Syrien: Konstellationen

Nachdem es sich vor wenigen Tagen schon angedeutet hatte, ist es nun soweit: Moas al-Chatib tritt als Chef der „Syrischen Nationalkoalition“ zurück. Man sollte mit der Freude darüber wahrscheinlich nichts überstürzen. Dass es in der „Opposition“ keine Einigkeit gab und gibt, ist ein offenes Geheimnis. Allerdings hatte der Anschein einer Einigkeit zumindest zur Folge, dass man annehmen konnte, in Zukunft würde es zu Gesprächen, Verhandlungen usw. kommen. Diese Illusion ist nunmehr beseitigt, offenbar wird sie nicht mehr benötigt.
Zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Meldungen kommt man eher darauf, dass der Westen die Zerschlagung Syriens um jeden Preis vorantreiben will, auch durch eine (begrenzte?) militärische Intervention unter Missachtung aller gegebenen Prozeduren und des Völkerrechts. Unter diesen Umständen ist eine Opposition, die auch nur eine Illusion möglicher Verhandlungen bedeutet, nicht notwendig. Und es ist wahrscheinlich auch naiv anzunehmen, dass al-Chatib seinen Rücktritt eigenständig entschieden hat.
Auf diese Weise bekommen nämlich erst einmal die diversen FSA- und Islamistenkommandeure und ihre Brigaden freie Hand, in erster Linie der fahnenflüchtige Brigadegeneral Selim Idriss, der in Dresden studierte und heute wohl der Rebellenkommandeur mit dem größten Einfluss sein dürfte – auch bei den Islamisten, für die er mehrfach forderte, die Al-Nusra-Front möge wieder aus der Liste der Terrororganisationen gestrichen werden.
Der Rücktritt des libanesischen Premiers Nadschib Mikati samt Kabinett fällt mit diesen und anderen Ereignissen der Region zusammen. Unter den formalen Gründen, die Mikati anführt, nennt er Unstimmigkeiten mit der Hisbollah und die bewaffneten Auseinandersetzungen in seiner Geburtsstadt Tripoli. Ein Grund wird aber auch sein, dass seine Macht wohl nicht so weit ging, einerseits den Forderungen Syriens nach einer Eindämmung der Aktivität der Terrorbrigaden, welche vom Libanon aus in Syrien operieren, zu entsprechen, und sich andererseits mit den Sunniten Harirs zu einigen. Mikati hatte Mittel weder zu einer militärischen, noch zu einer politischen Beilegung dieses Zwiespalts.
Syrien wird auf diese Weise gezwungen, die Lager der Terroristen auf libanesischem Gebiet weiterhin anzugreifen und damit einen fortwährenden Casus belli zu liefern. Israel und die Türkei haben jetzt, besonders nach jüngsten der „Entschuldigung“ Netanjahus, keinerlei hindernde Umstände mehr dafür, den „Aggressor“ zum Frieden zu nötigen. Der praktische Nutzen der kürzlichen Obama-Visite nach Israel war vielen nicht klar, aber es ist durchaus möglich, dass die Seiten sich geeinigt haben, Syrien gegen eine Unterstützung Israels im Konflikt mit dem Iran einzutauschen. Ein gemeinsamer Schlag Israels und der Türken gegen Syrien könnte sich voll und ganz in dieses Szenario einpassen.
Und genau so gut passt natürlich das jüngste Statement Öcalans über das Ende des bewaffneten Kampfes der PKK gegen die Türkei und einen Rückzug deren bewaffneter Verbände von türkischem Gebiet. Die Türkei bekommt die Hände für gewisse andere Aufgaben frei.
Was haben wir also? Eine Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Türkei samt „Freundschaftsanfrage“, den Rückzug der bewaffneten PKK aus der Türkei bzw. ein Ende des bewaffneten Kampfes, den Rücktritt des pro-syrischen libanesischen Premiers und damit eine Zementierung der von Hariri gedeckten Terroristencamps im Libanon, den Rücktritt al-Chatibs und damit das Ende der (vielleicht schwachen und illusorischen, aber dennoch vorhandenen) Signale auf Versuche einer politischen Beilegung des Syrienkonflikts. Und vor etwas über einer Woche Meldungen über neu aufgebaute israelische Stellungen auf den Golanhöhen (die Meldung beinhaltete etwas über „Erdarbeiten an Schutzwällen“). Man kann die Situation in Zypern auch mit herannehmen. Die wiederum zeugt davon, dass die USA und die EU derzeit ihre Probleme nicht auf die althergebrachte Weise – durch selbst geführte Kriege – lösen können. Also durch Kriege, in denen die Schulden einfach abgeschrieben werden – wie zuletzt in Libyen. In Zypern läuft folglich blanker Raub, und Kriege werden mit den Händen anderer geführt. Anderer, die für Waffen, Know-how, Logistik und Versorgung bezahlen und damit auch die Wirtschaft ankurbeln.
Kurzum, nach Verhandlungen und politischer Lösung sieht es in Syrien erst einmal nicht mehr aus. Die Rebellen sind dabei selbst nicht in der Lage, die Situation militärisch zu ihren Gunsten umzuwerfen, selbst, wenn sie noch mehr Waffen bekommen. In erster Linie kämpfen Menschen, nicht so sehr Waffen. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit einer Militärintervention jetzt um ein Vielfaches höher.

