Who is Mister Hitto?

Ein kleiner Kommentar von ITAR-TASS zur Ernennung des Übergangspremierministers der Exil-Übergangsregierung namens der syrischen, oder auch nicht syrischen Rebellen. Kaumi hat’s in einem Kommentar fast vorweggenommen: Wer, bittschön, ist denn dieser Herr Hitto?
Mit Mühe und Not und durchaus nicht beim ersten Versuch hat die syrische Opposition es geschafft, einen Übergangs-Premierminister ihrer “Exilregierung” zu wählen. Diesen verantwortungsvollen Posten bekam jemand namens Ghassan Hitto, ein bis dato praktisch vollkommen unbekannter US-Staatsbürger mit syrischen Wurzeln.
Die Benennung des nächsten kaum bekannten Funktionärs auf diesen Schlüsselposten zeugt davon, dass die syrische Elite es nach wie vor nicht für möglich befindet, sich gegen Baschar al-Assad zu positionieren und stattdessen Undercover-Absprachen einer offenen Konfrontation vorzieht. Die bedeutenderen Figuren der syrischen Elite – der Ex-Vizepremier Haddam und der auf mysteriöse Weise aus Syrien verschwundene Manaf Tlass – wünschen nicht, ihre Namen mit dieser recht undurchsichtigen Opposition in Verbindung gebracht zu sehen. Ganz besonders im Lichte dessen, dass letztere komplett von ausländischen Sponsoren abhängig ist.
Die hochgestellten Flüchtlinge, etwa Generäle der syrischen Armee, selbst der geflohene Ex-Premier Riad Hidschab können jedenfalls nicht als flammende “Kämpfer gegen das Regime” eingestuft werden – jeder von ihnen hinterließ eine kriminelle Spur aus Diebstahl und Korruption, jedem von ihnen droht folglich unweigerlich die Festnahme, der sie durch ihre Flucht in die Arme der Opposition entgangen sind. Die kürzliche Flucht eines weiteren hochdekorierten Brigadegenerals namens Mohammed Nour Ez al-Din Khallouf bestätigt nur diese Regel: in seinem von ihm verratenen Heimatland sind Ermittlungen wegen schwerem Diebstahl gegen ihn anhängig.
Die Nichtigkeit der Assad entgegenstehenden Oppositionspolitiker bereitet dem angestrebten Ende des Konflikts, oder auch nur dem Beginn von Verhandlungen, schwere Hindernisse. Und das liegt nicht daran, dass die syrische Regierung es ablehnen würde, mit der Opposition zu reden. Ganz im Gegenteil ist zu diesem Zweck bereits eine hochrangige Gruppe Unterhändler zusammengestellt worden, die auch eine Breite an Entscheidungskompetenzen besitzt. Das Problem besteht im wenig maßgeblichen Einfluss der Oppositionspolitiker unter den Feldkommandeuren der islamistischen Gruppierungen und Brigaden der Freien Syrischen Armee (FSA).
Dazu anzumerken wäre, dass die neuerdings versuchte Unterscheidung der verschiedenen Rebellenbataillone in gewisse “säkulare” und “radikalislamistische” in vielerlei Hinsicht künstlich ist. Die inzwischen veröffentlichte Organisationsstruktr der FSA zeigt bei genauerem Hinsehen, dass Unterschiede zwischen “säkularen” und “islamistischen” Rebellen eher fiktiv sind. Sie sind praktisch alle in dem einen oder anderen Maße mit Al-Kaida-Strukturen verbandelt, manche sind sogar direkte Abkömmlinge aus deren Strukturen. Beispielsweise hat der Stabschef der FSA, Generalmajor Selim Idriss, desöfteren gefordert, die besonders brutale, islamistische Al-Nusra-Front aus der Liste der Terrororganisationen zu streichen. Einer der Befehlshaber der sogenannten “Südfront”, Scheich Zahran Alloush, ist gleichzeitig Kommandeur einer Brigade der Liwa al-Islam, einer Abteilung der Al-Nusra-Front, und Vertrauter von Aiman az-Zawahiri. Oberstleutnant Fatih Hassun, der eine Gruppierung in der Nähe von Homs befehligt, vertritt gleichzeitig die Interessen der Moslembrüder.
Faktisch bietet man Baschar al-Assad damit an, mit Terroristen zu verhandeln. Der Westen, welcher eben solche Leute auf die obersten Positionen bei den Rebellen befördert, führt die Lage somit bewusst in eine Sackgasse. Einerseits würde allein der Fakt von Verhandlungen mit Terroristen das fundamentale Prinzip des Kampfes gegen den Terror als globales Phänomen untergraben. Andererseits würde ein Verzicht auf Verhandlungen selbst mit dieser Mischpoke dem Westen erneut Gelegenheit geben, die Regierung Assad des Unwillens zu zeihen, die Krise auf politischem Wege zu lösen, was wiederum den Grund dazu liefert, die Opposition noch aktiver zu bewaffnen.
Anders gesagt gibt es für Baschar al-Assad bislang einfach keine zurechnungsfähigen und seriösen Verhandlungspartner. Der kaum bekannte und jeglicher Autorität entbehrende, ehemalige Vertreter des mittleren Managements, den man irgendwo hervorholte und auf den Posten eines Premierministers der Exil-Übergangsregierung beförderte, ist ein beredtes Beispiel dafür. Who is Mister Hitto? Das ist sie nämlich, die erste und verwunderte Frage, die man angesichts dieser epochalen Wahl stellen muss. Inwieweit besitzt er Autorität unter den Kommandeuren, wie sieht es mit seinen Möglichkeiten aus, bei diesen seinen Willen durchzusetzen? Und hat er diese Möglichkeiten nicht, läuft die Forderung nach Verhandlungen mit der „Opposition“ nicht letztlich darauf hinaus, mit der Al-Kaida zu verhandeln? Worüber könnte man mit der aber wohl verhandeln?

