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180 Mal schneller in Richtung der Roten Linie

Wahrscheinlich eine der 180 neuen
Hightech-Zentrifugen in Natans

Bedroooohliche Nachrichten aus dem Iran: es seien 180 neue Hightech-Zentrifugen im Anreicherungswerk Natans installiert worden. Die Briten finden “Anlaß zur Sorge”, die Amerikaner sehen einen “provokativen Schritt”, und Netanjahu entblödet sich nicht, an seine “rote Linie” zu erinnern.

Was bedeuten aber 180 Zentrifugen? Es gibt einen netten Bericht namens “Aktueller Stand des iranischen Atomprogramms”, herausgegeben von einem staatlichen Institut der Russischen Föderation, publiziert bei ROSATOM. Dort gibt es Einblicke in das Anreicherungswerk in Natans (Stand Ende 2011):

Das Werk in Natans besteht aus zwei Installationen zur Urananreicherung – eine dient der Produktion, die andere der Forschung.

Die erste dieser beiden Installationen dient der Herstellung von niedrigangereichertem Uran (LEU, Low-enriched uranium) bis zu 5% und besteht aus zwei Werken – Werk A und Werk B. Dem Projekt zufolge soll Werk A 8 Blöcke mit je 18 Zentrifugenkaskaden beinhalten. Zum 02.11.2011 sind 3 Blöcke davon fast vollständig installiert – es stehen 53 Kaskaden, von denen 37 bereits zur Gewinnung von LEU genutzt worden sind. Ursprünglich sollte jede der Kaskaden aus 164 Zentrifugen bestehen, zum derzeitigen Zeitpunkt sind in 15 Kaskaden allerdings jeweils 174 Zentrifugen installiert. Alle installierten Zentrifugen sind vom Typ IR-1. In den übrigen 5 Blöcken des Werks A wurden noch keine Zentrifugen installiert.

Die experimentelle Installation in Natans stellt eine Kaskadenhalle dar, in der 6 Zentrifugenkaskaden Raum haben. Diese Installation dient der Forschung und Entwicklung (Kaskaden Nr. 2-5) und experimenteller Arbeit für die Produktion von LEU mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 20% (Kaskaden Nr. 1 und 6). Momentan beinhalten die Kaskaden 1 und 6 je 164 Zentrifugen vom Typ IR-1. In Kaskade Nr. 5 sind 164 Zentrifugen vom Typ IR-2m installiert; auf 54 davon wurden bereits experimentelle Arbeiten durchgeführt. In Kaskade Nr. 4 finden sich 66 Zentrifugen vom Typ IR-4, die allerdings bisher nicht mit Uran-Hexaflorid beschickt worden sind. An den Kaskaden Nr. 2 und 4 werden Versuche durchgeführt, die eine Beschickung einzelner Kaskaden aus je 10 und 20 Zentrifugen mit Uran-Hexaflorid erforschen sollen.

Im Bericht [der IAEA – apxwn] wird angemerkt, dass im Verlauf von etwa einem Jahr, vom 18.10.2010 bis zum 01.11.2011, in der für die Produktion bestimmten Installation 1.787 Kilogramm LEU mit einem Anreicherungsgrad von 5% hergestellt worden sind, innerhalb der Gesamtzeit seit 2007 bis Oktober 2011 insgesamt 4.922 Kilogramm. In der für die Forschung bestimmten Installation sind vom 09.02.2010 (Datum des Beginns einer Anreicherung auf 20%) bis zum 28.10.2011 in den Kaskaden Nr. 1 und 6 insgesamt 79,7 Kilogramm LEU hergestellt worden, wofür man 765,5 Kilogramm LEU aus der Installation für die Produktion von LEU verwendet hat. Auf Angabe der iranischen Seite ist dieses LEU für den Teheraner Versuchsreaktor TRR bestimmt.

Mit anderen Worten: 180 Zentrifugen sind exakt eine Kaskade, zusätzlich zu den schon vorhandenen mehreren Dutzend. Selbst, wenn hier von einer neuen Zentrifugengeneration die Rede ist, so kann deren Effizienz die der bereits vorhandenen wohl kaum um ein Vielfaches übersteigen. Jedenfalls entstammt die obige Reuters-Nachricht also einmal mehr dem Bereich “Meinungsmache” und ist durchaus keine bloße Information.
In den Anreicherungswerken der damaligen Sowjetunion standen hunderttausende Zentrifugen. Für ihren Betrieb wurden eigene Stromkraftwerke errichtet, insgesamt 3% der Stromerzeugung der Sowjetunion gingen für die Urananreicherung drauf. Vor diesem Hintergrund sehen die 180 neuen iranischen Zentrifugen nicht nur blass, sondern geradezu jämmerlich aus.
Der Experte schließt seinen Bericht übrigens mit folgender Anmerkung:

Vom Gesichtspunkt der Entwicklungsperspektiven des iranischen Atomprogramms ist es gerechtfertigt, [im Iran] eigene Kapazitäten zur Urananreicherung zu schaffen.

Wenn hingegen Politiker über das iranische Atomprogramm fabulieren, dann rette sich, wer kann. Tafeln, rote Filzstifte, irgendwelche Striche auf abstrakten und nichtssagenden Diagrammen, Haareraufen, Zeter und Mordio. Der Fachmann sagt simpel: “es ist gerechtfertigt”. Aber die Meinung von Fachleuten interessiert in diesem Kasus niemanden; es ist wie immer: sind die Fakten gegen die Politik, so ist das umso schlimmer für die Fakten.

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