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  • Anonymous

    Syriens Verbündete dürfen eine militärische Intervention nicht zulassen.

    Russland kann doch nicht zusehen wie die Türkei Syrien offen angreift. Alleinschon wegen dem Mittelmeerhafen Tartus.

    Und ein offener Angriff von Isreal auf auf Syrien würde der Iran sofort beantworten. Die Mittel hat er dazu.

    Außerdem würden die Verrückten von Nursa u Co doch Isrealis auffressen wenn diese sich nach Syrien wagen.

    Wenn die Nato etc. in Syrien einmarschieren sollten wäre dies ein zweiter Irak.

    Bleibt also nur die Option Flugverbotszone. Wäre dies technisch und militärisch von der Nato durchführbar? Syrien ist ja von technologischen Stand der Armee ja kein Lybien oder?

  • Anonymous

    Eigenartigerweise habe ich auch schon an obgenannte Szenarien gedacht: Erdogan will Ruhe an der Kurdenfront und auf Anraten der USA bändelt Israel mit der Türkei an. Was wird wohl geschehen, wenn irgend ein oder mehrere Player zur offenen Aggression gegen den syrischen Staat übergehen… Iran, Russland, China.. Werden diese Gewehr bei Fuss stehen..?

    • Russland definitiv nein, Iran sicher, und bei China werden wir kluge Entscheidungen zugunsten des Austarierens von Machtbalancen erleben.

    • ich denke die russischen kriegsschiffe sind nicht zum spaß da, aber idealerweise müssten sie die task force erst mal zusammenkriegen, was jetzt einige zeit dauern wird. vll würden die russen nicht direkt schiessen aber doch zumindest die schiffe nutzen zb für aufklärung. es sind ja mehrere u-boot jäger dabei grad.

  • Israel und die Tuerkei, unterstuetzt vom al-Qaeda profi-Terroristen, werden den Schlag gegen Syrien fuehren. Ich hoffe nicht mehr auf Russland, Russland belaesst es bei leerem Gerede, und Lavrov hat Assad oeffentlich beleidigt – ohne jede Not.
    Wir Syrer sind allein. Wir kaempfen fuer Zivilisation und das Recht. Sterben wir, stirbt die Zivilisation, und das Barbarentum hat gewonnen.

    • Anonymous

      Es ist ein Wahnsinn was in Syrien passiert. Ich wünschte ich könnte helfen..

      Die andere Seite ist das nichts mehr zusammenschweisst als solche Not. Syriens unanbhänigkeit und nationale Einheit müssen verteidigt werden.

    • Das Ding ist: in Russland hat das Barbarentum schon lange gewonnen. Wenn es auch noch Kräfte gibt, die dem entgegenwirken.