Quelle: ITAR-TASS, http://www.itar-tass.com/c289/680131.html

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  • Jörg
  • Jörg

    Angesichts der unverhohlenen Invasion der US Diktatur in Syrien sollte Lawrow ankündigen nunmehr doch S-300 Abwehrraketen an den Iran zu liefern, falls das Regime in Washington (und seien Vasallen) nicht sofort von Einmischung / Waffenlieferungen betr. Syrien Abstand nehmen.

  • Anonymous

    Es gibt ein US-amerik. Gesetz, das US-Bürgern verbietet, polit. Mandate anzunehmen, wie Minister oder Staatsoberhäupter anderer Staaten zu werden. Ergo müsste diesem Herrn Hitto die US-amerik. Staatsbürgerschaft entzogen werden. Doch hinsichtlich ihrer Gesetze nimmt es die jeweilige dortige Administation nicht so genau. Es lebe der Rechtsstaat USA!

  • Franz
  • Jörg

    @Petra Moser19. März 2013 21:36

    „Russische S-300 in Abchasien um israelische Angriffe auf Iran zu blockieren“
    Nein, das kann man völlig ausschließen. Denn sogar eine Rakete, die von israelischem Territorium abgefeuert würde, hätte einen viel kürzeren Weg z. B. nach Buschehr als eine Rakete, die in Abchasien gestartet wird. Zu Teheran hin liegt Abchasien zwar etwas näher als Israel – aber da muß man auch noch eine Reaktionszeit für das Abfeuern der S-300 in Abchasien hinzurechen. Noch nicht einmal Teheran könnte man also schützen.
    Hinzu kommt, daß eine israelische Rakete vermutlich von den deutschen Angriffs-U-Booten gestartet würde, die CDU/FDP/SPD/GRÜNE den Israelis geschenkt hatten. Und die könnten direkt vor Irans Küste liegen und von dort abfeuern.

