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Graffiti in Daraya: Tod dem Bshar und dem Poten!

Syrischer (links) und ein russischer (rechts) Panzersoldat in
Daraya an einem T-72
Vor ein paar Tagen war eine Delegation renommierter russischer Journalisten, Schriftsteller und Politologen zu Gast in Syrien, es gab vielerlei Treffen, u.a. mit Premier Wael Al-Halqi, dazu die mehr oder weniger üblichen Verlautbarungen über die Freundschaft der Brudervölker, und so weiter. Die Gäste haben jeweils ein durchaus großes Stammpublikum in Russland und damit auch einen gewissen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Kurzum, Marat Musin von ANNA-News lud sie ein, sich ein wenig in Daraya umzusehen und sich so direkt vor Ort einen Eindruck davon zu verschaffen, was denn die „syrische Opposition“ dort so treibt und, vor allem, was man davon erkennen kann, welches Weltbild sie antreibt.
Neben den bereits sattsam bekannten massiven Zerstörungen der einstigen 200.000-Einwohner-Stadt haben sie sich in befreiten Gebieten die Graffitis der Rebellenbanden angesehen und teilweise übersetzen lassen, wo das nötig war: ein Teil der Losungen ist nämlich, gar nicht mal so erstaunlich, in (gebrochener) russischer Sprache abgefaßt. Die Anwesenheit von Terroristen aus Tschetschenien (mit diesem Begriff pauschalisiert man in Syrien den gesamten Nordkaukasus) ist bereits hinreichend dokumentiert, wobei die Angaben über deren Zahl freilich schwanken. Man spricht aber durchaus von ein paar Hundert bis Tausend.
Nun denn, Graffitis drücken seit ihrem ersten Auftreten als Höhlenmalereien das Weltbild, Verständnis und die Bestrebungen der Menschen aus, die sie schaffen. Und in Daraya gab es dahingehend einiges zu entdecken. Mit teils interessanten Offenbarungen.
Die folgenden Bilder sind “Stills” aus einer kurzen Videodokumentation, die ANNA-News vorgestern darüber veröffentlich hat. Michail Leontjew und Alexander Prochanow begleiten die Leute von ANNA-News und staunen nicht schlecht. (Bilder sind zwecks Vergrößerung alle klickbar.)
Es geht sanftmütig los. Leontjew zeigt auf eine Inschrift: „Freiheit, oder wir verbrennen das Land!“

(Fehlerhaftes) Russisch in Daraya: „Heute Syrien, morgen Russland!“

„Tod für Russland, es leben die Tschetschenen!“

Mit dem Englischen hapert es auch: die beiden Zombies stellen Baschar al-Assad und jemanden namens „Boten“ dar. Mit letzterem meint man den amtierenden Präsidenten der Russischen Föderation.

Die geopolitischen Ambitionen der Rebellen steigern sich: „Tod für Russland und China!“

Und wieder (ohne Weichheitszeichen): „Tod für Russland!“

Ein frommer wahhabitischer Wunschtraum: „In deinem Palast werden wir beten, Putin!“

BShar und „Poten“, die jeweiligen Präsidenten.

Spätestens seit dem „Synodikon“ der Kirche mit den bekannten Anathemata gegen die Un- und Irrgläubigen ist es Sitte, nicht nur die Ketzer und ihre Lehren zu verdammen, sondern, als Kontrast dazu, gleich dazu noch die Rechtschaffenden zu preisen. Und das sieht in Daraya so aus: 

„Es leben Katar, die Türkei und Israel!“ Wer hätte das gedacht. Eine geradezu phantastische Offenheit und Transparenz.

Zu guter Letzt der Versuch, die Revolution zu exportieren: „Tschetschenen, erhebt euch gegen Russland!“ mitsamt der Unterschrift: „Die Revolutionäre Darayas“.

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Trackback von deiner Website.