    • kaumi

      @ Fatime

      Wir Syrer kämpfen nicht allein. Die angeschlossenen Unterstützer sind vorhanden, operieren aber nicht offensiv-öffentlich.
      Mir ist bekannt, dass praktisch jede größere Aktion im Kampf gegen die Söldner mit russischen Militärberatern abgesprochen ist. Russen sowie Iraner füttern die syrischen Stellen, neben den Informationen, die der syrische Geheimdienst selbst aus festgesetzten „Rebellen“ rauspresst, zusätzlich. Prosyrische Kräfte im Irak, in Jordanien und sogar in der Türkei unterstützen beratend und aufklärend. Und über die Rolle der Hizbollah muss man, denke ich, kein Wort mehr verlieren.
      Die syrische Armee und die „Contrarevolutionäre“ werden weiter unterstützt werden, die Kanäle sind mannigfaltig und sie weiten sich. Panarabische Nationalisten formieren sich quer über alle konfessionellen Grenzen.
      Das Problem fängt da an, wo die westliche Allianz einen offenen Krieg, vielleicht sogar einen Zwei- oder gar Dreifrontenkrieg beginnt. Dann sind die Mittel der syrischen Armee samt Beratern und Informanten oder einigen Hizbollahkämpfern schnell ausgereizt. Dann käme es auf schnelle, konkrete und zielgerichtete Hilfe an: Kämpfer, Waffen, Finanzen, Informationen – einfach gesagt, „Butter bei der Fische“. Und hier scheinen sich die Meinungen über den Grad des Engagements der verschiednen Alliierten Syriens sehr zu unterscheiden. Grundsätzlich können wir alle nur spekulieren.

      Womit ich apxwn Recht gebe, ist die Tatsache, dass ein aggressiveres Vorgehen seitens der NATO-GCC nun wahrscheinlicher erscheint. Aber wenn wir ehrlich sind, hat sich weiterhin nichts geändert. Die Gegenseite Assads war zu keiner Zeit an Verhandlungen interessiert. On nun Ghalioun, Sieda, Chatib, Hitto oder Kermit der Frosch an vorderster Linie standen.
      Zu jeder Zeit gab es ferner Kräfte, die offensichtlich kurz vor der Invasion standen: Die Franzosen mit oder ohne die Türkei, die Türke mit oder ohne den Amis, die Amis mit oder ohne Israel und die Petromonarchien mit allen, Hauptsache rein nach Syrien. Auch hier hat sich m.E. nichts grundlegendes geändert.
      Und immer standen wir vor der Frage: wie weit zieht Russland mit?
      Um mit apxwn`s Worten zu sprechen: in Russland mag des Barbarentum schon längst gewonnen haben – die Frage ist, ob in Russland auch das Idiotentum gewonnen hat? Und das glaube ich eben nicht. Fällt Tartous, dann fällt Syrien und somit der letzte Verbündete der Russen in der arabischen Welt (!), und einen Fuß darein bekäme der braune Bär später nie mehr.

      Nein, meine Furcht geht dahin, dass aus dem einseitigen Konfessionskrieg (Sunniten gegen Schiiten) bald ein beidseitiger Konfessionskrieg wird (auch Schiiten gegen Sunniten), und das auf syrischem Boden. Wenn sich diese beiden Hauprichtungen des Islam einen Vernichtungskampf in Syrien liefern, mit Hundertausenden Nichtsyrern, die für die eine oder andere Seite kämpfen, dann ist Syrien wie wir es kennen tatsächlich verloren. Dann kann man die arabische Geographie neu schreiben und die Landesgrenzen neu definieren. Die Frage lautet: ist das das Endziel USraels?

    • Auch wenn die allgemeine Sicht ob der vielen Falschmeldungen und verdeckten Aktionen stark beeindrächtigt wird, ist klar, worum es den Okkupanten in Syrien geht. Vollkommen losgelöst von herkömmlichen Vorstellungen über Demokratie, Religionsfreiheit oder sonstigen Werten geht es einzig darum, Syrien als Widerpart im Kampf der Finanzglobalisten zur Strecke zu bringen. Die einzelnen politischen wie militärischen Fraktionen werden dabei lediglich als Werkzeug eingesetzt. Deren Schicksal nach der Zerschlagung spielt keinerlei Rolle. Dies gilt insbesondere für die zwischen die Mühlen kommende syrische Bevölkerung. Mit Schaudern und größter Scham beobachte ich das Zusammenwirken der Nato-Länder TR,GB,D,F mit der Fraktion US/Israel von Österreich aus. Die Empörung darüber ist groß die Mittel zum Widerstand verschwindend klein. Wie können wir dazu beitragen, das die Schergen der Rotschild-Dynastie ihre verbrecherischen Ziele in Syrien verfehlen?