    Nein, nein: Diese Raketen in Abchasien sollen allein Rußland schützen, da die Politik von Jelzin und Putin dazu geführt hat, daß Rußland sich nun bedroht fühlen muß.
    Eine Appeasement-Politik, bei der sogar Chamberlain errötet wäre! Als Putin zahlreiche Überlebende (= Zeugen) in dem U-Boot Kursk ungerettet ließ, sandte er das falsche Signal. Die Alternative wäre keinesfalls notwendig etwa ein Krieg mit den USA/Nato gewesen – oder auch nur eine übermäßig lang anhaltende Verstimmung zwischen Moskau und Washington.

    Mein Problem ist nicht, daß Putin/Medwedew definitiv seit mehr als 10 Jahren einen unbrauchbaren Weg eingeschlagen haben. Jeder macht Fehler, bzw. merkt später, daß es ein Fehler war. Denn das Leben zeigt einem oft erst nach Jahren, was man seinerzeit besser anders gemacht hätte (und wenn sich das Ergebnis zeigt, kann man nicht mehr in die vergangene Entscheidungslage zurück). Das kritisiere ich also nicht!

    Einen Vorwurf muß man aber dann machen, wenn jemand einen – nunmehr erkennbar! – falschen Weg NICHT VERLÄSST.
    Dies vielleicht, weil man nie Unrecht gehabt haben will. Oder weil das Verlassen des alten Weges eine außerordentlich große Kraftanstrengung bedeutet:
    a) Die alte Bewertung muß über Bord geworfen werden und längst vergangene Verhältnisse müssen neu bewertet werden;
    b) die neue Ausrichtung wird innenpolitische Feinde und Fronten heraufbeschwören;
    c) es gibt plötzlich sehr, sehr viel Arbeit in sämtlichen politischen Ministerien und etlichen administrativen Zweigen;
    d) sogar das Verhältnis zu Drittländern ist plötzlich Veränderungen unterworfen;
    e) es gibt zahlreiche neue Gefahrenquellen und Risiken.

    Nur: Dazu muß man sich eben aufraffen!
    Schon zweimal hat sich Rußland / die Sowjetunion auf einem falschen Weg überraschen lassen: Zu Napoleons Zeiten und zu Hitlers Zeiten. Und obwohl man jeweils zu ‚blauäugig‘ war und viel zu spät reagiert hatte, kam man beides Mal „mit blauem Auge“ davon.
    Aber soviel Glück kann man nicht immer haben. Und Väterchen Frost (erfrierende Pferde und steckenbleibende feindliche Truppen) spielt kaum noch eine Rolle heutzutage.

    Schon daß man heutzutage überhaupt ‚Krieg gegen Rußland‘ erwägen muß, zeigt, daß der bisherige Weg falsch ist!

  • Anonymous

    @ Jörg. ich verstehe Deine Bedenken. Nur die jetzigen politischen Verantwortlichen in Moskau wollen nicht mehr zu Tode gerüstet werden, so wie die Atlantisten mit der Sowjetunion gemacht hatten. Somit fehlte das Geld, der Bevölkerung mehr Konsumgüter z.Vfg zu stellen, nebst dem Einbruch des Preises für Erdöl, das ebenfalls in Betracht gezogen werden muss.

    M.E. ist Russland gegen atomare Bewaffnung ausreichend vorbereitet. Für konventionelle Einsätze an seinen Randzonen wird nunmehr aufgerüstet. Die eigentliche Bedrohung, der Russland ausgesetzt ist und noch stärker ausgesetzt werden wird, ist der Terrorismus aus dem Orient.

