Archiv für März, 2013

Anhar frei

Apropos Frauentag. Anhar Kotschnewa, im Oktober 2012 von der FSA entführt und zum Tode verurteilt, ist frei. Heute wurde ihr Blog wieder freigeschaltet, eine kurze, auf heute datierte Eintragung besagt: „Eure Alice ist aus dem Spiegelland zurück. Genaueres später.“
Dass sie frei ist, wird indes auch von ihren Kollegen bestätigt. Wir warten gespannt auf die Berichte.

UPD. Die russischsprachige Ausgabe von RT.com schreibt inzwischen auch, sie sei aus der Gefangenschaft geflohen. Hier die relevanten Passagen:

Die Journalistin Anhar Kotschnewa ist aus der Gefangenschaft bei den syrischen Rebellen geflohen und befindet sich in Sicherheit. Nach langem Umherirren in den Bergen traf sie auf Menschen, die ihr halfen, sich nach Damaskus durchzuschlagen. Von der Befreiung erfuhr man durch ihren Mann (…)

(Sie) konnte sich selbst aus dem Haus befreien, in welchem sie von den Rebellen gefangengehalten wurde; hielt sich in den Bergen versteckt und ist über 15 Kilometer abseits von Straßen durch die Berge gelaufen. Schließlich traf sie auf „die richtigen“ Leute, die ihr dazu verhalfen, in von Regierungstruppen gehaltenes Gebiet zu gelangen…

Na, mal sehen. Unkenrufe von Leuten, die meinten, sie sei nie und nimmer wirklich in Gefangenschaft gewesen, hatten damals vorweggenommen, sie würde einmal auf genau so wundersame Weise freikommen. Wollen wir doch abwarten, was man noch so erfährt.

UPD2. Selbige Meldung nun auch auf dem englischsprachigen RT.com: „Captive ukrainian journalist escapes Syrian rebels“.

Verspätetes zum Frauentag

Samira Ibrahim; Bild: Gigi Ibrahim, Flickr
„(In) quasi letzter Minute kam ans Licht, dass eine der zu ehrenden Frauen, die Ägypterin Samira Ibrahim, eine hasserfüllte Antisemitin und Antiamerikanerin ist… Man fragt sich, wie das amerikanische Außenministerium einer solchen hasserfüllten Frau auf den Leim gehen konnte. Und ob die Amerikaner in der arabischen Zivilgesellschaft wirklich nach den richtigen Verbündeten gesucht haben.“ 