  • Tja. Schon seit ein paar Stunden gibt es heftige Kämpfe in einem recht breiten Streifen der Golanhöhen. Es sieht nach einem größeren Durchbruchsversuch von syrischer Seite aus. Die IDF feuert aus allen Rohren. Interessant ist, dass die Rebellenbanden den südlichen Teil der Grenze kontrollieren, die jetzigen Kämpfe sind aber an deren nördlichen Teil. (Quelle: privat aus Israel)

  • kaumi

    Komische Nachrichtenlage im Moment: breakingnews.sy (arabisch) weist israelische Meldungen zurück, wonach ein iranischer Leibwächter Assads versucht haben soll, ihn zu töten. „Assad habe keine iranischen Leibwächter“ soll der Regierungssprecher ausgesagt haben und er wies darauf hin, sich die Urheberquellen dieser Meldung genauer anzuschauen.

    @arprin
    willst du sagen, dass die syrische Armee einen Vorstoß in Richtung besetzes Land versucht oder liegt hier ein Missverständnis vor?

    • kaumi

      …sorry apxwn (mein Speicher sprang bei „a“ auf arprin). Hatte da gerade eine Nachricht verfolgt. Kein Ergebnis.

    • @Kaumi. Sicherlich wird die syrische Armee keinen Vorstoß nach Israel versuchen. Ich habe damit nur die Meldung eines Israelis wiedergegeben, der dort in unmittelbarer Nähe wohnt. Kann ihn auch verlinken: hier. Ich wußte beispielsweise nicht (so genau), dass die Rebellenbanden „den südlichen Teil“ der Grenze zu den okkupierten Golanhöhen kontrollieren. Er wundert sich selbst über die Lage.

      Die Psyop über den Tod oder die Verletzung Assads stammt m.W. von einem Reuters-Journalisten in Kabul und wurde über Twitter angeleiert. In der Tat ist das Detail mit dem Iraner als Leibwächter sofort verdächtig gewesen und weist wirklich auf die Qualität und den Ursprung dieser Falschmeldung.

    • kaumi

      apxwn,

      danke derweil. Ich gehe mit einem komischen Gefühl ins Bett.

    • kaumi

      Soeben läuft folgende Meldung über syrische Ticker:
      Riad Al Assad, einst großes Tier und Oberkommandierender der „FSA“, *soll* heute in Deir Ezzor durch eine Autobombe getötet worden sein. Drei seine Begleiter seien mit getötet worden.

      So, jetzt gehe ich aber wirklich ins Bett. Wird ein langer Tag morgen.

    • kaumi

      Tot ist er nicht, aber er würde es gerne sein:
      “ ich will sterben…“
      http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=_uPfJpK_Ks0

    • Gab noch ein Video mit der Beinamputation. Bäh. Aber er ist es.

  • Hallo Freunde, Russland wird immer wieder als unsicherer Kantonist kritisiert. Allerdings fiehl die dumme Entscheidung zu Libyen unter Medwedew und im Falle Georgiens wurde sehr deutlich Tacheles gesprochen. Die Jelzin-Zeit ist lange her! Was Russland wirklich treibt, Syrien zu uenterstützen – neben vielen vielen Unter-Zielen – ist die langfristige Entwicklungs-Strategie Putins für Russland: nur durch eine engste und v.a. freundschaftliche Verknüpfung/ Verschränkung zwischen Russland und Deutschland, kann sich Russland modernisieren und seine Potentiale ausschöpfen. So würden endlose Ressourcen (Rus.) und Technologie (D.) zusammenkommen. Es gibt weltweit kein besseres und logischeres Paar. Eine solche „Heirat“ setzt jedoch voraus, dass sich Dtl. dauerhaft von den USA abwendet. Das geht am besten, wenn deren Niedergang offensicht ist und beschleunigt wird. Für Putin ist der Krieg in Syrien deshalb eine ideale und zudem für Russland sehr preiswerte Chance, den USA (+ deren Vasallen) ein Fiasko zu bereiten. Deshalb wird Russland auch weiterhin dran blieben. Keine Bange! Putin ist eine Stratege!

    • halfdralf

      „Keine Bange“?
      Du weisst schon, dass die Menschen dort abgeschlachtet werden?!

    • Anonymous

      Abgeschlachtet werden die Menschen dort wenn den „Rebellen“ nicht einhalt geboten wird. Und dazu trägt nunmal Russland wesentlich bei.

    • Jörg

      1.) „Russland und Deutschland“
      Ich stimme Dir in Deiner Intention völlig zu. Beide Länder sollten unbedingt – und endlich! – zusammenarbeiten.

      a) Aber nur „Russland und Deutschland“ ist zu kurz gefaßt. Hier geht es um das GANZE EUROPA. Deswegen muß die – inzwischen völlig tote Europäische Idee wiederbelebt werden!

