Syrien – keine Gefangenen

Moas al-Chatib, Chef der syrischen Nazikoalition, erklärt, dass er sein Verhandlungsangebot zurückzieht, sollten bis zum morgigen Sonntag nicht “alle Frauen” aus den Gefängnissen freigelassen werden. Das Gezerre, hin und her, ist recht charakteristisch für solche Situationen – Angebot machen, Angebot zurückziehen. Spielereien und Erpressung gehen los. Es ist klar, dass keine Regierung so mir nichts, dir nichts einfach unreflektiert Großpackungen Gefangener nach geschlechtlichen, sozialen oder religiösen Merkmalen an die Luft setzt. Eine Amnestie wäre eine zuvor wohl abzuwägende Sache, denn sonst kann man sich Gelichter freilassen, dass einem nur so die Ohren schlackern. Libyen hat das zum Beispiel durch.
Insofern war al-Chatibs Forderung nach der Freilassung irgendwelcher 160.000 Gefangenen von Anbeginn an mindestens eine nicht zu erfüllende Prämisse, was er mit Sicherheit auch selber weiß. Doch allein der Fakt, dass er überhaupt von Verhandlungen sprechen musste, nachdem schon allein ein solcher Gedanke zwei Jahre lang von den Banditen & deren jeweiligem politischen Flügel strikt verworfen wurde, zeugt davon, dass die Dinge bei der „Opposition“ nicht eben zum Besten stehen.
In den letzten drei-vier Tagen ist die Härte und Unerbittlichkeit der Kämpfe in Syrien noch einmal enorm angestiegen. Allerdings hat jetzt fast ausnahmslos die syrische Armee die Initiative. In Damaskus und Umgebung verbleiben, wie das syrische Militär mitteilt (und u.a. ANNA-News bestätigt), fast nur noch ausländische Dschihadisten, die nichts haben, wohin sie sich zurückziehen oder fliehen können. Sie besetzen nur mehr recht eng umrissenes Territorium, deshalb nehmen die Kämpfe an Brutalität zu. Es kommt laufend zu Nahkämpfen und Handgemenge, da man inzwischen so nah auf den Pelz rückt.
Ein Teil der Truppen wird so frei, das Militärkommando setzt sie nun in Ost-Ghuta und Duma ein, um Aleppo intensivieren sich die Anti-Terror-Operationen; beispielsweise ist die Armee wieder in Al-Safira eingerückt, das vor ungefähr einem Monat samt seinem Chemiewerk in die Hände der Rebellenbanden gefallen ist. Außerdem nehmen die Streitigkeiten innerhalb der diversen Rebellenformationen zu, es kommt auch zu bewaffneten Konflikten der Banden untereinander.
Seit ca. Mitte der Woche kommen Nachrichten über verstärkte Kampfhandlungen in Damaskus selbst bzw. den diversen Vororten. Das ist nicht nur Propaganda, sondern zum Teil wahr: die Rebellen versuchen verzweifelt, sich in zwei Richtungen durchzuschlagen und aus Duma auszubrechen. Wenn man bedenkt, dass sie in den vergangenen zwei Monaten schwerste Verluste hinnehmen mussten – nicht weniger als 5.000 Tote im Großraum Damaskus – sowie auch, dass es sichtlich keine nennenswerte Aufstockung ihrer Reihen mehr gibt (die Kindervideos der letzten Tage sprechen Bände), so kann man das, was jetzt aus Damaskus gemeldet wird, sicher nicht als “Erstürmung der Hauptstadt” bezeichnen. Hier geht es schlicht und ergreifend um verzweifelte Versuche der Dschihadisten, die Situation wenigstens irgendwie zum Besseren zu wenden. Man kann von vornherein annehmen, dass diese Versuche zum Scheitern verurteilt sind, denn ohne Reserven und Nachschub sehen sie eher ungesund aus. Andererseits haben sie keine andere Wahl – die Armee macht keine Gefangenen mehr, sofern es sich eben um ausländische Guerilla handelt.
Die Frage ist, wie das mit der Initiative des Moas al-Chatib über Verhandlungen mit der syrischen Führung zusammenhängt. Hängt diese Initiative mit der Verschlechterung der Lage der Rebellen zusammen, oder ist es anders herum – die Lage eskaliert aufgrund dieses Verhandlungsangebots? Bevor solche Verhandlungen beginnen (falls das passiert), werden die Parteien sich alle Mühe geben, ihre Positionen maximal auszubauen.
Die Einschätzung der Armee, dass zur Jahresmitte die wesentlichen Städte und Ortschaften von Banditen befreit sein sollen, sieht so etwas realistischer aus. Wenn der Westen sich nicht zu einer Intervention entschließt – die Möglichkeit bleibt bestehen, wenn sie auch verschwindend gering scheint – so wird der Konflikt dann in den Modus von reinen, relativ lokalen Anti-Terror-Einsätzen übergehen, und bis dahin können die sich nun neu heranbildenden inneren Streitkräfte den wesentlichen Teil der Sicherung übernehmen, wähend die Armee die Grenzen unter Kontrolle nimmt.
Sobald die derzeitigen Durchbruchsversuche um Damaskus zurückgeworfen und die Rebellenbanden wieder in die Ruinen zurückgedrängt werden, wo man sie weiter planmäßig bügeln wird, kommt al-Chatib schätzungsweise mit der nächsten Verhandlungsinitiative mit nun schon neuen Bedingungen.
Als Abspann noch ein kleines Video, das am 6. Februar 2013 in Bustan al-Harir (Provinz Daraa) aufgenommen wurde. Nachdem dieser Ort befreit worden war. Man sieht bei 01:22 einen Blondschopf unter den Soldaten.

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