Tatsächlich ist es so, dass wenn schon jemand eine Ehrung für Zivilcourage verdient hat, das zweifelsohne Frau Ibrahim wäre. Abgesehen davon, dass sie eine der ersten Frauen war, die damals auf den Tahrir-Platz gegangen ist, als die Lage noch vollkommen unklar und wahrscheinlich auch hoffnungslos schien, dass sie auch eine der ersten gewesen ist, die es riskiert hat, mit westlichen NGOs zusammenzuarbeiten – auch in den Verliesen des „blutigen Regimes“ bot sie gar dem Militär und dem ganzen Apparat die Stirn und hat’s doch im Endeffekt tatsächlich geschafft, das System zu besiegen. Bedenkt man die Spezifik einer arabischen Gesellschaft, so hat sie nicht nur Zivilcourage, sondern wahren Heldenmut bewiesen, und alle „FeministInnen“ der ganzen Welt wären eigentlich verpflichtet, Samira noch zu Lebzeiten Denkmäler zu errichten. 
Was nun ihre beanstandeten Tweets angeht, so ist Frau Ibrahim eine bekannte pro-palästinensische Aktivistin, mit anderen Worten, und wieder unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Verhältnisse, kann sie per definitionem keine Sympathien für Israel und die Juden hegen. Weshalb sie, wie die Presse ganz richtig bezeugt, sich positiv zum Anschlag in Burgas äußerte und eine relativ blöde Bemerkung zum Thema „11. September“ machte. Außerdem, was weniger aufgebauscht wird, nannte sie während der Tragödie in Libyen die Islamisten Dernas „prächtige Krieger der Revolution“. Aus ihren Ansichten hat sie dabei nie ein Hehl gemacht.
Da kommt man doch ins Grübeln. Bedenkt man: 
  1. die hervorragenden Beziehungen der USA und des State Department im Besonderen zu den arabischen Scheichs, welchselbige solche Anschläge wie den in Burgas sponsorn und sowohl den Staat Israel als auch die Juden generell ganz unverhohlen in die Hölle wünschen, und
  2. die aktive Zusammenarbeit der USA mit den „Revolutionären“ in Libyen, und die Lobeshymnen, die man ihnen 2011 in den Medien sang, 
ist es unmöglich, den Sinn hinter den Einwänden des State Department gegen die junge Ägypterin, die sich tatsächlich um ihresgleichen Willen in wirkliche Gefahr begeben hat und alles riskierte, zu erkennen. 
Klar ist aber zweifellos einmal mehr: kommt man auch nur um ein µ vom durch das jetzige Imperium des Guten verordneten Kurs ab, oder gibt es da auch nur eine Andeutung abweichender Ansichten, so wird die einstige „Zivilcourage“ selbst der eigenen Helden zu einem Grund, diese Leute weltweit an den Pranger zu stellen und schnell wieder zu demontieren. In diesem Sinne, liebe Demokraten: stillgestanden und Schnauze gehalten. Big Brother liebt euch.