    • Jörg

      Die Dinge laufen zu lassen und auf die Karte eines nuklearen Vernichtungskrieges (oder der Drohung damit) zu setzen, halt ich für katastrophal: Die Existenz(!) des eigenen Landes wird bei einem nuklearen Schlagabtausch aufs Spiel gesetzt! Wer würde das schon wagen?
      Übrig bliebe dann nur, sich langsam erdrosseln zu lassen durch die Schlinge, die immer ein Stückchen enger um den eigenen Hals gezurrt wird, weil man letztlich – und sehr verständlicher Weise – den Atomkrieg dann doch nicht riskieren mag.

      Dann lieber auf „Väterchen Frost“ setzen – diesmal bereits in der Politik und nicht erst im Krieg! Ja: Unter Väterchen Frost leidet man auch selbst erbärmlich, gar keine Frage. Aber besser man friert erbärmlich, als daß einen der Teufel frißt …. bzw. … „Satans Land“!

      Zur ebenfalls sogar mehrfach vergeblich begonnenen und immer wieder gescheiterten Appeasement-Politik von Zar Alexander I. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._(Russland)

  • Anonymous

    @ Jörg

    Hallo, ich teile die Ansichten des anderen Kollegen Anonym ;), bezügl. der Bedrohungsszenarien.

    Die USA und Ihre Satelliten werden Russland eher durch Zermürbung an der Peripherie via Al Quaida im Kaukasus, Farbenrevoluzzern mit weißen Schleifen und Orangenen Mützen und was weiß ich noch versuchen langsam aber sicher zu zersetzen.

    Ich sehe auch die Gefahr, daß der Versuch einer Hochrüstung um gegen die USA Mitzuhalten eher wie der kalte Krieg für Russland enden dürfte – mit dem totalen Bankrott!

    Denn im Ggs. zu den USA haben die Russen keine FED und Rating-Agenture mit beliebigem Manipulations- und Geldvermehrungspotential. Daher können die USA praktisch die gesamte Welt via Dollar für Ihr Militär und Ihren Konsum arbeiten lassen – die Moderne Form des Tributs sozusagen.

    Die gefährlichste Waffe der USA sind nicht Tarnkappenbomber und Nuklear U-Boote sondern letztlich der US-Dollar, der diese Bewaffnung erst möglich macht. Und via Abwertung oder Manipulation der Wechsel- und Börsenkurse kann die gesamte Welt zur Mitfinazierung herangezogen werden.

    Unter diesen Voraussetzungen muss Russland seine Ressourcen optimiert einsetzen. Ich halte eine ähnlich effiziente und kostengünstige Variante wie der Gebrauch von islamischen Djihaddisten für die bessere Variante. Dafür müsste man geheimdienstlich völlig neue Konzeptionen entwickeln. Strategisch andere Wege und Allianzen anstoßen etc. etc.

    Wenn die USA als eigentlich Hauptfeind der Salafisten es schaffen die Gruppen zu benutzen, warum nicht auch China und Russland gegen den Westen? Die letztgenannten fallen jedenfalls nicht Demokratisierungskriegen bei denen ein und beschützen auch nicht auf Biegen und Brechen Israels Apartheidspolitik im Nahen Osten.

    Gruß

    • Jörg

      „Ich sehe auch die Gefahr, daß der Versuch einer Hochrüstung um gegen die USA Mitzuhalten eher wie der kalte Krieg für Russland enden dürfte – mit dem totalen Bankrott!“

      Entschuldige bitte, aber das ist völliger Unfug!
      Also zunächst zur „Hochrüstung“. Die ‚Rüstung‘ ist kein Zusatzgeschäft sondern eine enorme Quelle des finanziellen BEREICHERUNG! Neben dem Export von Naturschätzen dürfte die größte Einnahmequelle Rußlands die Waffenproduktion sein. Daß die BRD drittgrößter Waffenexporteur der Welt ist, liegt doch daran, daß man damit Geld VERDIENT – und nicht verliert. Die überaus zu Recht bestehenden moralischen Einwände laß ich hier mal weg! Für den Rüstungsverkauf gilt allerdings dasselbe wie für den Sklavenhandel: Wirtschaftlich enorm lukrativ – moralisch aber widerwärtig und völlig inakzeptabel Wenn mir jemand jetzt aber vorträgt, England habe sich seinerzeit durch den Sklavenhandel ruiniert, so widerspreche ich genauso: Es ist eher die abartige Geisteshaltung, die diesem Sklavenhandel zugrunde liegt. Und eben … dieser staatfeindliche LIBERALISMUS!!

