Erdgas und Weizen

Rostam Ghasemi, Erdölminister im Iran
Onkel Rostam. Quelle: PressTV
Die folgende Meldung gibt’s aus verschiedenen Quellen, aber die bei SANA ist die älteste, die ich gefunden habe. Ähnlich lautet es aber auch bei der irakischen IPA.
Der iranische Erdölminister Rostam Ghasemi teilte bei einem Treffen mit dem syrischen Botschafter im Iran mit, dass Mitte Januar in Bagdad (anderen Quellen zufolge in Teheran) ein trilaterales Treffen zwischen den Erdölministern des Iran, Irak und Syriens zum Bau der Erdgaspipeline Iran – Syrien stattfinden wird. Dabei bringt der Iran seine Bereitschaft zum Ausdruck, Syrien auf allerlei Weise zu unterstützen, einschließlich beim “Widerstand gegen den Westen und die USA…”.
Es sieht so aus, als habe der Iran (endlich?) die Fähigkeit der Regierung Baschar al-Assad anerkannt, der von Außen gegen Syrien geführten Aggression zu widerstehen und kommt nun langsam in die Gänge, was eine etwas spürbarere Hilfe anbetrifft. Diese Hilfe wird wahrscheinlich nicht so sehr militärischer, als vielmehr wirtschaftlicher Natur sein – verschiedenen Meldungen zufolge hat die syrische Armee bislang nicht mehr als 30% ihrer Vorräte an Waffen und Munition abgerufen. Die Kunstpause, welche der Iran in den Beziehungen zu Syrien ungefähr seit dem gescheiterten “Vulkan in Damaskus” einhielt, hatte offenbar den Hintergrund, dass es noch vor ein paar Monaten ernsthafte Zweifel an der Widerstandsfähigkeit der syrischen Regierung gegeben hatte. Im November, als die Entscheidung zur Wiederaufnahme des Pipelineprojekts fiel, haben sich diese Bedenken wohl im Großen und Ganzen zerstreut.

Jetzt geht man also zur durchaus routinemäßigen Arbeit der Realisierung des Projekts über. Die Frage, ob sich Baschar al-Assad wird behaupten können oder nicht, ist im Iran faktisch von der Tagesordnung genommen worden. Um die Stabilität Syriens zu gewährleisten bzw. wiederherzustellen, wird der Iran seine ohnehin nicht allzu üppigen Ressourcen etwas teilen müssen, deren wesentlichste und in diesem Fall wichtigste zweifellos Treibstoff und Getreide sind. Gerade vor ein paar Tagen startete Syrien eine erneute Ausschreibung: es werden Anbieter gesucht, die dem Land 100.000 Tonnen Weizen liefern können.
Diese Meldung zeugt davon, dass es in Syrien keine Getreidereserven mehr gibt. Schon im November 2012 gab es nämlich bereits eine solche Lieferung auf eine geradezu gleichlautende Ausschreibung. “Black Sea Region” als Herkunft des gelieferten Getreides deutet dabei auf Rumänien, die Ukraine oder auch Russland hin. Aber diese beiden Getreideeinkäufe, deren erster noch vor Wintereinbruch, zeugen davon, dass es in Syrien faktisch keine eigene Ernte gibt. Die Frage ist dann auch noch, wie es mit Saatgut für die kommende Saison aussieht.
Wahrscheinlich wird also auch Russland eine gewisse Hilfe leisten, besonders, da der Bau der erwähnten Erdgas-Pipeline durchaus auch gegen seine Interessen geht. Wie man die Sache auch dreht, deren Ausrichtung auf Europa bedeutet für den russischen “staatstragenden” Gazprom-Konzern eine weitere Verkomplizierung der ohnehin schon trüben Lage. Es wäre schon allein aus diesem Grund für Russland sinnvoll, irgendwie direkt oder indirekt an diesem Projekt beteiligt zu sein.

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