Wochenschau, Folge 63

Ich würde ja Thierry Meyssan nicht unbedingt als Kronzeugen für irgend etwas heranziehen. Die Kollegen aus Perm tun’s aber in dieser Folge der „Wochenschau“, was ihnen gegönnt sei. Unvergessen bleibt jedenfalls sein Live-Bericht aus dem Rixos-Hotel im libyschen Tripolis, als dieses von NATO-Kommandos infiltriert und erstürmt wurde.


Die Ereignisse vom Beginn dieses Jahres geben uns einen Grund dafür, uns kurz vom Laufenden abzuwenden und die Lage der Welt etwas globaler zu betrachten. Es hat sehr wichtige Änderungen in den Machtstrukturen der USA gegeben. Wir haben diese schon in vergangenen Folgen im Voraus betrachtet, nun wollen wir einmal sehen, was genau abgelaufen ist.
Der US-Senat hat am vergangenen Dienstag den 66-jährigen Chuck Hagel als Verteidigungsminister bestätigt. Zuvor war seine Aufstellung als Kandidat im House Armed Services Committee ziemlich problematisch verlaufen und fand nur unter einer knappen Stimmenmehrheit statt. Die Ursache dafür war wohl die Unzufriedenheit der Republikaner mit dem Kandidaten sowie eine massive Kampagne der Israel-Lobby gegen ihn.
Die Sache liegt gar nicht so sehr in der Person Hagels begründet. Obama hat für seine zweite Amtszeit eine Mannschaft versammelt, die keinen Zweifel daran läßt, dass er die Spielregeln ändern will. Das ist das wichtigste, denn gleichzeitig wurde John Kerry als US-Außenminister eingesetzt, CIA-Chef ist nun John Brennan. Dabei wurde die alte “Falken”-Mannschaft nicht einfach nur friedlich nach Hause entlassen, sondern aufgrund ihrer Überflüssigkeit faktisch vor die Tür gesetzt.
Wir wollen uns nicht wiederholen und jeden der Neuen einzeln beleuchten, sondern die Position der neuen Obama-Mannschaft insgesamt betrachten. Erstens, und das ist das Wichtigste – diese Neuen sehen Russland nicht als Feind an, sondern eher als Konkurrenten, mit dem man sich zu Schlüsselfragen absprechen kann und auch sollte.
Zweitens, diese Leute haben wohl nicht die Absicht, den Konflikt im Nahen Osten, einschließlich in Syrien, auszuweiten, sondern suchen nach Kompromissen. Drittens, sie haben bezüglich Israels keinerlei Illusionen und halten das Land nicht für die geheiligte Kuh wie ihre Vorgänger. Viertens, sie halten den Iran nicht für das Reich des Bösen und wären bereit, Zugeständnisse zu machen und einen gemeinsamen Ausweg aus der Situation zu suchen. Und schließlich fünftens, sie sind sich der Gefahr des durch die USA selbst herangezüchteten radikalen Islamismus bewußt und haben wohl nicht vor, weiter mit diesem zu liebäugeln.
Das allgemeine Bild sieht für Russland also geradezu günstig aus, doch wollen wir mit solchen Schlüssen nicht voreilig sein und schauen etwas genauer hin.
Recht interessante Schlüsse aus der aktuellen Konstellation zieht der bekannte Politologe Thierry Meyssan. Er ist überzeugt davon, dass Obama dazu bereit ist, den Kurs der US-Nahostpolitik radikal zu ändern. Syrien soll so Gelegenheit bekommen, mit den immer schwächer werdenden Banden “aufzuräumen”, und dem Land sollen internationale Friedenstruppen zur Hilfe gestellt werden. Was wichtig ist: es sollen Truppen aus OVKS-Staaten sein. Diese sollen damit auch zu einem Garant der Stabilität in der Region werden.
Baschar al-Assad soll Verhandlungen mit der Opposition führen, die sich nicht am bewaffneten Kampf beteiligt, und die auch von Russland anerkannt wird, wodurch ein politischer Kompromiss herausgearbeitet werden soll. Letztlich würde so Russland dank seiner Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit in der syrischen Krise hier seine Positionen nachhaltig festigen, Baschar al-Assad wird insofern auch wahrscheinlich am Steuer bleiben und zu einer Symbolfigur des Sieges über die Dschihadisten werden.