      Daß der Ostblock seinerzeit „zu Tode gerüstet“ worden sei, ist ein Reagan’sches Ammenmärchen! Auch wenn die BRD demnächst in den „totalen Bankrott“ sinkt, liegt daß nicht an Krauss-Maffei, Rheinmetall & Co, sondern an der Korruption, den „Privatisierungen“ von Gemeinschaftsvermögen, der asozialen Gewinnverteilung, den vielen Kriegen, dem Desinteresse der Bundesbürger an ihrem eigenen Staat, dem Zerfall des Rechtssystems.

      Die Sowjetunion wurden niemals „zu Tode gerüstet“. Sondern es war diese kranke Staatswirtschaftsideologie des Moskau-Kommunismus. Wir haben inzwischen eine genauso kranke Wirtschaftsideologie: Den Liberalismus. Und führen nun auch zahlreiche ruinöse Kriege.

      Am wirtschaftlichen Aufstieg der USA und der BRD bis ca. 1970 hatte die Aufrüstung einen erheblichen – wirtschaftsfördernden! – Anteil.
      In der Hauptsache aber lag der wirtschaftliche Aufstieg der USA, BRD, Japans, Frankreichs Schwedens usw. natürlich an dem damals noch weitgehende herrschenden Merkantilismus. Erst nach Karl Schiller und Olof Palme kam doch (beginnend mit Helmut Schmidt) diese Ausverkauf des Staates (Krankenhäuser werden „privatisiert“, Gefängnisse werden „privatisiert“, die Wasserversorgung und die Müllentsorgung, die Eisenbahnen und U-Bahnen wurden „privatisiert“, in den USA wurde „deregulated“).
      Der Liberalismus ist nicht anderes als der kaum unterscheidbare Zwillingsbrüder der kommunistischen zentralen Planwirtschaft. Und er ist genauso „ruinös“, bösartig und staats- und Bürgerfeindlich!

      Jede Menge Staatbetriebe und eine „Entprivatisierung“ muß her – bei uns wie in Rußland!
      Noch in den 1960er und 1970er Jahren lief doch der Staatbetrieb Volkswagenwerk wie ein verspakter Eimer. Käfer wie Bully waren sogar in den USA d e r h i t – und später sogar „Kult“! Der Staatsbetrieb Renault in Frankreich lief genauso glänzend. In der BRD wurde der R4 zu d e m Auto der jungen Leute!

      Nun sage ich aber nicht, daß man die wirtschaftliche Sanierung Rußlands auf die Rüstungsproduktion (und -Forschung) stützen sollte – sowenig wie die Sanierung der BRD. Vielmehr soll man sich von „ruinösen“ Liberalismus verabschieden und diese Gangster endlich in den Knast oder in die Folterkammern (Abu Ghreib, Guantanamo) stecken – so wie diese es ja mit ihren Gegnern machen .

      Wie brauchen auch endlich einer vertrauenswürdige STAATSBANK oder STAATS-SPARKASSE, welche den nationalen und auch internationalen Zahlungsverkehr und die privaten Vermögensanlagen der Bürger sichern können!

  • Anonymous

    @ Jörg

    Mal ein paar Worte zu der Rüstung und dem Tod-Rüsten.