  • Naja, diese Graffitis klingen etwas zu phantastisch. Dieses „Freiheit, oder wir verbrennen das Land!“ ist doch die Abwandlung einer Parole, die von Assads Terrorbanden verbreitet wurde: „Assad, oder wir brennen das Land nieder!“

    Hier ein Beispiel: http://www.spiegel.de/international/world/shift-in-balance-of-power-for-rebels-in-wartorn-syria-a-875423-2.html
    „We gazed at the blackened ruins of buildings and saw the graffiti on the walls, with the same words appearing again and again: „Assad forever! Or we’ll burn the country down!““

    Und dass ein Dschihadist „Es lebe Israel“ schreibt ist so wahrscheinlich wie wenn es ein SS-Kämpfer 1943 getan hätte. Nicht nur die Dschihadisten sind alle Israelhasser, auch die Opposition ist kaum besser. Burhan Ghalioun behauptete in seinem antisemitischen Wahn sogar, dass Israel „Assads größter Verbündeter“ ist:
    http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4231153,00.html
    Und die Dschihadisten sagen eher „Zuerst Syrien, dann Palästina“ als „dann Russland“.

    Die Revolutionäre der ersten Stunde in Darayya waren durchaus Einheimische. Zum Beispiel Ghiath Matar, der als Zeichen des friedlichen Protests Rosen an Soldaten verteilte, aber später trotzdem – wie Tausende anderer Syrer – von Schlägern des Regimes zu Tode gefoltert wurde:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Ghiath_Matar

    • Anonymous

      da hat sich wohl einer verirrt!

      …Quellen spiegel, ynetnews, wiki, schlagwoerter wie „SS-Kämpfer“, „Schlägern des Regimes“, „Assads Terrorbanden“.. … pfff

      geht doch wieder zurueck wo du hergekommen, hier wirst du keine guten Nachrichten mit deiner Weltanschauung finden.

    • Laß mal, das geht schon. Arprin ist ja nicht etwa unredlich, da kann man nix sagen. Quellen sind Quellen, er denkt sich ja nichts aus.

      @Arprin: für die Richtigkeit der Übersetzung der russ. Graffiti kann ich mich verbürgen. Es ist, wenn man die Dinge in Daraya verfolgt, auch nicht wahrscheinlich, dass sie nachträglich angebracht worden sind (falls du das meinst). Ist nicht der einzige Ort mit solchem Botschaften..

    • Georg

      @apxwn

      Richtig, ist nicht der einzige Ort. Und deine hier präsentierten Botschaften sind noch die „Light-Version“.
      Schriftzüge wie „Christen nach Beirut, Alawiten ins Grab“ oder „wir wollen keine Freiheit, wir wollen ein islamisches Khalifat“ (beides reimt sich im arabischen) werden auch verbalisiert und skandiert.
      Mein absolutes Lieblingsgraffiti aber steht an einem Haus im Viertel AlHamidiyi/Homs:
      “ Wie unredelich, miserabel und gottlos muss diese Revolution sein, die uns dazu zwingt, dieses mörderische Regime zu unterstützen – gezeichnet: ein ehemaliger Palmyrainhaftierter“ – zur Erklärung: in Palmyra (Tadmor) befindet sich das gefürchtet-berüchtigte Militärgefängnis.

    • Jörg

      @arprin20. März 2013 23:53

      Typen wie dir haben wir es zu verdanken, daß die Deutschland wider einmal der Feind Europas ist und – und ein rückgradlos winselnder Vasall der US-israelischen Diktatur!
      http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=6Sgax5EgKf4

  • Franz

    „Es lebe Israel“ fand ich auch etwas merkwürdig. Das man kurzeitige Bündnisse mit dem Feind eingeht, ok. Aber sowas dann an Wände sprayen?

  • Nobilitatis

    Für mich riecht das nach einem publicity stunt. Die Parolen passen hervorragend in das ideologische Denken der Regierungsvertreter, aber nicht in das Weltbild von Islamisten. Sonst wäre Israel viel präsenter im Geschehen, wenn das offen möglich wäre, wenn sie bei den Regierungsgegnern willkommen wären.

    • Möglich. Aber Israel ist präsent. Es gibt eine Konzentration der IDF auf den Golanhöhen, zeitlich passend zu der Provokation mit chemischen Kampfmitteln im Raum Aleppo. Das abgesehen von den Waffen aus israelischer Produktion, die man zuhauf beschlagnahmt hat (erstmals m.W. nachgewiesen noch im Mai 2012 in Homs).