Gleichzeitig soll es zum großen Prozess einer kompletten Umformatierung des Nahen Ostens kommen. Russland wird in Syrien als Garant dafür auftreten, dass die Araber nicht über Israel herfallen und umgekehrt. Das israelisch-palästinensische Problem wird unter der Mittlerschaft Syriens und nicht eben zugunsten Israels endgültig beigelegt werden. Der Irak teilt sich, es bildet sich ein kurdischer Staat, die Kurden in der Türkei erhalten ihre langersehnte Autonomie. Die Sanktionen gegen den Iran werden aufgehoben, die Verteufelungen des Landes hören auf, im Ausgleich dafür stoppt der Iran sein Engagement in Lateinamerika.
Und schließlich das interessanteste – Saudi-Arabien hört auf, als einheitlicher Staat zu existieren, was ein Abflauen des Wahhabismus weltweit nach sich zieht. Ohne Sponsoren gibt es eben keinen Wahhabismus.
Sicherlich sind die Prognosen Meyssans sehr gewagt, doch enthalten sie eine Menge an vernünftigen Schlüssen. Beispielsweise sind die USA inzwischen schon nicht mehr in der Lage, ihre militärische Präsenz und die Finanzierung des Arabischen Frühlings im Nahen Osten aufrecht zu erhalten – sie haben genügend eigene Probleme. Das hatten wir schon mehrfach angemerkt.
Weiterhin sehen wir, wie massiv die USA ihre eigene Erdöl- und Erdgasförderung ausbauen. – Sicherlich ist Schiefergas ein ziemlich undurchsichtiges und uneindeutiges Thema, doch es ist schwer, mit Zahlen zu streiten – die Kohlenwasserstoffförderung der USA wächst und wird in recht kurzer Zeit die Fördermengen Saudi-Arabiens übertreffen.
Das könnte zum Rückgang des Interesses an den Saudis als einem Faktor auf der politischen Arena führen. Was wiederum zu einem Umschwenken der gesamten Konzeption der US-amerikanischen Außenpolitik führen wird und bereits schon führt.
Wir sind uns dessen bewußt, dass die meisten unserer Zuschauer sich fragen, woher denn die plötzliche Freigebigkeit der USA gegenüber Russland rührt. — Wie immer gibt es auch hier einen Haken. Obama oder die Kreise, die hinter ihm stehen – je nachdem, wie ihr das gern sehen wollt – haben bei alledem durchaus pragmatische Ziele. Indem sie einen Teil der Verantwortung im Nahen Osten auf die Schultern Russlands legen und sich Israel und Saudi-Arabien vom Hals schaffen, werden die USA ihre Bemühungen im Asiatisch-Pazifischen Raum konzentrieren können.
Das hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, sondern ist ein unzweifelhafter Fakt, der von genügend offiziellen Verlautbarungen und Maßnahmen der US-Regierung bestätigt wird. China wirft durch sein beharrliches Wachstum unvermeidlich die Frage danach auf, wie man es wohl eindämmen kann, wenn die USA ihre Dominanz in der Welt bewahren will. Der Alptraum der Obama-Administration wie auch eines jeden US-Politikers ist eine weitere Annäherung zwischen Russland und China. In absehbarer Zukunft werden wohl viele Bemühungen der USA darauf gerichtet sein, eine solche Annäherung zu verhindern. — Genau deshalb bekommt Russland einen Teil der Verantwortung in Nahost, denn ebenso wie die USA ist Russland eigentlich nicht dazu in der Lage, gleichzeitig in allen Richtungen effektiv zu agieren. Mit anderen Worten, durch ein solches Konzept wählen die Amerikaner das geringere Übel. Sie pflegen damit also durchaus keine Wohlfahrt, wie es hätte scheinen können. Das ist nun jedenfalls wie gewohnt.