    Die UdSSR hatte sich v.a. durch den ruinösen Wettbewerb mit Atomwaffen und Interkontinentalraketen, Atom-U-Boote, strategische Bomber, etc. ruiniert, die natürlich immens teuer in der Produktion und in der Aufrechthaltung der Operationalität und damit aber explizit nicht-exportibel waren. Dadurch konnte man aber niemals einen ökonomischen Return on investment erwirtschaften. Reine Ressourcen-Verschleuderung! Da war nix mit Gewinn, sondern nur immenser Ressourcenverbrauch. Diese Mittel fehlten schmerzlich der UdSSR in anderen Grundlagenforschungsbereichen, z.B. Mikroelektronik, Bio-Medizinforschung, Infrastruktur, …

    Die USA haben aber, weil sie, wie ich schon ausgeführt hatte, über das Schmiermittel Dollar stets Reserven gehabt, die die UdSSR niemals hatte.

    Wer konnte sich schon permament in der eigenen, frei inflationierbaren und manipulierbaren Währung verschulden, außer den USA? Selbst die UdSSR war doch auf Gedeih und Verderb auf Petrodollar-Devisen angewiesen. Nur mit Rüstungsexporten, die v.a. auch für verbündete Partner gegen Rabatte geliefert wurden (teilweise auch mussten – Angola, Mosambik, Kuba, Vietnam, ..) kann ein solches Riesenreich keine Konkurrenz zum Westen und spez. den USA aufbauen.

    Die BRD macht doch den Hauptgewinn weltweit mit der Automobilwirtschaft, die USA u.a. durch Microsoft, Apple, Coca-Cola, McDonalds und zivile Flugzeugexporte durch Boeing. Die Liste kann man fast beliebig erweitern. Die Rüstungs-Exportgewinne kommen da nur noch on-top drauf!

    Ich stimme Deinen Ausführungen zur Liberalisierungspolitik und deren Folgen beginnend ab den siebziger Jahren zu.
    Jedoch ist das hier wirklich nicht der Kern meiner Ausführungen, also anderes Thema.

    Gruß

  • Jörg

    @Anonym20. März 2013 16:46

    Zitat: „Die UdSSR hatte sich v.a. durch den ruinösen Wettbewerb mit Atomwaffen und Interkontinentalraketen, Atom-U-Boote, strategische Bomber, etc. ruiniert“

    M. E. zäumst du das Pferd vom Schwanz her auf. Wenn man eine katastrophale Wirtschaft hat, schmerzt natürlich jeder Ausgabenposten – auch der militärische.
    Aber die ‚Pleite‘ der Sowjetunion hat mit den Militärausgaben am wenigsten zu tun.

    Viel eher könnte man behaupten (ich ersetze Rüstung mit „Landwirtschaft“) : „Die UdSSR hatte sich v.a. durch den ruinösen Betrieb … allein der LANDWIRTSCHAFT … ruiniert“.
    Denn ich erinnere mich an eine Karikatur aus den 1960er oder 1970er Jahren mit einem großen Schild an der Grenze zum Bundesstaat Kentucky mit der Aufschrift: „Kentucky … Brotkorb der Sowjetunion!“.
    Die Sowjetunion mußte massenweise Getreide importieren, obwohl sie, z. B. mit dem „Schokoladenboden“ (meterdicker Humusboden) in der Ukraine, eigentlich unter landwirtschaftlicher Überproduktion hätte stöhnen müssen, wie damals bereits die gute alte EWG.

    Also: Das Militärbudget stellte natürlich eine Belastung dar. Daß man darunter litt, lagt aber nicht am Militärbudget, sondern an der katastrophalen Wirtschaft. Auch ein Rentenalter von 65 könnten wir uns ohne weiteres leisten – das Problem liegt hier ebenfalls nicht am Rentenalter oder der „Überalterung“, sondern daran, daß das Geld an anderen Stellen mit vollen Händen aus dem Fenster oder aber in die Taschen von Gangstern geworfen wird.
    Hinzukommt, daß die Produktion von Rüstungsgütern mit Sicherheit der kleinste Kostenposten des Militäretats war. Gegenüber den vielen Stationierungskosten dürfte die Produktionskosten z. B. eines neuen Nuklearsprengkopfes kaum ins Gewicht gefallen sein.
    Hinzukommt, daß vielleicht „Interkontinentalraketen, Atom-U-Boote, strategische Bomber“ nicht exportiert werden konnten, aber alles andere konnte und wurde. Die SU war sicherlich mindestens der zweitgrößte Waffenexporteur auf der Welt! Exportiert wurde nicht nur in die Länder des Warschauer Pakts sondern auch z. B. nach Syrien, Libyen, Ägypten, Vietnam, China, Kuba, Jugoslawien, Indien, Indonesien (glaub ich), Nordkorea usw. usw.

