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Große Kehrseiten kleiner Medaillen

Alle Fotos im Artikel: ITAR-TASS
Ein Artikel von ITAR-TASS zur Al-Nusra-Front.
Ungeachtet dessen, dass man unter dem “bewaffneten Arm der syrischen Opposition” gemeinhin die sogenannte Freie Syrische Armee (FSA) versteht, taucht dabei in den Meldungen dazu immer, wie beiläufig, die Phrase “und mit ihr kämpfende radikale Islamisten” auf. Tatsächlich gestaltet sich die Lage zunehmend genau andersherum – es sind die islamistischen Gruppierungen und Einheiten, die eine immer bedeutendere Rolle im syrischen Konflikt spielen und, mehr noch, handelt es sich dabei um transnationale irreguläre Einheiten, in die Leute nach ganz verschiedenen Merkmalen angeworben werden – einzig deren Staatsbürgerschaft spielt dabei keine entscheidende Rolle.
An erster Stelle unter den häßlicheren und tatsächlich gefährlichen Gruppierungen steht die “Unterstützungsfront für das syrische Volk”, Dschabhat al-Nusra li-Ahl asch-Scham, oder kurz: die Al-Nusra-Front. Wie bei jeder Terrororganisation sind die Ursprünge der Al-Nusra-Front vielfach widersprüchlich und nicht belegt. Der Begründer und Leiter der Front ist ein gewisser Abu Muhammad al-Dschulani, die einen Angaben besagen, er sei ein Syrer, andere, dass er ein Araber irakischen Ursprungs sei. Der Name ist höchstwahrscheinlich ersonnen. Al-Dschulani selbst zeigt niemals – auch nicht bei Treffen mit seinen Kampfgenossen – sein Gesicht und ist für jedweden Kontakt mit Außenstehenden nicht zu haben.
Aus dem, was von der Entstehung der Al-Nusra-Front bekannt ist, folgt, dass Al-Dschulani selbst in der Zeit der US-amerikanischen Okkupation des Irak ein Vertrauter von Abu Musab az-Zarqawi gewesen sein soll. Es wurde bereits zwei Mal – 2006 und 2008 – sein Tod vermeldet, jeweils im Irak und in Syrien.
Als Vertrauter von az-Zarqawi kämpfte Al-Dschulani mit diesem gemeinsam in Afghanistan, wonach er zu Beginn der 2000’er mit diesem und einer Reihe von Syrern im Irak eintraf und dort mit der irakischen Al-Kaida gegen die irakischen Schiiten und die US-amerikanischen Truppen kämpfte.
Nimmt man die vermutliche Verbindung zwischen CIA und der irakischen Al-Kaida als gegeben an, so könnte man daraus folgern, dass die Anfang 2012 in Syrien geschaffene Al-Nusra-Front (ihre erste Erwähnung erfolgte am 24. Januar 2012) eines der Glieder der US-Strategie ist, islamistische Terrororganisationen für den Sturz souveräner Staaten einzusetzen. Als Schöpfer dieser Strategie gilt der damalige außenpolitische Block der US-Regierung, namentlich Clinton, Petraeus und Panetta.
Die Al-Nusra-Front ging sofort und auch sehr professionell an die Arbeit – von den 60 Terroranschlägen in Syrien hat sie die Verantwortung für 49 übernommen. Auf diesem Gebiet haben die Kämpfer der Front gewisse prinzipielle Meinungsverschiedenheiten mit der FSA-Führung, welche gegen die Methoden der Front eintritt. Diese Meinungsverschiedenheiten entladen sich auch bereits in Zusammenstößen und reellen Kampfhandlungen der Einheiten der syrischen Opposition untereinander.
Die Al-Nusra-Front verfügt dabei über nicht gering zu achtende Möglichkeiten der Mobilisierung – in erster Linie stützt sie sich dabei auf die irakischen Kollegen. Allein in den ersten Monaten ihrer Existenz hat die Al-Nusra ihre Mannstärke auf um die 5.000 gebracht und hält dieses Niveau in etwa aufrecht, hat dabei die Möglichkeit, Verluste sehr schnell zu kompensieren. Als ein Beispiel: gerade vor einer Woche haben die Kämpfer dieser Front schwere Verluste beim Kampf gegen die syrische Armee bei Al-Safira, südöstlich von Aleppo, erlitten. Die Verluste betrugen mehr als 200 Mann. Und bereits vor einem Tag gab es schon wieder die Meldung, dass um die 1.000 aus dem Irak kommende Bewaffnete der Al-Nusra-Front in der Gegend von Damaskus eingetroffen sind.
Bei alledem ist die Al-Nusra nicht einfach nur eine Kampfeinheit von professionellen Mudschaheddin. Ihre Ideologen widmen der theoretischen Ausbildung und der Schaffung einer ganzen Schicht entsprechender Literatur große Aufmerksamkeit. Es existieren schriftlich formulierte Pläne einer strategischen Ordnung und Visionen eines Nachkriegsszenarios im Nahen Osten. Diese Pläne finden sich in dem recht kompakten, aber mit Informationen reich angefüllten Broschüre “Regionalstrategische Aspekte des Kampfes in Syrien”.
Die Stabskultur der Gruppierung kann man als durchaus wirksam und überzeugend bewerten. Angesichts des nicht allzu hohen Niveaus militärischer Ausbildung in den Reihen ihrer Kommandoebene wird es nicht zugelassen, dass ihre Einheiten einfach nur in die Breite wachsen, sondern dem wird vorgebeugt, indem die Kämpfer einfach in recht kompakte Kampftruppen gesplittet werden. Dabei existiert eine gut organisierte Interaktion der Einheiten untereinander – sowohl auf taktischer Ebene im Kampf, als auch auf operativer Ebene zwischen Einheiten in verschiedenen Regionen in Syrien. Die gewöhnliche Mannstärke einer taktischen Gruppe der Al-Nusra-Front beträgt kaum jemals mehr als 100 Mann. Auf diese Weise kommt man darauf, dass um die 50 taktische Gruppen der Front auf syrischem Gebiet aktiv sein dürften, was es ihr gestattet, praktisch an allen Fronten des syrischen Konflikts präsent zu sein.
Die extreme Brutalität und vollkommene Gleichgütligkeit gegenüber Verlusten innerhalb der eigenen Reihen hebt die Front selbst noch aus dem Spektrum ihrer “Arbeitskollegen” heraus, welche ohnehin schon nicht an übertriebenem Humanismus leiden. Es ist die Urheberschaft der Dschabhat al-Nusra bei den schlimmsten und brutalsten Gewaltverbrechen in Syrien, an Erschießungen von Zivilisten und gefangenen Soldaten sowie an Terroranschlägen, welche Präsident Baschar al-Assad zu der Verlautbarung veranlasst haben, den Kampf gegen diese islamistische Gruppierung bis zu ihrer vollständigen Vernichtung, bis zur Liquidierung ihres letzten Kämpfers zu führen.
Quelle: www.itar-tass.com/c303/657806.html
Datum der Publikation: 22.02.2013

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