Zur Lage am Euphrat

Die Einnahme (weiter Teile) der Provinzhauptstadt ar-Raqqa ist eine durchaus effektive Maßnahme der Rebellenbanden als Antwort auf die Verstärkung des militärischen Engagements der Armee im Norden des Landes. Ein klassisches Beispiel für eine indirekte Strategie; allerdings ist es eher zweifelhaft, dass die Banden die Operation in aller Kürze selbst geplant und durchgeführt haben. Als Minimum kann man voraussetzen, dass eine solche Operation nicht ohne ein professionelles militärisches Kommando irgendwo im Hintergrund abgelaufen ist.
Der Sinn der Einnahme dieser Stadt ist es zuallererst, die für die Befreiung von Aleppo eingesetzten Armeekräfte abzulenken und zu zerstreuen, wo es seit ca. 2 Wochen wieder verstärkt zur Sache geht. Jetzt muss die Armee ihre Aufmerksamkeit einer weiteren Provinz widmen. Die Einnahme der Stadt als solche hat wahrscheinlich keine größeren Schwierigkeiten bereitet, dort gab es von Anfang an bis jetzt keine größeren Aufgebote an Armee- oder Sicherheitskräften, die Regierung der Provinz hat den größten Teil ihrer Kräfte den Flüchtlingen gewidmet – seit Beginn der Gewalt in den umliegenden Provinzen sind um die 500.000 Flüchtlinge in der 250.000-Einwohner-Stadt aufgenommen worden.
Die Frage nach dem “Wie” ist allerdings berechtigt: eine mehr oder weniger in der Wüste gelegene Stadt, flache, offene Gegend, ungetrübte Lufthoheit der syrischen Luftwaffe, die (von der Zahl der Militärflugzeuge und -hubschrauber) eine der schlagkräftigsten der Region ist. Man kann wieder Parallelen zu den Konflikten im Nordkaukasus, also Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan, ziehen. Auch mit der allerbesten russischen Luftwaffe und Luftüberlegenheit haben jeweils eine Handvoll Banditen ganze Städte eingenommen, wonach die regulären Streitkräfte gezwungen waren, bedeutende Kräfte zu deren Befreiung zusammenzuziehen. Budjonnowsk 1995, Kisljar 1996, das Moskauer Dubrowka-Theater 2002, die Schule in Beslan 2004. Auch die beste Luftwaffe kann ein solches Land wie Russland (oder Syrien) nicht permanent und komplett unter Beobachtung haben.
Die aus Daraya bekannte Taktik der Banditen ist ein durchaus anschauliches Beispiel, wie die Verteidigung von ar-Raqqa vonstatten gehen kann – Scharfschützen und kleine mobile Gruppen können die Zeit, die für die Säuberung benötigt wird, durchaus signifikant in die Länge ziehen und so Kräfte binden. Dabei wird gleichzeitig eine zweite offensichtliche Aufgabe der Rebellen gelöst – durch die Kämpfe wird auch diese Stadt unvermeidbar in Schutt und Asche gelegt.
Die international gültigen Normen des humanitären Rechts haben den Rebellen von Anfang an nichts bedeutet. Ihre Taktik ist seit jeher darauf ausgerichtet gewesen, sich in bewohnten Gegenden zu verschanzen und Zivilisten als Schutzschilde einzusetzen. Und in ar-Raqqa gibt es diese, im Gegensatz zu Daraya, en masse.
In und um Damaskus waren und sind Einheiten der Republikanischen Garde eingesetzt, in ar-Raqqa muss man nun auf reguläre Truppen zurückgreifen, unter denen es auch genügend einfache Wehrpflichtige gibt. Das wird sich unweigerlich im Verhältnis der Verluste niederschlagen. Jedenfalls wird die nun notwendige Säuberung eine Wanderung auf Messers Scheide, hier gibt es massig Gelegenheit für Fehlentscheidungen. Denn andererseits bekommt nun die Regierung Zeitnot; sie braucht alsbald einen entschiedenen strategischen Umbruch zugunsten der Armee und ist so zu Risiken gezwungen. Wie es bei solchem Risiko schiefgehen kann, sieht man nun in ar-Raqqa.
Wahrscheinlich wäre es für die Armee sinnvoller, die Stadt nicht gleich wieder zu erstürmen, sondern sie durch die inzwischen ausgerückten Kräfte der 17. Armeedivision abzuriegeln und zu versuchen, einen Korridor für Zivilisten aufzumachen. Und beharrlich in Aleppo weiterzuarbeiten, denn ansonsten hätten die Banden, die man nach ar-Raqqa geschickt hat, ihren Zweck vollauf erfüllt.
Nach jüngsten Meldungen aus Damaskus soll heute eine geschlossene Sitzung des Parlaments stattgefunden haben, auf der die Minister für Verteidigung, Inneres und Auswärtige Angelegenheiten zu den Ereignissen Stellung nehmen. Das, besonders der geschlossene Modus der Sitzung, ist doch ein recht außerordentliches Ereignis.
Ebenso wird mitgeteilt, dass die ersten Flüchtlinge aus ar-Raqqa im 130 Kilometer entfernten Deir az-Zur eingetroffen sind; nach deren Zeugnis fahren die Banditen u.a. auf nagelneuen “Humvees” durch die Straßen der infiltrierten Stadt.

