Des Iphones fette Beute

Dmitrij Medwedew

Foto: Dmitrij Astachow / RIA Nowosti

Es entsteht der Eindruck, dass sich über dem unsinkbaren russischen Premier irgendetwas zusammenbraut, was er momentan selbst noch gar nicht so richtig versteht. Jedenfalls scheint er sich irgendwelche Kontakte warm zu halten.

Dabei kann der Premier selbst durchaus ein kluger Kerl und darüberhinaus ein guter Mensch sein, der keinem etwas zuleide tut, aber wenigstens sein Umfeld und seine Berater werden schon über den Grad der Popularität ihres Patrons im Volk bescheid wissen. So kommt es wohl, dass dieser Patron aller paar Stunden Phrasen drischt, die einzig und allein auf die westliche Welt ausgerichtet sind und Wendungen, Geschmack und Farbe tragen, welche man dort versteht. Mit der Logik ist es dabei nicht so gut bestellt, aber alles, was Medwedew in den letzten Tagen und Wochen geäußert hat, kann praktisch jeder von seinem Tun überzeugte euroatlantische Politiker Wort für Wort wiederholen, ohne seinem Credo untreu zu werden.

Das gilt sowohl für das, was er in Davos von sich gab, als auch für das gestrige Interview für CNN. Medwedew äußert Dinge, die gerade im Westen mit Wohlgefallen als Wohlgeruch aufgenommen werden – dass die Äußerungen mit der Realität auseinanderdriften, ficht den zweiten Mann im russischen Staat nicht an. Möglicherweise hält man ihm Informationen vor oder füttert ihn mit Nachrichten, die sich irgendwie anders lesen, aber es ist schwer vorstellbar, dass man einen solchen Superuser irgendwo im Netz bannen kann.

Im Interview bei CNN erklärt Medwedew, ohne mit der Wimper zu zucken, dass um Assads Dinge in Syrien ganz und gar schlecht bestellt ist und es noch schlechter wird. In der Wirklichkeit sieht alles viel weniger tragisch aus, besonders, was die momentane Richtung der Entwicklungen in Syrien angeht – die jedenfalls eine andere ist als bei Medwedew.

Das volle Interview habe ich nur in russischer Sprache gefunden (bei RUVR hervorgehoben mit dem Vermerk: “Der Text des Interviews wurde von der Regierung der RF zur Verfügung gestellt.”). Wenn man sich den vollen Text zu Gemüte führt, sind es gar nicht so sehr die Passagen zu Syrien und zum vermeintlichen Schicksal Assads, die einem sozusagen ins Auge stechen. Hier eine sehr interessante Äußerung von dort:

Wir halten an unseren vorigen Positionen fest – die Position der Vereinigten Staaten ist eine, und die Position der Russischen Föderation ist leider eine andere. Dabei kommt es nicht zu einer Annäherung dieser Positionen…

Der erste Iphone-4-Nutzer Russlands ist durchaus nicht immer dazu in der Lage zu begreifen, was genau er eigentlich artikuliert, aber den Sinn der hier vorangestellten Passage versteht er sicher sehr gut. Das war zwar aus dem Stegreif gesagt, aber dieses “leider” ist doch eine sehr auffällige Sache.

Medwedew ist – als Premier – nicht mehr jener, welcher die Außenpolitik der RF bestimmt, aber diese Politik tut ihm leid. Das ist der Sinn des Gesagten, und er wird als Jurist wohl wissen, dass jeder beliebige Text erst einmal dem buchstäblichen Sinn nach verstanden wird – quod dixi, dixi.

Die Hyperaktivität Medwedews in außenpolitischen Dingen ist wohl kaum vom ersten Mann im Staate gutgeheißen worden, umso weniger kann das, was nun hier geäußert wurde, irgendwie mit diesem abgestimmt worden sein. Das diffizile Spiel “guter Bulle, böser Bulle” hat hier einfach keinen Sinn. Das Statement des künftigen US-Außenministers John Kerry vom Donnerstag zeigt überdeutlich, dass Russland für die USA lange kein Partner mehr ist, sondern bestenfalls noch die Peripherie ihrer Außenpolitik. Es macht also keinen Sinn, hier irgendwelche gewieften Kombinationen zu spielen – die vermeintlichen “Partner” würden das nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Dazu noch lässt der unlängst erschienene Artikel des ehemaligen russischen Premiers Jewgenij Primakov keine Zweifel daran, dass es kein “Tandem” gibt und es auch keins geben wird. Ab sofort gilt: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. So oder so ähnlich.

Medwedew beginnt daher wohl, Lunte zu riechen, und sichert sich an der einzigen Stelle ab, wo man im Falle eines Falles für ihn Partei ergreifen könnte – im Westen. In Russland hat er einfach niemanden, an den er sich da wenden könnte.

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