (!) lang darum ging, ob die Geiseln nun nach Al Rastan oder Houla gekarrt werden sollten, um dort ihre Funktion zu erfüllen, oder nicht.
      8) Stattdessen war das Rote Kreuz vor Ort.

      Nach mir glaubwürdig erscheinenden Auskünften westlicher Geheimdienstleute sind immerhin Armeeeinheiten in 120.000 Mann-Stärke an den Kämpfen beteiligt, wenn auch nicht alle an den direkten Kämpfen. Das ist immer noch eine GEWALTIGE Übermacht!

      Die Volksbewaffnung kam um mindestens 8 Monate zu spät! Wird sie aus der Position relativer (!!) Schwäche zugestanden, werden die Zivilisten ebenfalls dazu neigen, nur für sich selbst und ihre direkten Angehörigen und Nachbarn zu kämpfen – typisch für eine BÜRGERkrieg.

      Es wäre noch mehr zu sagen, aber ich belaß es dabei.
      „Einfache“ Aussagen zur Lage sind in der Tat daneben, und darauf kam es mir an. Bin ich doch hier der Narr, dem Redefreiheit gewährt wurde.

  • kaumi

    @TomGard

    Was im alawitischen Dorf im Rif Hama wirklich abgelaufen ist, kann ich dir nicht ins Detaill beschreiben.
    Es hat einen längeren Kampf gegeben, an derem Ende es wohl zu einem Suizid von mehreren Dorfeinwohnern (Kämpfern und ihren Familienmitgliedern)gekommen ist, die sich, die Niederlage und die Angst vor Augen, lebendig in die Hände der Terrorbanden zu gelangen, in die Luft gesprengt haben.
    Erstens setzt das eine Bewaffnung der Dorfeinwohner voraus und zweitens rührte das Schicksal der Selbstmörder ganz Syrien zu Tränen, große Teile der sunnitischen Bevölkerung eingeschloßen.
    Ich weiß nicht, ob du Syrien mal besucht hast. Aber die Geographie dieses Landes unter den gegebenen Umständen lässt es einfach nicht zu, dass eine vollumfängliche Versorgung und ein lückenloser Schutz aller 23 Mio. Syrer gewährleistet werden kann.
    Selbst wenn die syrische Armee/Mukhabarat/Sicherheitsdienste auf 200.000 Mann unter Waffen kommen sollten.
    Auf der Gegenseite befinden sich inhomogen-asymmetrisch operierende internationale Söldner, deren Mannstärke in Gänze auf mindestens 60.000 geschätzt wird. Mit Auffrischungsgarantie.
    Söldner, die sich aufgrund ihrer landesfremden Biographie wie entfesselte Tiere aufführen und keinerlei Empathie der syrischen Bevölkerung entgegenbringen – was diese aber inzwischen, unabhängig der religiösen Ausrichtung, längst registriert hat.
    Insofern kann man sagen: die regulären syrischen Kämpfer tun das was sie können und bewaffnen die, die es brauchen. Und solange Damaskus, die beiden Internationalen Flughäfen und der Rundfunk gehalten werden können, solange haben die US-Nato-Söldner nichts erreicht. Das ist die syrische Marschrichtung und die erinnert mich stark an die Taktik der Russen in den Vierzigern…