Von den Vorteilen eines Spardiktats

Die Flugzeugträger USS Harry Truman und Abraham Lincoln werden nicht mehr in den Gewässern des Persischen Golf auf Patrouille sein, da das Pentagon im Zusammenhang mit dem “Spardiktat” u.a. die Ausgaben für die US-Kriegsmarine drastisch herunterfährt. 4 der dortigen Fliegergeschwader werden ebenso schrittweise ihre Flugstunden kürzen müssen.
So seltsam das klingen mag, so kommt das kleine Sequester, das zu einem bedeutenden Teil gerade auch die Militärausgaben betrifft, Obama gerade recht. Auf diese Weise festigen sich seine Positionen zur Implementation der Politik, auf die er seine gesamte erste Amtszeit hingearbeitet hat. So glücklich, wie die Karten gerade fallen, kann das kein Zufall sein, freilich muss es sich dabei um Interna der Washingtoner Amtsstuben handeln – und da hat man von hier aus keinen Einblick.
Die wichtigste Aufgabe, die vor der jetzigen US-Regierung liegt, ist der Verzicht auf Cowboy-artige Interventionen und die Rückkehr zur guten, alten imperialen Politik, als die USA für Kriege kein Geld verschwendet, sondern ganz im Gegensatz daran verdient haben. Indem sie Kriege schüren, die durch fremder Leute Hände geführt, in deren Schlußphase sie aber auf Seite der Sieger einsteigen. Für die Republikaner, die traditionell auf eigene militärische Stärke und Präsenz setzen, ist eine solche Herangehensweise psychologisch nur schwer zu verdauen, allerdings kommen auch sie langsam “auf den Trichter”. Es kommt allmählich zu einem gewissen Konsens.
Tatsächlich spielt für die USA als Emittent der Weltwährung die eine oder andere Trillion mehr oder weniger im Budget keine große Rolle; der Überschuss an Geldmasse wird einfach nach Außen verlagert, im Inneren fühlt man sich prächtig. Es wurde bereits nicht nur ein oder zweimal gesagt, dass die Vereinigten Staaten gerade aufgrund ihrer Rolle als Währungsemittent ein geradezu einzigartiges Land sind. Deswegen sind die alljährlichen Tänze um die Schuldengrenze eher ein Element der Politik als eines der Wirtschaft oder der Finanzen.
Durch die “Zwangsvollstreckung” und u.a. die drastische Kürzung des Militärbudets bekommen die Staaten einen wunderbaren Vorwand, ihren Verbündeten mitzuteilen: Jungs, wir sind in Gedanken bei euch; seid tapfer! Aber löst eure Probleme allein. Wir sind in der Nähe, wenn was ist, ruft an. Eine solche Position paßt besser zur neuen US-Politik Obamas. Es sieht so aus, als gehe es hier um eine neue Dimension, auf welche die US-Militärmaschinerie und die ganze Doktrin einer weltweiten Dominanz gehoben werden soll. Während alle anderen weiterhin die unheimlich teuren, mehr oder weniger gestrigen Kriegsspielzeuge kaufen und ihre Pläne auf der Grundlage von Technologien des vergangenen Jahrhunderts schmieden, regnet die US-Dominanz künftig wohl aus ganz anderen sozial- und militärtechnologischen Sphären auf die Welt herab.
Die USA scheinen, als Beispiel, auch eine komplexe Kombination mit dem Iran spielen zu wollen, die im Endeffekt wohl kaum friedliebend sein wird. Dabei lehnen sie es demonstrativ ab, an den konkreten Ereignissen beteiligt zu sein. Der demonstrative Verzicht auf zwei Flugzeugträgerverbände im Persischen Golf, der vom Emittenten der Weltwährung mit finanziellen Schwierigkeiten erklärt wird, hat einen ganz anderen Hintergrund. Die Amerikaner zähmen ja nicht etwa die immer weiter ausufernde Aggressivität Netanjahus, sind gegenüber der sich zuspitzenden Lage in Bahrain – die im Endeffekt zu einer Katastrophe zwischen Saudi-Arabien und dem Iran führen kann – vollkommen gleichgültig, verhalten sich in Ägypten wie die Herren und kümmern sich nicht um die Proteste der Ägypter und insbesondere der Opposition dort. Auch zu Syrien wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit etwas zugeschnitten sein. Beim Verringern der Präsenz in der Region sollen die Karten so gespielt werden, dass sie zu Konstellationen führen, die jede für sich zu einem lokalen oder gar auch einem regionalen Konflikt führen, ob das nun asymmetrische Kriege nach dem Strickmuster “Rebellen vs. Regime” oder klassische Konfrontationen zwischen verschiedenen Staaten sind.
Noch ist das im Detail alles schwer abzuschätzen, aber so einfach trollen sich die Amerikaner nicht. Denn wenn sie einfach so gehen, heißt das, dass die Heilige Stätte sofort durch eine andere Macht besetzt wird. Ihr Name ist Legion China. Obama kann man alles mögliche unterstellen, aber sicherlich nicht, dass er sich dieser Folgen nicht gewahr ist.