      Wenn man im Kampf eine gute Idee braucht, aber keine hat, lohnt es sich allemal beim Gegner nachzugucken. Denn – genauso wie man selbst – antizipiert auch der Gegner gerade die gefürchteten Handlungsoptionen des Gegenüber. Und seht mal, was die gegenüber antizipieren: Bereits kurz nach 1989 tauchte plötzlich der Begriff „der Westen“ wieder(!) auf – so als sei der Eiserne Vorhang nie verschwunden. Bizarrer Weise soll Israel zu „der Westen“ zählen und Rußland nicht. Dabei liegt Moskau auch nicht östlicher als Tel Aviv!

      Der Begriff „Der Westen“ ist also ein „Spalterwort“ (um mal in den verstaubten Giftschrank des Springerkonzerns zu greifen), das sich gegen ein wirklich vereintes Europa richtet.
      Dieser Begriff ist also zu meiden, und statt dessen hat man von den „EU Ländern“ oder den „Nato Ländern“ zu sprechen.
      Und die russische Politik sollte sich nicht schämen, vom politischen Ziel eines „Vereinigten Europas“ zu sprechen („Ich habe einen Traum …!“).

      Ein ganz ähnlich alter Begriff, denn ich heutzutage bei Diskussionen immer einfließen lasse, ist z. B. der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“. In den 1960er und 1970er Jahren wurde man damit regelrecht zugedröhnt. Das machte mich schon damals mißtrauisch. Heute weiß ich warum: Um das Jahr 2000 herum verschwand dieser Begriff und wurde ersetzt durch „Marktwirtschaft“. Und sogar dieser wurde in einem nächsten Schritt mit „Der Markt“ ersetzt. Salamitaktik nennt man das!

      Also: Genauso wie „soziale Marktwirtschaft“ wollen wir den Begriff „VEREINIGTES EUROPA“ wieder in Umlauf bringen. Denn die Brüsseler EU, ein US-israelischer Parasit, ist selbstredend nicht „Europa“ – obwohl uns dies die Massenmedien ständig eintrichtern. Wenn dort von „Europa“ gesprochen wird, ist eben nicht „Europa“ gemeint, sondern nur die Brüsseler EU. Und gegen Rußland und Weißrußland wird gehetzt, um vergessen zu machen, daß Europa nach 1989 erneut gespalten wurde.

      Welche Begeisterung herrschte noch in den 1950er und 1960er Jahren für ein „Vereinigtes Europa“! Hätte es diese mißliche Trennung in Blöcken nicht gegeben, hätte die von der Bevölkerung – nicht von korrupten Politchargen! – getragene Bewegung auch Osteuropa entzündet.

      Das US-israelische Imperium fürchtet genau diesen europäischen Gedanken – und führte deshalb sofort nach dem Fall des eisernen Vorhangs den Begriff „Der Westen“ ein (… und die Folter, präsidiale Todeslisten, Kolonialkriege…).

    • @Jörg
      „Bizarrer Weise soll Israel zu „der Westen“ zählen und Rußland nicht.“
      Wird wohl um Kulturen gehen. Wobei da Russland auch eher der Westen wäre… Aber ich glaube, Israel ist da so ein Sonderfall, der nichts mit der geographischen Lage zu tun hat, an der er (vom Westen!?) implantiert wurde.

    • Jörg

      @apxwn25. März 2013 23:19
      Mich hat jetzt doch der Propaganda und „Spalter“-Begriff „Der Westen“ noch etwas interessiert. Wenn die Türkei dazu gehörte – manchmal kann man den Sprachgebrauch der Nato-Medien so verstehen – dann wäre Moskau, schöbe man die Türkei einfach nach Norden, mitten in der Türkei. Nischni Nowgorod wäre die Ostgrenze der Türkei und die Westküste läge auf der weißrussischen Westgrenze.

      Auf en-Wikipedia findet man eine Definition des modernen politischen „Westen“-Begriffs:.http://en.wikipedia.org/wiki/Western_world#Modern_political . Danach käme es (angeblich) auf folgendes an: „liberal democracy“, „the rule of law“, „human rights“ and a „high degree of gender equality“.

