Europäische Dschihadisten

Auch “die Europäer” kommen wohl langsam dahinter, dass von ihrem alterhwürdigen Kontinent aus ein nach europäischen Verhältnissen massiver Zustrom von Islamisten nach Syrien in den Kampf zieht. Aber nicht nur solche, sondern durchaus auch aus der autochthonen Bevölkerung.

Nicht nur in der deutschen, auch in der belgischen Presse gibt es Eingeständnisse dessen, dass der Anwerbeprozess hierzuland Fahrt aufnimmt: “Ich weiß, dass wenigstens hundert Leute aus Belgien dorthin gegangen sind, möglicherweise sind es auch einige hundert. Insbesondere kommen sie aus Limburg, Antwerpen, Mechelen und Vilvoorde. Die jüngsten von denen, die ich kenne, sind 15 oder 16 Jahre alt. Also Kindersoldaten. Ich fürchte, dass das nur noch zunimmt, denn jeden Tag gehen weitere…”

Der belgische Imam meint, diese jungen Leute geraten insbesondere zu den Dschihadisten, darunter besonders oft in die Brigade des Abdel Rahman Ayachi, der ein Sohn des in Brüssel residierenden Hasspredigers Bassam Ayachi ist.

Dass nun Anwerbe- und Mobilisierungsstrukturen auch in Europa geschaffen werden, hat sicher weniger damit zu tun, dass die Humanressourcen in Nahost zur Neige gehen. Es geht hier um etwas anderes, das einen aufhorchen lassen sollte.

Die nirgends nachzulesende, aber anhand des “Arabischen Frühlings” deutlich erkennbare Theorie der asymmetrischen Kriegsführung sieht es vor, dass zum Entfesseln eines solchen Krieges ein gewisser Gärungsstoff notwendig ist – lokale Dschihadisten oder Islamisten, die in der Lage wären, den bewaffneten Kampf gegen die jeweilige Staatsmacht zu beginnen und auf deren “Hilferuf” sich die internationalen Dschihad-Brigaden in Bewegung setzen. Genau nach diesem Szenario begann der Krieg in Syrien, auch wenn es 2011 noch keine solch massiven Mobilisierungsstrukturen im Nahen Osten gegeben hat, durch welche man mittlerweile in der Lage ist, Menschenmassen aus zerrütteten Staatsgebilden gegen unpässliche Regierungen zu werfen.

In dieser Hinsicht ist Syrien, so übel das klingen mag, ein Versuchsfeld. Auf syrischem Gebiet werden eine ganze Reihe an Aufgaben angegangen; eine davon ist die Frage nach der Organisation der asymmetrischen Kriegsführung. In Syrien werden Technologien der Anwerbung und Mobilisierung einer großen Menge an Dschihadisten erprobt, und zwar solcher Massen, die dazu in der Lage wären, sich sehr schnell zu dislozieren und gegen den jeweils aktuellen Feind anzustürmen. Dabei ist trotz des internationalen Charakters neben der Religion auch die Sprache ein verbindendes Element; selbst die nichtarabischen Türken, Europäer, Afrikaner, Asiaten, welche den Koran studieren, können, und wenn schon auf primitivem Niveau, so doch anhand eines sprachlichen Minimums miteinander kommunizieren, das ihnen dabei hilft, sich untereinander zu organisieren.

Vielleicht kommt auch Europa allmählich dahinter: die Dschihadisten, die in den Krieg aufgebrochen sind, kommen auch irgendwann einmal zurück. Nicht alle. Aber die, welche zurückkehren, werden bereit und in der Lage sein, ihre kriegerischen Heldentaten nun schon an ihrem Residenzort zu wiederholen. Ob die europäischen Gewalten dazu in der Lage sind, systematisch gegen auf ihrem eigenen Gebiet stattfindende asymmetrische Kampfhandlungen standzuhalten, ist mehr als fraglich. Deswegen gibt es auch hierzulande langsam Alarm, der sich dann und wann u.a. als realistischere Berichterstattung zu erkennen gibt.

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