Agentenstory

Die libanesische Nachrichtenagentur Asia hat sich die Exklusivrechte an der Veröffentlichung einiger Teile des Dokumentarfilms “Krieg der Geheimdienste in Syrien” (Regisseur: Khadr Awarkh) gesichert. Darin enthalten sind Audio- und Videomitschnitte, die von einem türkisch-französischen Komplott zeugen, dessen Ziel die Liquidierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und des Außenministers Walid al-Muallem war.
Die syrischen Behörden haben über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten die Aktivitäten des türkischen und französischen Geheimdienstes verfolgt, die erst in einem Sturz der syrischen Regierung, und später, nach einigem Scheitern, in der Ermordung des Präsidenten und des Außenministers kulminieren sollten.
Zu einigen der Details weiter unten, vorerst sei angemerkt: diese Nachricht bestätigt lediglich, dass bei jedem beliebigen Ausgang des Krieges die physische Vernichtung Baschar al-Assads für den Westen und die Golfmonarchien offenbar ein unabdingbares Element ist, das nicht nur die unbotmäßige Führungspersönlichkeit eines souveränen Staates beseitigen, sondern auch anderen Führungspersönlichkeiten anderer Länder als ein weiteres warnendes Beispiel dienen soll. Die bestialische Ermordung Gaddafis, die vollkommen offensichtlich vom Ausland gebilligt worden war (ganz egal, wie sehr sich Mahmud Dschibril auch von dem lossagen möchte, was er früher äußerte – er hatte zugegeben, dass es eine ausländische Macht war, welche den Befehl zur Ermordung Gaddafis gab), die mögliche Ermordung Assads, ebenso wie der Terroranschlag in Damaskus im letzten Sommer, bei dem höchste Regierungsmitglieder der Syrischen Arabischen Republik umgekommen sind, all das dient der Abschreckung. Jeder beliebige Führer eines jeden beliebigen Landes muss darauf gefasst sein, dass er im Falle des Versuchs, der Aggression zu widerstehen, physisch vernichtet werden wird. Deswegen heben die möglichen Verhandlungen und das eventuelle Erreichen einer Waffenruhe in Syrien mitnichten die Tatsache auf, dass der Westen sein Urteil über Assad gefällt hat. Und ihn bis zum Ende verfolgen wird.

Nach dem, was die Beiruter Agentur Asia mitteilt, waren türkische und französische Geheimdienstoffiziere an der Ausarbeitung der Pläne beteiligt. Die Türken nahmen traten dabei in den Hintergrund, federführend seien die Franzosen gewesen. Letztere hatten in den Bürogeräumen Walid al-Muallems einen, in denen des Präsidenten mehrere ihrer Agenten, welche sich aus den syrischen Kurden rekrutierten. Die Türken traten mit diesen in Kontakt, indem sie sich als Aktivisten der “kurdischen Opposition” ausgaben.
Die türkischen Agenten waren in einer Firma beschäftigt, die in den Gebäuden des Ministerrats und des Außenministeriums sowie auch des Präsidentenpalasts mit der Gebäudereinigung betraut war. Sie befanden sich derweil alle im Blickfeld der syrischen Spionageabwehr. Die Leute wurden festgenommen; ob sich darunter auch ein türkischer Geheimdienstler befand, wurde von den syrischen Behörden nicht kommentiert. Walid al-Muallem war allerdings besonders bedroht, da einer der angeworbenen Agenten direkt in dessen Kabinett beschäftigt gewesen ist. Sein Name ist Anas al-Husseini, er stammt aus Qamishli. Angeworben wurde er mithilfe des französischen Geheimdienstes von einem weiteren Kurden namens Abu Qordo.
Anas al-Husseini lebte und arbeitete in Damaskus. Seine Aufgabe war es, das Büro des Außenministers mithilfe von Spezialkameras abzufotografieren. Außerdem versuchte er, zwei weitere Spitzel anzuwerben, die im Präsidentenpalast tätig waren. Eine dieser beiden Zielpersonen, obwohl Sunnit und sehr religiös, hat sich vehement dagegen verwehrt, an dieser Sache beteiligt zu sein und ließ die Sache letztendlich auffliegen.

“Full Story” bei Asia: http://www.asianewslb.com/vdcaymne.49nao1kzk4.html