      Natürlich ist „liberal democracy“ völliger Quatsch. Denn Demokratie hat nichts mit der bevorzugten Form der Staatwirtschaft zu tun. Als Großbritannien im WK II die „Zuteilungswirtschaft“ (Produzenten durften Rohstoffe oder weiter zu verarbeitende Güter nicht einfach erwerben, sondern mußten warten bis ihnen diese behördlicherseits zugeteilt wurden; Verbrauchern wurden viele Güter ebenfalls nur noch zugeteilt) war GB nicht weniger demokratisch als zuvor.

      Aber sogar wenn man auf „liberal democracy“ abstellen wollte, so ist ja Rußland (leider, leider!) liberalistisch. Putin und Medwedew sind so liberalistisch wie Jelzin oder Ronald Reagan – viel mehr als z. B. das heutige Schweden (.http://denkbonus.wordpress.com/2013/03/25/sozialsysteme-fur-den-arsch )
      Auch die übrigen Voraussetzungen („the rule of law“, „human rights“ and a „high degree of gender equality“) wären im Falle Rußlands gegeben.

      M.a.W.: Der diffuse aber bösartige Spalter- und Kampfbegriff „der Westen“ findet in der Realität gar keinen Halt – sogar nach Wiki würde „der Westen“ Rußland definitiv ein(!)schließen!

  • Anonymous

    nein Russland spielt genau das gleiche Spiel wie die USA nur das es kleinere Brötchen backt. Wäre es an der Stelle er USA in der Machthierarchie würde es jetzt irgendwo rumbomben und die USA würden es kritisieren.

  • Jörg

    @apxwn 25. März 2013 23:19
    Zitat: „Israel ist da so ein Sonderfall, der nichts mit der geographischen Lage zu tun hat, an der er (vom Westen!?) implantiert wurde“
    Ja, „Israel …implantiert“. Aber, nein: nicht „vom Westen“. Den „Westen“ gibt es nicht. Sowenig wie es „Deutschland“ gibt. 1871 wurde ein fiktives Reich „Deutschland“ gegründet, das seither verzweifelt und unentwegt nach einer „nationalen Identität“ sucht. Es gibt aber keine „Identität“ – auch nicht des Individuums – siehe buddh. „Anatta-Lehre“ oder „Die Fragen des Milinda“ – http://www.palikanon.com/diverses/milinda/milinda01.html .

    Rußland wird zunächst in „Deutschland“ keinen Partner finden, weil es (derzeit) „Deutschland“ nicht gibt (die deutsche Sprache gibt es natürlich!). Sowenig wie es „Israel“ gibt. Israel – auch so Schwachköpfe, die nach „nationaler Identität“ suchen. Und dasselbe grausige Schicksal wie es „Deutschland“ seit 1871 erlebt hat, klopft demnächst an „Israels“ Tore!

    Preußen war ein RATIONAL-Staat – kein NATIONAL-Staat (geklaut von Georg Schramm – http://www.youtube.com/watch?v=eSHbF9l27SY )
    Aus Deutschland wird erst dann etwas werden, wenn man sich des „Staates“ erinnert – und nicht TRÄUMEREIEN ANHÄNGT.
    Was „Träumereien“ angeht, staune ich ja, was da von den britischen Inseln kommt! Mein Fernseher wird überschwemmt mit pseudo-mittelalterlichen MÄRCHEN, die da vom UK her rüberspülen: Ritter, Hexen, Drachen! Wir sind aber nicht in der Märchenstunde, liebe britischen Freunde – es gibt auch noch DIE WIRKLICHKEIT! George Orwell („1984“) ist superaktuell im Vergleich zu euch!

    Das Geheimnis des erfolgreichen Staates Preußen (bis er – mehrfach – vernichtet wurde) war, daß man nicht nach „Identität“ suchte, sondern sich von ‚weltlicher Seite‘ her die Vorzüge einer Religion nutzte (von „weltlicher Seite“, weil Religion grundsätzlich im Staatswesen nichts zu suchen hat). Für Preußen war das der damalige (nicht heutige!) Protestantismus. Für das historische China war das der Buddhismus (das sonst so introvertierte China sandte sogar eine Kommission ins gerade untergehende Römische Reich; die heutigen Grenzen Chinas wurden damals (räusper!) „ausgebreitet“). Der unglaublich progressive frühe Islam wäre noch ein Beispiel.