    Aber laß uns ruhig mal ein Beispiel eines Landes nehmen, das Waffen produzierte, diese aber (praktisch) nie exportierte. Das einen sehr großen Militäretat und eine für eine kleine Bevölkerung sehr große Wehrpflichtarmee hatte. Und das eine gesunde Wirtschaft hatte.
    Ich meine: Schweden.
    Bis auf ein paar Kanonen waren die hochmodernen schwedischen Kampjets (Saab) und hochmodernen U-Boote nicht verkaufbar. Nicht weil die Schweden nicht verkaufen wollten, sondern, weil die jeweiligen Bündnis-Länder zumachten; und die Dritte Welt kaufte lieber billiger aus der Sowjetunion, Frankreich oder den USA.

    Und diese Schweden der 1960er, 1970er und 1980er Jahre blühte und gedeihte! Dies obwohl man die winzigen Produktionsgrößen grundsätzlich selbst entwickelte und selbst produzierte – auch Panzer, Truppentransporter usw. Das war natürlich völlig unökonomisch die wenigen Panzer, Kampfjets, U-Boote, die man braucht, selbst herzustellen. Schweden hätte sich selbstverständlich – sogar zu Kampfpreisen – bei den USA. Frankreich, der BRD, Großbritannien, Italien bedienen können. Aber das wollte man nicht, sondern lieber alles in sehr, sehr, sehr teuer selbst herstellen.
    Und die Folge? SCHWEDEN HATTE DAS HÖCHSTE BRUTTOSOZIALPRODUKT PRO KOPF IN GANZ EUROPA! Und technologisch war es immer an der Weltspitze. Ich erinnere mich noch einen Bestseller der 1960er Jahre von J. J. Servan-Schreiber „Die Amerikanische Herausforderung“. Der Autor kam zu dem Schluß, daß nur 3(!) Länder in der Lage sein würden die (damals) nächste technische Revolution anzuführen: Die USA, Japan und … Schweden!

    Gruß

  • kaumi

    Update:

    Nachdem die faule Frucht Ghassan Hitto in den Obstteller der Opposition gelegt worden ist, macht sich die eine oder andere Pflaume auf und davon…
    Al Chatib hat heute via Facebook seinen Rücktrtt erklärt. Nicht nur als Führer der „Nationalen Koalition“ sondern gleich aus dieser Vereinigung insgesamt.
    Derweil verkündete die „FSA (freie salafistische Armee)“ gestern, die neue Oberpflaume Hitto nicht als Chef einer Übergangsregierung an zu erkennen. A ha…
    Die AL (antiarabische Liga) denkt aber dennoch im Rahmen des aktuellen Treffens darüber nach, Syriens Sitz an eben diese Übergangsregierung zu vergeben. So entwirrt man das Chaos und setzt Akzente!

    Gänzlich was anderes tat sich heute im Golan: die Israelis erwiderten das Feuer (schweres MG-Feuer, lt. breakingnews.sy) nachdem eigene Soldaten (keine Verletzten) aus syrischem Territorium aus beschossen worden waren. Die syrische Regierung trage die Verantwortung für diesen Beschuß „auf israelische Soldaten, die auf eigenem (!) Boden patroullierten“. Ich glaube, die Jungs glauben inzwischen wirklich daran.