  • Kaumi,
    mag es auch witzlos sein, abermals zu widersprechen, geht mir doch einfach die Nebelwerferei auf den Geist.
    Nein, ich habe Syrien nicht bereist. Thomsen hat, aber er irrte sich z.B. in den relativen Entfernungen (Houla ist näher an Ar Rastan, als Houla, nur umständlicher zu erreichen), weil er die Straßen nicht zu benutzen wagte. Warum nicht? Weil sie verseucht sind, insbesondere die direkte Verbindung Homs – Houla – Aqrab, ca. 25 (!!) km.
    Der Satellit zeigt, die gesamte Gegend besteht aus dicht besiedeltem, ebenen Garten- und Ackerland mit Streubaumbestand: Keine natürlich geschützten Stellungen / Hinterhalte.
    60.000 „Rebellen“ landesweit ist die Maximalzahl, die ihre Sprecher selbst angeben. Weniger laute westliche Schätzungen reden von max. 40.000. Davon streunt die Mehrzahl im Großraum Idleb-Aleppo, nochmal ein großes Kontingent stellen die sunnitischen Oststämme um Deir Ezzor, verstärkt durch Iraker. Ein weiteres großes Kontingent steckt im Raum Damaskus. Homs ist nach übereinstimmenden Angaben bis auf wenige „Ecken“ sauber, aus Hama gibt es praktisch keine Nachrichten, was auf einen von beiden Seiten gehaltenen Burgfrieden deutet. Es liegt etwa 40 km nordöstlich von Aqrab.
    Syrien hat eine Pflichtarmee, von der sich viele frei kaufen, dennoch dürften um die 2 von 3 Zivilisten an der Waffe geübt sein, die Hälfte davon auch mit einer schweren Maschinenwaffe umgehen können.
    Bei einem großen Zwischenfall in Aqrab wäre der „Normalfall“ für eine noch nicht geschlagene Armee, eine motorisierte Kampfgruppe in Marsch zu setzen, die den Ort von der Homser Umgehung aus binnen einer Stunde erreicht, abriegelt, und die Geiselnehmer zu Geiseln macht. Dabei aus der Luft gedeckt wird, damit dies nicht zur Falle wird. Erzähle mir keiner, dazu wäre die Armee nicht imstande, weil Houla von den „Rebellen“ gehalten wird! Das ist ein unbedeutender Ort, indem keine Legionen hocken. Wenn Houla ein militärisches Hindernis wäre, dann stünde die Armee bloß Stunden vor dem Kollaps und das behauptet niemand, außer Kaumi!
    Wenn die Armee also nicht, wie beschrieben handelt, dann WILL sie nicht. WARUM will sie nicht – das ist hier die Frage!

  • Und heute nacht berichtete RT die Antwort auf die Frage:

    „Syria’s vice president has stressed that there can be no military solution to the crisis in the country, indicting that neither the government forces, nor the rebels can decisively win the war, Lebanese Al-Akhbar newspaper reports. Speaking to the paper Farouk al-Sharaa said that “with every passing day, the military and political solutions get further away.” The vice president said that the opposition cannot claim to be the sole legitimate representative of the Syrian people, but underlined that the Syrian government “cannot achieve change without new partners.”“

    Mit anderen Worten: Der Vize-Präsident stellt Assad ins Abseits und plädiert indirekt für eine beidseitige Aufgabe des Gewaltmonopols zugunsten einer Landesteilung. De facto läuft das auf ein türkisch/internationales Protektorat Nord-Syrien hinaus.

    • kaumi

      @TomGard

      ich werde mit dir zum Thema „Zusammenbruch“ der syrischen Armee keinen Kleinkrieg beginnen. Nach fast 2 Jahren westlich-islamistischer Verschwörung und unsäglichen Druckes gibt es wenigstens noch eine reguläre Armee, die den Kampf führt…
      Zu unserem Vize: solche Äusserungen, und das kann ein Nichtsyrer nicht wissen, können in diesem Land nur offiziell getätigt werden, wenn sie von ganz oben authorisiert sind.
      Und zur Teilung Syriens: dieses mögliche Ende des aktuell existierenden Nationalstaates diskutieren wir in unseren Kreisen seit Ausbruch der Krise. Nordsyrien ist seit dem Rückzug der Armee und der Übergabe „der Geschäfte“ an die Kurden ohnehin sehr schwer wieder unter Kontrolle zu bringen!

    • Kaumi:“Zu unserem Vize: solche Äusserungen, und das kann ein Nichtsyrer nicht wissen, können in diesem Land nur offiziell getätigt werden, wenn sie von ganz oben authorisiert sind.“

      Richtig, stell Dir vor, das weiß sogar ich. Aber dann sag doch bitte dazu, wer in diesem Fall „ganz oben“ steht: Der Generalstab der syrischen Armee. DER ist die höchste Autorität des syrischen GEWALTmonopols, Assad vertritt es nur.

      Ich hoffe nur, daß irgend jemand für Asmas Kinder gesorgt hat, denn ich glaube, es sind ganz prachtvolle Gören.