    • Die Islamisten ticken nicht überall gleich.
      Gottesstaat ja, aber in diesem Fall ist eben Russland der Nachbar.
      Georgin ist ja auch schon lange Pufferzone wo die USA seit Jahren Unruhen anzettelt.

      Zur Erinnerung und in diesem Zusammenhang:

      Ein Interview mit Wladimir Putin zur Lage in Georgien. Es wurde vom Idioten Thomas Roth, am 29.08.2008 geführt.

      Die Antworten Putins sind legendär und bezeugen die Urheberschaft der USA in diesem Unruheherd der bis heute nicht befriedet ist.

      Manchmal wirkt Putin leicht unsicher wenn er Aussagen als seine Meinung darstellen muss.

      Wer denken kann weiss allerdings das er als ehemaliger Geheimdienstler nicht aus dem Nähkästchen plaudern will, schon gar nicht für die ARD und Roth, dessen Russen prügeln (angeblich autoritäres System) unverhohlen ist.

      Gut erkennbar ist auch das Putin gut Deutsch kann.
      Das Interview fand in Sotschi statt (Winterolympiade), sozusagen in Schussweite zu Georgien:
      http://www.youtube.com/watch?v=AePmkBVtPNE
      Das Hauptthema, Südossetien:
      http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdossetien

      Nebenbei ist heute Frühlingsanfang! Tag&Nachtgleiche!
      Ayatollah Khamenei gratulierte allen Iranern, auch denjenigen die im Ausland leben, sowie allen Nationen, die die zum Frühlingsanfang das Neujahrsfest feiern. „Möge Allah sie alle segnen und ihnen im neuen Jahr Freude und Glück zuteil werden lassen.“

      Das morgen beginnende Jahr 1392 stellte Ayatollah Khamenei unter das Motto eines politischen und ökonomischen Kampfeinsatzes(Sale hemaseh-e Siasi und Hemaseh-e Eghtesadi), der in die Geschichtsbücher eingehen werde.

    • Franz

      Bin gespannt was Öcalan’s Ansprache heute.

    • kaumi

      Franz, Nobilitatis

      Und ob diese Messages real sind.
      Es exsitieren ja seit Monaten Videos, in denen „Kommandeure“ der FSA ganz unverhohlen, fast stolz, ihre Sympathiekundgebungen in Richtung Israel verkünden.
      Und Israels Zurückhlatung: Israel ist ein Meister der verdeckten Politik – speziell was Syrien angeht.
      Grundsätzlich gilt, Israel führt Regie, die AIPAC schreibt das Drehbuch, die USA führen aus. Und ein Regisseur spielt selten in seinen eignen Filmen mit. Ausnahmen (Iran) bestätigen die Regel!

  • Franz

    @kaumi
    Das bezweifle ich auch garnicht, nur ging ich bisher davon aus, dass die Bärtigen Israel hassen.

  • Der Krieg in Syrien destabilisiert die Region. Israel muss sich letztlich auf die Grenzen von 1960 zurückziehen.
    Im Übrigen muss nicht nur der Islam reformiert werden; sondern auch das Christentum. Es gibt keinen Gott im Jenseits. Sondern in der Natur gibt es Dinge, die dem Menschen ewig verborgen sind. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

    • Anonymous

      Hallo, Eso-Policier

      Ihre Wahrheit muss nicht die Wahrheit eines Anderen sein. Wenn Menschen an einen Gott im abrahamitischen Sinne glauben wollen, dann sollen sie das tun. Niemand weiss mit Sicherheit was sich hinter dem grossen Vorhang namens Tod verbirgt. Viele glauben nur zu wissen.

      Es waere uebrigens auch hilfreich historische Daten richtig an zu geben, wenn man zu emotional beladenen Themen wie Israel Aussagen trifft. Hier gehe ich davon aus, dass Sie die Grenzen von vor 1967 meinen.

      Gruss,
      HnH

  • @ Anonym
    Es wäre gut, Sie würden sich einen Nick zulegen, damit ich Sie leichter ansprechen kann.
    Die Grenzen vor 1967 bestanden doch auch schon im Jahr 1960. Also ist es eigentlich nicht falsch, was ich geschrieben habe. Zum Thema Religion siehe u. a. meinen Blog.