    Solche Bewegungen bringen Anstand, Rückgrad und Pflichtgefühl hervor. Dazu braucht man allerdings keine Religion. Vielmehr braucht man die Erkenntnis, daß man eben auf etwas verzichtet, wenn man es sich nicht leisten kann, daß man nicht lügt, daß man für seinen Nächsten eintritt, wenn ihm/ihr Unrecht geschieht. Und insbesondere: Daß man aufhört zu träumen, und endlich einmal aufwacht und prüft!
    Beispiel für letzteres wäre dieses Foto von Obama, als er angeblich von Sandy Hook hört. Mit landesweiten Überschriften wie (auf deutsch) „Fassungslos erfährt Präs. Obama vom Massaker in der Sandy Hook Schule“. Wer soll das denn glauben?! Soll der Mitarbeiter etwa in Obamas Büro geeilt sein, um zu sagen, „Mr. President, ich habe etwas fürchterliches zu berichten! Aber bitte gedulden Sie sich doch noch eine Viertelstunde bis unser Fotograf da ist.“??!!!
    WER hat denn Armstrong mit der Fernsehkamera(!) – vom (angeblich) Mondboden aus! – aufgenommen, als ersterer den Mondboden betrat. Der Kameramann wäre doch der erste Erdling auf dem Mond gewesen („ein großer Schritt für die Menschheit“) – nicht Armstrong!
    Das sagt doch schon die Logik!

    • Interessante Ausführung Jörg, danke

    • Anonymous

      Einwandfrei!!!

  • kaumi

    Wie wir alle wissen, hat Al Chatib nun doch in Doha am Treffen der AL teilgenommen: als „geladener Gast“, der von seinem Rücktritt (noch) nicht zurücktritt, der Mr. Hitto in seiner Rolle und Funktion bestätigt. So weit, so gut. Aber dann ergriff dieser Mann das Wort, hielt eine Brandrede, und das als „Sprecher des syrischen Volkes“.
    Einige Vertreter der Sitzung sollen applaudiert haben, von einigen wird berichtet, sie hätten verschämt zu Boden geschaut. Ich hätte gelacht, aber ich war nicht eingeladen!

    • Der Status der „Opposition“ in der AL stellt übrigens Brahimis Legitimität in Frage (der ja Sonderbeauftragter der UN und der AL ist)…

    • kaumi

      Na ja, „Legitimation“. Ein sehr großes Wort, und völlig sinnentleert in diesen Wochen.
      Mit welcher Legitimation sitzt die Opposition in Doha? Wann hat das syrische Volk diese Trümmer-Truppe gewählt? Mit welcher Legitimation wurde Hitto positioniert? Von wem gewählt und wer legitimierte diese „Wähler“? Unter welchem Status eigentlich trat Al Chatib in Doha auf? Als Zurückgetretener, als beleidigte Leberwurst? Und wer legitimierte ihn für das syrische Volk zu sprechen?

      Insofern geht Brahimis Legitimität der Herrenrasse am Allerwertesten vorbei.

    • Brahimi ist (oder soll) ja betont nicht zu einer der Konfliktparteien gehören. Jetzt ist er de facto Sondergesandter eines Gremiums, in dem eine der Konfliktparteien hofiert wird. Nicht, dass die AL vorher „neutral“ gewesen wäre, es geht nur um den Posten Brahimis. Der müsste sich jetzt von Rechtswegen von der AL lossagen. Schon aus Anstand.

  • kaumi

    Auf jordanischer Seite scheinen die Vorbereitungen zur Errichtung einer NoFlyZone, vor allem in Golannähe, beendet.
    Ab nächsten Monat sollen Tausende in Jordanien durch US-amerikanische Spezielkräfte ausgebildete bewaffnete Kämpfer in einen syrisch-jordanischen Streifen ausgesetzt werden, die dann die Aufgabe haben, diesen zu sichern und das Einsickern weiterer Bewaffneter zu gewährleisten. Offiziell möchten jordanische Stellen die „Flüchtlinge zurück in ihre Heimat schicken, um nicht in den Konflikt hereingezogen zu werden“ – ich würde sagen, das schafft man am Besten, wenn man nicht seit über 2 Jahren westliche Einheiten an der Grenze zu Syrien mit allem unterstützt, was Syrien schadet, oder?
    http://www.syriatruth.org/news/tabid/93/Article/9512/Default.aspx